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| | ''Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXX erh. 18/3 beantw 19/3''; großes [Efeu-]Blatt beliegend; siehe unten]: ''Salzburg 16. März 1872. – Mein lieber Franz! Ich hatte mich schon sehr auf deine lieben Zeilen gefreut und ich danke dir herzlichst dafür ferner auch für das Veilchen, welches sogar noch ein wenig duftet. Ich sehe mit großer Freude, daß du meiner dich oft erinnerst, und kann dir nur sagen, daß meine Gedanken oft und oft bei dir weilen. Meine ganze je jezrge jetzige'' [sie schreibt, wie damals üblich, "jezt", zögert aber offenbar bei dieser Schreibung, Anm.] ''Thätigkeit weist mich immer auf das nun schon so nahe Ziel hin, auf unser, so gebe Gott, glückliches Beisammensein! Wo wir etwa über 4 Wochen sein werden? Seit Mittwoch ist meine Ausstattung sowie sämmtliche Hochzeit[s]geschenke aufgestellt, und unsere Bekannten machen sich die Unterhaltung die Sachen anzusehen. Die vielen neuen und hübschen Dinge sehe ich selbst gern an und ich denke dabei immer wie alles so schön in unserer gemeinschaftlichen Wohnung sein wird. Ich freue mich schon, wenn ich Alles dort ordnen werde. Ich hoffe, es soll uns Beiden recht wo[h]l und behaglich werden in unserer lieben neuen Heimat. Hier komme ich mir schon beinahe wie ein Fremdling vor, so sehr richten sich immer meine Gedanken auf das mit dem Tage unserer Vermä[h]lung beginnende neue Leben. Aus deinen Zeilen glaube ich zu sehen, daß du auch nicht mehr frei von Fieberanfällen bist, aber den dich überkommenden zu ernsten Stimmungen mußt du nicht zu sehr nachgeben. Es würde mich recht betrüben, wenn ich denken müßte, du seiest verstimmt, viel lieber höre ich, daß du dich erheiterst wie neulich, wo du mit Albert und Emma beisammen warst. Daß ich dir keine weitern Details erzählte von Emmas Hochzeit erklärt sich sehr einfach durch die Kürze der Zeit, die ich für den Brief verwenden konnte. Ich gebe hie[r]mit freilich die Erlaubniß zur allfälligen Revanche. Wenn ich etwas mehr Gewohnheit im Küßen erlangt habe, mußt du dir schon selbst die Schuld daran beimeßen, das ist einfach Erziehungsresultat.'' | | ''Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXX erh. 18/3 beantw 19/3''; großes [Efeu-]Blatt beliegend; siehe unten]: ''Salzburg 16. März 1872. – Mein lieber Franz! Ich hatte mich schon sehr auf deine lieben Zeilen gefreut und ich danke dir herzlichst dafür ferner auch für das Veilchen, welches sogar noch ein wenig duftet. Ich sehe mit großer Freude, daß du meiner dich oft erinnerst, und kann dir nur sagen, daß meine Gedanken oft und oft bei dir weilen. Meine ganze je jezrge jetzige'' [sie schreibt, wie damals üblich, "jezt", zögert aber offenbar bei dieser Schreibung, Anm.] ''Thätigkeit weist mich immer auf das nun schon so nahe Ziel hin, auf unser, so gebe Gott, glückliches Beisammensein! Wo wir etwa über 4 Wochen sein werden? Seit Mittwoch ist meine Ausstattung sowie sämmtliche Hochzeit[s]geschenke aufgestellt, und unsere Bekannten machen sich die Unterhaltung die Sachen anzusehen. Die vielen neuen und hübschen Dinge sehe ich selbst gern an und ich denke dabei immer wie alles so schön in unserer gemeinschaftlichen Wohnung sein wird. Ich freue mich schon, wenn ich Alles dort ordnen werde. Ich hoffe, es soll uns Beiden recht wo[h]l und behaglich werden in unserer lieben neuen Heimat. Hier komme ich mir schon beinahe wie ein Fremdling vor, so sehr richten sich immer meine Gedanken auf das mit dem Tage unserer Vermä[h]lung beginnende neue Leben. Aus deinen Zeilen glaube ich zu sehen, daß du auch nicht mehr frei von Fieberanfällen bist, aber den dich überkommenden zu ernsten Stimmungen mußt du nicht zu sehr nachgeben. Es würde mich recht betrüben, wenn ich denken müßte, du seiest verstimmt, viel lieber höre ich, daß du dich erheiterst wie neulich, wo du mit Albert und Emma beisammen warst. Daß ich dir keine weitern Details erzählte von Emmas Hochzeit erklärt sich sehr einfach durch die Kürze der Zeit, die ich für den Brief verwenden konnte. Ich gebe hie[r]mit freilich die Erlaubniß zur allfälligen Revanche. Wenn ich etwas mehr Gewohnheit im Küßen erlangt habe, mußt du dir schon selbst die Schuld daran beimeßen, das ist einfach Erziehungsresultat.'' |
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| − | ''Also Willi Gattermayer wird nicht mein Brautführer sein, da er je[t]zt schon hier ist, und gestern seine Prüfungen vollendete, kann er nicht wieder'' [aus Wien] ''heraus kommen. Weißt du, daß ich statt desssen denke, ob ich nicht doch Ludwig ersuchen soll, mein Brautführer zu werden, da er bei Emmas Hochzeit so lustig war, wäre es ihm vielleicht nicht zuwider. Auch Lida meint, daß er gern bei unserer Hochzeit wäre. Was meinst du? Ich denke wir würden erst wenn du hier bist mit Ludwig darüber sprechen. Als ich Samstags ankam, fand ich zu meiner großen Freude einen Brief von meiner so sehr verehrten Frau v. Daume [?]. Tags darauf bekam ich einen von den Schreibers aus Stuttgart. Ich werde jedenfalls, ehe ich Salzburg verlaße, diese Briefe beantworten.'' | + | ''Also Willi Gattermayer wird nicht mein Brautführer sein, da er je[t]zt schon hier ist, und gestern seine Prüfungen vollendete, kann er nicht wieder'' [aus Wien, Anm.] ''heraus kommen. Weißt du, daß ich statt desssen denke, ob ich nicht doch Ludwig ersuchen soll, mein Brautführer zu werden, da er bei Emmas Hochzeit so lustig war, wäre es ihm vielleicht nicht zuwider. Auch Lida meint, daß er gern bei unserer Hochzeit wäre. Was meinst du? Ich denke wir würden erst wenn du hier bist mit Ludwig darüber sprechen. Als ich Samstags ankam, fand ich zu meiner großen Freude einen Brief von meiner so sehr verehrten Frau v. Daume [?]. Tags darauf bekam ich einen von den Schreibers aus Stuttgart. Ich werde jedenfalls, ehe ich Salzburg verlaße, diese Briefe beantworten.'' |
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| | ''An Hochzeit[s]geschenken erhielt ich noch Folgendes: Von Anna Zillner und deren Mutter ein sehr hübsches Theegeschirr für 2 Personen, samt Theeserviet[t]en, von Betti Katzinger die versprochene Couvertdecke und heute zwei Bettvorlagen von Herrn Bürgermeister Spängler. Ich wollte, ich ko[ö]nnte dir je[t]zt schon Alles zeigen, es sieht so nett aus, wie Alles so beisammen ist. Weißt du, was noch abgeht? Fensterpolster. Ich weiß nicht ob ich welche bekomme, aber du könntest mal so gut sein, mir nächstens anzugeben wie breit und lang ein Fensterpolster sein müßte, vielleicht läßt sich etwas machen, da nächste Woche die Garnitur überzogen wird. Wir wählten bei Spängler einen grünen gemusterten Wollstoff aus, von dem ich hoffe, daß er dir gefallen wird. – Doch nun für heute gute Nacht, morgen füge ich hoffentlich noch etwas bei. Sind auch die Glassachen schon gekommen? – | | ''An Hochzeit[s]geschenken erhielt ich noch Folgendes: Von Anna Zillner und deren Mutter ein sehr hübsches Theegeschirr für 2 Personen, samt Theeserviet[t]en, von Betti Katzinger die versprochene Couvertdecke und heute zwei Bettvorlagen von Herrn Bürgermeister Spängler. Ich wollte, ich ko[ö]nnte dir je[t]zt schon Alles zeigen, es sieht so nett aus, wie Alles so beisammen ist. Weißt du, was noch abgeht? Fensterpolster. Ich weiß nicht ob ich welche bekomme, aber du könntest mal so gut sein, mir nächstens anzugeben wie breit und lang ein Fensterpolster sein müßte, vielleicht läßt sich etwas machen, da nächste Woche die Garnitur überzogen wird. Wir wählten bei Spängler einen grünen gemusterten Wollstoff aus, von dem ich hoffe, daß er dir gefallen wird. – Doch nun für heute gute Nacht, morgen füge ich hoffentlich noch etwas bei. Sind auch die Glassachen schon gekommen? – |
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| | ''Sonntag 17. März, 9 Uhr – Guten Morgen, mein Lieber, wie hast du geschlafen? Ich hoffe, du bist nicht verstimmt, sondern denkst vergnüglich wie ich, daran, daß nur noch zwei kurze Wochen zwischen heute und dem Tage unserer Wiedervereinigung liegen. Je[t]zt ist es gerade eine Woche, daß du mich zum le[t]zten Male beim Abschied umarmtest. Es war doch recht lieb, daß du uns noch eine Strecke begleitetest, ich freute mich auch sehr darüber. Die Heimfahrt kam mir viel kürzer vor, als die Reise von hier nach Wien, wo ich zum Schluße schon so ungeduldig war, dich endlich zu sehen.'' | | ''Sonntag 17. März, 9 Uhr – Guten Morgen, mein Lieber, wie hast du geschlafen? Ich hoffe, du bist nicht verstimmt, sondern denkst vergnüglich wie ich, daran, daß nur noch zwei kurze Wochen zwischen heute und dem Tage unserer Wiedervereinigung liegen. Je[t]zt ist es gerade eine Woche, daß du mich zum le[t]zten Male beim Abschied umarmtest. Es war doch recht lieb, daß du uns noch eine Strecke begleitetest, ich freute mich auch sehr darüber. Die Heimfahrt kam mir viel kürzer vor, als die Reise von hier nach Wien, wo ich zum Schluße schon so ungeduldig war, dich endlich zu sehen.'' |
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| − | ''Alle wundern sich, daß Großmutter und ich so gut aussehen seit der Wiener Reise. Ich bin schon recht froh, daß Großmutter sich nicht überanstrengt so zu sehr ermüdete. Sie ist im Ganzen ziemlich heiter, nur zuweilen betrübt sie der nun schon so nahe Abschied. Ich glaube, es wird recht gut für sie sein, daß sie nach unserer Hochzeit nach Mödling reist, um meine Wirthschaft einzurichten. Die Aussicht, daß wir uns bald wieder sehen werden, wird ihr und mir das Scheiden erleichtern. An dem Spitzentuch von uns hat sie wirklich eine rechte Freude, sie zeigt es mit einigem Stolz als "Namenstaggeschenk von dem Brautpaare". Bei dieser Gelegenheit fällt mir ein, daß ich dir blos 8 fl:'' [Gulden] ''bezahlte, also noch 25 Kr.'' [euzer] ''schuldig bin. Ich schließe zur Deckung meiner großen Schuld 5 Briefmarken bei.'' | + | ''Alle wundern sich, daß Großmutter und ich so gut aussehen seit der Wiener Reise. Ich bin schon recht froh, daß Großmutter sich nicht überanstrengt so zu sehr ermüdete. Sie ist im Ganzen ziemlich heiter, nur zuweilen betrübt sie der nun schon so nahe Abschied. Ich glaube, es wird recht gut für sie sein, daß sie nach unserer Hochzeit nach Mödling reist, um meine Wirthschaft einzurichten. Die Aussicht, daß wir uns bald wieder sehen werden, wird ihr und mir das Scheiden erleichtern. An dem Spitzentuch von uns hat sie wirklich eine rechte Freude, sie zeigt es mit einigem Stolz als "Namenstaggeschenk von dem Brautpaare". Bei dieser Gelegenheit fällt mir ein, daß ich dir blos 8 fl:'' [Gulden, Anm.] ''bezahlte, also noch 25 Kr.'' [Keuzer, Anm.] ''schuldig bin. Ich schließe zur Deckung meiner großen Schuld 5 Briefmarken bei.'' |
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| − | ''Am Freitag kam dieselbe Näherin zu mir, welche Emmas Kleider verfertigte, und nun geht es tüchtig an die Arbeit. So viel ich kann helfe ich mit der Maschine und auch so, ich hoffe, daß Alles recht hübsch wird. Ich lernte neulich eine Braut kennen, die auch am 8. April ihre Hochzeit haben wird, und die mit ihrem Mann ebenfalls eine Reise nach Italien machen will. – Man fragte mich schon mehrmals, ob doch die Rundreisekarten schon im April gelten, sei doch so gut und erkundige dich darum. Ich bin je[t]zt mit einer Reise nach Italien recht einverstanden, es muß wunderschön sein so alles in voller Blüthe zu sehen. Hier ist es wirklich viel rauher als in Wien, am Mittwoch brachten wir den Abend bei Zillner<ref>vermutlich Familie von [[Franz Valentin Zillner]] (* 1816; † 1896)</ref> zu, da schneite es sehr stark, gestern war es wieder schön, aber heute haben wir ein Wetter wie am 2.März. Ich lege dir ein Epheublatt aus dem Bouquet bei welche[s] ich bei Emmas Hochzeit hatte. Ich gehe je[t]zt so wenig als möglich aus, weil ich so viel zu thun habe. Großmutter will nächstens schon mit dem Einpacken beginnen. Weißt du nicht wann Minna von Pesth [Budapest] kommt? Ich freue mich schon sehr, recht bald und viel von dir zu hören, drum schreibe bald deiner treuen Fanni. – Viele Grüße v. Großmutter. Was giebt es Neues in Mödling?'' | + | ''Am Freitag kam dieselbe Näherin zu mir, welche Emmas Kleider verfertigte, und nun geht es tüchtig an die Arbeit. So viel ich kann helfe ich mit der Maschine und auch so, ich hoffe, daß Alles recht hübsch wird. Ich lernte neulich eine Braut kennen, die auch am 8. April ihre Hochzeit haben wird, und die mit ihrem Mann ebenfalls eine Reise nach Italien machen will. – Man fragte mich schon mehrmals, ob doch die Rundreisekarten schon im April gelten, sei doch so gut und erkundige dich darum. Ich bin je[t]zt mit einer Reise nach Italien recht einverstanden, es muß wunderschön sein so alles in voller Blüthe zu sehen. Hier ist es wirklich viel rauher als in Wien, am Mittwoch brachten wir den Abend bei Zillner<ref>vermutlich Familie von [[Franz Valentin Zillner]] (* 1816; † 1896)</ref> zu, da schneite es sehr stark, gestern war es wieder schön, aber heute haben wir ein Wetter wie am 2.März. Ich lege dir ein Epheublatt aus dem Bouquet bei welche[s] ich bei Emmas Hochzeit hatte. Ich gehe je[t]zt so wenig als möglich aus, weil ich so viel zu thun habe. Großmutter will nächstens schon mit dem Einpacken beginnen. Weißt du nicht wann Minna von Pesth'' [Budapest, Anm.] ''kommt? Ich freue mich schon sehr, recht bald und viel von dir zu hören, drum schreibe bald deiner treuen Fanni. – Viele Grüße v. Großmutter. Was giebt es Neues in Mödling?'' |
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| | "Bürgermeister Spängler" und Wollstoff bei "Spängler": Alois Spängler (* 1800; † 1875) war Kaufmann und 1854 bis 1861 Bürgermeister von Salzburg. Die Salzburger #Spängler-Bank, "Bankhaus Carl Spängler & Co. Seit 1828", entwickelt sich aus der Spängler-Handelsgesellschaft in Salzburg. [[Carl I. Spängler]] (* 1825; * 1902) ist kaiserlicher Rat und Bankier in Salzburg und übernimmt die Bank von der Familie Duregger (Wohnhaus am [[Mozartplatz]] 4). | | "Bürgermeister Spängler" und Wollstoff bei "Spängler": Alois Spängler (* 1800; † 1875) war Kaufmann und 1854 bis 1861 Bürgermeister von Salzburg. Die Salzburger #Spängler-Bank, "Bankhaus Carl Spängler & Co. Seit 1828", entwickelt sich aus der Spängler-Handelsgesellschaft in Salzburg. [[Carl I. Spängler]] (* 1825; * 1902) ist kaiserlicher Rat und Bankier in Salzburg und übernimmt die Bank von der Familie Duregger (Wohnhaus am [[Mozartplatz]] 4). |
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| | ==== Brief vom 16. März 1872 von Antonia Spängler an ihren Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== | | ==== Brief vom 16. März 1872 von Antonia Spängler an ihren Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== |
| | [Brief von Nr. 37 Antonia Spängler an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler]:<br /> | | [Brief von Nr. 37 Antonia Spängler an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler]:<br /> |