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==== Brief vom 28. März 1872 von Fanni Schlegel an Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
 
==== Brief vom 28. März 1872 von Fanni Schlegel an Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
Brief von Fanni Schlegel (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18):<br />''Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXXIII erh. 29/3 beantw 31/3; inliegend Zweig und verblasstes Foto der Fanni Schlegel]: Salzburg, 28. März 1872. 7 ½ Uhr Abends. – Mein lieber Franz! Es war mir heute nicht möglich, zu schreiben, doch werde ich den Brief noch auf die Hauptpost schicken und hoffe doch, daß du ihn morgen noch bekommst. Allein ich muß mich auf ganz kurze Beantwortung deiner verschiedenen Fragen beschränken. – Lida bekam einen Brief von Minna, daß diese vielleicht erst am 6. kommen wird, es wäre also jedenfalls zu spät daß du sie begleiten könntest. Und ich habe doch immer die Hoffnung, du kommst schon in den Feiertagen, ist es nicht so? Daß du den Urlaub bekommst, ist mir schon lieb, wenn du noch mit der besprochenen Frau einverstanden bist, so sei so gut und besorge die Karten. Ich hoffe, daß die Reiseerinnerungen einst mit zu den schönsten gehören werden. – Es ist beschloßen worden, daß Karl und [[Rudolf Spängler]] sammt deren Frauen jedenfalls geladen werden.''
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Brief von Fanni Schlegel (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18):<br />''Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXXIII erh. 29/3 beantw 31/3''; inliegend Zweig und verblasstes Foto der Fanni Schlegel]: ''Salzburg, 28. März 1872. 7 ½ Uhr Abends. – Mein lieber Franz! Es war mir heute nicht möglich, zu schreiben, doch werde ich den Brief noch auf die Hauptpost schicken und hoffe doch, daß du ihn morgen noch bekommst. Allein ich muß mich auf ganz kurze Beantwortung deiner verschiedenen Fragen beschränken. – Lida bekam einen Brief von Minna, daß diese vielleicht erst am 6. kommen wird, es wäre also jedenfalls zu spät daß du sie begleiten könntest. Und ich habe doch immer die Hoffnung, du kommst schon in den Feiertagen, ist es nicht so? Daß du den Urlaub bekommst, ist mir schon lieb, wenn du noch mit der besprochenen Frau einverstanden bist, so sei so gut und besorge die Karten. Ich hoffe, daß die Reiseerinnerungen einst mit zu den schönsten gehören werden. – Es ist beschloßen worden, daß Karl und [[Rudolf Spängler]] sammt deren Frauen jedenfalls geladen werden.''
    
''So viel man hört, will sich Alles wunderschön machen zu unserer Hochzeit, und ich sage immer, die Leute werden finden, "daß Alles sehr elegant ist, wenn auch die Braut nicht viel frißt." Habe ich Recht? Es wird mit wahrer Leidenschaft geschneidert, doch muß das Notwendige bis Samstag Abend fertig werden, da ich die le[t]zte Woche meines Hierseins ganz gewiß zu keiner rechten Arbeit mehr komme. Was übrig bleibt, muß ich laßen und erst in Mödling machen, da kannst du gleich erleben, wie so ein "wichtiges Werk" in Scene gese[t]zt wird. Deine gute Mutter meint, wir werden es dem Herrn Prälaten überlaßen müßen, wann die Trauung sein soll. Wenn es ausführbar wäre, möchte ich mich gern nach der Trauung fotografi[e]ren laßen. Ich meine, wir sollten blos einen Koffer, keinen Reisesack brauchen. Was den schwarzen Anzug betrifft, bin ich mit deinem Vorschlag einverstanden. Noch eins zur Kleiderfrage, falls du etwas von Kleidern hättest, das für dich unbrauchbar geworden ist, dürfte ich dich wo[h]l bitten, es mitzubringen und unserm Schützling Hinterholzer zukommen zu laßen? Wegen Großmutter wäre es wo[h]l gut, wenn du sie an Irgendjemand empfehlen könntest, um wenn nöthig, ihr an der Hand zu gehen. Auch bittet dich Großmutter, ihr für sie und Kathi zwei kleine Zimmer in dem Gasthause zu bestellen. Großmutter will allein schlafen, und es macht auch nichts, wenn Kathi nicht im selben Stockwerk ein Zimmer bekommt. Nun lebe recht wo[h]l und komm‘ nur bald! ich möchte daß dieß der le[t]zte Brief wäre, vor der Hochzeit. Behalte lieb deine Fanni. – Großmutterr grüßt. –'' [quer klein:] ''Vielleicht kannst du die Frau Wirthin auch ersuchen, daß sie der Großmutter ein wenig an die Hand geht. Ob Angermayer so gut wären, sie am Westbahnhof zu empfangen? Was meinst du?''
 
''So viel man hört, will sich Alles wunderschön machen zu unserer Hochzeit, und ich sage immer, die Leute werden finden, "daß Alles sehr elegant ist, wenn auch die Braut nicht viel frißt." Habe ich Recht? Es wird mit wahrer Leidenschaft geschneidert, doch muß das Notwendige bis Samstag Abend fertig werden, da ich die le[t]zte Woche meines Hierseins ganz gewiß zu keiner rechten Arbeit mehr komme. Was übrig bleibt, muß ich laßen und erst in Mödling machen, da kannst du gleich erleben, wie so ein "wichtiges Werk" in Scene gese[t]zt wird. Deine gute Mutter meint, wir werden es dem Herrn Prälaten überlaßen müßen, wann die Trauung sein soll. Wenn es ausführbar wäre, möchte ich mich gern nach der Trauung fotografi[e]ren laßen. Ich meine, wir sollten blos einen Koffer, keinen Reisesack brauchen. Was den schwarzen Anzug betrifft, bin ich mit deinem Vorschlag einverstanden. Noch eins zur Kleiderfrage, falls du etwas von Kleidern hättest, das für dich unbrauchbar geworden ist, dürfte ich dich wo[h]l bitten, es mitzubringen und unserm Schützling Hinterholzer zukommen zu laßen? Wegen Großmutter wäre es wo[h]l gut, wenn du sie an Irgendjemand empfehlen könntest, um wenn nöthig, ihr an der Hand zu gehen. Auch bittet dich Großmutter, ihr für sie und Kathi zwei kleine Zimmer in dem Gasthause zu bestellen. Großmutter will allein schlafen, und es macht auch nichts, wenn Kathi nicht im selben Stockwerk ein Zimmer bekommt. Nun lebe recht wo[h]l und komm‘ nur bald! ich möchte daß dieß der le[t]zte Brief wäre, vor der Hochzeit. Behalte lieb deine Fanni. – Großmutterr grüßt. –'' [quer klein:] ''Vielleicht kannst du die Frau Wirthin auch ersuchen, daß sie der Großmutter ein wenig an die Hand geht. Ob Angermayer so gut wären, sie am Westbahnhof zu empfangen? Was meinst du?''