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| | ''Salzburg 27. 3. 72: Mein innigst geliebter Franz! Deinen lieben Brief habe ich richtig erhalten, und danke dir dafür. Heute erhielt Otto dein Telegram, er schückt aber das geld nicht ab bevor der Brief von dir kömmt. Ich will dir aber nur bemmerken das die großmutter Montag zu mir sagte, Franz soll ja nicht einlegen in den doktor Colegium den doktor SeselXX sagte der großmutter bestimmt du sollst es nicht thun, wen ihr ordentlich Hauß haltet so braucht es dießes nicht indem ja die Fany ohnehin noch ein Vermögen bekömmt, und du ja auch gewiß und stürbe bald eines von Euch beyden, so bekömmt die Fany von der großmutter ja jedenfall so viel das sie leben kan, und stürbe die Fany, so würde es dir nichts nützen, wen auch eingelegt wäre, und überdieß sind diese Institute ja doch nicht so ganz sicher also zu diesen Zweck hoffe ich wirst du das geld nicht brauchen. Verwende ja nicht zu viel geld um der Fany einen Brautschmuck zu kauffen. Den Otto seiner für die Louise hat 130 fl gekostet, er war mit Schmuck gewiß sehr hübsch. Ich bin sehr begierig wen du kömmst, schreibe es uns doch genau, dammit ich mich einrichten kann, die Feyertage bekömmt man ja nichts ordentliches mehr. Nun nur noch einige Tage und ich sehe dich wieder ich freue mich schon recht sehr auf dich. Ich hoffe es wird alles in Ordnung gehen, nur wird es eine rechte He[t]ze werden, bis alles gepackt und geordnet ist und alle Visiten gemacht sind Otto Fany Louise die Kinder grüßen dich herzlich. manches neue wirst du hören wen du kömmst. Lebe recht wohl es küßt und segnet dich von ganzen Herzen deine treue Mutter Spängler.'' | | ''Salzburg 27. 3. 72: Mein innigst geliebter Franz! Deinen lieben Brief habe ich richtig erhalten, und danke dir dafür. Heute erhielt Otto dein Telegram, er schückt aber das geld nicht ab bevor der Brief von dir kömmt. Ich will dir aber nur bemmerken das die großmutter Montag zu mir sagte, Franz soll ja nicht einlegen in den doktor Colegium den doktor SeselXX sagte der großmutter bestimmt du sollst es nicht thun, wen ihr ordentlich Hauß haltet so braucht es dießes nicht indem ja die Fany ohnehin noch ein Vermögen bekömmt, und du ja auch gewiß und stürbe bald eines von Euch beyden, so bekömmt die Fany von der großmutter ja jedenfall so viel das sie leben kan, und stürbe die Fany, so würde es dir nichts nützen, wen auch eingelegt wäre, und überdieß sind diese Institute ja doch nicht so ganz sicher also zu diesen Zweck hoffe ich wirst du das geld nicht brauchen. Verwende ja nicht zu viel geld um der Fany einen Brautschmuck zu kauffen. Den Otto seiner für die Louise hat 130 fl gekostet, er war mit Schmuck gewiß sehr hübsch. Ich bin sehr begierig wen du kömmst, schreibe es uns doch genau, dammit ich mich einrichten kann, die Feyertage bekömmt man ja nichts ordentliches mehr. Nun nur noch einige Tage und ich sehe dich wieder ich freue mich schon recht sehr auf dich. Ich hoffe es wird alles in Ordnung gehen, nur wird es eine rechte He[t]ze werden, bis alles gepackt und geordnet ist und alle Visiten gemacht sind Otto Fany Louise die Kinder grüßen dich herzlich. manches neue wirst du hören wen du kömmst. Lebe recht wohl es küßt und segnet dich von ganzen Herzen deine treue Mutter Spängler.'' |
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| | + | ==== Brief vom 27. März 1872 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== |
| | + | Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit kleinem Umschlag, Marke 5 kr. aufgeklebt; rotes Lacksiegel "F. Sp."; Poststempel "Mödling 27…" [verwischt], rückseitig "Wien…" [verwischt] und "Salzburg Stadt 28/3 9-10 Früh 72"; "Frl." [unterstrichen:] "Fanny Schlegel // [unterstrichen:] Salzburg // Marktpla[t]z" [ohne Nr.]. Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich:<br /> |
| | + | ''Mödling 27 März 1872 // früh // Meine liebe Fanny! // Deinen Brief erhielt ich gestern mitten zwischen dringenden Geschäften, so dß ich nicht früher als ich zu Mittag aus der Kanzlei ging, denselben lesen konnte. Ich hätte ihn auch gerne noch gestern beantwortet, fand aber ebenfalls die Zeit nicht me[h]r. // Ich habe Dir nur zunächst zu berichten, dß der hiesige Pfarrer keine Bestätigung über die Verkündigung in Salzburg bege[h]rt. // Dann war ich Montags auch bei Lorinser, u holte die Lampe ab, die ich unverse[h]rt hieher brachte. Min[n]a ist noch nicht zurü[c]k, sondern wird erst am 2. April nach Wien kommen, daher wa[h]rscheinlich erst am 4. nach Salzburg reisen, so lange gedenke ich wo[h]l nicht zu warten, wenngleich ich den Tag meiner Ankunft heute noch nicht bestimmen kann. Jedenfalls wäre es mir angene[h]m, wenn ich die Antwort auf diesen Brief schon freitags bekommen könnte. /'' |
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| | + | ''Die Sendung der Statuten habe ich erhalten. Der Urlaub ist in der Dauer von 4 Wochen nun bereits schriftlich bewilligt, u. es hat daher von dieser Seite die Reise kein Hinderniß. Soll ich also die Rundreisebillets für Südtirol – Venedig – Triest ne[h]men? Der Frau Emma Schumacher habe ich mich aus bereits halb im Ernste, halb im Scherze für Donnerstag 4. April angekündet; es dürfte dies aus verschiedenen Gründen der zwe[c]kmäßigste Tag sein. Die Ueberschüttung mit Uhren läßt sich am Ende noch ertragen, wenngleich mir statt die eine etwas anderes lieber gewesen wäre Daß aber dem Otto u Carl, die im selben Hause waren, u. schlecht sich ins Einverne[h]men se[t]zen konnten, dieß passi[e]rte, ist wirklich sonderbar. Übrigens<ref>Sonst verwendet er in der Großschreibung "Ue", vgl. oben "Ueberschüttung", hier anscheinend doch einen ü-Strich, zumindest ohne "e".</ref> beiden meinen Dank. Bei diesem Anlaße muß ich dich fragen was bezüglich der Einladung von Carl u Rudolf Spängler u deren Frauen beschloßen wurde, die wir damals zu Weihnachten noch nicht definitiv bestimmt hatten? // Daß Ludwig die Funktion des Brautfü[h]rers / übernimmt, ist mir ganz angene[h]m. Du wirst doch mit dem Anfertigen der Kleider fertig werden, bis ich hinauf komme, denn da hättest Du wo[h]l keine Zeit me[h]r, u. ich würde Dir noch kaum Ruhe dazu lassen, es wird am besten sein ich komme nicht eher als bis Du mir anzeigst, daß dieß "wichtige" Werk vollendet ist. Ich muß aber hier schon gleich beise[t]zen um Mißverständniße zu vermeiden, dß ich "wichtig" ja nicht ironisch, sondern im vollen Ernste gemeint habe.'' |
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| | + | ''Am Montage habe ich wo[h]l oft daran gedacht, was wir über 14 Tage am 8 ten April machen werden. Aus Deiner Erinnerung im le[t]zten Briefe glaube ich zu entne[h]men dß die Absicht ist, die Trauung auf 11 Uhr erst anzuberaumen, mir wäre es fast lieber um 10 Uhr, einige Zeit vergeht ohnehin immer, bis alle beisammen sind. Nur ob die Damen alle bis 10 Uhr fertig werden, könnte die Frage sein. // Noch muß ich 2 recht prosaische Angelegenheiten besprechen. 1) ich werde also meinen Koffer nach Salzburg mitbringen, damit wir entweder / den meinen od den Eurigen auf die Hochzeitsreise mitne[h]men können, je nachdem der eine od andere uns besser taugt, meinen Reisesa[c]k aber werde ich nicht mitne[h]men, sondern ich meine, wir sollten auch einen in Salzburg kaufen, da der meinige doch zu garstig schon ist. // 2) Du hast ja nichts dagegen, wenn ich meinen neuen schwarzen Anzug schon zu den Einladungen u. Brautvisiten trage, u nicht erst zur Trauung selbst zum ersten Male ne[h]me; ich mu[ü]ßte ja sonst 2 schwarze Anzüge mitne[h]men. //'' |
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| | + | ''Auch möchte ich Dich bitten, die Großmutter zu fragen, ob ich nicht für die Zeit Ihres Alleinseins hier eine mir bekannte Familie allenfalls direkter Reitlachner [?] od auch eine andere, ersuchen soll, dß sie sich im Fall des Bedarfes an dieselben wenden dürfe; in welchem Fall ich vor meiner Abreise noch da mit denselben hierüber sprechen würde. // Hiemit glaube ich alle geschäftlichen Dinge erwä[h]nt zu haben, schließe aber auch hiemit, weil ich über Tag doch nicht Zeit fände, weiter zu schreiben. Ich füge noch bei, daß gestern Abends'' [unterstrichen:] ''hier das Oratortium "Paulus" von Mendelssohn ganz gut aufgefü[h]rt wurde. Auf baldiges frohes Wiedersehen // Mit herzlichem Gruße u. Kuße // Dein treuer Franz'' |
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| | ==== Brief vom 28. März 1872 von Fanni Schlegel an Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== | | ==== Brief vom 28. März 1872 von Fanni Schlegel an Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== |
| | Brief von Fanni Schlegel (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18):<br />''Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXXIII erh. 29/3 beantw 31/3''; inliegend Zweig und verblasstes Foto der Fanni Schlegel]: ''Salzburg, 28. März 1872. 7 ½ Uhr Abends. – Mein lieber Franz! Es war mir heute nicht möglich, zu schreiben, doch werde ich den Brief noch auf die Hauptpost schicken und hoffe doch, daß du ihn morgen noch bekommst. Allein ich muß mich auf ganz kurze Beantwortung deiner verschiedenen Fragen beschränken. – Lida bekam einen Brief von Minna, daß diese vielleicht erst am 6. kommen wird, es wäre also jedenfalls zu spät daß du sie begleiten könntest. Und ich habe doch immer die Hoffnung, du kommst schon in den Feiertagen, ist es nicht so? Daß du den Urlaub bekommst, ist mir schon lieb, wenn du noch mit der besprochenen Frau einverstanden bist, so sei so gut und besorge die Karten. Ich hoffe, daß die Reiseerinnerungen einst mit zu den schönsten gehören werden. – Es ist beschloßen worden, daß Karl und [[Rudolf Spängler]] sammt deren Frauen jedenfalls geladen werden.'' | | Brief von Fanni Schlegel (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18):<br />''Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXXIII erh. 29/3 beantw 31/3''; inliegend Zweig und verblasstes Foto der Fanni Schlegel]: ''Salzburg, 28. März 1872. 7 ½ Uhr Abends. – Mein lieber Franz! Es war mir heute nicht möglich, zu schreiben, doch werde ich den Brief noch auf die Hauptpost schicken und hoffe doch, daß du ihn morgen noch bekommst. Allein ich muß mich auf ganz kurze Beantwortung deiner verschiedenen Fragen beschränken. – Lida bekam einen Brief von Minna, daß diese vielleicht erst am 6. kommen wird, es wäre also jedenfalls zu spät daß du sie begleiten könntest. Und ich habe doch immer die Hoffnung, du kommst schon in den Feiertagen, ist es nicht so? Daß du den Urlaub bekommst, ist mir schon lieb, wenn du noch mit der besprochenen Frau einverstanden bist, so sei so gut und besorge die Karten. Ich hoffe, daß die Reiseerinnerungen einst mit zu den schönsten gehören werden. – Es ist beschloßen worden, daß Karl und [[Rudolf Spängler]] sammt deren Frauen jedenfalls geladen werden.'' |