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| | Als [[1816]] die Gerichtsärzte aus dem vormaligen Unterdonau-Kreis in das österreichische Territorium eingegliedert wurden, wurde eine "Qualifications Tabelle der Gerichtsärzte" angelegt, die auch Bemerkungen des Landgerichts und des Kreisamtes Salzburg enthielt. Während das Landgerichts davon berichtete, dass er sich stets bemühte "die entschiedensten Beweise seiner tiefen Kenntniße von sich zu geben", stellte das Kreisamt hingegen fest, dass er "zwar vielen guten Willen zeigte, aber jedoch in selben als in seinen Berichten sehr seichte wissenschaftliche Kenntnisse verrieth."<ref>SLA Gen Kr Kom B 26 I Nr 98</ref> Im Jahre [[1818]] wurde er trotzdem bei der Organisierung nach der [[Salzburg (Salzachkreis) als Teil "Österreichs ob der Enns"|österreichischen Form]] zum k.k. Distriktsarzt in Siegharding befördert. | | Als [[1816]] die Gerichtsärzte aus dem vormaligen Unterdonau-Kreis in das österreichische Territorium eingegliedert wurden, wurde eine "Qualifications Tabelle der Gerichtsärzte" angelegt, die auch Bemerkungen des Landgerichts und des Kreisamtes Salzburg enthielt. Während das Landgerichts davon berichtete, dass er sich stets bemühte "die entschiedensten Beweise seiner tiefen Kenntniße von sich zu geben", stellte das Kreisamt hingegen fest, dass er "zwar vielen guten Willen zeigte, aber jedoch in selben als in seinen Berichten sehr seichte wissenschaftliche Kenntnisse verrieth."<ref>SLA Gen Kr Kom B 26 I Nr 98</ref> Im Jahre [[1818]] wurde er trotzdem bei der Organisierung nach der [[Salzburg (Salzachkreis) als Teil "Österreichs ob der Enns"|österreichischen Form]] zum k.k. Distriktsarzt in Siegharding befördert. |
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| | + | == Familie == |
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| | Am [[10. Februar]] [[1823]] heiratete Johann Jessenwagner in [[Schärding am Inn|Schärding]] 40-jährig das Fräulein Maria Lenter. Die Braut war 20 Jahre alt und die Tochter des quieszierten<ref>quieszieren bedeutet jemanden in den Ruhestand versetzen, [https://www.dwds.de/wb/quieszieren www.dwds.de]</ref> k.k. Rentbeamten von Waizenkirchen und dessen Ehegattin Anna Maria, geborene Herrmann, Prokurators Tochter von Schärding.<ref>[https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/oberoesterreich/schaerding/207%252F1823/?pg=4 data.matricula-online.eu]</ref>Die 1825 geborene Tochter Theresia (* in [[Schärding]]) starb im Alter von 29 Jahren an "Abzehrung".<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nsr&datum=18540607&query=%22Jessenwanger%22&ref=anno-search&seite=3 ANNO], "[[Neue Salzburger Zeitung]]", Ausgabe vom 7. Juni 1854, Seite 3</ref> Am [[7. Juni]] [[1827]] bekamen sie die Tochter Maria Emilia, die mit 18 Wochen am [[11. Oktober]] "an Brand" verstarb.<ref>Sigharting Taufbuch 03 (3); 1817-1875, Sigharting Sterbefälle-Duplikate 1827; 1827 und Sigharting Sterbebuch 03 (3); 1817-1866</ref> Eine weitere Tochter Maria Augusta Amalia wurde am [[13. Juli]] [[1830]] geboren. Taufpatin war die Rentbeamtenstochter Amalia Sibilla, somit eine Schwester der Mutter.<ref>https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/oberoesterreich/sigharting/106%252F1830/?pg=3.</ref> Amalia Jessenwagner blieb unverheiratet und starb 42jährig am [[27. Dezember]] [[1872]] im Haus [[Linzer Gasse|Linzergasse]] 494 in der Stadt Salzburg an Lungenschwindsucht und wurde auf dem [[Friedhof St. Sebastian]] begraben. <ref> Salzburg-St. Andrä, 1870–1882 Sterbefälle.</ref> | | Am [[10. Februar]] [[1823]] heiratete Johann Jessenwagner in [[Schärding am Inn|Schärding]] 40-jährig das Fräulein Maria Lenter. Die Braut war 20 Jahre alt und die Tochter des quieszierten<ref>quieszieren bedeutet jemanden in den Ruhestand versetzen, [https://www.dwds.de/wb/quieszieren www.dwds.de]</ref> k.k. Rentbeamten von Waizenkirchen und dessen Ehegattin Anna Maria, geborene Herrmann, Prokurators Tochter von Schärding.<ref>[https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/oberoesterreich/schaerding/207%252F1823/?pg=4 data.matricula-online.eu]</ref>Die 1825 geborene Tochter Theresia (* in [[Schärding]]) starb im Alter von 29 Jahren an "Abzehrung".<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nsr&datum=18540607&query=%22Jessenwanger%22&ref=anno-search&seite=3 ANNO], "[[Neue Salzburger Zeitung]]", Ausgabe vom 7. Juni 1854, Seite 3</ref> Am [[7. Juni]] [[1827]] bekamen sie die Tochter Maria Emilia, die mit 18 Wochen am [[11. Oktober]] "an Brand" verstarb.<ref>Sigharting Taufbuch 03 (3); 1817-1875, Sigharting Sterbefälle-Duplikate 1827; 1827 und Sigharting Sterbebuch 03 (3); 1817-1866</ref> Eine weitere Tochter Maria Augusta Amalia wurde am [[13. Juli]] [[1830]] geboren. Taufpatin war die Rentbeamtenstochter Amalia Sibilla, somit eine Schwester der Mutter.<ref>https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/oberoesterreich/sigharting/106%252F1830/?pg=3.</ref> Amalia Jessenwagner blieb unverheiratet und starb 42jährig am [[27. Dezember]] [[1872]] im Haus [[Linzer Gasse|Linzergasse]] 494 in der Stadt Salzburg an Lungenschwindsucht und wurde auf dem [[Friedhof St. Sebastian]] begraben. <ref> Salzburg-St. Andrä, 1870–1882 Sterbefälle.</ref> |
| | + | Aus den Büchern erfahren wir auch die Adresse, an der die Familie lebte: Siegharding 1. Dabei handelt es sich laut Auskunft von Joseph Ruhland vom Heimatmuseum Kopfing um das Gebäude des Sighartinger Schlosses. |
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| − | Aus den Büchern erfahren wir auch die Adresse, an der die Familie lebte: Siegharding 1. Dabei handelt es sich laut Auskunft von Joseph Ruhland vom Heimatmuseum Kopfing um das Gebäude des Sighartinger Schlosses.
| + | == medizinische Topographie == |
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| | [[1820]] wurde von der ob der ennsischen Landesregierung ein Dekret erlassen: "Das ob der ennsische Sanitätspersonale ist zur Verfassung medizinischer Topographien aufzufordern", um die Verfassung von Topographien zu fördern - wofür ein Vorzug bei Anstellung oder Beförderung gewährt werden sollte.<ref>[https://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=lgo&datum=1820&page=394&size=44 ANNO], Landesgesetzblatt OÖ 1819–1995</ref> Vermutlich verfassten daraufhin viele Ärzte solche Texte, die leider Großteils nicht erhalten sind. Für Salzburg sind ein kurzer und ein sehr ausführlicher Text von Dr. [[Karl Maffei]] (* [[1791]]; † [[1850]]) erhalten. Im Innkreis haben sich der Text von Dr. Johann Jessenwagner und zwei zueinander ähnliche von Dr. [[Joseph Staehling|Joseph Stähling]] (* [[1776]]; † [[1829]]) erhalten. Dieses Dekret enthielt auch eine Richtschnur zur Verfassung einer "Medicinisch-topographischen Skizze", die sich weitgehend mit dem Inhaltsverzeichnis von Jessenwagners Text deckt. | | [[1820]] wurde von der ob der ennsischen Landesregierung ein Dekret erlassen: "Das ob der ennsische Sanitätspersonale ist zur Verfassung medizinischer Topographien aufzufordern", um die Verfassung von Topographien zu fördern - wofür ein Vorzug bei Anstellung oder Beförderung gewährt werden sollte.<ref>[https://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=lgo&datum=1820&page=394&size=44 ANNO], Landesgesetzblatt OÖ 1819–1995</ref> Vermutlich verfassten daraufhin viele Ärzte solche Texte, die leider Großteils nicht erhalten sind. Für Salzburg sind ein kurzer und ein sehr ausführlicher Text von Dr. [[Karl Maffei]] (* [[1791]]; † [[1850]]) erhalten. Im Innkreis haben sich der Text von Dr. Johann Jessenwagner und zwei zueinander ähnliche von Dr. [[Joseph Staehling|Joseph Stähling]] (* [[1776]]; † [[1829]]) erhalten. Dieses Dekret enthielt auch eine Richtschnur zur Verfassung einer "Medicinisch-topographischen Skizze", die sich weitgehend mit dem Inhaltsverzeichnis von Jessenwagners Text deckt. |
| | [[Datei:Schloss Sigharting.jpg|mini|Schloss Sigharting in [[Oberösterreich]], Sitz des Bezirksarztes von 1819 bis 1850.]] | | [[Datei:Schloss Sigharting.jpg|mini|Schloss Sigharting in [[Oberösterreich]], Sitz des Bezirksarztes von 1819 bis 1850.]] |
| | Der Bezirk den er zu betreuen hatte umfasste die [[Pfleggericht]]e Viechtenstein, Schärding und Obernberg. Im Jahr [[1830]] hatte dieses Gebiet mit 39 Pfarreien eine Einwohnerzahl von 54 943 Seelen.<ref>OÖLA Landesregierungsarchiv 1787–1849, Allgemeine Reihe Schachtel 153.</ref> Im Mai und Juni vollzog er in Anwesenheit eines k.k. Landgerichts-Beamten die Pockenimpfung. Im Jahr [[1827]] erhielt er für 805 nachgewiesene Impfungen den ersten Impfpreis, der auch mit einer finanziellen Prämie von 150 [[Gulden|fl]]. verbunden war.<ref>"Medizinisch chirurgische Zeitung", 25. Juni 1829, 432.</ref> | | Der Bezirk den er zu betreuen hatte umfasste die [[Pfleggericht]]e Viechtenstein, Schärding und Obernberg. Im Jahr [[1830]] hatte dieses Gebiet mit 39 Pfarreien eine Einwohnerzahl von 54 943 Seelen.<ref>OÖLA Landesregierungsarchiv 1787–1849, Allgemeine Reihe Schachtel 153.</ref> Im Mai und Juni vollzog er in Anwesenheit eines k.k. Landgerichts-Beamten die Pockenimpfung. Im Jahr [[1827]] erhielt er für 805 nachgewiesene Impfungen den ersten Impfpreis, der auch mit einer finanziellen Prämie von 150 [[Gulden|fl]]. verbunden war.<ref>"Medizinisch chirurgische Zeitung", 25. Juni 1829, 432.</ref> |
| | Neben ihm als Bezirksarzt gab es drei weitere graduierte Ärzte, Dr. Kickinger in Obernberg und Dr. Riedler in Schärding, die beide quiesziert waren, was bedeutete, dass sie in der [[Königreich Bayern|baierischen]] Zeit als Landgerichtsärzte angestellt waren, danach aber keine staatliche Stelle mehr angetreten hatten. Dr. Haasbauer war ausübenden Arzt in Schärding. | | Neben ihm als Bezirksarzt gab es drei weitere graduierte Ärzte, Dr. Kickinger in Obernberg und Dr. Riedler in Schärding, die beide quiesziert waren, was bedeutete, dass sie in der [[Königreich Bayern|baierischen]] Zeit als Landgerichtsärzte angestellt waren, danach aber keine staatliche Stelle mehr angetreten hatten. Dr. Haasbauer war ausübenden Arzt in Schärding. |
| | + | == Pensionierung == |
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| | [[1831]] und [[1832]] kam es zu Choleraausbrüchen, die sich von Osten aus [[Galizien]] kommend nach Westen ausbreiteten. Bereits im Sommer [[1831]] bereitete man sich auf den Ernstfall vor und in dem entsprechenden Akt findet sich der Hinweis, dass das Kreisamt Ried "Jessenwagner hinsichtlich seiner Unzuverlässigkeit im Dienste sorgfältig zu überwachen" habe.<ref>>OÖLA Landesregierungsarchiv 1787–1849, Allgemeine Reihe Schachtel 153.</ref> Der westlichste Cholerafall wurde im Dezember 1832 in [[Wels]] registriert.<ref>Anton Drasche: "Die epidemische Cholera", Wien 1860, 26.</ref> Eine ganze Reihe von Maßnahmen wurden in Gang gesetzt, um für einen Ausbruch gerüstet zu sein. Für Dr. Jessenwagner, der beim Herannahen der Seuche fast 50 Jahre alt war, bedeutete diese eine große Belastung. Bei einer Dienstreise in Cholera Angelegenheiten erlitt er am rechten Fuße eine Prellung. Das geschah bei einer Inspizierung der Cholera-Spitäler am 4. Jänner [[1832]]. Wegen dieser Verletzung und der Abnahme seiner Kräfte beantragte [[1833]] seine Pensionierung, die ihm gewährt wurde.<ref>SLA Linzer Akten I 184 Jessenwagner.</ref> | | [[1831]] und [[1832]] kam es zu Choleraausbrüchen, die sich von Osten aus [[Galizien]] kommend nach Westen ausbreiteten. Bereits im Sommer [[1831]] bereitete man sich auf den Ernstfall vor und in dem entsprechenden Akt findet sich der Hinweis, dass das Kreisamt Ried "Jessenwagner hinsichtlich seiner Unzuverlässigkeit im Dienste sorgfältig zu überwachen" habe.<ref>>OÖLA Landesregierungsarchiv 1787–1849, Allgemeine Reihe Schachtel 153.</ref> Der westlichste Cholerafall wurde im Dezember 1832 in [[Wels]] registriert.<ref>Anton Drasche: "Die epidemische Cholera", Wien 1860, 26.</ref> Eine ganze Reihe von Maßnahmen wurden in Gang gesetzt, um für einen Ausbruch gerüstet zu sein. Für Dr. Jessenwagner, der beim Herannahen der Seuche fast 50 Jahre alt war, bedeutete diese eine große Belastung. Bei einer Dienstreise in Cholera Angelegenheiten erlitt er am rechten Fuße eine Prellung. Das geschah bei einer Inspizierung der Cholera-Spitäler am 4. Jänner [[1832]]. Wegen dieser Verletzung und der Abnahme seiner Kräfte beantragte [[1833]] seine Pensionierung, die ihm gewährt wurde.<ref>SLA Linzer Akten I 184 Jessenwagner.</ref> |