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'''Cajetan Adlgasser''', ab ca. 1756 auch ''Anton Cajetan'' oder ''Cajetan Anton'', manchmal ''Adelgasser'' (* [[1. Oktober]] [[1729]] in [[Inzell]]-Niederachen, [[Oberbayern]]; † [[21. Dezember]] [[1777]] in der [[Stadt Salzburg]])<ref>[https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/salzburg/salzburg-dompfarre/STBIV/?pg=528 Sterbebuch der Dompfarre Salzburg, Band iV, S. 520.]</ref> war ein [[Kurfürstentum Bayern|bairischer]] Komponist, Organist und Cembalist, der ab 1749/50 im [[Fürsterzbistum Salzburg]] wirkte, insbesondere als Musiker für die [[Salzburger Hofmusik|Salzburger Hof-]] und [[Salzburger Dommusik|Dommusik]].
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'''Cajetan Adlgasser''', ab ca. 1756 auch ''Anton Cajetan'' oder ''Cajetan Anton'', manchmal ''Adelgasser'' (* [[1. Oktober]] [[1729]] in [[Inzell]]-Niederachen, [[Oberbayern]]; † [[21. Dezember]] [[1777]] in der [[Stadt Salzburg]])<ref>[https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/salzburg/salzburg-dompfarre/STBIV/?pg=528 Sterbebuch der Dompfarre Salzburg, Band iV, S. 520.]</ref> war ein [[Kurfürstentum Bayern|bairischer]] Komponist, Organist und Cembalist, der ab [[1749]]/[[1750|50]] im [[Fürsterzbistum Salzburg]] wirkte, insbesondere als Musiker für die [[Salzburger Hofmusik|Salzburger Hof]]- und [[Salzburger Dommusik|Dommusik]].
    
== Kindheit ==
 
== Kindheit ==
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== Ausbildung ==
 
== Ausbildung ==
Im Jahr [[1744]] wurden Cajetan und sein Bruder Joseph Adlgasser,<ref>Joseph Adlgasser (1731–1762) war später Stiftsorganist zu [[Laufen an der Salzach|Laufen]]. Siehe: ''Salzfass'' Jg. 41 (2007), S. 20–26 und 148f. Auch die Brüder Nicolaus (1734–1794) und Georg (1736–1780) schlugen den Salzburger Bildungsweg ein.</ref> auf Fürsprache des Dechants des damals feb. Marktes [[Teisendorf]] Joseph Mayr (* [[1694]]; † [[1767]]), als Zöglinge in das feb. [[Kapellhaus]] in Salzburg aufgenommen, wo sie Unterricht durch Musiker aus der Hofmusik erhielten, von der Hofküche aus versorgt und jährlich neu eingekleidet wurden.<ref>Zum Tagesablauf der Kapellknaben siehe Werner Rainer: ''Princeps uersus in Vniveristatem.'' In: ''Barocker Geist und Raum''. Die Salzburger Benediktineruniversität, hrsg. von [[Christian Rohr]], Salzburg 2003, S. 96f.</ref> Das offizielle Datum des Eintritts von Cajetan Adlgasser in die der [[Benediktineruniversität]] vorangestellte [[Geschichte des Benediktiner-, Staats- und Akademischen Gymnasiums|Lateinschule]] (heute [[Akademisches Gymnasium]]) war Freitag der [[4. Dezember]] 1744,<ref>''Cajetanus Adlgasser Salisb. ex Capella'', Matrikelnr. 23007. In: [[Virgil Redlich]]: ''Die Matrikeln der Universität Salzburg: 1630–1810'', Salzburg 1933.</ref> damals der Beginn des neuen Schuljahrs. Cajetan wurde bereits in diesem Jahr Klassenbester im Lateinunterricht der ''Syntaxistae''. Er beschloss [[1747]] seine Gymnasialzeit als insgesamt Klassenzweiter. Vor Schulende, im September 1747, hatte er einen Text seines Klassenleiters, dem als Dramatiker nicht sehr erfolgreichen [[Anton Moser (Theologe)|Anton Moser]] (* [[1711]]; † [[1783]]), vertont und die Aufführung dieser ''exhibitio comica'' (Adlgasser 10.01)<ref>Siehe Christine D. de Catanzaro / Werner Rainer: ''Anton Cajetan Adlgasser (1729–1777): A Thematic Catalogue of His Works'', Stuyvesant 1999, p. 139.</ref> zu dessen Namenstag am [[19. Juni]] [[1748]] einstudiert und vom Cembalo aus die Aufführung geleitet. Bereits damals galt Adlgasser, wie das Gymnasialprotokoll festhält, seinen Mitschülern als ein Mitglied der Hofmusik.
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Im Jahr [[1744]] wurden Cajetan und sein Bruder Joseph Adlgasser,<ref>Joseph Adlgasser (* [[1731]]; † [[1762]]) war später Stiftsorganist in [[Laufen an der Salzach|Laufen]]. Siehe: ''[[Das Salzfass|Salzfass]]'' Jg. 41 (2007), S. 20–26 und 148f. Auch die Brüder Nicolaus (* [[1734]]; † [[1794]]) und Georg (* [[1736]]; † [[1780]]) schlugen den Salzburger Bildungsweg ein.</ref> auf Fürsprache des Dechants des damals feb. Marktes [[Teisendorf]] Joseph Mayr (* [[1694]]; † [[1767]]), als Zöglinge in das feb. [[Kapellhaus]] in Salzburg aufgenommen, wo sie Unterricht durch Musiker aus der Hofmusik erhielten, von der Hofküche aus versorgt und jährlich neu eingekleidet wurden.<ref>Zum Tagesablauf der Kapellknaben siehe Werner Rainer: ''Princeps uersus in Vniveristatem.'' In: ''Barocker Geist und Raum''. Die Salzburger Benediktineruniversität, hrsg. von [[Christian Rohr]], Salzburg 2003, S. 96f.</ref> Das offizielle Datum des Eintritts von Cajetan Adlgasser in die der [[Benediktineruniversität]] vorangestellte [[Geschichte des Benediktiner-, Staats- und Akademischen Gymnasiums|Lateinschule]] (heute [[Akademisches Gymnasium]]) war Freitag, der [[4. Dezember]] [[1744]],<ref>''Cajetanus Adlgasser Salisb. ex Capella'', Matrikelnr. 23007. In: [[Virgil Redlich]]: ''Die Matrikeln der Universität Salzburg: 1630–1810'', Salzburg 1933.</ref> damals der Beginn des neuen Schuljahrs. Cajetan wurde bereits in diesem Jahr Klassenbester im Lateinunterricht der ''Syntaxistae''. Er beschloss [[1747]] seine Gymnasialzeit als insgesamt Klassenzweiter. Vor Schulende, im September 1747, hatte er einen Text seines Klassenleiters, dem als Dramatiker nicht sehr erfolgreichen [[Anton Moser (Theologe)|Anton Moser]] (* [[1711]]; † [[1783]]), vertont und die Aufführung dieser ''exhibitio comica'' (Adlgasser 10.01)<ref>Siehe Christine D. de Catanzaro, Werner Rainer: ''Anton Cajetan Adlgasser (1729–1777): A Thematic Catalogue of His Works'', Stuyvesant 1999, p. 139.</ref> zu dessen Namenstag am [[19. Juni]] [[1748]] einstudiert und vom Cembalo aus die Aufführung geleitet. Bereits damals galt Adlgasser, wie das Gymnasialprotokoll festhält, seinen Mitschülern als ein Mitglied der Hofmusik.
    
In den Jahren 1744 bis [[1746]] hatte Cajetan in sieben Aufführungen Gesangspartien übernommen, alles Kompositionen von  [[Johann Ernst Eberlin|J. Ernst Eberlin]] (* [[1702]]; † [[1762]]), seinem Lehrer und späteren Schwiegervater.<ref>Zählung nach Heiner Boberski: ''Das Theater der Benediktiner an der Alten Universität Salzburg (1617–1778)'', Wien 1978. Am 31. Juli 1744: ''"Pietas", Cajetanus Adlgasser, ex Capella'' (Boberski 516); am 7. August 1744: ''"Pomona", Cajetanus Adlgasser, ex Capella'' (Boberski 517); am 4. September 1744 ''"Providentia Divina", Cajetanus Adlgasser, ex Capella'' (Boberski 518); am 1. Dezember 1745: ''"Genius vitæ", Adlgasser Cajetan, ex Capella, Syntax.'' (Boberski 524); am 18. Feber 1746: ''"Gen. Divinæ Sapientiæ", Cajetanus Adlgasser, ex Cap. & Synt.'' (Boberski 525); am 13. Mai 1746: ''"Melinda & Flandria", Cajetanus Adlgasser'' (Boberski 527); am 5. September 1746: ''"Joas, Joram & Alba", Cajetanus Adlgasser, ex Capella, Syntax.'' (Boberski 530).</ref> Für die wegen der "Kriegsläufte" (Österreichischer Erbfolgekrieg) auf den Beginn des nächsten Schuljahres verschobene Finalkomödie liegt ein zeitgenössischer Bericht vor, der vor allem die Komposition und die Leistung der Sänger hervorhebt.<ref>[[Franz Martin|Martin, Franz]]: ''Vom [[Salzburger Fürstenhof]] um die Mitte des [[18. Jahrhundert]]s''. In: [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?apm=0&aid=slk&datum=19370003&zoom=2&seite=00000001 MGSLK 77, 1937, S.&nbsp;1–48; S.&nbsp;7f.]</ref>  
 
In den Jahren 1744 bis [[1746]] hatte Cajetan in sieben Aufführungen Gesangspartien übernommen, alles Kompositionen von  [[Johann Ernst Eberlin|J. Ernst Eberlin]] (* [[1702]]; † [[1762]]), seinem Lehrer und späteren Schwiegervater.<ref>Zählung nach Heiner Boberski: ''Das Theater der Benediktiner an der Alten Universität Salzburg (1617–1778)'', Wien 1978. Am 31. Juli 1744: ''"Pietas", Cajetanus Adlgasser, ex Capella'' (Boberski 516); am 7. August 1744: ''"Pomona", Cajetanus Adlgasser, ex Capella'' (Boberski 517); am 4. September 1744 ''"Providentia Divina", Cajetanus Adlgasser, ex Capella'' (Boberski 518); am 1. Dezember 1745: ''"Genius vitæ", Adlgasser Cajetan, ex Capella, Syntax.'' (Boberski 524); am 18. Feber 1746: ''"Gen. Divinæ Sapientiæ", Cajetanus Adlgasser, ex Cap. & Synt.'' (Boberski 525); am 13. Mai 1746: ''"Melinda & Flandria", Cajetanus Adlgasser'' (Boberski 527); am 5. September 1746: ''"Joas, Joram & Alba", Cajetanus Adlgasser, ex Capella, Syntax.'' (Boberski 530).</ref> Für die wegen der "Kriegsläufte" (Österreichischer Erbfolgekrieg) auf den Beginn des nächsten Schuljahres verschobene Finalkomödie liegt ein zeitgenössischer Bericht vor, der vor allem die Komposition und die Leistung der Sänger hervorhebt.<ref>[[Franz Martin|Martin, Franz]]: ''Vom [[Salzburger Fürstenhof]] um die Mitte des [[18. Jahrhundert]]s''. In: [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?apm=0&aid=slk&datum=19370003&zoom=2&seite=00000001 MGSLK 77, 1937, S.&nbsp;1–48; S.&nbsp;7f.]</ref>  
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Mit dem Stimmbruch endeten Adlgassers Auftritte auf den beiden Schulbühnen (Kleine und [[Große Aula]]). Seine letzte Rolle hatte Adlgasser in der Finalkomödie am [[5. September]] 1746. Von nun an spielte Adlgasser vornehmlich als Organist und Komponist eine Rolle.  
 
Mit dem Stimmbruch endeten Adlgassers Auftritte auf den beiden Schulbühnen (Kleine und [[Große Aula]]). Seine letzte Rolle hatte Adlgasser in der Finalkomödie am [[5. September]] 1746. Von nun an spielte Adlgasser vornehmlich als Organist und Komponist eine Rolle.  
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Beim Ausscheiden aus dem Kapellhaus am [[4. Juli]] 1748 erhielt Adlgasser, wie üblich, das sog. Ausmusterungskleid und ein "Handgeld".
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Beim Ausscheiden aus dem Kapellhaus am [[4. Juli]] [[1748]] erhielt Adlgasser, wie üblich, das sog. Ausmusterungskleid und ein "Handgeld".
    
== Werdegang ==
 
== Werdegang ==
Das offizielle Anstellungsdatum als Hof- und Domorganist ist nicht verbürgt. Mit der Ernennung Eberlins durch Feb. Dietrichstein (reg. 1749–1753) Ende 1749 war somit die (erste) Organistenstelle im Dom und die eines "Accompagnisten" bei Hof frei geworden. Ob Adlgasser, als (unbezahlter?) "Accessist" (Anwärter) vorerst noch zu warten hatte, ist nicht bekannt. Seine Anstellung am Dom für die Hauptfeste und bei Hof als "Accompagnist" ("wenn gesungen wurde") dürfte im Laufe des Jahres 1750 erfolgt sein.  
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Das offizielle Anstellungsdatum als Hof- und Domorganist ist nicht verbürgt. Mit der Ernennung Eberlins durch Feb. [[Andreas I. Jakob Graf Dietrichstein]] (reg. 1749–1753) Ende [[1749]] war somit die (erste) Organistenstelle im Dom und die eines "Accompagnisten" bei Hof frei geworden. Ob Adlgasser, als (unbezahlter?) "Accessist" (Anwärter) vorerst noch zu warten hatte, ist nicht bekannt. Seine Anstellung am Dom für die Hauptfeste und bei Hof als "Accompagnist" ("wenn gesungen wurde") dürfte im Laufe des Jahres [[1750]] erfolgt sein.
Der Schwerpunkt von Adlgassers kompositorischem Schaffen lag im Jahrzehnt 1750–60 im kirchenmusikalischen Bereich. Mit dem Tod Eberlins (1762) setzten Adlgassers regelmäßige Beiträge für die Universitätsbühnen (Schuldramen bzw. Finalkomödien) und die Residenz (Geistliche Singspiele) ein.
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Der Schwerpunkt von Adlgassers kompositorischem Schaffen lag im Jahrzehnt 1750–[[1760]] im kirchenmusikalischen Bereich. Mit dem Tod Eberlins ([[1762]]) setzten Adlgassers regelmäßige Beiträge für die Universitätsbühnen (Schuldramen bzw. Finalkomödien) und die [[Residenz]] (Geistliche Singspiele) ein.
    
=== Ehen und Kinder ===
 
=== Ehen und Kinder ===
Cajetan Adlgasser war dreimal verheiratet. In der am 11. September 1752 im Dom geschlossene Ehe mit ''Josepha Eberlin'' (1730–1755), einer Tochter des Hofkapellmeisters, waren als Trauzeugen der Hofsänger ''Joseph Meisner'' (1725–1795) und der Hofgeiger ("chelista aulicus") ''Leopold Mozart'' zugegen. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor: ''Maria Victoria Caecilia'' (* 21. Sept. 1753; † 16. Mai 1821) und ''Joseph Cajetan Johannes Ernestus'' (* 23. Jänner 1755; † 3. März 1756). Nach dem Tod von Josepha heiratete Cajetan Anton Adlgasser in der [[Kirche des heiligen Andreas|St. Andrä-Kirche]] am 1. Juni 1756 ''Maria Barbara Schwab'' (1728–1768), die Tochter des feb. Obersilberdieners (und "Kammerportiers") ''Jakob Schwab'' († 1768). Trauzeugen waren wiederum Meisner und Leopold Mozart, sowie Eberlin. In der zwölf Jahre währenden Ehe gab es acht Geburten, nur zwei Kinder erreichten das Erwachsenenalter: ''Maria Joseph Franz Xaver'' (8. Dezember 1761; † 3. Dez. 1787) und ''Maria Anna Aloysia Barbara'' (22. April 1766; † 10. Mai 1838) .
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Cajetan Adlgasser war dreimal verheiratet. In der am [[11. September]] [[1752]] im Dom geschlossene Ehe mit ''Josepha Eberlin'' (* [[1730]]; † [[1755]]), einer Tochter des Hofkapellmeisters, waren als Trauzeugen der Hofsänger ''Joseph Meisner'' (* [[1725]]; † [[1795]]) und der Hofgeiger ("chelista aulicus") [[Leopold Mozart]] zugegen. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor: ''Maria Victoria Caecilia'' (* [[21. September]] [[1753]]; † [[16. Mai]] [[1821]]) und ''Joseph Cajetan Johannes Ernestus'' (* [[23. Jänner]] 1755; † [[3. März]] [[1756]]).  
Taufpaten der Kinder aus den beiden Ehen waren das begüterte Ehepaar ''Georg Joseph'' (1710–1760) und ''Maria Victoria'' (1716–1783) ''Robinig'' (von Rottenfeld).  
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In dritter Ehe heiratete Cajetan Anton Adlgasser am 19. Juni 1769 in der Corpus-Christi-Kirche in der Kaigasse die "Hofsingerin" ''Maria Anna Fesemayr'' (1743–1782); der Vater der Braut war der feb. Hofstaller ''Matthias Fesemayr''. Trauzeugen gab es diesmal vier, nämlich den "hochf. Secretär und Hofrats Registrator" ''Nicolaus Strasser'' (1734–1804), die beiden Hofsänger ''Meisner'' und ''Spitzeder'', sowie den Vice-Kapellmeister ''Leopold Mozart''. Dessen Sohn, der elfjährige ''Wolfgang'', übernahm die Rolle als Brautführer ("Sponsae paranymphus"). Die Ehe blieb kinderlos.
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Nach dem Tod von Josepha heiratete Cajetan Anton Adlgasser in der [[Kirche des heiligen Andreas|St. Andrä-Kirche]] am [[1. Juni]] [[1756]] ''Maria Barbara Schwab'' (* 1728; † 1768), die Tochter des feb. Obersilberdieners (und "Kammerportiers") ''Jakob Schwab'' († [[1768]]). Trauzeugen waren wiederum Meisner und Leopold Mozart, sowie Eberlin. In der zwölf Jahre währenden Ehe gab es acht Geburten, nur zwei Kinder erreichten das Erwachsenenalter: ''Maria Joseph Franz Xaver'' ([[8. Dezember]] [[1761]]; † [[3. Dezember]] [[1787]]) und ''Maria Anna Aloysia Barbara'' (* [[22. April]] [[1766]]; † [[10. Mai]] [[1838]]). Taufpaten der Kinder aus den beiden Ehen waren das begüterte Ehepaar ''Georg Joseph'' (* [[1710]]; † [[1760]]) und ''Maria Victoria'' (* [[1716]]; † [[1783]]) [[Robinig von Rottenfeld]].  
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In dritter Ehe heiratete Cajetan Anton Adlgasser am [[19. Juni]] [[1769]] in der [[St. Salvator-Kirche|Corpus-Christi-Kirche]] an der [[Kaigasse]] die "Hofsingerin" ''Maria Anna Fesemayr'' (* [[1743]]; † [[1782]]); der Vater der Braut war der feb. Hofstaller ''Matthias Fesemayr''. Trauzeugen gab es diesmal vier, nämlich den "hochf. Secretär und Hofrats Registrator" ''Nicolaus Strasser'' (* [[1734]]; † [[1804]]), die beiden Hofsänger ''Meisner'' und ''Spitzeder'', sowie den Vice-Kapellmeister ''Leopold Mozart''. Dessen Sohn, der elfjährige ''Wolfgang'', übernahm die Rolle als Brautführer ("Sponsae paranymphus"). Die Ehe blieb kinderlos.
    
=== Wohnungen ===
 
=== Wohnungen ===
Noch vor seiner ersten Eheschließung mietete Adlgasser im Mai 1752 eine Wohnung im 3. Stock ("Boden") des sog. ''Spänglerhauses'', [[Alter Markt]] 2 (jetzt ''[[Gehmacher (Firma)|Gehmacher-Haus]]''), die "nach dem Wasser (= Salzach) hinaus" lag. Später übersiedelte Adlgasser in die Häuser [[Getreidegasse]] 24 bzw. 16.
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Noch vor seiner ersten Eheschließung mietete Adlgasser im Mai [[1752]] eine Wohnung im 3. Stock ("Boden") des sog. ''[[Spängler]]hauses'', [[Alter Markt]] 2 (jetzt ''[[Gehmacher (Firma)|Gehmacher-Haus]]''), die "nach dem Wasser (= [[Salzach]]) hinaus" lag. Später übersiedelte Adlgasser in die Häuser [[Getreidegasse]] 24 bzw. 16.
    
=== Die Reise ins "Welschland" ===
 
=== Die Reise ins "Welschland" ===
 
[[Datei:Titelblatt des geistl. Singspiels Die Schuldigkeit des ersten Gebots, Salzburg 1767, Mozart, Haydn, Adlgasser.tif|mini|''Die Schuldigkeit des ersten Gebots'', 1767]]
 
[[Datei:Titelblatt des geistl. Singspiels Die Schuldigkeit des ersten Gebots, Salzburg 1767, Mozart, Haydn, Adlgasser.tif|mini|''Die Schuldigkeit des ersten Gebots'', 1767]]
 
Versehen mit manchem Empfehlungsschreiben aus Salzburg, bereiste Adlgasser 1764/65 die Musikzentren Italiens.
 
Versehen mit manchem Empfehlungsschreiben aus Salzburg, bereiste Adlgasser 1764/65 die Musikzentren Italiens.
Fürsterzbischof Sigismund Schrattenbach (reg. 1753–1771) zahlte für diese Bildungsreise aus seinen "Schatullegeldern" am 22. Jänner 1764 500 Gulden, sozusagen als Vorschuss; eine weitere Zahlung erfolgte am 30. Juni über den Salzburger "Factor" (Handelsmann) ''Simund Haffner'' (1699–1772), der in Venedig eine Niederlassung hatte. Adlgasser war am Anfang dieser Reise (bis Venedig) in Begleitung seiner späteren 3. Frau, der "Hofsingerin" Fesemaier, die, wie andere begabte und aus Salzburg stammende Mädchen, in Venedig an einem der Konservatorien ihre Gesangsausbildung erhalten sollte.<ref>Siehe dazu Giuseppe Gillio: ''Cantanti mozartiane e Ospedali veneziani: spigolature d'archivio''. In: Schmid, Manfred Hermann, Hrsg.: ''Mozart Studien'' Bd. 14, S. 37–48.</ref> Sie verblieb bis in den Jänner 1766 in Venedig. Ihre Reise- und Ausbildungskosten von 610 Gulden und das Honorar für deren Lehrmeisterin in der Höhe von 100 fl. wurden ebenfalls vom Landesfürsten übernommen.<ref>Martin, Franz: ''Vom [[Salzburger Fürstenhof]] um die Mitte des [[18. Jahrhundert]]s'', in: [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?apm=0&aid=slk&datum=19400003&zoom=2&seite=00000145 MGSLK 80, 1940, S.&nbsp;145–204; S.&nbsp;183ff.]</ref> Fesemaier war die letzte der Salzburger "Singerinnen", die diese Ausbildung finanziert bekam. Von nun an standen die "Hofsingerinnen", nämlich anstelle von Kastraten einer neuen Musikästhetik folgend, in der Residenz für Opern, Oratorien (= in Szene gesetzten "Geistlichen Singspielen") und in Salzburger Kirchen - mit Ausnahme des Doms! - als solistische Besetzung zur Verfügung.
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Fürsterzbischof [[Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach]] (reg. [[1753]]–[[1771]]) zahlte für diese Bildungsreise aus seinen "Schatullegeldern" am [[22. Jänner]] [[1764]] 500 [[Gulden]], sozusagen als Vorschuss; eine weitere Zahlung erfolgte am [[30. Juni]] über den Salzburger "Factor" (Handelsmann) ''[[Sigmund Haffner|Simund Haffner]]'' (* [[1699]]; † [[1772]]), der in [[Venedig]] eine Niederlassung hatte. Adlgasser war am Anfang dieser Reise (bis Venedig) in Begleitung seiner späteren dritte Frau, der "Hofsingerin" Fesemaier, die, wie andere begabte und aus Salzburg stammende Mädchen, in Venedig an einem der Konservatorien ihre Gesangsausbildung erhalten sollte.<ref>Siehe dazu Giuseppe Gillio: ''Cantanti mozartiane e Ospedali veneziani: spigolature d'archivio''. In: Schmid, Manfred Hermann, Hrsg.: ''Mozart Studien'' Bd. 14, S. 37–48.</ref> Sie verblieb bis in den Jänner 1766 in Venedig. Ihre Reise- und Ausbildungskosten von 610 Gulden und das Honorar für deren Lehrmeisterin in der Höhe von 100 fl. wurden ebenfalls vom Landesfürsten übernommen.<ref>Martin, Franz: ''Vom [[Salzburger Fürstenhof]] um die Mitte des [[18. Jahrhundert]]s'', in: [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?apm=0&aid=slk&datum=19400003&zoom=2&seite=00000145 MGSLK 80, 1940, S.&nbsp;145–204; S.&nbsp;183ff.]</ref> Fesemaier war die letzte der Salzburger "Singerinnen", die diese Ausbildung finanziert bekam. Von nun an standen die "Hofsingerinnen", nämlich anstelle von Kastraten einer neuen Musikästhetik folgend, in der Residenz für Opern, Oratorien (= in Szene gesetzten "Geistlichen Singspielen") und in Salzburger Kirchen - mit Ausnahme des Doms! - als solistische Besetzung zur Verfügung.
Als Leopold Mozart von dem Aufbruch Adlgassers nach Italien erfuhr, kommentierte er dieses Unterfangen überschwänglich: "''Die Nachricht von der Reis''[e]'' des Herrn Adlgasser hat mir das größte Vergnügen gemacht.'' [...] ''Mich kann nichts mehrers rühren, als wenn ich sehe, daß ein Fürst'' [...]'' denen Talenten forthilft, die Gott, aus einer besonderen Gnade, in manche ehrliche Seele gepflanzet hat. So wird Salzburg ein Hof sein, der mit seinen eigenen Leuten ein erstaunliches Aufsehen in Teutschland machen wird.''"<ref>[https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=640&cat=1 Leopold Mozart an Lorenz und Maria Theresia Hagenauer in Salzburg, Paris, 4.–9. März 1764.]</ref>
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Als Leopold Mozart von dem Aufbruch Adlgassers nach Italien erfuhr, kommentierte er dieses Unterfangen überschwänglich: "Die Nachricht von der Reis''[e]'' des Herrn Adlgasser hat mir das größte Vergnügen gemacht." [...] Mich kann nichts mehrers rühren, als wenn ich sehe, daß ein Fürst'' [...] denen Talenten forthilft, die Gott, aus einer besonderen Gnade, in manche ehrliche Seele gepflanzet hat. So wird Salzburg ein Hof sein, der mit seinen eigenen Leuten ein erstaunliches Aufsehen in Teutschland machen wird."<ref>[https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=640&cat=1 Leopold Mozart an Lorenz und Maria Theresia Hagenauer in Salzburg, Paris, 4.–9. März 1764.]</ref>
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Ein paar Wochen nach seiner Italienreise mit dem Ziel, dass er "''einen italienischen Geschmack in der Musik von den Italienern erwürbe''", war Adlsgaser zur Tafel der Universität geladen, die am 7. März 1765 gegeben wurde. Er war über Venedig nach Salzburg zurückgekehrt und erzählte seinem Tischnachbarn P. Beda Hübner von St. Peter (1740–1811), er habe auf seiner Reise Parma, Trient, Mailand,<ref>[https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=830&cat=1 Leopold Mozart an Maria Anna Mozart in Salzburg, Mailand, 5. Dezember 1772, mit Nachschrift von Wolfgang Amadé Mozart an Maria Anna (Nannerl) Mozart.]</ref> Padua, Verona, Venedig, Rom, Lodi, Mantua und noch andere Orte, z.B. Bologna, den Wohnort des "Musikpapstes" Padre Martini (1706–1784), besucht. Besonderen Eindruck habe ihm Rom vermittelt, wo er Papst Clemens XIII. (reg. 1758–1769) das feierliche Amt habe dreimal absingen gesehen, nämlich zu Pfingsten, Fronleichnam und zu Peter und Paul. Neapel habe er wegen der dort herrschenden Epedemie nicht aufsuchen können, somit habe der Aufenthalt in Rom länger gedauert.
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Ein paar Wochen nach seiner Italienreise mit dem Ziel, dass er "einen italienischen Geschmack in der Musik von den Italienern erwürbe", war Adlsgaser zur Tafel der Universität geladen, die am [[7. März]] [[1765]] gegeben wurde. Er war über Venedig nach Salzburg zurückgekehrt und erzählte seinem Tischnachbarn P. [[Beda Hübner]] von [[St. Peter]] (* [[1740]]; † [[1811]]), er habe auf seiner Reise Parma, Trient, Mailand,<ref>[https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=830&cat=1 Leopold Mozart an Maria Anna Mozart in Salzburg, Mailand, 5. Dezember 1772, mit Nachschrift von [[Wolfgang Amadé Mozart]] an Maria Anna ([[Nannerl]]) Mozart.]</ref> Padua, Verona, Venedig, Rom, Lodi, Mantua und noch andere Orte, z.B. Bologna, den Wohnort des "Musikpapstes" Padre Martini (* [[1706]]; † [[1784]]), besucht. Besonderen Eindruck habe ihm Rom vermittelt, wo er Papst Clemens XIII. (reg. [[1758]]–[[1769]]) das feierliche Amt habe dreimal absingen gesehen, nämlich zu [[Pfingsten]], [[Fronleichnam]] und zu Peter und Paul. Neapel habe er wegen der dort herrschenden Epidemie nicht aufsuchen können, somit habe der Aufenthalt in Rom länger gedauert.
    
=== Die Oper "La Nitteti" (Adlgasser 12.01) ===
 
=== Die Oper "La Nitteti" (Adlgasser 12.01) ===

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