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==== Brief von 1882 von Otto Spängler an Franz II. Xaver Gregor Spängler ====
 
==== Brief von 1882 von Otto Spängler an Franz II. Xaver Gregor Spängler ====
ohne Datum [1882] und Umschlag, [[Otto Spängler]] an Franz Spängler:<br /> ''Mein lieber Franz! Ich war recht froh, aus deiner Karte u. dann aus deinem Briefe zu entnehmen, dß du glücklich in Mitte[n] deiner lieben Angehörigen angekommen bist. – Bei einem so hartem schmerzlichen Verluste, wie es der Tod unserer beßten unvergeßlichen Mutter für uns beide war, ist das eigene glückliche Familienleben wol der einzige Trost, der beßte Ersaz! – Ich kann mich an den Gedanken noch immer nicht gewöhnen, meine liebe Mutter nicht wiederzusehen; wie oft im Tage meine ich, sie müßte zur gewohnten Stunde, wie sonst, zur Thüre hereinkommen! Ich weine wol oft u. oft um sie! Allmälig werde ich wol die Fassung wieder gewinnen, um an die Beantwortung all der liebe Briefe und die Abstattung der Besuche gehen zu können. Die Bilder mit den Fotografien habe ich noch nicht erhalten; von den anderen liegen hier 2 Duzend bei. Die Kiste für den großen Kasten habe ich angeschafft; wir werden im Laufe dieser Woche sie erhalten u dann sofort paken. – Die Stockuhr, lieber Franz, würde ich, sowie das Arbeitstischchen der Mutter recht gerne hier behalten. Den Spieltisch hebe ich dir auf; Zur hübschen Couvertdecke übers Bett gehört auch ein gleicher Teppich über den Tisch, welchen ich dir selbstverständlich auch beipaken werde; ebenso die Laufteppiche. Der Spiegel ist beim Vergolden. Zu Andenken habe ich nebst mehreren Schalen, die Spielrequisiten, und einige Bilder, Statuetten etc verwendet'' [vgl. vorstehende Liste] ''. Das schwarzseidene Kleid, ein hübscher Tuchmantel werden gleich dem großen Kafensake [?] eingepakt. Ebenso auch mehrere Gegenstände für Eure Mägde: Arme sind ein Menge gekommen, und haben um Sachen gebeten. Louise hat die minderen Kleidungsstüke, welche weder der Sammlung noch der Aufbewahrung noch des Verkaufes wert waren, dazu verwendet. Auch fand sich eine Menge geradezu wertloser Fleke, Gestelle von Schirmen, Schachteln etc., welche wir um Plaz u Ordnung [?] zu machen, wol einfach wegwerfen mußten. Soll ich im eidenstättigen Vermögensbekenntniße das halbe Keglewichloos angeben, das die Mutter gemeinsam mit uns besaß? Dr Faistauer hat die Rechn[un]g noch immer nicht geschikt. Ist die anruhende Grabschrift recht? Aus deinem Concepte als Vermögensbekenntester entnehme ich, dß du auch den Grabstein unter die Abzugsposten sezen willst. Ist das so Gepflogenheit? – Ich werde bemüht sein, allen deinen Wünschen nach Möglichkeit gerecht zu werden. Mit den herzlichsten Grüßen an dich u deine lieben Angehörigen bin ich wie stets dein Bruder Otto. – Von Louise u den Kindern alles Schöne!''
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ohne Datum [1882] und Umschlag, [[Otto Spängler]] an Franz Spängler:<br /> ''Mein lieber Franz! Ich war recht froh, aus deiner Karte u. dann aus deinem Briefe zu entnehmen, dß du glücklich in Mitte[n] deiner lieben Angehörigen angekommen bist. – Bei einem so hartem schmerzlichen Verluste, wie es der Tod unserer beßten unvergeßlichen Mutter für uns beide war, ist das eigene glückliche Familienleben wol der einzige Trost, der beßte Ersaz! – Ich kann mich an den Gedanken noch immer nicht gewöhnen, meine liebe Mutter nicht wiederzusehen; wie oft im Tage meine ich, sie müßte zur gewohnten Stunde, wie sonst, zur Thüre hereinkommen! Ich weine wol oft u. oft um sie! Allmälig werde ich wol die Fassung wieder gewinnen, um an die Beantwortung all der liebe Briefe und die Abstattung der Besuche gehen zu können. Die Bilder mit den Fotografien habe ich noch nicht erhalten; von den anderen liegen hier 2 Duzend bei. Die Kiste für den großen Kasten habe ich angeschafft; wir werden im Laufe dieser Woche sie erhalten u dann sofort paken. – Die Stockuhr, lieber Franz, würde ich, sowie das Arbeitstischchen der Mutter recht gerne hier behalten. Den Spieltisch hebe ich dir auf; Zur hübschen Couvertdecke übers Bett gehört auch ein gleicher Teppich über den Tisch, welchen ich dir selbstverständlich auch beipaken werde; ebenso die Laufteppiche. Der Spiegel ist beim Vergolden. Zu Andenken habe ich nebst mehreren Schalen, die Spielrequisiten, und einige Bilder, Statuetten etc verwendet'' [vgl. vorstehende Liste, Anm.] ''. Das schwarzseidene Kleid, ein hübscher Tuchmantel werden gleich dem großen Kafensake [?] eingepakt. Ebenso auch mehrere Gegenstände für Eure Mägde: Arme sind ein Menge gekommen, und haben um Sachen gebeten. Louise hat die minderen Kleidungsstüke, welche weder der Sammlung noch der Aufbewahrung noch des Verkaufes wert waren, dazu verwendet. Auch fand sich eine Menge geradezu wertloser Fleke, Gestelle von Schirmen, Schachteln etc., welche wir um Plaz u Ordnung [?] zu machen, wol einfach wegwerfen mußten. Soll ich im eidenstättigen Vermögensbekenntniße das halbe Keglewichloos angeben, das die Mutter gemeinsam mit uns besaß? Dr Faistauer hat die Rechn[un]g noch immer nicht geschikt. Ist die anruhende Grabschrift recht? Aus deinem Concepte als Vermögensbekenntester entnehme ich, dß du auch den Grabstein unter die Abzugsposten sezen willst. Ist das so Gepflogenheit? – Ich werde bemüht sein, allen deinen Wünschen nach Möglichkeit gerecht zu werden. Mit den herzlichsten Grüßen an dich u deine lieben Angehörigen bin ich wie stets dein Bruder Otto. – Von Louise u den Kindern alles Schöne!''
 
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