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Brief von Fanni Schlegel (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18):<br />
 
Brief von Fanni Schlegel (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18):<br />
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''Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXIX erh 12/3 Corresp K 14/3 beantw 15/3; Daten verbessert]: Salzburg 12. März 1872. 1/4 nach 6 Uhr Ab[en]d[s]. – Mein lieber Franz! Ich danke dir für deine lieben Zeilen sammt Einschluß u. die beiden Postkarten. Umsonst hoffte ich den ganzen heutigen Tag auf eine freie Stunde um dir zu schreiben, erst je[t]zt bleibt mir eine halbe Stunde, wo ich auch den Brief schließen will, damit derselbe um 7 Uhr noch abgeht. – Wir kamen also glücklich an, die Zeit während der Heimfahrt vertrieb ich mir meist mit Lesen in deinem so wunderhübschen Buche, welches mich ganz besonders freut. Oft noch beschäftigten sich meine Gedanken mit dir, du Lieber, mit unserer neuen Heimat und mit den so kurzen schönen Stunden, die wir wieder mitsammen zugebracht hatten. – Nach Salzburg gekommen, was mein Erstes zu Lida zu gehen, um Näheres über die Hochzeit zu hören. Dann, denkst du wo[h]l, bin ich hübsch nach Hause gegangen und habe frühzeitig die Ruhe gesucht. Weit gefehlt, ehe ich nach Hause kam war Ludwig schon bei uns um mich abzuholen, und ich mußte im Reisekleid wie ich war in Ludwigs Wohnung kommen und Emma’s Polterabend feiern helfen.''
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''Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXIX erh 12/3 Corresp K 14/3 beantw 15/3''; Daten verbessert]: ''Salzburg 12. März 1872. 1/4 nach 6 Uhr Ab[en]d[s]. – Mein lieber Franz! Ich danke dir für deine lieben Zeilen sammt Einschluß u. die beiden Postkarten. Umsonst hoffte ich den ganzen heutigen Tag auf eine freie Stunde um dir zu schreiben, erst je[t]zt bleibt mir eine halbe Stunde, wo ich auch den Brief schließen will, damit derselbe um 7 Uhr noch abgeht. – Wir kamen also glücklich an, die Zeit während der Heimfahrt vertrieb ich mir meist mit Lesen in deinem so wunderhübschen Buche, welches mich ganz besonders freut. Oft noch beschäftigten sich meine Gedanken mit dir, du Lieber, mit unserer neuen Heimat und mit den so kurzen schönen Stunden, die wir wieder mitsammen zugebracht hatten. – Nach Salzburg gekommen, was mein Erstes zu Lida zu gehen, um Näheres über die Hochzeit zu hören. Dann, denkst du wo[h]l, bin ich hübsch nach Hause gegangen und habe frühzeitig die Ruhe gesucht. Weit gefehlt, ehe ich nach Hause kam war Ludwig schon bei uns um mich abzuholen, und ich mußte im Reisekleid wie ich war in Ludwigs Wohnung kommen und Emma’s Polterabend feiern helfen.''
    
''Deine leichtsinnige Braut kam erst gegen Mitternacht heim, es war ganz gemütlich gewesen. Beim Champagner wur[de] unter Anderen auch [auf] dein u. mein Wo[h]l getrunken. Nur einen Moment wollte uns der Ernst übermannen, das war wie die arme Rosa Emma und mir wünschte es möge uns mehr Glück beschieden sein als ihr. Ich konnte einen Augenblick nicht den Thränen wehren. Die Hochzeit am andern Tag ging Gott sei Dank glücklich vorüber. Als Emma und Albert am Altar standen waren meine Gedanken wo[h]l auf ein nahes uns betreffendes Fest gerichtet, und ich betete für uns Alle. – Das Hochzeitsmahl war über Erwartung heiter. Wir waren Alle so lustig, und als der Champagner perlte kam es sogar zu verschiedenem Bruderschaft trinken. Auf Emmas Wunsch tranken sagen Lida und ich zu Albert du. Lida trank dann mit deinem Bruder auf du u. der und ich, denke dir, mit Ludwig doch nun ist es höchste Zeit daß ich schließe, so bald als möglich mehr. Behüt‘ dich Gott. Deine Fanni. – Großmutter grüßt''
 
''Deine leichtsinnige Braut kam erst gegen Mitternacht heim, es war ganz gemütlich gewesen. Beim Champagner wur[de] unter Anderen auch [auf] dein u. mein Wo[h]l getrunken. Nur einen Moment wollte uns der Ernst übermannen, das war wie die arme Rosa Emma und mir wünschte es möge uns mehr Glück beschieden sein als ihr. Ich konnte einen Augenblick nicht den Thränen wehren. Die Hochzeit am andern Tag ging Gott sei Dank glücklich vorüber. Als Emma und Albert am Altar standen waren meine Gedanken wo[h]l auf ein nahes uns betreffendes Fest gerichtet, und ich betete für uns Alle. – Das Hochzeitsmahl war über Erwartung heiter. Wir waren Alle so lustig, und als der Champagner perlte kam es sogar zu verschiedenem Bruderschaft trinken. Auf Emmas Wunsch tranken sagen Lida und ich zu Albert du. Lida trank dann mit deinem Bruder auf du u. der und ich, denke dir, mit Ludwig doch nun ist es höchste Zeit daß ich schließe, so bald als möglich mehr. Behüt‘ dich Gott. Deine Fanni. – Großmutter grüßt''