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Antonia Spängler an den Sohn Franz Spängler:<br />
 
Antonia Spängler an den Sohn Franz Spängler:<br />
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''Salzburg den 13. 2. [18]71/ Mein liebster theuerster Franz! Daß ich von dir einen Brief erhalten habe ist schon sehr lange, und wie mir scheint nimt dich der [[Fasching]] so sehr in Anspruch. Den[n] wie wir durch Pireago [?] erfahren solst du jede Woche 2 Bälle in Wien mitmachen/ das ist doch gewiß, sehr viel -/ mir wird oft recht bange für deine Gesundheit, - und ich danke den lieben Gott, wen[n] der Fasching vorüber ist, Otto und Louise sind nirgens hingegangen, die Voch'' [Woche] ''wen[n] nur einmal, auf ein paar Stunden, ins'' [fehlt ein Wort?] ''schauen. Ich bin sehr froh, das die Krägen recht sind, so bist du in dieser Beziehung gut bestehlt. - Die Sachen wen ich sie bekomme werde ich sogleich außnähen, ich habe auch jetzt leichter Zeit, da der kleine Max nicht mehr lebt bin ich im bewirten mehr wieder für mich. Die Spängler Oma geht heuer gar auf keinen Ball, Sie sagt, sie müßte sich alles neu anschaffen und das freut sie nicht. Die Frau von glanz [?] ist neulich ganz je gestorben als sie ins Bett gestiegen/ die guggenbühler ist auch zum sterben, man hat ihr heute Nacht schon 3 mal das Licht eingehalten im Wochenbett. Die Prohascha soll auch sehr schlecht sein in Wochenbett. Ich freue mich den Adolf seine Gattin kennen zu lernen. Den Fasching Montag Abends bin ich bey Hothschizkas eingeladen und am Fasching dienstag bey dureggers so gott will das alles gesund bleibt, Was man nie sagen kann, Wie ich hoffe bist du lieber Franz gesund, ich hatte schon lange einen Husten und Schnupfen noch im[m]er, und gehe Abends sehr wenig auß/ bey Schmelzing sind beyde Unwohl, er hat starken Husten Sie liegt. schon lange an der Gicht. Eben höre ich das die Junge Wolfstein an den Folgen des Wochenbett sehr krank sein soll. Wegen: LXX Betti'' [Katzinger] ''lasse ich es den Otto üben es zu schreiben. Nun ist die Zahl der hübschen heurathsmeßigen Frauenzimmer nicht mehr groß. Lebe recht wohl mein lieber guter Franz schon deine Gesundheit, und sey recht herzlich gegrüßt und geküßt von deiner treuen Mutter Spängler / Ein menge Bekante grüßen dich recht herzlich. Otto der kleine läßt dich recht schön grüßen, er glaubt immer du schreibst an ihm großmutter lies mir den Brief vor sagt er oft.''
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''Salzburg den 13. 2. [18]71/ Mein liebster theuerster Franz! Daß ich von dir einen Brief erhalten habe ist schon sehr lange, und wie mir scheint nimt dich der [[Fasching]] so sehr in Anspruch. Den[n] wie wir durch Pireago [?] erfahren solst du jede Woche 2 Bälle in Wien mitmachen/ das ist doch gewiß, sehr viel -/ mir wird oft recht bange für deine Gesundheit, - und ich danke den lieben Gott, wen[n] der Fasching vorüber ist, Otto und Louise sind nirgens hingegangen, die Voch'' [Woche, Anm.] ''wen[n] nur einmal, auf ein paar Stunden, ins'' [fehlt ein Wort? Anm.] ''schauen. Ich bin sehr froh, das die Krägen recht sind, so bist du in dieser Beziehung gut bestehlt. - Die Sachen wen ich sie bekomme werde ich sogleich außnähen, ich habe auch jetzt leichter Zeit, da der kleine Max nicht mehr lebt bin ich im bewirten mehr wieder für mich. Die Spängler Oma geht heuer gar auf keinen Ball, Sie sagt, sie müßte sich alles neu anschaffen und das freut sie nicht. Die Frau von glanz [?] ist neulich ganz je gestorben als sie ins Bett gestiegen/ die guggenbühler ist auch zum sterben, man hat ihr heute Nacht schon 3 mal das Licht eingehalten im Wochenbett. Die Prohascha soll auch sehr schlecht sein in Wochenbett. Ich freue mich den Adolf seine Gattin kennen zu lernen. Den Fasching Montag Abends bin ich bey Hothschizkas eingeladen und am Fasching dienstag bey dureggers so gott will das alles gesund bleibt, Was man nie sagen kann, Wie ich hoffe bist du lieber Franz gesund, ich hatte schon lange einen Husten und Schnupfen noch im[m]er, und gehe Abends sehr wenig auß/ bey Schmelzing sind beyde Unwohl, er hat starken Husten Sie liegt. schon lange an der Gicht. Eben höre ich das die Junge Wolfstein an den Folgen des Wochenbett sehr krank sein soll. Wegen: LXX Betti'' [Katzinger, Anm.] ''lasse ich es den Otto üben es zu schreiben. Nun ist die Zahl der hübschen heurathsmeßigen Frauenzimmer nicht mehr groß. Lebe recht wohl mein lieber guter Franz schon deine Gesundheit, und sey recht herzlich gegrüßt und geküßt von deiner treuen Mutter Spängler / Ein menge Bekante grüßen dich recht herzlich. Otto der kleine läßt dich recht schön grüßen, er glaubt immer du schreibst an ihm großmutter lies mir den Brief vor sagt er oft.''
    
Vielfach ist kein Unterschied zwischen einem großen und einem kleinen "d" zu sehen; kleines "d" auch im Satzanfang wurde entsprechend nicht korrigiert [sollte aber vielleicht doch stehen]. Brief von Maria Antonia (Antonia) Spängler [geborene Lürzer; Nr. 37] (* 1803, † 1882 in der Stadt Salzburg), verheiratete mit Franz Spängler [Nr. 36]. Sie wohnen im Haus "Nr. 48", heute Mozartplatz 4 in Salzburg. Geschrieben an den Sohn Franz Spängler (* 1839) [Nr. 18]; 1870 am Gericht in Mödling (1874 dann in Wien). - "[[Fasching]]": bereits das Tagebuch von Franz Spängler von 1860/61 beginnt mit sehr ausführlichen Schilderungen der Tanzveranstaltungen in der Faschingszeit. Franz Spängler notiert genau, mit wem er welchen Tanz hatte, und das über viele Stunden hinweg. - "Otto und Louise": Bruder Otto Spängler, verheiratet mit Aloisia Duregger; "Prohascha": wahrscheinlich Prochaska<ref>vgl. [[Heinz Dopsch|Dopsch]], 1996, S. 698, Anm. 154)</ref>; "der kleine Max": Bruder von [dem kleinen] Otto (* 23. Juni; † 26. Jänner 1871); "die Spängler Oma": wohl Fanny Kobler [?] (* 1796), siehe Briefschreiberin unten. - "Duregger": Eltern der Bank-Linie der Spängler in Salzburg, Alois Duregger und Henriette [[Bolland]] (* 1810; † 1892); zu dem Bankhaus Duregger-Spängler<ref>vgl. Dopsch, 1996, S. 409</ref>; "Otto der kleine": Otto Spängler (* 1868; † 1922). - Zu dem Hinweis auf die Tanzveranstaltungen, die [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in der Faschingszeit besuchte, passen diese Erinnerungen, die bei den Briefen lagen: eine gefaltete Pappe, 9 x 6 cm, "Salzburger Kränzchen" vom "9. Februar 1871" mit den Angaben zu den Tänzen und mit Bleistift die Eintragungen der Tänzerinnen für den jeweiligen Tanz. Dazu gab es in etwa gleicher Größe Kokarden zum Anstecken (siehe entspr. Fotos im Artikel [[Fasching]]).
 
Vielfach ist kein Unterschied zwischen einem großen und einem kleinen "d" zu sehen; kleines "d" auch im Satzanfang wurde entsprechend nicht korrigiert [sollte aber vielleicht doch stehen]. Brief von Maria Antonia (Antonia) Spängler [geborene Lürzer; Nr. 37] (* 1803, † 1882 in der Stadt Salzburg), verheiratete mit Franz Spängler [Nr. 36]. Sie wohnen im Haus "Nr. 48", heute Mozartplatz 4 in Salzburg. Geschrieben an den Sohn Franz Spängler (* 1839) [Nr. 18]; 1870 am Gericht in Mödling (1874 dann in Wien). - "[[Fasching]]": bereits das Tagebuch von Franz Spängler von 1860/61 beginnt mit sehr ausführlichen Schilderungen der Tanzveranstaltungen in der Faschingszeit. Franz Spängler notiert genau, mit wem er welchen Tanz hatte, und das über viele Stunden hinweg. - "Otto und Louise": Bruder Otto Spängler, verheiratet mit Aloisia Duregger; "Prohascha": wahrscheinlich Prochaska<ref>vgl. [[Heinz Dopsch|Dopsch]], 1996, S. 698, Anm. 154)</ref>; "der kleine Max": Bruder von [dem kleinen] Otto (* 23. Juni; † 26. Jänner 1871); "die Spängler Oma": wohl Fanny Kobler [?] (* 1796), siehe Briefschreiberin unten. - "Duregger": Eltern der Bank-Linie der Spängler in Salzburg, Alois Duregger und Henriette [[Bolland]] (* 1810; † 1892); zu dem Bankhaus Duregger-Spängler<ref>vgl. Dopsch, 1996, S. 409</ref>; "Otto der kleine": Otto Spängler (* 1868; † 1922). - Zu dem Hinweis auf die Tanzveranstaltungen, die [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in der Faschingszeit besuchte, passen diese Erinnerungen, die bei den Briefen lagen: eine gefaltete Pappe, 9 x 6 cm, "Salzburger Kränzchen" vom "9. Februar 1871" mit den Angaben zu den Tänzen und mit Bleistift die Eintragungen der Tänzerinnen für den jeweiligen Tanz. Dazu gab es in etwa gleicher Größe Kokarden zum Anstecken (siehe entspr. Fotos im Artikel [[Fasching]]).