| − | Brief von [[Antonia Spängler]] an "Fani" (Fanni), [[Franziska Spängler]]; ein Bogen, Prägestempel "A S" mit Kranz und Verzierung; / = Seitenwechsel (Leseabsatz eingefügt)<ref>Zu generellen Problemen mit der Übertragung der Briefe von Antonia Spängler siehe zum Brief vom 18. April 1870, Einzelnachweis; siehe [[Kobler-Spängler-Briefe von 1870]], und ebenso zu den Briefen vom 24. Jänner 1873 und vom 8. Jänner 1875.</ref>:<br /> | + | Brief von [[Antonia Spängler]] an "Fani" (Fanni), [[Franziska Spängler]]; ein Bogen, vier Seiten beschrieben, markiert mit römisch "I" bis "IIII", Prägestempel "A S" mit Kranz und Verzierung; / = Seitenwechsel (Leseabsatz eingefügt)<ref>Zu generellen Problemen mit der Übertragung der Briefe von Antonia Spängler siehe zum Brief vom 18. April 1870, Einzelnachweis; siehe [[Kobler-Spängler-Briefe von 1870]], und ebenso zu den Briefen vom 24. Jänner 1873 und vom 8. Jänner 1875.</ref>:<br /> |
| − | ''I Salzburg den 8/1 [18]76 Meine inigstgeliebten Theuren! Was werdet ihr Euch denken, das ich so lange nicht an Euch geschrieben: Ich weiß selbst nicht wie es kamm imer habe ich so viel zu thun, das ich mir oft denke entweder möchte ich 6 Hände haben oder jeden Tag anstückeln könen, und so vergehen mir die Tage wie Augenblücke – und schnell werden die etwelchen Wochen vorüber gehen, welche ich noch hier bin, dan meine Lieben möge mir der liebe Gott helfen,'' [2 Wörter unterstrichen:] ''zu vollbringen was ich Euch'' [2 Wörter unterstrichen:] ''helfen will. Der Wille ist gewiß gut aber ob meine Kräfte außreichen, dafür kann ich nicht gutstehen, wen ich meine Jahre bedenke.'' / [dritte Seite:] ''II Ich hoffe zu Gott es wird alles recht gut von statten gehen du bist ja gut, groß gebaut, und so gesund auch nicht besonders dück wie ich höre, so werden wir mit ruhe auf den kleinen Ankömling warten können. Bist du und das Kindlein gesund, so werden wir uns leicht über diesen Strauß hinüber bringen man muß denken es geht ja mit jeden Tag wider leichter weil man sich immer beßer hinein findet, und die Liebe überwindet ja so vielles. Die Großmutter'' [ [[Fanny Kobler]], Anm.] ''sagte mir am Sontag das Sie dir geschrieben hat, du möchtest dir eine Kindsmagd nehmen, ja es wird für Dich liebe Fani gewiß eine große Erleichterung sein, den fürs erste, wird es dir wohl theuer wen du in der Nacht Ruhe'' / [vierte Seite:] ''III hast, dan kanst du doch auch ofter mit deinen lieben Mann gehen, und dich auch nicht gänzlich von den gesellschaftlichen Leben loosmachen. Wen du auch 2 Mägde hast so trieft es dich doch oft das Kind zu besorgen, den es giebt zu waschen – zu bigeln zu nähen, aufzureumen – ich sehe es ja bey Louise<ref>Familie von [[Otto Spängler]]</ref> was ein Kind braucht. Da nun aber die Großmutter schon durchauß darauf besteht du solst dir eine nehmen, so würde ich sie auch um ein Bett ersuchen den ich meine das Gastbett ist doch schade für eine Kindsmagd weil sie mit den vielen auß und einsteigen sehr runirt'' [ruiniert] ''werden. Sie hat ja glaube ich im 4 t[en] Stock<ref>in der [[Höllbräu]]</ref> noch Betten Eine ganze menge werden'' [zweite Seite:] ''IIII wir zu besprechen haben wen ich hinunter'' [nach Wien, Anm.] ''komme. Die Großmutter will den Lohn für die Kindsmagd bezahlen es ist wohl recht gut aber die Kost betragt viel mehr als der Lohn – es wird sich alles finden.'' | + | ''I Salzburg den 28/1 [18]76 Meine inigstgeliebten Theuren! Was werdet ihr Euch denken, das ich so lange nicht an Euch geschrieben: Ich weiß selbst nicht wie es kamm imer habe ich so viel zu thun, das ich mir oft denke entweder möchte ich 6 Hände haben oder jeden Tag anstückeln könen, und so vergehen mir die Tage wie Augenblücke – und schnell werden die etwelchen Wochen vorüber gehen, welche ich noch hier bin, dan meine Lieben möge mir der liebe Gott helfen,'' [2 Wörter unterstrichen:] ''zu vollbringen was ich Euch'' [2 Wörter unterstrichen:] ''helfen will. Der Wille ist gewiß gut aber ob meine Kräfte außreichen, dafür kann ich nicht gutstehen, wen ich meine Jahre bedenke.'' / [dritte Seite:] ''II Ich hoffe zu Gott es wird alles recht gut von statten gehen du bist ja gut, groß gebaut, und so gesund auch nicht besonders dück wie ich höre, so werden wir mit ruhe auf den kleinen Ankömling warten können. Bist du und das Kindlein gesund, so werden wir uns leicht über diesen Strauß hinüber bringen man muß denken es geht ja mit jeden Tag wider leichter weil man sich immer beßer hinein findet, und die Liebe überwindet ja so vielles. Die Großmutter'' [ [[Fanny Kobler]], Anm.] ''sagte mir am Sontag das Sie dir geschrieben hat, du möchtest dir eine Kindsmagd nehmen, ja es wird für Dich liebe Fani gewiß eine große Erleichterung sein, den fürs erste, wird es dir wohl theuer wen du in der Nacht Ruhe'' / [vierte Seite:] ''III hast, dan kanst du doch auch ofter mit deinen lieben Mann gehen, und dich auch nicht gänzlich von den gesellschaftlichen Leben loosmachen. Wen du auch 2 Mägde hast so trieft es dich doch oft das Kind zu besorgen, den es giebt zu waschen – zu bigeln zu nähen, aufzureumen – ich sehe es ja bey Louise<ref>Familie von [[Otto Spängler]]</ref> was ein Kind braucht. Da nun aber die Großmutter schon durchauß darauf besteht du solst dir eine nehmen, so würde ich sie auch um ein Bett ersuchen den ich meine das Gastbett ist doch schade für eine Kindsmagd weil sie mit den vielen auß und einsteigen sehr runirt'' [ruiniert] ''werden. Sie hat ja glaube ich im 4 t[en] Stock<ref>in der [[Höllbräu]]</ref> noch Betten Eine ganze menge werden'' [zweite Seite:] ''IIII wir zu besprechen haben wen ich hinunter'' [nach Wien, Anm.] ''komme. Die Großmutter will den Lohn für die Kindsmagd bezahlen es ist wohl recht gut aber die Kost betragt viel mehr als der Lohn – es wird sich alles finden.'' |
| | ''Fast den ganzen Monath hatte ich husten aber es ist Gottlob ohne doktor abgegangen. Ich halte mich recht sehr, damit ich bis zur Reise gesund bleibe. Die Pepi'' [Dienstmagd, Anm.] ''werde ich wen sich nichts anderes ergiebt bis Eberschwang<ref>Eberschwang im Bezirk Ried im Innkreis, Oberösterreich</ref> mitnehmen und dort, bey ihren Bruder kann sie bleiben bis ich wider zurück kome. Lebt recht wohl es küßt Euch inig Eure viel für Euch bethende Mutter Spángler'' [daneben:] ''Noch haben wir nichts gekauft vieleicht warte ich bis ich nach Wien komme.'' | | ''Fast den ganzen Monath hatte ich husten aber es ist Gottlob ohne doktor abgegangen. Ich halte mich recht sehr, damit ich bis zur Reise gesund bleibe. Die Pepi'' [Dienstmagd, Anm.] ''werde ich wen sich nichts anderes ergiebt bis Eberschwang<ref>Eberschwang im Bezirk Ried im Innkreis, Oberösterreich</ref> mitnehmen und dort, bey ihren Bruder kann sie bleiben bis ich wider zurück kome. Lebt recht wohl es küßt Euch inig Eure viel für Euch bethende Mutter Spángler'' [daneben:] ''Noch haben wir nichts gekauft vieleicht warte ich bis ich nach Wien komme.'' |