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''So viel man hört, will sich Alles wunderschön machen zu unserer Hochzeit, und ich sage immer, die Leute werden finden, "daß Alles sehr elegant ist, wenn auch die Braut nicht viel frißt." Habe ich Recht? Es wird mit wahrer Leidenschaft geschneidert, doch muß das Notwendige bis Samstag Abend fertig werden, da ich die le[t]zte Woche meines Hierseins ganz gewiß zu keiner rechten Arbeit mehr komme. Was übrig bleibt, muß ich laßen und erst in Mödling machen, da kannst du gleich erleben, wie so ein "wichtiges Werk" in Scene gese[t]zt wird. Deine gute Mutter meint, wir werden es dem Herrn Prälaten überlaßen müßen, wann die Trauung sein soll. Wenn es ausführbar wäre, möchte ich mich gern nach der Trauung fotografi[e]ren laßen. Ich meine, wir sollten blos einen Koffer, keinen Reisesack brauchen. Was den schwarzen Anzug betrifft, bin ich mit deinem Vorschlag einverstanden. Noch eins zur Kleiderfrage, falls du etwas von Kleidern hättest, das für dich unbrauchbar geworden ist, dürfte ich dich wo[h]l bitten, es mitzubringen und unserm Schützling Hinterholzer zukommen zu laßen? Wegen Großmutter wäre es wo[h]l gut, wenn du sie an Irgendjemand empfehlen könntest, um wenn nöthig, ihr an der Hand zu gehen. Auch bittet dich Großmutter, ihr für sie und Kathi zwei kleine Zimmer in dem Gasthause zu bestellen. Großmutter will allein schlafen, und es macht auch nichts, wenn Kathi nicht im selben Stockwerk ein Zimmer bekommt. Nun lebe recht wo[h]l und komm‘ nur bald! ich möchte daß dieß der le[t]zte Brief wäre, vor der Hochzeit. Behalte lieb deine Fanni. – Großmutterr grüßt. –'' [quer klein:] ''Vielleicht kannst du die Frau Wirthin auch ersuchen, daß sie der Großmutter ein wenig an die Hand geht. Ob Angermayer so gut wären, sie am Westbahnhof zu empfangen? Was meinst du?''
 
''So viel man hört, will sich Alles wunderschön machen zu unserer Hochzeit, und ich sage immer, die Leute werden finden, "daß Alles sehr elegant ist, wenn auch die Braut nicht viel frißt." Habe ich Recht? Es wird mit wahrer Leidenschaft geschneidert, doch muß das Notwendige bis Samstag Abend fertig werden, da ich die le[t]zte Woche meines Hierseins ganz gewiß zu keiner rechten Arbeit mehr komme. Was übrig bleibt, muß ich laßen und erst in Mödling machen, da kannst du gleich erleben, wie so ein "wichtiges Werk" in Scene gese[t]zt wird. Deine gute Mutter meint, wir werden es dem Herrn Prälaten überlaßen müßen, wann die Trauung sein soll. Wenn es ausführbar wäre, möchte ich mich gern nach der Trauung fotografi[e]ren laßen. Ich meine, wir sollten blos einen Koffer, keinen Reisesack brauchen. Was den schwarzen Anzug betrifft, bin ich mit deinem Vorschlag einverstanden. Noch eins zur Kleiderfrage, falls du etwas von Kleidern hättest, das für dich unbrauchbar geworden ist, dürfte ich dich wo[h]l bitten, es mitzubringen und unserm Schützling Hinterholzer zukommen zu laßen? Wegen Großmutter wäre es wo[h]l gut, wenn du sie an Irgendjemand empfehlen könntest, um wenn nöthig, ihr an der Hand zu gehen. Auch bittet dich Großmutter, ihr für sie und Kathi zwei kleine Zimmer in dem Gasthause zu bestellen. Großmutter will allein schlafen, und es macht auch nichts, wenn Kathi nicht im selben Stockwerk ein Zimmer bekommt. Nun lebe recht wo[h]l und komm‘ nur bald! ich möchte daß dieß der le[t]zte Brief wäre, vor der Hochzeit. Behalte lieb deine Fanni. – Großmutterr grüßt. –'' [quer klein:] ''Vielleicht kannst du die Frau Wirthin auch ersuchen, daß sie der Großmutter ein wenig an die Hand geht. Ob Angermayer so gut wären, sie am Westbahnhof zu empfangen? Was meinst du?''
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==== Brief vom 30. März 1872 von Franz Spängler an Fanni Schlegel ====
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Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]] mit großem Umschlag, Briefmarke 5 kr. aufgeklebt; rotes Lacksiegel "F. Sp."; Poststempel "Mödling 30/3 72", rückseitig "Salzburg Stadt 31/3 9-10 Früh 72"; "Frl." [unterstrichen:] "Fanny Schlegel // [unterstrichen:] Salzburg // Marktpla[t]z N 10 II Sto[c]k". Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; XX = unleserlich:<br />
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''Mödling 30 März // 1872 // Meine liebe Fanny! // Heute früh erhielt ich Deinen freundlichen Brief, für den ich Dir bestens danke, u dessen Mitteilungen ich mit ebenso interessanten erwidern kann. Ich war gestern Nachm in Wien, u war bei Bake [?], wo ich mich mit eigenen Augen überzeugte, dß die Sessel bereits fertig u Kanape[e] u Fauteuils in der Vollendung begriffen ist. Auch hat Irmler nach Versicherung der Frau des Bake die Sachen schon in Arbeit genommen Gestern kaufte ich auch den schwarzen Anzug, u Cylinder, ferner eine[n] Operngu[c]ker für die Reise; auch habe ich gestern ½ K[la]ft[e]r [klein darüber:] kleingeha[c]ktes Buchen-Holz gekauft, damit die Großmutter gleich etwas Holz zum Kochen hat. / Endlich habe ich gestern Früh bereits begonnen einzupa[c]ken, sowo[h]l die Sachen, die hier bleiben, als auch schon [?], welche ich mitne[h]me Einige alten außer Gebrauch gese[t]zten Kleider werde ich für Hinterholzen mitbringen. // ''
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''Was meine Abreise von hier betrifft, so wird es mir kaum möglich sein, früher als Montags von hier abzukommen, da ich gerne möglichst wenig Rü[c]kstände zurü[c]k lassen möchte. // Mit der Wirtin werde ich schon sprechen, u. ebenso werde ich den Direktor Raitlachner ersuchen, dß er u seine Frau nötigenfalls der Großmutter an die Hand gehen, dasselbe Ersuchen werde ich auch noch an den Bezirksrichter u dessen Frau richten. Frau v Angermay[e]r wird mir gewiß / die Gefälligkeit erweisen die Großmutter am Westbahnhofe'' [zu] ''erwarten; es wird dann Sache der Großmutter sein, sie von dem Tage der Ankunft zu verständigen, einstweilen werde ich sie darum ersuchen. // So nun wäre das Geschäftliche besprochen, u. ich glaube nichts vergeßen zu haben. // Wie ist es, wirst Du mich dießmal am Bahnhofe erwarten? Es wäre wo[h]l se[h]r schön u erfreulich, u. ich glaube, dießmal könnte Dich niemand irgend etwas dagegen sagen. // Wenn ich also nicht schon am Montag früh komme, und nicht noch eine Gegenteilige Nachricht kömmt, so hoffe ich am Dienstage früh Dich wieder umarmen zu können, worauf ich mich herzlich freue. Beiliegend sende ich Dir ein Veilchen'' [liegt bei, Anm.] ''das ich gestern in'' [unterstrichen:] ''unserem Garten gepflü[c]kt habe. / ''
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''Daß es noch se[h]r viel auch in Salzburg zu tun geben wird, ist natürlich, u wir werden unter Tags nicht viel Zeit haben, um ungesto[ö]rt beisammen zu sein. Doch die Abende sollen hoffentlich doch uns gehören. Min[n]a wird also nach Deiner Mitteilung noch später kommen; am Ende unterhält sie sich so gut in Pesth'' [Budapest, Anm.] '', dß sie gar nicht kömmt. // '' [folgt eine flüchtige Schrift mit mehreren Durchstreichungen und Änderungen:] ''Indem ich dem baldigen u XX Dauer in den mündlichen VerkXX alles Gute hoffend und freudig entgegensehe, grüße ich Dich herzlichst u. rufe Dir aus ganzem Herzen zu: Auf ein frohes glü[c]kliches Wiedersehen. // Ich kann nicht umhin, Dich noch auf jenes Gedicht aufmerksam zu machen das für heute trifft: "Herr du hast alles wo[h]l gemacht", u das mir besonders gut gefällt. // Ich schließe diesen Brief, voraussichtlich den le[t]zten vor unserer Hochzeit (N 89)<ref>Er hat auf vielen Umschlägen die Briefe durchnummeriert.</ref> mit der Bitte um Gottes Segen für uns beide, u. mit herzlichem Gruße u Kuße u verbleibe // Dein treuer Franz''
 
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