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| − | [[Datei:Sigmundstor, westliche Seite.JPG|thumb|Sigmundstor, Westseite, [[Riedenburg]]]] | + | Das Sigmundstor ist seit Mitte November 2024 bis Frühjahr 2026 nur einspurig mit Ampelregelung befahrbar. |
| − | [[Datei:Siegmundstor (Altstadtseite) 21.07.2007.JPG|thumb|Sigmundstor, Ostseite, [[Altstadt]]]]
| + | Der Grund ist der Bau des [[Festspielzentrum am Herbert von Karajan-Platz|Festspielzentrums am Herbert von Karajan-Platz]]. |
| − | Das '''Sigmundstor''' oder ''Si'''e'''gmundstor'', früher ''Neutor'' genannt, ist ein historisches Stadttor und ein Straßentunnel und verbindet die [[Riedenburg]] mit der [[Altstadt]] von Salzburg. | + | |
| | + | [[Datei:Sigmundstor, westliche Seite.JPG|thumb|Sigmundstor, Westseite, [[Riedenburg]].]] |
| | + | Das '''Sigmundstor''' oder ''Si'''e'''gmundstor'', früher ''Neutor'' genannt, ist ein historisches Stadttor und ein Straßentunnel und verbindet die [[Riedenburg]] mit der [[Altstadt]] von Salzburg. Es ist der älteste Straßentunnel im heutigen Österreich. |
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| | == Name und Schreibweise== | | == Name und Schreibweise== |
| | Die Inschrift des Tores lautet zwar ''Siegmundstor''. Weil das Tor aber nach dem heiligen Sigismund (auch als heiliger Sigmund bekannt) geweiht ist, scheint die Schreibweise ''Sigmundstor'' trotzdem folgerichtiger. Auch wurde das Tor zuerst St. Sigmundsthor genannt. Jedoch schreibt es der [[Magistrat der Stadt Salzburg]] auf dem offiziellen [[Digitaler Stadtplan von Salzburg|digitalen Stadtplan von Salzburg]] ''Si'''e'''gmundstor'',<ref>die aktuelle (2022) Schreibweise im [[Digitaler Stadtplan von Salzburg|digitalen Stadtplan von Salzburg))</ref> sowie auch ''Neutor''. Der ursprüngliche Name "Sigmundstor" hatte sich nicht durchgesetzt, das Tor wurde "Neutor" genannt. Auch die [[1991]] erneute Benennung des Tors nach dem heiligen Sigismund hat die Benennung "Neutor" nicht verdrängen können. | | Die Inschrift des Tores lautet zwar ''Siegmundstor''. Weil das Tor aber nach dem heiligen Sigismund (auch als heiliger Sigmund bekannt) geweiht ist, scheint die Schreibweise ''Sigmundstor'' trotzdem folgerichtiger. Auch wurde das Tor zuerst St. Sigmundsthor genannt. Jedoch schreibt es der [[Magistrat der Stadt Salzburg]] auf dem offiziellen [[Digitaler Stadtplan von Salzburg|digitalen Stadtplan von Salzburg]] ''Si'''e'''gmundstor'',<ref>die aktuelle (2022) Schreibweise im [[Digitaler Stadtplan von Salzburg|digitalen Stadtplan von Salzburg))</ref> sowie auch ''Neutor''. Der ursprüngliche Name "Sigmundstor" hatte sich nicht durchgesetzt, das Tor wurde "Neutor" genannt. Auch die [[1991]] erneute Benennung des Tors nach dem heiligen Sigismund hat die Benennung "Neutor" nicht verdrängen können. |
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| | + | [[Datei:Siegmundstor (Altstadtseite) 21.07.2007.JPG|thumb|Sigmundstor, Ostseite, [[Altstadt]].]] |
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| | == Geschichte == | | == Geschichte == |
| − | [[Datei:Sigmundstor Neutor bei Nacht.jpg |thumb|Sigmundstor bei Nacht]]
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| − | [[Datei:Gedenktafel_Neutor.jpg|thumb|Gedenktafel am Sigmundstor]]
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| | Hofkriegsrat Guidobald Franz Freiherr von [[Hegi]] trat [[1676]] an den [[Fürsterzbischof]] [[Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg]] heran und schlug vor, den [[Mönchsberg]] an der schmalsten Stelle zu durchtrennen. Um eine direkte Verbindung von der Altstadt in die Riedenburg herzustellen, sollte bei dem seit [[1675]] betriebenen [[Hofmarstall]]-Steinbruch ein Schnitt durch den Mönchsberg gelegt werden.<ref name="Dopsch_Hoffmann">[[Heinz Dopsch|Dopsch, Heinz]]; [[Robert Hoffmann|Hoffmann, Robert]]: [[Salzburg, die Geschichte einer Stadt]], Seite 350</ref> Der Durchstich sollte sich durch den Verkauf von Quadern und durch Robot selbst finanzieren. Dadurch sollte ein erhöhtes Steueraufkommen ermöglicht werden, die Absiedlung feuergefährlicher Betriebe möglich werden, neuer Wohnraum geschaffen, die nicht einfache Verteidigung der inneren [[Riedenburg]] sichergestellt und die Verteidigung von Stadt und [[Festung Hohensalzburg|Festung]] verbessert werden. Von [[1676]] bis [[1687]] (Tod Max Gandolfs) wurde daher beim [[Hofmarstall]] ein [[Steinbruch am Mönchsberg|Steinbruch]] betrieben und in 35 m Breite der Berg abgegraben. Der Durchstich erfolgte jedoch noch lange nicht. | | Hofkriegsrat Guidobald Franz Freiherr von [[Hegi]] trat [[1676]] an den [[Fürsterzbischof]] [[Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg]] heran und schlug vor, den [[Mönchsberg]] an der schmalsten Stelle zu durchtrennen. Um eine direkte Verbindung von der Altstadt in die Riedenburg herzustellen, sollte bei dem seit [[1675]] betriebenen [[Hofmarstall]]-Steinbruch ein Schnitt durch den Mönchsberg gelegt werden.<ref name="Dopsch_Hoffmann">[[Heinz Dopsch|Dopsch, Heinz]]; [[Robert Hoffmann|Hoffmann, Robert]]: [[Salzburg, die Geschichte einer Stadt]], Seite 350</ref> Der Durchstich sollte sich durch den Verkauf von Quadern und durch Robot selbst finanzieren. Dadurch sollte ein erhöhtes Steueraufkommen ermöglicht werden, die Absiedlung feuergefährlicher Betriebe möglich werden, neuer Wohnraum geschaffen, die nicht einfache Verteidigung der inneren [[Riedenburg]] sichergestellt und die Verteidigung von Stadt und [[Festung Hohensalzburg|Festung]] verbessert werden. Von [[1676]] bis [[1687]] (Tod Max Gandolfs) wurde daher beim [[Hofmarstall]] ein [[Steinbruch am Mönchsberg|Steinbruch]] betrieben und in 35 m Breite der Berg abgegraben. Der Durchstich erfolgte jedoch noch lange nicht. |
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| | ==== Kurioses ==== | | ==== Kurioses ==== |
| − | An beiden Seiten der Einfahrt zum Sigmundstor waren um 1896 Schilder angebracht mit der Aufschrift: "''Peitschenknallen verboten''". Das war zweifellos sinnvoll, denn der schussähnlich wirkende Knall hätte so manches Pferd zum Durchgehen veranlasst.<ref>Quelle: Persönliches Gespräch von [[Benutzer:Gattermair|Benutzer Gattermair]] mit [[Hans Seefeldner]]</ref> | + | An beiden Seiten der Einfahrt zum Sigmundstor waren um 1896 Schilder angebracht mit der Aufschrift: "''Peitschenknallen verboten''". Das war zweifellos sinnvoll, denn der schussähnlich wirkende Knall hätte so manches Pferd zum Durchgehen veranlasst.<ref>Persönliches Gespräch von [[Benutzer:Gattermair|Benutzer Gattermair]] mit [[Hans Seefeldner]]</ref> |
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| | Im Sigmundstor betrug beim Anfang der Motorisierung um 1900 die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Fahrzeuge sechs Stundenkilometer.<ref>Quelle ''Kronland Salzburg, historische Fotografien von 1850 bis 1918,'' [[Salzburger Museum Carolino Augusteum]], Wolfram Morath (Hrsg.), 2000, ISBN 3-901014-68-3</ref> | | Im Sigmundstor betrug beim Anfang der Motorisierung um 1900 die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Fahrzeuge sechs Stundenkilometer.<ref>Quelle ''Kronland Salzburg, historische Fotografien von 1850 bis 1918,'' [[Salzburger Museum Carolino Augusteum]], Wolfram Morath (Hrsg.), 2000, ISBN 3-901014-68-3</ref> |
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| | W. HAGENAUER ARCHIT.</blockquote> | | W. HAGENAUER ARCHIT.</blockquote> |
| | Indem Hagenauer seinen Namen auf die Tafel gesetzt hatte, wolle er den Schein erwecken, als ob er das ganze Werk ausgeführt habe. Zudem sei es unerhört, dass ein Werkmeister es je gewagt habe, seinen Namen neben den seines Landesfürsten zu setzen. Diese Kritik war allerdings begründet, da die Stilisierung der Inschrift wirklich eine zweideutige, von anderen salzburgischen Inschriften ähnlichen Charakters abweichend ist. Als Schluss würde man erwarten: ''Sigismundus archiepiscopus'' etc. aber nicht ''W. Hagenauer''. Damit drängt sich auch die Frage auf, wer dieses Werk dem allmächtigen Gott, dem hl. Sigismund und dem Andenken Erzbischofs Siegmunds geweiht habe? Doch wohl nicht der Architekt W. Hagenauer? Diese ''Kunststück'' entsprach ganz dem Charakter Hagenauers. | | Indem Hagenauer seinen Namen auf die Tafel gesetzt hatte, wolle er den Schein erwecken, als ob er das ganze Werk ausgeführt habe. Zudem sei es unerhört, dass ein Werkmeister es je gewagt habe, seinen Namen neben den seines Landesfürsten zu setzen. Diese Kritik war allerdings begründet, da die Stilisierung der Inschrift wirklich eine zweideutige, von anderen salzburgischen Inschriften ähnlichen Charakters abweichend ist. Als Schluss würde man erwarten: ''Sigismundus archiepiscopus'' etc. aber nicht ''W. Hagenauer''. Damit drängt sich auch die Frage auf, wer dieses Werk dem allmächtigen Gott, dem hl. Sigismund und dem Andenken Erzbischofs Siegmunds geweiht habe? Doch wohl nicht der Architekt W. Hagenauer? Diese ''Kunststück'' entsprach ganz dem Charakter Hagenauers. |
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| | + | [[Datei:Gedenktafel_Neutor.jpg|thumb|Gedenktafel am Sigmundstor]] |
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| | Für die Statue des hl. Sigismund als Bekrönung des Tores am Riedenburger Portal wurde ein 14 Schuh<ref>Quelle Andreas Mudrich schreibt 17 Schuh</ref> hoher [[Marmor]]block von einem Steinbruch am [[Untersberg]] geholt. Johann Hagenauer hatte auf der Suche nach einem Stein für die Statue des hl. Siegmund im Steinbruch des Steinmetzmeisters [[Doppler#Die Steinmetze von Himmelreich|Doppler]] am Untersberg einen Block gefunden, der 17 Schuh<ref>Quelle Andreas Mudrich</ref> lang war. Geyer machte ihn zwar aufmerksam, dass dieser Stein Klüfte habe, und bot ihm einen besseren aus dem Hofsteinbruch an, der zwar nur zehn Schuh groß war, aber in besserem Verhältnis zur Größe des Portals gestanden wäre. Dieses Anerbieten wurde jedoch abgelehnt, ja sogar als eine Auflehnung gegen den Befehl des Erzbischofs angesehen, und die Statue 17 Schuh hoch hergestellt. Im Nachhinein mussten die klüftigen Stellen durch Klammern versichert werden. | | Für die Statue des hl. Sigismund als Bekrönung des Tores am Riedenburger Portal wurde ein 14 Schuh<ref>Quelle Andreas Mudrich schreibt 17 Schuh</ref> hoher [[Marmor]]block von einem Steinbruch am [[Untersberg]] geholt. Johann Hagenauer hatte auf der Suche nach einem Stein für die Statue des hl. Siegmund im Steinbruch des Steinmetzmeisters [[Doppler#Die Steinmetze von Himmelreich|Doppler]] am Untersberg einen Block gefunden, der 17 Schuh<ref>Quelle Andreas Mudrich</ref> lang war. Geyer machte ihn zwar aufmerksam, dass dieser Stein Klüfte habe, und bot ihm einen besseren aus dem Hofsteinbruch an, der zwar nur zehn Schuh groß war, aber in besserem Verhältnis zur Größe des Portals gestanden wäre. Dieses Anerbieten wurde jedoch abgelehnt, ja sogar als eine Auflehnung gegen den Befehl des Erzbischofs angesehen, und die Statue 17 Schuh hoch hergestellt. Im Nachhinein mussten die klüftigen Stellen durch Klammern versichert werden. |
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| | Warum zwei Medusen am Sigmundstor? Johann Baptist Hagenauer hatte in [[Italien]] studiert. Das inspirierte ihn wohl zu klassizistischeren Formen. Ihre Funktion am Neutor ist am ehesten mit der von Wachen zu erklären. Der böse Blick der beiden Medusen soll als Schutz vor Unheil dienen.<ref>Quelle [[Salzburger Nachrichten]] vom 8. November 2019, ein Beitrag von [[Daniele Pabinger]] in der Kolumne [[Kulturklauberin]];</ref> | | Warum zwei Medusen am Sigmundstor? Johann Baptist Hagenauer hatte in [[Italien]] studiert. Das inspirierte ihn wohl zu klassizistischeren Formen. Ihre Funktion am Neutor ist am ehesten mit der von Wachen zu erklären. Der böse Blick der beiden Medusen soll als Schutz vor Unheil dienen.<ref>Quelle [[Salzburger Nachrichten]] vom 8. November 2019, ein Beitrag von [[Daniele Pabinger]] in der Kolumne [[Kulturklauberin]];</ref> |
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| | + | [[Datei:Sigmundstor Neutor bei Nacht.jpg |thumb|Sigmundstor bei Nacht]] |
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| | == Technische Daten == | | == Technische Daten == |