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''Salzburg 6. Oktober 1871. // ½ 8 Uhr früh // Lieber Franz! // Ich beginne die gestern versprochene Fortsetzung meines Briefes weiß aber nicht, wie weit ich damit komme, da wir wahrscheinlich Vormittag nach Hallein fahren werden. // Zunächst muß ich berichten, daß ich mich wegen dem Juristenkränzchen, freilich mühsam, getröstet habe, und sogar beginne, mich in das Geschick, an dich meine Freiheit verloren zu haben, mit Würde zu ergeben, ja zuweilen, aber sag‘ es Niemand, zuweilen freue ich mich sogar darüber. Minna verspricht, deinen guten Rath zu befolgen, und läßt dich grüßen. Es ist recht lieb von dir, daß du immer wünschest, ich könnte all das Schöne was Wien bietet, mit dir genießen, noch müßen wir aber Geduld haben, denn meine stille Hoffnung, doch in diesem Herbst nach Wien zu kommen, ist recht gründlich vernichtet. / 6. Oktober 8 ¼ Uhr Abends. // Wir waren wirklich in Hallein, kamen aber schon um 6 Uhr Abends heim. Es war ein wunderschöner Tag heute, die Umrisse der Berge zeichneten sich so scharf von dem blauen Himmel ab, daß es eine wahre Pracht war. Zudem ist schon Alles beschneit, was ganz wunderschön aussieht. // Wir fuhren also um 9 ½ Uhr früh von hier weg in Gesellschaft der Familie Plachetka und der Herren Doctoren Lorinser und Öttinger, auch Anna [[Fendt]] war dabei. Von Hallein aus machten wir vor Tische einen Spaziergang auf den Dürrnberger Weg, wo man eine sehr schöne Aussicht über das Salzachthal genießt. Dr. Lorinser u. Minna zeichneten eine kleine Mühle, wir Andern gingen noch etwas weiter. Ich war, was übrigens wie du weißt bei mir ziemlich selten ist, recht herzlich verstimmt, und in Folge dessen ziemlich einsilbig. Schließlich war ich über mich selbst ärgerlich, wodurch aber meine Laune eben auch nicht besser ward. Gegen Mittag wurde ich erst wieder gesprächiger. /''
 
''Salzburg 6. Oktober 1871. // ½ 8 Uhr früh // Lieber Franz! // Ich beginne die gestern versprochene Fortsetzung meines Briefes weiß aber nicht, wie weit ich damit komme, da wir wahrscheinlich Vormittag nach Hallein fahren werden. // Zunächst muß ich berichten, daß ich mich wegen dem Juristenkränzchen, freilich mühsam, getröstet habe, und sogar beginne, mich in das Geschick, an dich meine Freiheit verloren zu haben, mit Würde zu ergeben, ja zuweilen, aber sag‘ es Niemand, zuweilen freue ich mich sogar darüber. Minna verspricht, deinen guten Rath zu befolgen, und läßt dich grüßen. Es ist recht lieb von dir, daß du immer wünschest, ich könnte all das Schöne was Wien bietet, mit dir genießen, noch müßen wir aber Geduld haben, denn meine stille Hoffnung, doch in diesem Herbst nach Wien zu kommen, ist recht gründlich vernichtet. / 6. Oktober 8 ¼ Uhr Abends. // Wir waren wirklich in Hallein, kamen aber schon um 6 Uhr Abends heim. Es war ein wunderschöner Tag heute, die Umrisse der Berge zeichneten sich so scharf von dem blauen Himmel ab, daß es eine wahre Pracht war. Zudem ist schon Alles beschneit, was ganz wunderschön aussieht. // Wir fuhren also um 9 ½ Uhr früh von hier weg in Gesellschaft der Familie Plachetka und der Herren Doctoren Lorinser und Öttinger, auch Anna [[Fendt]] war dabei. Von Hallein aus machten wir vor Tische einen Spaziergang auf den Dürrnberger Weg, wo man eine sehr schöne Aussicht über das Salzachthal genießt. Dr. Lorinser u. Minna zeichneten eine kleine Mühle, wir Andern gingen noch etwas weiter. Ich war, was übrigens wie du weißt bei mir ziemlich selten ist, recht herzlich verstimmt, und in Folge dessen ziemlich einsilbig. Schließlich war ich über mich selbst ärgerlich, wodurch aber meine Laune eben auch nicht besser ward. Gegen Mittag wurde ich erst wieder gesprächiger. /''
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''Das Mittagsma[h]l wurde beim Auböck eingenommen. Nach Tisch besichtigten wir die Cigarrenfabrik, was uns Alle sehr interessi[e]rte. In der nächsten Woche wird schon das neue Gebäude bezogen werden können. Dann sahen wir auch die Saline an, und fuhren, wie bereits erwähnt mit dem Zuge um 4 Uhr nach Salzburg. Wie oft gedachte ich heute der Stunde, die wir Beide zusammen heuer in Hallein zugebracht haben. // Hast du schon daran gedacht, daß ich heute bereits vier Wochen deine Braut bin. // Wie doch die Zeit so schnell vergeht. So wird auch bald das Weihnachtsfest herankommen, wo wir uns hoffentlich sehen werden. Wie ich mich freue! Großmutter hat ganz entschieden erklärt, daß sie in diesem Herbste keinenfalls nach Wien reisen wird trotz aller Bitten und dem Zureden sowo[h]l des Dr. Lorinser als auch meines Vaters, die sich wirklich bemühten eine Reise nach Wien als sehr notwendig erscheinen zu lassen. / Deine Idee, ich solle für einige Wochen zu Lorinser, ist auch nicht ausführbar, erstens weil es Großmutter durchaus nicht notwendig findet, daß ich heuer noch nach Wien komme [?], und zweitens weil ich bei Lorinser schwer Platz fände. So heißt es aber hübsch geduldig sein. Wir wollen denken [?], daß wir ja in nicht sehr langer Zeit für immer vereint werden, und wollen uns einstweilen darauf freuen. Wenn ich für einige Wochen nach Wien reiste, würde ja auch mit der Ausstattung nichts vorwärts gehen, und es giebt doch so viel zu thun! Manchmal male ich mir aus, wie unser künftiges Gefängniß [gestrichen:] ausgestattet eingerichtet sein wird. Da müßen wir erst mündlich darüber verhandeln. Für heute aber gute Nacht du Lieber, ich bin herzlich müde und schläfrig. Good night my dear friend! /''
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''Das Mittagsma[h]l wurde beim Auböck eingenommen. Nach Tisch besichtigten wir die Cigarrenfabrik, was uns Alle sehr interessi[e]rte. In der nächsten Woche wird schon das neue Gebäude bezogen werden können. Dann sahen wir auch die Saline an, und fuhren, wie bereits erwähnt mit dem Zuge um 4 Uhr nach Salzburg. Wie oft gedachte ich heute der Stunde, die wir Beide zusammen heuer in Hallein zugebracht haben. // Hast du schon daran gedacht, daß ich heute bereits vier Wochen deine Braut bin. // Wie doch die Zeit so schnell vergeht. So wird auch bald das Weihnachtsfest herankommen, wo wir uns hoffentlich sehen werden. Wie ich mich freue! Großmutter hat ganz entschieden erklärt, daß sie in diesem Herbste keinenfalls nach Wien reisen wird trotz aller Bitten und dem Zureden sowo[h]l des Dr. Lorinser als auch meines Vaters, die sich wirklich bemühten eine Reise nach Wien als sehr notwendig erscheinen zu lassen. / Deine Idee, ich solle für einige Wochen zu Lorinser, ist auch nicht ausführbar, erstens weil es Großmutter durchaus nicht notwendig findet, daß ich heuer noch nach Wien komme [?], und zweitens weil ich bei Lorinser schwer Platz fände. So heißt es aber hübsch geduldig sein. Wir wollen denken [?], daß wir ja in nicht sehr langer Zeit für immer vereint werden, und wollen uns einstweilen darauf freuen. Wenn ich für einige Wochen nach Wien reiste, würde ja auch mit der Ausstattung nichts vorwärts gehen, und es giebt doch so viel zu thun! Manchmal male ich mir aus, wie unser künftiges Gefängniß'' [gestrichen:] ''ausgestattet eingerichtet sein wird. Da müßen wir erst mündlich darüber verhandeln. Für heute aber gute Nacht du Lieber, ich bin herzlich müde und schläfrig. Good night my dear friend! /''
    
[zweiter Bogen:] ''7. Oktober 1871. 8 Uhr früh. // Heute Nachmittag werde ich die erste englische Stunde für mich allein haben. Ich hoffe es soll mir recht nützen, namentlich wird es für die Aussprache gut sein, wenn ich mit Mehs Urry [?] lese. // Es wäre recht hübsch, wenn du Gelegenheit fändest, auch diese Sprache zu lernen, wir könnten dann einmal gemeinschäftliche Studien in der engl. Literatur machen. Wie ich bemerkte, hast du ein sehr gutes Gedächtniß, da würde es dir ja auch leicht, diese Sprache zu erlernen, die ohnehin in so vielen Wörtern an die französische und deutsche Sprache sich lehnt. Minna spricht sehr schön englisch. Da werde ich auch als Frau Gelegenheit finden mich zu üben. // Ich mußte lachen, daß je[t]zt in Mödling die Luft so günstig für das Heiraten ist! Es wird ja ordentlich epidemisch, und jene die ihr Haupt nicht unter das süße Joch der Ehe bringen wollen, werden gut thun diesen gefährlichen Ort zu verlaßen. / ''
 
[zweiter Bogen:] ''7. Oktober 1871. 8 Uhr früh. // Heute Nachmittag werde ich die erste englische Stunde für mich allein haben. Ich hoffe es soll mir recht nützen, namentlich wird es für die Aussprache gut sein, wenn ich mit Mehs Urry [?] lese. // Es wäre recht hübsch, wenn du Gelegenheit fändest, auch diese Sprache zu lernen, wir könnten dann einmal gemeinschäftliche Studien in der engl. Literatur machen. Wie ich bemerkte, hast du ein sehr gutes Gedächtniß, da würde es dir ja auch leicht, diese Sprache zu erlernen, die ohnehin in so vielen Wörtern an die französische und deutsche Sprache sich lehnt. Minna spricht sehr schön englisch. Da werde ich auch als Frau Gelegenheit finden mich zu üben. // Ich mußte lachen, daß je[t]zt in Mödling die Luft so günstig für das Heiraten ist! Es wird ja ordentlich epidemisch, und jene die ihr Haupt nicht unter das süße Joch der Ehe bringen wollen, werden gut thun diesen gefährlichen Ort zu verlaßen. / ''
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''Weißt du daß Schumacher hier ist? Der Glückliche hat einen ganzen Monat Urlaub! Emma ist natürlich sehr vergnügt. Die könnten uns leicht 14 Tage abtreten, daß wir auch so zusammen sein könnten, nicht wahr? Wie sehr würde ich wünschen daß auch Lida<ref>Lida Plachetka, im November 1871 verheiratet Guttenberg</ref> und Minna'' [Lorinser] ''bald glücklich ihr Ziel erreichten! // Lida macht mir oft bange, ich fürchte, ihr so lang gehegter Wunsch wird sich nicht erfüllen. Und gerade ich wünschte ihr so sehr, daß sie glücklich würde. Minna ist ein eigenes Geschöpf. Je öfter ich mit ihr zusammen bin, desto mehr begreife ich, daß sie den, der ihre Liebe besi[t]zt, glücklich machen muß. Sonderbarer Weise ist sie in ihrer eigenen Familie die am wenigsten Bevorzugte. Mein Urtheil über ihre Mutter ist durchaus nicht günstiger geworden. Ich weiß nicht was diese Frau bestimmt, / ihren Töchtern ein solches Mißtrauen gegen alle Welt beizubringen. Und Minna hat so sehr die Fähigkeit, sich mit aller Liebe und allem Vertrauen anzuschließen und hat mehr als manche Andere das Bedürfniß Liebe zu empfangen und zu geben. Daß du dich mit recht viel Geduld rüstest, mir dermaleinst die Gründe für das Nichtgewähren eines Plausches auseinander zu setzen, ist recht gut, ich werde dieselbe gewiß manchmal in Anspruch ne[h]men müßen! Ich bin so böse auf mich selbst, wenn ich sehe, wie ich mich zuweilen gar nicht geherrschen kann. //''
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''Weißt du daß Schumacher hier ist? Der Glückliche hat einen ganzen Monat Urlaub! Emma ist natürlich sehr vergnügt. Die könnten uns leicht 14 Tage abtreten, daß wir auch so zusammen sein könnten, nicht wahr? Wie sehr würde ich wünschen daß auch Lida<ref>Lida Plachetka, im November 1871 verheiratet Guttenberg</ref> und Minna'' [Lorinser, Anm.] ''bald glücklich ihr Ziel erreichten! // Lida macht mir oft bange, ich fürchte, ihr so lang gehegter Wunsch wird sich nicht erfüllen. Und gerade ich wünschte ihr so sehr, daß sie glücklich würde. Minna ist ein eigenes Geschöpf. Je öfter ich mit ihr zusammen bin, desto mehr begreife ich, daß sie den, der ihre Liebe besi[t]zt, glücklich machen muß. Sonderbarer Weise ist sie in ihrer eigenen Familie die am wenigsten Bevorzugte. Mein Urtheil über ihre Mutter ist durchaus nicht günstiger geworden. Ich weiß nicht was diese Frau bestimmt, / ihren Töchtern ein solches Mißtrauen gegen alle Welt beizubringen. Und Minna hat so sehr die Fähigkeit, sich mit aller Liebe und allem Vertrauen anzuschließen und hat mehr als manche Andere das Bedürfniß Liebe zu empfangen und zu geben. Daß du dich mit recht viel Geduld rüstest, mir dermaleinst die Gründe für das Nichtgewähren eines Plausches auseinander zu setzen, ist recht gut, ich werde dieselbe gewiß manchmal in Anspruch ne[h]men müßen! Ich bin so böse auf mich selbst, wenn ich sehe, wie ich mich zuweilen gar nicht geherrschen kann. //''
    
''Aber den Pantoffel hast du, glaube ich, nicht zu fürchten, da habe ich viel mehr Aussicht, darunter zu kommen. Also heute Abend beginne ich, zwei Geibelsche Gedichte zu lesen. Ich komme je[t]zt wenig zum Lesen und auch wenig zum Arbeiten. Es werden die le[t]zten schönen Tage zum Ausgehen benützt. / Wenn ich die noch bestellten Fotografien habe, muß ich anfangen die verschiedenen Briefe zu beantworten, die nach meiner Verlobungsanzeige eintrafen. Bis Minna fort sein wird, werde ich gar nicht anfangen zu schreiben, aber dann benütze ich die nun schon langen Abende. Dann werde ich auch deine lieben Briefe wieder in Ordnung beantworten können. // Für heute werde ich nun auch schließen und dafür meine Nähmaschine etwas in Bewegung setzen. Minna ist mit ihrem Papa heute auf dem Tannberge. // Meine gestrige Correspondenzkarte hast du hoffentlich bekommen. // Ich freue mich nun schon wieder, recht bald von dir zu hören. Hast du noch immer so viel Arbeit? Ist der neue Herr College nun endlich in Thätigkeit? // Lebe recht, recht wo[h]l es küßt dich // deine treue Fanni // Grüße v. Großmutter, den Eltern u. allen Bekannten.'' [sehr klein:] ''Keine Frau darf aus XX, dann [?] aushält ein lieb Gedanken.''
 
''Aber den Pantoffel hast du, glaube ich, nicht zu fürchten, da habe ich viel mehr Aussicht, darunter zu kommen. Also heute Abend beginne ich, zwei Geibelsche Gedichte zu lesen. Ich komme je[t]zt wenig zum Lesen und auch wenig zum Arbeiten. Es werden die le[t]zten schönen Tage zum Ausgehen benützt. / Wenn ich die noch bestellten Fotografien habe, muß ich anfangen die verschiedenen Briefe zu beantworten, die nach meiner Verlobungsanzeige eintrafen. Bis Minna fort sein wird, werde ich gar nicht anfangen zu schreiben, aber dann benütze ich die nun schon langen Abende. Dann werde ich auch deine lieben Briefe wieder in Ordnung beantworten können. // Für heute werde ich nun auch schließen und dafür meine Nähmaschine etwas in Bewegung setzen. Minna ist mit ihrem Papa heute auf dem Tannberge. // Meine gestrige Correspondenzkarte hast du hoffentlich bekommen. // Ich freue mich nun schon wieder, recht bald von dir zu hören. Hast du noch immer so viel Arbeit? Ist der neue Herr College nun endlich in Thätigkeit? // Lebe recht, recht wo[h]l es küßt dich // deine treue Fanni // Grüße v. Großmutter, den Eltern u. allen Bekannten.'' [sehr klein:] ''Keine Frau darf aus XX, dann [?] aushält ein lieb Gedanken.''

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