| − | ''Wien den 9/3 [18]76. // Meine lieben Theuren! // Wie überrascht war ich, als ich von der Kirche nachhauße kamm, Euer liebes Schreiben traf – – Wie es scheint, hat sich die Sache ganz schändlich [?] gelöst, ich bins herzlich froh für'' [unterstrichen:] ''alle. Auch bin ich mit den mir gestehlten, – freundlichen Antrag zu Euch zu Ziehen – von ganzen Herzen und Gemüth einverstanden, Ich hoffe wir werden uns gewiß gut vertragen, Ihr wüsset ja das mein Leben und dencken und thun, ja nur meinen Kindern geweiht ist. Was ich kann werde ich gewiß suchen die Louise zu unterstützen. Auch mit den Preis bin ich einverstanden. Es kostete mich ja / die Wirtschaft bis her das gleiche, und so darf ich mich um nichts mehr sorgen, und darf mich nicht mehr ärgern mit der Pepi<ref>"Pepi" ist ein häufiger Namen in den Briefen; von dieser Hausangestellten "Pepi" ist im Brief vom 5. Mai 1872 die Rede. Sie ist jung, im Brief vom Ende Dezember 1877 wird sie als "noch zu wenig abgerichtet [ausgebildet]" bezeichnet. Ob damit wieder die gleiche Person gemeint ist, bleibt unklar.</ref>. Wie schnel werden mir die Tage und Wochen vergeg[h]en, wen ich nun ganz um Euch und den lieben Kindleins bin saget es den Kindlein das ich mich herzlich darauf freue.<ref>Die Mutter wird am 16. April 73 Jahre alt. Sie hatte selbst 7 Kinder, von denen nur die beiden Brüder, die jüngsten, das Erwachsenenalter erreicht haben. In der Familie von Otto Spängler sind 4 Kinder geboren, das fünfte ist unterwegs. Von den elf Kindern dieser Familie, geboren 1868 bis 1883, erreichen acht das Erwachsenenalter.</ref> Als du das erstemal davon gesprochen dachte ich es mir nur als einen schönen Traum – nun soll es werden – der liebe Gott gebe zum'' [unterstrichen:] ''Wollen auch das'' [unterstrichen:] ''Vollbringen. Nun giebt es noch eine menge zu besprechen wo mit meinen Tischwasch – Betten hin, ich meine ich werde sie unter Euch vertheilen. Geschirr könt Ihr Euch auch außsuchen was Ihr wolt, das übrige will ich dan / verkauffen, Wen ich keine eigene Wirtschaft mehr habe fählt ja vieles weg. Ich werde, bis ich zu Euch komme meine Möbel neu überziehen laßen, wahrscheinlich auch hier den Stoff kauffen. Bett wird vieleicht die Louise etwas stehen können den verkauffen ist fast schade, da alles so gut daran ist.'' | + | ''Wien den 9/3 [18]76. // Meine lieben Theuren! // Wie überrascht war ich, als ich von der Kirche nachhauße kamm, Euer liebes Schreiben traf – – Wie es scheint, hat sich die Sache ganz schändlich [?] gelöst, ich bins herzlich froh für'' [unterstrichen:] ''alle. Auch bin ich mit den mir gestehlten, – freundlichen Antrag zu Euch zu Ziehen – von ganzen Herzen und Gemüth einverstanden, Ich hoffe wir werden uns gewiß gut vertragen, Ihr wüsset ja das mein Leben und dencken und thun, ja nur meinen Kindern geweiht ist. Was ich kann werde ich gewiß suchen die Louise zu unterstützen. Auch mit den Preis bin ich einverstanden. Es kostete mich ja / die Wirtschaft bis her das gleiche, und so darf ich mich um nichts mehr sorgen, und darf mich nicht mehr ärgern mit der Pepi<ref>"Pepi" ist ein häufiger Name in den Briefen; von dieser Hausangestellten "Pepi" ist im Brief vom 5. Mai 1872 die Rede. Sie ist jung, im Brief vom Ende Dezember 1877 wird sie als "noch zu wenig abgerichtet [ausgebildet]" bezeichnet. Ob damit wieder die gleiche Person gemeint ist, bleibt unklar.</ref>. Wie schnel werden mir die Tage und Wochen vergeg[h]en, wen ich nun ganz um Euch und den lieben Kindleins bin saget es den Kindlein das ich mich herzlich darauf freue.<ref>Die Mutter wird am 16. April 73 Jahre alt. Sie hatte selbst 7 Kinder, von denen nur die beiden Brüder, die jüngsten, das Erwachsenenalter erreicht haben. In der Familie von Otto Spängler sind 4 Kinder geboren, das fünfte ist unterwegs. Von den elf Kindern dieser Familie, geboren 1868 bis 1883, erreichen acht das Erwachsenenalter.</ref> Als du das erstemal davon gesprochen dachte ich es mir nur als einen schönen Traum – nun soll es werden – der liebe Gott gebe zum'' [unterstrichen:] ''Wollen auch das'' [unterstrichen:] ''Vollbringen. Nun giebt es noch eine menge zu besprechen wo mit meinen Tischwasch – Betten hin, ich meine ich werde sie unter Euch vertheilen. Geschirr könt Ihr Euch auch außsuchen was Ihr wolt, das übrige will ich dan / verkauffen, Wen ich keine eigene Wirtschaft mehr habe fählt ja vieles weg. Ich werde, bis ich zu Euch komme meine Möbel neu überziehen laßen, wahrscheinlich auch hier den Stoff kauffen. Bett wird vieleicht die Louise etwas stehen können den verkauffen ist fast schade, da alles so gut daran ist.'' |
| | ''Da die Lizetazion<ref>Lizitation: Versteigerung [z. B. von Gegenständen aus einem Nachlass; vgl. folgende Fußnote].</ref> von Frau von Duregger schon im April ist, darf die Fany schon bald entbunden werden, das ich noch zurecht hinauf komme. Und die Sachen außeinander theilen, was behalten, und was ich weggebe. Der Pepi werde ich auch bald schreiben, sie soll sich um einen Platz umsehen, und wie ich zu Hauße komme, werde ich ihr die Sachen zu schücken. Vieleicht bekommt sie in Ried oder Ebenschwang<ref>im Bezirk Ried im Innkreis, Oberösterreich; vgl. auch den Brief vom 28. April 1876</ref> einen Platz. / Bey Duregger bitte ich entrichtet mir auch alles Schöne, ich freue mich schon, wen wir dann in einen Stock wohnen so konen wir recht viel zusamen sein.<ref>[[Alois Duregger]] ist am 17. Februar 1876 gestorben; seine Frau Henriette wohnt weiterhin im [[Antretterhaus]] am [[Mozartplatz]] Nr. 4.</ref> Wie geht es allen? – wie den Euch? grüßet sie recht herzlich von mir. Wir haben schon viele Besuche gemacht, und auch bekommen. Die Beithe [?] hatte eine außerordentliche Freude mich zu sehen. Die F v Fenzl und Piragi waren sehr lieb. Die Fenzl ist sehr betrübt, da sie eben Nachricht erhalten hat das die Erna das Blutspucken hat, und wen die Erna es erlaubt, sie mit ihr nach Gleichenberg geht. An alle herzliche Grüße, Fräulein Rosalie bitte ich auch alles schön zu entrichten Bey Sattler waren wir Abends geladen wo es auch recht schön und angenehm war. Heute sind wir bey Angermayer Abends geladen. *'' [auf Seite 2 unten:] ''* Lebt alle recht wohl seid recht herzlich ge[g]rüßt und geküßt mit den lieben / '' [auf Seite 3 unten:] ''Kindlein von Euerer Euch treu liebenden Mutter Spángler. '' [auf Seite 1 oben auf dem Kopf:] ''Von Franz und Fany viele herzliche grüße nebst dank für die Glückswünschen zum Namensfeste!'' | | ''Da die Lizetazion<ref>Lizitation: Versteigerung [z. B. von Gegenständen aus einem Nachlass; vgl. folgende Fußnote].</ref> von Frau von Duregger schon im April ist, darf die Fany schon bald entbunden werden, das ich noch zurecht hinauf komme. Und die Sachen außeinander theilen, was behalten, und was ich weggebe. Der Pepi werde ich auch bald schreiben, sie soll sich um einen Platz umsehen, und wie ich zu Hauße komme, werde ich ihr die Sachen zu schücken. Vieleicht bekommt sie in Ried oder Ebenschwang<ref>im Bezirk Ried im Innkreis, Oberösterreich; vgl. auch den Brief vom 28. April 1876</ref> einen Platz. / Bey Duregger bitte ich entrichtet mir auch alles Schöne, ich freue mich schon, wen wir dann in einen Stock wohnen so konen wir recht viel zusamen sein.<ref>[[Alois Duregger]] ist am 17. Februar 1876 gestorben; seine Frau Henriette wohnt weiterhin im [[Antretterhaus]] am [[Mozartplatz]] Nr. 4.</ref> Wie geht es allen? – wie den Euch? grüßet sie recht herzlich von mir. Wir haben schon viele Besuche gemacht, und auch bekommen. Die Beithe [?] hatte eine außerordentliche Freude mich zu sehen. Die F v Fenzl und Piragi waren sehr lieb. Die Fenzl ist sehr betrübt, da sie eben Nachricht erhalten hat das die Erna das Blutspucken hat, und wen die Erna es erlaubt, sie mit ihr nach Gleichenberg geht. An alle herzliche Grüße, Fräulein Rosalie bitte ich auch alles schön zu entrichten Bey Sattler waren wir Abends geladen wo es auch recht schön und angenehm war. Heute sind wir bey Angermayer Abends geladen. *'' [auf Seite 2 unten:] ''* Lebt alle recht wohl seid recht herzlich ge[g]rüßt und geküßt mit den lieben / '' [auf Seite 3 unten:] ''Kindlein von Euerer Euch treu liebenden Mutter Spángler. '' [auf Seite 1 oben auf dem Kopf:] ''Von Franz und Fany viele herzliche grüße nebst dank für die Glückswünschen zum Namensfeste!'' |