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''Lieber Franz! Mit großer Freude empfing ich gestern deinen lieben Brief und danke dir hiefür herzlichst. Daß du so viel Glück im Scheibenschießen hattest, freut mich, das ist ja ein ganz neu entdecktes Talent. Du hast auch Recht, daß ich dir ganz gewiß nicht böse bin, weil du dich vom Tanze nicht ausgeschloßen, ich weiß ja doch, daß du recht oft meiner gedenkst, wenn auch Vergnügen oder Arbeit Ansprüche an dich erheben. Und daß ich dann überzeugt bin u. sein darf, macht mich glücklich, denn herzliches, unbedingtes Vertrauen gehört meiner Meinung nach zu dem rechten Glücke. Nich[t] wahr, du bist auch überzeugt, daß ich oft, recht oft liebend dein gedenke, auch mitten in der schönsten Prosa des täglichen Lebens und im Kreise der um mich versammelten Freunde? – Der am Sonntag unternommene Ausflug von Glanegg nach Reichenhall war recht hübsch, wir waren alle recht heiter, und es wurde öfters von dir gesprochen, noch öfter beschäftigten sich meine Gedanken mit dir. Daß es nicht ohne obligate Neckerei abging [siehe unten, am Rand], kannst du dir denken. Jetzt scheint auch Ludwig wieder heiterer zu werden, wenigstens am Sonntag war er recht lustig und freundlich. Das Resultat der Parthie für mich ist ein kleiner Husten, den ich mir wol durch eigene Unvorsichtigkeit zugezogen habe. Ich muß daher heute zu Hause bleiben, obwol Minna seit gestern Abend bei uns ist. –  
 
''Lieber Franz! Mit großer Freude empfing ich gestern deinen lieben Brief und danke dir hiefür herzlichst. Daß du so viel Glück im Scheibenschießen hattest, freut mich, das ist ja ein ganz neu entdecktes Talent. Du hast auch Recht, daß ich dir ganz gewiß nicht böse bin, weil du dich vom Tanze nicht ausgeschloßen, ich weiß ja doch, daß du recht oft meiner gedenkst, wenn auch Vergnügen oder Arbeit Ansprüche an dich erheben. Und daß ich dann überzeugt bin u. sein darf, macht mich glücklich, denn herzliches, unbedingtes Vertrauen gehört meiner Meinung nach zu dem rechten Glücke. Nich[t] wahr, du bist auch überzeugt, daß ich oft, recht oft liebend dein gedenke, auch mitten in der schönsten Prosa des täglichen Lebens und im Kreise der um mich versammelten Freunde? – Der am Sonntag unternommene Ausflug von Glanegg nach Reichenhall war recht hübsch, wir waren alle recht heiter, und es wurde öfters von dir gesprochen, noch öfter beschäftigten sich meine Gedanken mit dir. Daß es nicht ohne obligate Neckerei abging [siehe unten, am Rand], kannst du dir denken. Jetzt scheint auch Ludwig wieder heiterer zu werden, wenigstens am Sonntag war er recht lustig und freundlich. Das Resultat der Parthie für mich ist ein kleiner Husten, den ich mir wol durch eigene Unvorsichtigkeit zugezogen habe. Ich muß daher heute zu Hause bleiben, obwol Minna seit gestern Abend bei uns ist. –  
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''Mein Vater und die beiden Doktoren sind heiter und wolbehalten von ihrer Reise zurückgekehrt. Meinen guten Vater hat es sichtbar sehr gut gethan, daß er einmal wieder draußen war aus der täglichen Arbeit. – Daß man in Wien auch schon von meinem Zitherspielen weiß, und am Ende weiß Gott was davon erwartet, macht mich fast bange. Bitte, sage den Leuten doch, daß sie sich nur ja keine großartige Vorstellung von meinen Leistungen machen sollen, sonst bin ich, wenn ich je einmal veranlaßt sein sollte vor Fremden zu spielen, so ängstlich, daß ich gar nichts kann. Damit du siehst, daß ich in dein Versprechen, über meine "selige Muße" gegen Niemand etwas zu erwähnen, volles Vertrauen se[t]ze, sende ich dir beiliegendes Blatt [liegt nicht bei], worauf ich in Eile etwas abgeschrieben habe, aber nicht wahr, Niemand zeigen. Bitte, bitte. – Ich lese gewissenhaft jeden Abend das bestimmte Gedicht in deinem Buche, darnach gewöhnlich noch zwei oder drei andere. Für heute Abend trifft Einkehr Seite 20. –'' [am Rand verkehrt:] ''Minna sagt "Sie gratuliert dir zu der garstigen Frau, die du an mir kriegst! – Ich habe neulich vergeßen, über das Kapitel von der "Pantoffelherrschaft" zu sprechen. Sei es denn heute! Ich habe ganz und gar nicht den Wunsch, einen Pantoffelhelden zum Mann zu bekommen, und kenne und anerkenne das Wort der hl. Schrift "Und er soll dein Herr sein." Wie es um meine Energie dir gegenüber bestellt ist, davon habe ich im Punkte des Dusagens einen recht hübschen Beweis geliefert sollte ich meinen. - - -  
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''Mein Vater und die beiden Doktoren sind heiter und wolbehalten von ihrer Reise zurückgekehrt. Meinen guten Vater hat es sichtbar sehr gut gethan, daß er einmal wieder draußen war aus der täglichen Arbeit. – Daß man in Wien auch schon von meinem Zitherspielen weiß, und am Ende weiß Gott was davon erwartet, macht mich fast bange. Bitte, sage den Leuten doch, daß sie sich nur ja keine großartige Vorstellung von meinen Leistungen machen sollen, sonst bin ich, wenn ich je einmal veranlaßt sein sollte vor Fremden zu spielen, so ängstlich, daß ich gar nichts kann. Damit du siehst, daß ich in dein Versprechen, über meine "selige Muße" gegen Niemand etwas zu erwähnen, volles Vertrauen se[t]ze, sende ich dir beiliegendes Blatt'' [liegt nicht bei, Anm.] '', worauf ich in Eile etwas abgeschrieben habe, aber nicht wahr, Niemand zeigen. Bitte, bitte. – Ich lese gewissenhaft jeden Abend das bestimmte Gedicht in deinem Buche, darnach gewöhnlich noch zwei oder drei andere. Für heute Abend trifft Einkehr Seite 20. –'' [am Rand verkehrt:] ''Minna sagt "Sie gratuliert dir zu der garstigen Frau, die du an mir kriegst! – Ich habe neulich vergeßen, über das Kapitel von der "Pantoffelherrschaft" zu sprechen. Sei es denn heute! Ich habe ganz und gar nicht den Wunsch, einen Pantoffelhelden zum Mann zu bekommen, und kenne und anerkenne das Wort der hl. Schrift "Und er soll dein Herr sein." Wie es um meine Energie dir gegenüber bestellt ist, davon habe ich im Punkte des Dusagens einen recht hübschen Beweis geliefert sollte ich meinen. - - -  
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''Übrigens bin ich gewillt, den äußeren Lebensverhältnissen mit der notwendigen Energie entgegen zu treten und hoffe auch, daß zuweilen auch das Wort der Frau im häuslichen Rath wird gelten dürfen nicht wahr? Es bleibt dabei! – Es ist mir nur möglich eine Verlobungskarte zu schicken, weil ich auf den besonderen Wunsch an den Bürgermeister Mertens'' [die Freundin Camilla ist die Verlobte von dessen Sohn Demeter Mertens] ''eine Anzeige schicken mußte. Wegen der "bösen Zungen kann ich dir leider nur ungenügend dienen. Meine Großmutter findet dermalen die Nummer welche wir haben, nicht, wenn sie dieselbe findet, werde ich sie dir schicken. Doch glaube ich sicher zu wißen, daß in dieser Nummer nichts über Mödling steht. Sobald es mir möglich ist, werde ich bei Hr: Rudolf Spängler'' [Cousin, geb. 1830, Apotheker und Vizebürgermeister] ''die Nummer und genaue Adresse zu erfahren suchen. – Von der Gruppenfotografie werde ich nur ganz wenige Exemplare bestellen, lieber nur ½ Dutzend, ich muß aber selbst mit dem Fotografen sprechen. – Wegen der Wiener Reise werde ich mein Bestes thun, ich würde mich ja selber so sehr freuen, wenn ich nach Wien käme! – Neulich kamen Beglückwünschungen in meine Hände von Maiersfels in Enns, vom Hofrat Schroff von Frl: Helene Schreiber aus Stuttgart und von Willi Gattermayer aus St.Johann, der sich dir empfiehlt und auch dir gratuliert. Er schreibt, daß du bei den St.Johannser Frauen noch immer im besten Andenken stehst. Aber werde nur nicht zu eitel deßwegen! – Ich schließe mit der Bitte mir wieder recht bald zu schreiben. Es umarmt dich deine treue Fanni. Grüße von Großmutter Vater u. Mutter u. v. Minna Lorinser.''
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''Übrigens bin ich gewillt, den äußeren Lebensverhältnissen mit der notwendigen Energie entgegen zu treten und hoffe auch, daß zuweilen auch das Wort der Frau im häuslichen Rath wird gelten dürfen nicht wahr? Es bleibt dabei! – Es ist mir nur möglich eine Verlobungskarte zu schicken, weil ich auf den besonderen Wunsch an den Bürgermeister Mertens'' [die Freundin Camilla ist die Verlobte von dessen Sohn Demeter Mertens, Anm.] ''eine Anzeige schicken mußte. Wegen der "bösen Zungen kann ich dir leider nur ungenügend dienen. Meine Großmutter findet dermalen die Nummer welche wir haben, nicht, wenn sie dieselbe findet, werde ich sie dir schicken. Doch glaube ich sicher zu wißen, daß in dieser Nummer nichts über Mödling steht. Sobald es mir möglich ist, werde ich bei Hr: Rudolf Spängler'' [Cousin, geb. 1830, Apotheker und Vizebürgermeister, Anm.] ''die Nummer und genaue Adresse zu erfahren suchen. – Von der Gruppenfotografie werde ich nur ganz wenige Exemplare bestellen, lieber nur ½ Dutzend, ich muß aber selbst mit dem Fotografen sprechen. – Wegen der Wiener Reise werde ich mein Bestes thun, ich würde mich ja selber so sehr freuen, wenn ich nach Wien käme! – Neulich kamen Beglückwünschungen in meine Hände von Maiersfels in Enns, vom Hofrat Schroff von Frl: Helene Schreiber aus Stuttgart und von Willi Gattermayer aus St.Johann, der sich dir empfiehlt und auch dir gratuliert. Er schreibt, daß du bei den St.Johannser Frauen noch immer im besten Andenken stehst. Aber werde nur nicht zu eitel deßwegen! – Ich schließe mit der Bitte mir wieder recht bald zu schreiben. Es umarmt dich deine treue Fanni. Grüße von Großmutter Vater u. Mutter u. v. Minna Lorinser.''
    
"#Mertens": vgl. "gesammelte Todesanzeigen" von u. a. Anna Edle von Mertens, geb. Steinbauer, Wien (* 1819; † 1906), Tochter: Anna Aigner. - Heinrich Ritter von Mertens, kaiserl. Rat und Bürgermeister von Salzburg (* 1810; † 1872), Schwiegertochter: Camilla.
 
"#Mertens": vgl. "gesammelte Todesanzeigen" von u. a. Anna Edle von Mertens, geb. Steinbauer, Wien (* 1819; † 1906), Tochter: Anna Aigner. - Heinrich Ritter von Mertens, kaiserl. Rat und Bürgermeister von Salzburg (* 1810; † 1872), Schwiegertochter: Camilla.