| | ''Salzburg den 30/1 [18]71. Mein inigstgeliebter Franz! Da Eduard Spángler<ref>Eduard Spängler (* 18. März 1839 in Salzburg; † 1. März 1883), Rechnungsoffizier im Ministerium in Wien</ref>, Morgen nach Wien reißet, so bin ich sehr froh, die die Krägen senden zu können, ich hoffe selbe werden dir jetzt recht sein. Die Socken mußt du mir halt durch Eigl senden wen sich früher keine Gelegenheit ergiebt, es ist wohl der Trammer jetzt in Wien, aber wie lange unten bleibt, und ob er etwas mitnehmen würde weiß ich nicht. Otto wird nun jetzt nicht so bald hinab kommen weil er sich nicht mehr wählen läßt, als Verwaltungsrath. Er wird dir wohl selbst schon darüber geschrieben haben. / Du wirst erstaunt geweßen sein, zu hören das unser lieber Max<ref>vgl. Brief vom 28. Juni 1870</ref> so schnel gestorben ist, ich kan dir gar nicht sagen wie leid mir um das Kind ist, es war so ein gutes Kind. Es [ist] freulich ein schöner Engl und hat es viel besser als wir alle, er ist nun von allen Sorgen und Mühen dießer Welt befreut, und wird für seine geschwister bitten können. Wir sind gottlob alle Gesund, Otto und Louise scheinen auch wider mehr getröstet. Der Herr Obervinanzrath Müller ist gestorben. Die Tochter zieht nach Wien. Die Stieflet[t]en getraue ich mir den Eduard nicht mitzugeben, weil ich fürchte der Pack wird ihm zu groß. Hast du dich gut unterhalten / bey Mohl? Denke dir wie ich höre soll der Mertens<ref>Heinrich Ritter von Mertens († 26. Oktober 1872)</ref> ganz Blöde werden, ich glaube er kömmt jetzt gar nie auß, dieß ist gewiß sehr traurig, besonders für die Familie. Guttenberg Emil soll nach Türol versetzt werden, dieß wird seiner Gattin wohl keine Freude machen besond[e]rs da sie ihre Eltern in Wien hat. Wegen Pepi Lürzer ist noch nichts zurük gekommen Lürzer Otto<ref>Otto Lürzer von Zehendthal (* 1843), verheiratet mit Maria Müller in Salzburg am 16. September 1872; Jurist, später k. k. Vizepräsident des Kreisgerichts in St. Pölten; 1871 in Saalfelden</ref> ist nun in die 400 tl eingerückt, ist aber noch immer in Salfelden. Lebe nun recht wohl lieber Franz es küßt und segnet dich deine dich treu liebende Mutter Spángler Von allen Bekanten viele herzliche grüße. Morgen bin ich bey Zeller geladen.'' | | ''Salzburg den 30/1 [18]71. Mein inigstgeliebter Franz! Da Eduard Spángler<ref>Eduard Spängler (* 18. März 1839 in Salzburg; † 1. März 1883), Rechnungsoffizier im Ministerium in Wien</ref>, Morgen nach Wien reißet, so bin ich sehr froh, die die Krägen senden zu können, ich hoffe selbe werden dir jetzt recht sein. Die Socken mußt du mir halt durch Eigl senden wen sich früher keine Gelegenheit ergiebt, es ist wohl der Trammer jetzt in Wien, aber wie lange unten bleibt, und ob er etwas mitnehmen würde weiß ich nicht. Otto wird nun jetzt nicht so bald hinab kommen weil er sich nicht mehr wählen läßt, als Verwaltungsrath. Er wird dir wohl selbst schon darüber geschrieben haben. / Du wirst erstaunt geweßen sein, zu hören das unser lieber Max<ref>vgl. Brief vom 28. Juni 1870</ref> so schnel gestorben ist, ich kan dir gar nicht sagen wie leid mir um das Kind ist, es war so ein gutes Kind. Es [ist] freulich ein schöner Engl und hat es viel besser als wir alle, er ist nun von allen Sorgen und Mühen dießer Welt befreut, und wird für seine geschwister bitten können. Wir sind gottlob alle Gesund, Otto und Louise scheinen auch wider mehr getröstet. Der Herr Obervinanzrath Müller ist gestorben. Die Tochter zieht nach Wien. Die Stieflet[t]en getraue ich mir den Eduard nicht mitzugeben, weil ich fürchte der Pack wird ihm zu groß. Hast du dich gut unterhalten / bey Mohl? Denke dir wie ich höre soll der Mertens<ref>Heinrich Ritter von Mertens († 26. Oktober 1872)</ref> ganz Blöde werden, ich glaube er kömmt jetzt gar nie auß, dieß ist gewiß sehr traurig, besonders für die Familie. Guttenberg Emil soll nach Türol versetzt werden, dieß wird seiner Gattin wohl keine Freude machen besond[e]rs da sie ihre Eltern in Wien hat. Wegen Pepi Lürzer ist noch nichts zurük gekommen Lürzer Otto<ref>Otto Lürzer von Zehendthal (* 1843), verheiratet mit Maria Müller in Salzburg am 16. September 1872; Jurist, später k. k. Vizepräsident des Kreisgerichts in St. Pölten; 1871 in Saalfelden</ref> ist nun in die 400 tl eingerückt, ist aber noch immer in Salfelden. Lebe nun recht wohl lieber Franz es küßt und segnet dich deine dich treu liebende Mutter Spángler Von allen Bekanten viele herzliche grüße. Morgen bin ich bey Zeller geladen.'' |
| − | [andere Handschrift; Otto Spängler:] ''Lieber Franz! Ich füge den Zeilen der Mutter nun noch etwas geschäftliches bei. Was den Kauf einer Salzburg-Oberösterreicher Bankactie betrifft, so theile ich dir nur mit, d[a]ß sie noch nicht zu haben sind, sie kostet mindestens 110 fl'' [Gulden] '' / 100 fl eingezalt und wird sammt DXX am 1. Juli circa 8 – 9 fl tragen. Montanaktie kostet 105 1/2 sammt Zinsen vom 1. Juli 1870'' [darüber klein:] ''(5 % von 80 fl); dürfte circa das halbe tragen. 8 – 9 fl. Südbahn weist du ohnehin; ich würde dir nur eine der beide lezteren rathen; jedenfalls glaube ich sende mir 110 fl, da komme ich mit deinem Cassarest u den 21 fl Coupons zum Ankauf von jeder Gattung u. zum Monatgeld der Mutter<ref>Die Brüder unterstützen die Mutter monatlich; vgl. Brief vom 19. Juni 1871.</ref> pro Februar aus, u. zur Prolongation. Und willst du nichts kaufen, und günstigere Curse abwarten, so zale ich mit dem Gelde dann an der Sparkasse ab. Nun lebe wol, lieber Franz, sei herzlich gegrüßt von deinem treuen Otto. Für deinen lieben beileidsbrief danke ich dir herzlich.'' | + | [andere Handschrift; Otto Spängler:] ''Lieber Franz! Ich füge den Zeilen der Mutter nun noch etwas geschäftliches bei. Was den Kauf einer Salzburg-Oberösterreicher Bankactie betrifft, so theile ich dir nur mit, d[a]ß sie noch nicht zu haben sind, sie kostet mindestens 110 fl'' [Gulden, Anm.] '' / 100 fl eingezalt und wird sammt DXX am 1. Juli circa 8 – 9 fl tragen. Montanaktie kostet 105 1/2 sammt Zinsen vom 1. Juli 1870'' [darüber klein:] ''(5 % von 80 fl); dürfte circa das halbe tragen. 8 – 9 fl. Südbahn weist du ohnehin; ich würde dir nur eine der beide lezteren rathen; jedenfalls glaube ich sende mir 110 fl, da komme ich mit deinem Cassarest u den 21 fl Coupons zum Ankauf von jeder Gattung u. zum Monatgeld der Mutter<ref>Die Brüder unterstützen die Mutter monatlich; vgl. Brief vom 19. Juni 1871.</ref> pro Februar aus, u. zur Prolongation. Und willst du nichts kaufen, und günstigere Curse abwarten, so zale ich mit dem Gelde dann an der Sparkasse ab. Nun lebe wol, lieber Franz, sei herzlich gegrüßt von deinem treuen Otto. Für deinen lieben beileidsbrief danke ich dir herzlich.'' |