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''Salzburg 23. September 1871, 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Ich muß schon bei dieser Aufschrift bleiben, da ich sehe, daß sie dir Vergnügen macht, sonst hätte ich mit "Hochgeehrter Herr Doktor" meinen Brief überschrieben. Deinem Briefe, für den ich dir herzlichst danke, hatte ich schon recht ungeduldig entgegen gesehen, da ich mich schon gestern auf Nachricht von dir gefreut hatte. Ich danke dir aber auch für die Aufmerksamkeit, mir mittels Postkarte den Empfang meines Briefes zu bestätigen, sowie für die beiden Ansichten meiner künftigen Residenz. – Beiliegend folgen die zwei Fotografien, damit du vergleichen kannst, ich bin neugierig, dein Urtheil zu hören. Wenn ich aufrichtig sein soll, muß ich sagen, daß ich keine besonders gut finde. Ich bitte dich zugleich, mir zu sagen, wie viele Exemplare ich von der einen oder der anderen bestellen soll? Deine gute Mutter hat beide gesehen und findet beide schlecht, so daß sie meint, wir sollen gar keine kopieren laßen. Jedenfalls, meine ich, lassen wir nicht viele Abdrücke machen. Bestimme nur wie viel du brauchen wirst. – Die Brustbilder von dir wurden, so weit es möglich ist, ein wenig dunkler gemacht, ich war heute im Vorbeigehen bei Baldi. Gegen Ende der nächsten Woche werde ich die Brustbilder bekommen. Ich freue mich, daß meine Mahnungen zur Geduld gefruchtet und du nun einsiehst, daß es nicht thunlich wäre vor dem nächsten Frühling an Hochzeit zu denken. – Zum Lohn dafür will ich dir auch erzählen, daß ich mit allem Eifer an die Ausstattung gehe und gestern bereits eine ganze Menge Namen ausgetrennt habe, eine durchaus nicht geistanstrengende, dafür aber ziemlich mühevolle Arbeit. Wie oft dabei meine Gedanken in die Zukunft schweifen, kannst du dir vorstellen. –  
 
''Salzburg 23. September 1871, 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Ich muß schon bei dieser Aufschrift bleiben, da ich sehe, daß sie dir Vergnügen macht, sonst hätte ich mit "Hochgeehrter Herr Doktor" meinen Brief überschrieben. Deinem Briefe, für den ich dir herzlichst danke, hatte ich schon recht ungeduldig entgegen gesehen, da ich mich schon gestern auf Nachricht von dir gefreut hatte. Ich danke dir aber auch für die Aufmerksamkeit, mir mittels Postkarte den Empfang meines Briefes zu bestätigen, sowie für die beiden Ansichten meiner künftigen Residenz. – Beiliegend folgen die zwei Fotografien, damit du vergleichen kannst, ich bin neugierig, dein Urtheil zu hören. Wenn ich aufrichtig sein soll, muß ich sagen, daß ich keine besonders gut finde. Ich bitte dich zugleich, mir zu sagen, wie viele Exemplare ich von der einen oder der anderen bestellen soll? Deine gute Mutter hat beide gesehen und findet beide schlecht, so daß sie meint, wir sollen gar keine kopieren laßen. Jedenfalls, meine ich, lassen wir nicht viele Abdrücke machen. Bestimme nur wie viel du brauchen wirst. – Die Brustbilder von dir wurden, so weit es möglich ist, ein wenig dunkler gemacht, ich war heute im Vorbeigehen bei Baldi. Gegen Ende der nächsten Woche werde ich die Brustbilder bekommen. Ich freue mich, daß meine Mahnungen zur Geduld gefruchtet und du nun einsiehst, daß es nicht thunlich wäre vor dem nächsten Frühling an Hochzeit zu denken. – Zum Lohn dafür will ich dir auch erzählen, daß ich mit allem Eifer an die Ausstattung gehe und gestern bereits eine ganze Menge Namen ausgetrennt habe, eine durchaus nicht geistanstrengende, dafür aber ziemlich mühevolle Arbeit. Wie oft dabei meine Gedanken in die Zukunft schweifen, kannst du dir vorstellen. –  
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''Auch mir wird mancher Winterabend recht lang werden, wenn ich bei einem Buche oder irgend einer Arbeit sitzen werde, doch nehme ich mir vor, recht fleißig an der Einrichtung des künftigen, eigenen Nestchens mitzuhelfen. – Heute Nachmittag kauften wir in Gesellschaft deiner Mutter Leinwand ein. Die gute Mutter trug mir viele Grüße an dich auf, da ich sagte, daß ich dir heute Abend schreibe. – Auch in meine Hände gelangten mehrere Glückwünsche, unsere Verlobung betreffend, so von Fr: Maria Spängler, geb. Bernstein'' [Pernstein, Frau von Franz Seraphin Spängler, Cousin] '', von Lotti Katzinger ein besonders lieber Brief, in dem sich ihre Freude ausdrückt, daß die Festung doch endlich kapituliert hat, dann Karten von Direktor Dauner u. Frau aus Ellwangen und ein lieber Brief von Fr: Ziegler und Gemal aus Würzburg, die sich auch dir empfehlen. Daß ich von Fr. v. Dauner kürzlich einen Brief bekam, glaube ich schon geschrieben zu haben. – Ich mußte lachen bei der Erzählung, was die Leute Alles in meinem Gesichte lesen wollen und fühle mich sehr geschmeichelt daß man mich für so jung hält. Nur meine ich, du sollst die Neugier der Leute auf meine werthe Person nicht so reizen, sonst sind sie zu sehr enttäuscht wenn das Original erscheint. – Drum fände ich es auch ganz und gar überflüßig, ihre Neugierde auch noch mit Zeugnissen meiner selig entschlafenen Muße zu unterhalten [von ihr existieren einige Gedichte, im Poesiealbum und ohne Namen, von denen ich bereits vorher vermutete, es seien eigene Texte], und ich bin froh, daß sich Nichts hiervon in deinen Händen befindet, und werde mich wol hüten etwas davon an dich gelangen zu laßen, damit du es mitthe[i]len könntest. – Ich beherzige gar sehr, was Elise Polko [?] über den Punkt des Dichtens bei Frauen und Mädchen sagte, und bitte dich recht herzlich, Niemand davon zu erzählen, und jenen die davon wißen, recht in Erinnerung zu bringen, daß es zu den verklungenen Dingen gehört, daß ich einst Verse machte. - - -  
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''Auch mir wird mancher Winterabend recht lang werden, wenn ich bei einem Buche oder irgend einer Arbeit sitzen werde, doch nehme ich mir vor, recht fleißig an der Einrichtung des künftigen, eigenen Nestchens mitzuhelfen. – Heute Nachmittag kauften wir in Gesellschaft deiner Mutter Leinwand ein. Die gute Mutter trug mir viele Grüße an dich auf, da ich sagte, daß ich dir heute Abend schreibe. – Auch in meine Hände gelangten mehrere Glückwünsche, unsere Verlobung betreffend, so von Fr: Maria Spängler, geb. Bernstein'' [Pernstein, Frau von Franz Seraphin Spängler, Cousin; Anm.] '', von Lotti Katzinger ein besonders lieber Brief, in dem sich ihre Freude ausdrückt, daß die Festung doch endlich kapituliert hat, dann Karten von Direktor Dauner u. Frau aus Ellwangen und ein lieber Brief von Fr: Ziegler und Gemal aus Würzburg, die sich auch dir empfehlen. Daß ich von Fr. v. Dauner kürzlich einen Brief bekam, glaube ich schon geschrieben zu haben. – Ich mußte lachen bei der Erzählung, was die Leute Alles in meinem Gesichte lesen wollen und fühle mich sehr geschmeichelt daß man mich für so jung hält. Nur meine ich, du sollst die Neugier der Leute auf meine werthe Person nicht so reizen, sonst sind sie zu sehr enttäuscht wenn das Original erscheint. – Drum fände ich es auch ganz und gar überflüßig, ihre Neugierde auch noch mit Zeugnissen meiner selig entschlafenen Muße zu unterhalten [von ihr existieren einige Gedichte, im Poesiealbum und ohne Namen, von denen ich bereits vorher vermutete, es seien eigene Texte], und ich bin froh, daß sich Nichts hiervon in deinen Händen befindet, und werde mich wol hüten etwas davon an dich gelangen zu laßen, damit du es mitthe[i]len könntest. – Ich beherzige gar sehr, was Elise Polko [?] über den Punkt des Dichtens bei Frauen und Mädchen sagte, und bitte dich recht herzlich, Niemand davon zu erzählen, und jenen die davon wißen, recht in Erinnerung zu bringen, daß es zu den verklungenen Dingen gehört, daß ich einst Verse machte. - - -  
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''Ich bin dir sehr dankbar, daß du in solcher Weise bei Buschmann mich vertheidigt hast. Von dem Aufenthalt meines Vaters weiß ich nichts, er hat an die Mutter nur einmal geschrieben, daß es ihm u. seiner Begleitung gut geht und daß sie irgendwo in die Schweiz reisen, aber daß er nicht weiß, wohin er einen Brief schicken laßen sollte. Ich denke die 3 Doctoren werden bis Dienstag heim kommen, weil am selben Tag Minna Lorinser von Wien kommt, sie wird dann einige Zeit bei uns bleiben. Ich freue mich sehr auf sie. Auch von ihr bekam ich einen lieben Brief. Morgen wenn es schön ist, gehen Lida u. ich mit Zeller über Glanegg nach Reichenhall, daher ich heute schon meinen Brief schließe, sonst hätte ich noch morgen etwas hinzugefügt. Lebe recht wol und behalte lieb deine treue Fanni. Good night – Großmutter grüßt dich/ Meine Mutter grüßt dich. Hr: Rudolf'' [Franz Seraphin; "Rudolf" ist mit Marie Weinwurm verh.] ''Spängler u. Frau Maria Sp: geb. Bernstein'' [Pernstein] ''grüßen gleichfalls.''
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''Ich bin dir sehr dankbar, daß du in solcher Weise bei Buschmann mich vertheidigt hast. Von dem Aufenthalt meines Vaters weiß ich nichts, er hat an die Mutter nur einmal geschrieben, daß es ihm u. seiner Begleitung gut geht und daß sie irgendwo in die Schweiz reisen, aber daß er nicht weiß, wohin er einen Brief schicken laßen sollte. Ich denke die 3 Doctoren werden bis Dienstag heim kommen, weil am selben Tag Minna Lorinser von Wien kommt, sie wird dann einige Zeit bei uns bleiben. Ich freue mich sehr auf sie. Auch von ihr bekam ich einen lieben Brief. Morgen wenn es schön ist, gehen Lida u. ich mit Zeller über Glanegg nach Reichenhall, daher ich heute schon meinen Brief schließe, sonst hätte ich noch morgen etwas hinzugefügt. Lebe recht wol und behalte lieb deine treue Fanni. Good night – Großmutter grüßt dich/ Meine Mutter grüßt dich. Hr: Rudolf'' [Franz Seraphin; "Rudolf" ist mit Marie Weinwurm verh.; Anm.] ''Spängler u. Frau Maria Sp: geb. Bernstein'' [Pernstein, Anm.] ''grüßen gleichfalls.''
    
[1871] ohne nähere Zuordnung bei der Korrespondenz Visitenkarten von: "Emil Ritter von #Guttenberg k.k. Rittmeister" (handschriftlich: Meine herzlichste Gratulation zur Verlobung! Dein getreuer Vetter"); "Minna von Guttenberg née de Launsperg" (Herzlichen Glückwunsch! durch Abwesenheit verspätet); "Stephanie de La Croix Langenheim" (p. f.); "Georg Adensamer" (p. f.); "Johanna Adensamer" (p. f.); "Josef Adensamer" (p. f.). – Vgl. undatiertes Foto Fanni Spängler und Freundin Lida Guttenberg, auch genannt in mehreren Briefen. Sonstige Personen nicht identifiziert.
 
[1871] ohne nähere Zuordnung bei der Korrespondenz Visitenkarten von: "Emil Ritter von #Guttenberg k.k. Rittmeister" (handschriftlich: Meine herzlichste Gratulation zur Verlobung! Dein getreuer Vetter"); "Minna von Guttenberg née de Launsperg" (Herzlichen Glückwunsch! durch Abwesenheit verspätet); "Stephanie de La Croix Langenheim" (p. f.); "Georg Adensamer" (p. f.); "Johanna Adensamer" (p. f.); "Josef Adensamer" (p. f.). – Vgl. undatiertes Foto Fanni Spängler und Freundin Lida Guttenberg, auch genannt in mehreren Briefen. Sonstige Personen nicht identifiziert.

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