| − | ''Lieber Franz! Ich sage dir herzlichen Dank für deinen lieben Brief. Du hast wo[h]l vollkommen Recht, dß<ref>Zum fehlenden Dehnungs-h und zur Abkürzung dß vgl. z.B. Brief vom 18. und 19. Jänner 1872. In Ottos Handschrift lassen sich zudem Groß- und Kleinbuchstaben von B, D und F nicht unterscheiden.</ref> die gesammten Umstände von Milas Vermä[h]lung keinen Anlaß zu einer eigentlichen Beglückwünschung bieten<ref>Emilie Spängler (* 1874; † 1958), in erster Ehe 1898 verheiratet mit Eduard Höllrigl (* 1861; † 1902), am 3. Jänner 1912 in Salzburg in zweiter Ehe verheiratet mit Otto Trammer (* 1878; † 1914), Lehrer in München, der in zweiter Ehe mit Milas jüngere Schwester Elsa (Elisabeth Spängler, * 1881) verheiratet war, die 1911 starb.</ref>; aus dem gleichen Grunde haben wir auf jede, wie immer Namen habende Feierlichkeit vermieden. Die Trauung fand um 7 Uhr früh bei Nacht u. Nebel in der Rupertikapelle statt; es war sehr einfach aber sehr weihevoll. Zugegen waren nur Mama, Paula, Louise, Rudolf u. ich. Wir / fuhren mit den 2 Brautleuten um 3/4 auf 7 Uhr in zwei Wägen zur Domkirche, wo natürlich keine neugierige Seele war, da ja auch niemand etwas davon wußte. Wir gingen über die zum Musikchor führende Treppe in die Oratorien hinauf, welche durch große Wachskerzen beleuchtet waren. Das lezte dieser Oratorien ist die Rupertikapelle. Domkapitular Obweger<ref>Jakob Obweger (* 1857; † 1948), seit 1908 Domkapitular.</ref> hielt eine sehr hübsche, dem Falle entsprechende Rede u. nach dem Trauungsakte las er die Messe. Um 3/4 8 Uhr fuhren wir nach Hause, frühstükten zusamen und um 9 Uhr fuhr das Paar nach München fort; / Sie schreibt recht fleißig, hat vollauf zu tun mit ihrer Häuslichkeit zumal auch Fanni mit Mitte Jänner ausgetreten ist, um zu ihrem Stiefsohn nach Triest zu ziehen. Bei uns ist es natürlich stiller geworden. Rudolf bleibt zwar manchen Abend zu Hause, aber ich finde es so begreiflich, dß er öfters gerne ausgeht. Was soll er auch immer bei uns zwei alten Leute zu Hause machen. Dß uns Mila sehr abgeht, ist natürlich; sie war Mama eine feste Stüze im Hause und mir eine so aufmerksame treu ergebene Tochter, dß ihr Weggehen wol eine breite / Lüke zurückließ. Doch freue ich mich des Glükes, das sie an der Seite dieses braven ausgezeichneten Menschen so Gott will für eine lange Dauer gefunden haben möge!''<ref>Otto Trammer fällt am 27. Oktober 1914 in Frankreich.</ref>. | + | ''Lieber Franz! Ich sage dir herzlichen Dank für deinen lieben Brief. Du hast wo[h]l vollkommen Recht, dß<ref>Zum fehlenden Dehnungs-h und zur Abkürzung dß vgl. z.B. Brief vom 18. und 19. Jänner 1872. In Ottos Handschrift lassen sich zudem Groß- und Kleinbuchstaben von B, D und F nicht unterscheiden.</ref> die gesammten Umstände von Milas Vermä[h]lung keinen Anlaß zu einer eigentlichen Beglückwünschung bieten<ref>Emilie Spängler (* 1874; † 1958), in erster Ehe 1898 verheiratet mit Eduard Höllrigl (* 1861; † 1902), am 3. Jänner 1912 in Salzburg in zweiter Ehe verheiratet mit Otto Trammer (* 1878; † 1914), Lehrer in München, der in zweiter Ehe mit Milas jüngere Schwester Elsa (Elisabeth Spängler, * 1881) verheiratet war, die 1911 starb.</ref>; aus dem gleichen Grunde haben wir auf jede, wie immer Namen habende Feierlichkeit vermieden. Die Trauung fand um 7 Uhr früh bei Nacht u. Nebel in der Rupertikapelle statt; es war sehr einfach aber sehr weihevoll. Zugegen waren nur Mama, Paula, Louise, Rudolf u. ich. Wir / fuhren mit den 2 Brautleuten um 3/4 auf 7 Uhr in zwei Wägen zur Domkirche, wo natürlich keine neugierige Seele war, da ja auch niemand etwas davon wußte. Wir gingen über die zum Musikchor führende Treppe in die Oratorien hinauf, welche durch große Wachskerzen beleuchtet waren. Das lezte dieser Oratorien ist die Rupertikapelle. [[Domkapitular]] [[Jakob Obweger|Obweger]] hielt eine sehr hübsche, dem Falle entsprechende Rede u. nach dem Trauungsakte las er die Messe. Um 3/4 8 Uhr fuhren wir nach Hause, frühstükten zusamen und um 9 Uhr fuhr das Paar nach München fort; / Sie schreibt recht fleißig, hat vollauf zu tun mit ihrer Häuslichkeit zumal auch Fanni mit Mitte Jänner ausgetreten ist, um zu ihrem Stiefsohn nach Triest zu ziehen. Bei uns ist es natürlich stiller geworden. Rudolf bleibt zwar manchen Abend zu Hause, aber ich finde es so begreiflich, dß er öfters gerne ausgeht. Was soll er auch immer bei uns zwei alten Leute zu Hause machen. Dß uns Mila sehr abgeht, ist natürlich; sie war Mama eine feste Stüze im Hause und mir eine so aufmerksame treu ergebene Tochter, dß ihr Weggehen wol eine breite / Lüke zurückließ. Doch freue ich mich des Glükes, das sie an der Seite dieses braven ausgezeichneten Menschen so Gott will für eine lange Dauer gefunden haben möge!''<ref>Otto Trammer fällt am 27. Oktober 1914 in Frankreich.</ref>. |
| | ''Dß die Besserung in deinem Befinden nur langsam vorwärts schreitet, ist in dieser Jahreszeit u. in unseren Jahren wol begreiflich. Und wenn es auch nicht mehr auf hohe Berge geht, nach Salzburg mit seiner guten Luft wird es im Sommer schon wieder gehen. Zu Ottos Avancement u seinem Offiziersportepé gratuliere ich vielmals.<ref>Otto Spängler (* 1886), gefallen am 21. Oktober 1918 in Venetien.</ref> Das Geld wirst du wol erhalten haben. Mit den herzlichsten Grüßen von Mama u mir deiner treuer Otto.'' | | ''Dß die Besserung in deinem Befinden nur langsam vorwärts schreitet, ist in dieser Jahreszeit u. in unseren Jahren wol begreiflich. Und wenn es auch nicht mehr auf hohe Berge geht, nach Salzburg mit seiner guten Luft wird es im Sommer schon wieder gehen. Zu Ottos Avancement u seinem Offiziersportepé gratuliere ich vielmals.<ref>Otto Spängler (* 1886), gefallen am 21. Oktober 1918 in Venetien.</ref> Das Geld wirst du wol erhalten haben. Mit den herzlichsten Grüßen von Mama u mir deiner treuer Otto.'' |