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| | "Franz Spängler" wohl: Franz Seraphin Spängler (* 1837; † 1913), Oberlandesgerichtsrat in Salzburg, ein Cousin von (Nr. 18) Franz II. Xaver Gregor Spängler. | | "Franz Spängler" wohl: Franz Seraphin Spängler (* 1837; † 1913), Oberlandesgerichtsrat in Salzburg, ein Cousin von (Nr. 18) Franz II. Xaver Gregor Spängler. |
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| | + | ==== Brief vom 4. und 6. Mai 1874 von der Mutter [[Antonia Spängler]], an die Familie [[Franz II.Xaver Gregor Spängler]] in Mödling ==== |
| | + | Ein Bogen; / = Seitenwechsel (Leseabsätze eingefügt); fragliche [?] Stellen: <br />''Salzburg den 4/5 [18]74. Meine inigst geliebten Theuren! Recht herzlichen – inigen Dank, für Euer liebes, – freundliches Schreiben, es hat mich sehr gefreut das Ihr mich so freundlich eingeladen habt. Hätte ich nicht eine so posidiefe [!] Abneigung, von den reisen, so hätte ich mich gewiß keinen Augenblück besonnen. Aber ich muß offen gestehen, ich denke, bey meiner gewohnten Lebensweise zu'' [unterstrichen:] ''verbleiben, wird mir vieleicht, noch ein paar Jahre vergönt sein zu leben, aber das reisen bin ich so ganz ungewohnt. Ihr müßt das, einer so alten Frau<ref>[[Antonia Spängler]] hat am 16. April 1874 ihren 71. Geburtstag begangen; vgl. jedoch obigen Brief vom 19. Februar 1874.</ref>, nicht übel nehmen. Vieleicht kömmt Ihr noch mit einen Vergnügungszug<ref>Von einem "Vergnügungszug" ist in den Briefen zwischen dem 26. Juli 1870 und dem 8. Juli 1871 mehrfach die Rede.</ref> herauf? Wie froh wird die Frau von Langer sein, dich wider unten'' [ [[in Mödling]], Anm.] ''zu haben, weil nun die Kleine wider beßer sich befindet. / entrichte recht viele Herzliche Grüße von mir. Bey uns oder vielmehr bey Otto war jetzt ein rechtes Spital die Klara liegt noch immer, die Louise wurde sehr krank an verschwollenen Mandeln so das die arme fast nicht mehr sprechen konte und nur immer bey ihrer Pepi sein wollte auf den armmen, die kleine hatte den Mehlhund<ref>Kinderkankheit, vgl. Anmerkung zum Brief vom 28. Dezember 1872.</ref> , also au[c]h unruhig, die Louise hat nun eine Außhülfe genohmen, damit sie sich doch leichter behelfen könen.'' |
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| | + | ''Heute haben wir den 6 ten, und ich bin mit den Brief noch nicht weiter gekommen der kleinen Louise geht es Gottlob viel beßer auch ist wider ein Stockzahn herauß gekommen. Die Klara ist wohl zimmlich gleich. Wegen Meninger wirst du dich gewiß sehr verwundert haben das der so schnel gestorben. Es war die Krankheit Lungenödemm es dauerte die ganze Krankheit höchstens 8 bis 10 Tage die Haas kamm glücklich als er noch amm Leben war, aber sprechen konnte er nicht mehr, sie ist ganz trostloos seine Frau, er hat leider seine letzten 5000 fl'' [Gulden] ''noch 6 Wochen bevor die Kinda [?] bey Weizner [?] auß gebrochen ist ihm gegeben, und so haben sie in / jeder Beziehung unersätzliche Verluste erlitten – es wird ihnen sehr weh thun sich so einschrencken zu müßen da mit einmal alles abgeschnitten ist. Er hatte 2500 fl Pension. Herr Pertinger [?] er war in der selben Kanzlei wo er von Eistener [?] war Kassirer der hat sich auf die Eisenbahn Schine gelegt bey Müllen'' [ [[Mülln]], Anm.] ''und wurde in Stücken zermahlmt. 2 Mäner ein Schloßer, und ein Dienstmann, haben sich ertränkt. Habt Ihr auch eine so ungünstige Witterung in Mödling als wie hier, der Schne liegt meistens bis Eigen'' [ [[Aigen]], Anm.] ''herunten vom Geißberg'' [ [[Gaisberg]], Anm.] ''Die blüthen we[r]den wohl wieder [!] alle zu Grunde gegangen sein, es scheint als ob wir nie mehr ein Obst bekommen sollten, und wenn doch so wohlthätig, es thut einen ordentlich weh die Bäume so schön blühen zu sehen und doch keine Früchte. Wie froh bin ich, das Franz wider ganz wohl ist, man sieht doch das er immer vorsichtig sein muß. /'' |
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| | + | ''Wie ist es den mit der Fany hast du dir noch nichts gekauft als Geschenk zum Nammenstag, Franz soll es ja gleich dem Otto schreiben, damit ich abrechnen kann. Die Großmutter war vorgestern bey mir, es geht ihr gut sie hatte wider ein wenig Rothlauf und war ein paar Tage zu Hause. Sie läßt Euch recht herzlich grüßen Die Sattler ist hier auf 14 Tage sie machen dan eine große Reise nach Norwegen, sie sieht recht gut auß. Wegen Hohen Aschau ist noch nichts bestimmt ob es jetzt verkauft wird, es hat sich wider ein neuer Käufer gemeldet – Die Uhr habe ich schon über 8 Tage beim Uhrmacher Sicher [?], weil sie täglich um mehr als eine ¼ Stund zu früh gegangen ist vor 2 Tagen war ich wider dort, und da sagte er mir ich möchte selbe noch dort lassen weil sie noch nicht ganz in Ordnung sey. Das hier die Bierbräuer auf geschlagen ist vieleicht bekannt in [[Kaltenhausen]] haben sie die Fenster eingeworfen und gedroht wen sie nicht wider abschlagen die Brauerei anzuzünden auch hier sind schon Trohbriefe auß geschückt worden. Lebt recht wohl mit aller liebe Eure Euch herzlich liebende Mutter Spangler'' |
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| | + | [auf dem Kopf, quer über die Seiten 2 und 3:] ''Otto Louise grüßen Euch recht herzlich. so auch viele Bekannte den Fenz seine Frau ist noch hier, sie hat sich zimmlich erholt.'' |
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| | + | ==== Brief vom 5. Juni 1874 von der Mutter [[Antonia Spängler]], an die Familie [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Mödling ==== |
| | + | Ein Bogen; beigefügt ein Bogen ohne Datum von [[Otto Spängler]] und Seite 4 davon nochmals von der Mutter [[Antonia Spängler]]; / = Seitenwechsel (Leseabsätze eingefügt); fragliche [?] Stellen: <br />''Salzburg den 5 te[n]/6 [18]74. Meine inigst geliebten Theuren! Recht herzlich danke ich Euch für Euer letztes Schreiben, fühle ich mich doch immer glücklich zu hören das es Euch gut geht. Heute meine liebe Fany gielt es besonders Dir, zu deinen Geburtstag, der wie ich fest glaube, am 7 t[en] Juny fält<ref>Sie ist am 1. Juni 1848 geboren. </ref> , alles Gute zu wünschen. Der liebe Gott wolle Euch, Euer Glück erhalten, in'' [zwei Wörter unterstrichen:] ''jeder Rüchtung, damit Ihr Euch immer des Lebens freuen könnt. Vor allen aber beschitze Euch der liebe Gott vor Krankheiten. Mir liebe Fany behalte deine Liebe. Die Mußter von deinen Kleid habe ich noch nicht gesehen ich komme dermalen sehr wenig zum / Besuch machen, da die Louise noch nie eine ordentliche Magd hat statt der Klara, die ist noch immer krank und dermalen im Spital, aber die ist selbst sehr leident so das man sie auch sehr schonen muß. Endlich sind doch die Kinder wider gottlob gesund. Die Louise hatte wider die Knip [?] bekommen und war sehr übel, so das man sie nur immer herum tragen mußte, und das nur die Pepi. Nun glaube ich nimt sich die Louise eine ordentliche Magd statt der Klara, da man fest glaubt die Klara habe die Lungensucht, so würde sie ja so nicht mehr tauglich für diesen dinnst.'' |
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| | + | ''Die Pfingstfeyertage waren auch hier schlecht, besonders der Sonntag. Die Feierlichkeiten welche statthatten bey der Rückkunft des / Kardinal, werdet ihr wohl in der Zeitung gelesen haben. Die Beleichtung war sehr schön aber erst 2 Tage später weil es eben Sammstag und Sonntag alles verregnete. Die Domm Thürme die Maria Stattue und der Franziskanner Thurm dan Sankt Petter und die domm hern Haußer welche in seiner Umgebung waren mit schön[en] Tranzparenten und Inschriften beleuchtet, auch das Kapoziner Kreutz. Denkt Euch 2 Franziskaner sind in Kurzen gestorben der Pater Jakob, und der Guardian Pater Franz, um beiden war großes Leid in der Stadt. Dan ist die Vesatzverwalters [?] Wittwe Bauernfeind gestorben dann der Professor Sieber [?]. dan die Nollbäck [?], und gestern wurde die Junge Braut Baronesse Scherer [?] / Begraben sie war 18 Jahre und verlobte mit Graf Uberranken [?], welcher ganz Trostloos ist. Otto war dieser Tage in München in Geschäften er ist am Dinstag Aben[d]s von hier fort und kamm am Donnerstag Mittags 2 Uhr hier an. Otto läßt mit'' [klein dazwischen:] ''angefügt Euch recht herzlich grüßen. so auch alle Bekanten. Lebt recht wohl, mit aller Liebe Eure Euch treu liebende Mutter Spángler Die Großmutter ist wohl.'' |
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| | + | [Otto Spängler<ref>Seine Schrift ist elegant, aber flüchtig und von Abkürzungen geprägt, die hier mit eckigen Klammern ergänzt werden.</ref> :] ''Lieber Franz! Eben von Achthal zurückgekehrt, erfahre ich durch die Mutter, d[a]ß du deine Verrechnung wünschst. Ich bitte mir zu verzeihen, d Brief so lange säumte; aber ich war fest d[e]r Meinung, ich hätte dir gar keine zu legen; sie wäre schon gelegt. Ich knüpfe also bei d[e]r lezten an, welcher zu folge ein Kassarest zu deinen Gunsten'' [unterstrichen:] ''von 3 fl 49 Xr'' [Gulden, Kreuzer] ''blieb.'' [die folgenden Zahlen jeweils untereinander:] ''Zu diesen – 3. 49 kommen: Zinsen von 10 ung''[arischen] ''bodenkredit 20. - Agio derselben 6 % 1. 20 Feberau [?] coupons 33. 60 Summe der Einnahmen: 58. 29 Entgegenstehen folgende Ausgaben / Portospesen u Provision bei behebu[n]g der Zinsen d[e]r ung''[arischen] ''bodenkredit u. Sentz [?] der neuen Actien mit Coupons – 1 fl – Xr Abzahlung an d[i]e Sparkasse 20 Prologation des Restes 17. 50'' [klein dazwischen:] ''NB 16. 40 im October'' [weitere Aufstellung:] ''Monatgeld d[e]r Mutter pro Feb 10'' [Strich:] ''48 fl 50 Xr'' [Absatz] ''Einnahmen – 58. 29 Ausgaben 48. 50 Rest 9. 79'' [Absatz] ''bezüglich der ungarischen bodenkreditactien wirst du ohnehin gelesen haben, d[a]ß sie außer den 2 fl Silber Zinsen, und der bereits beim Umtausche erfolgten Completirung auf 100 fl noch eine Superdividende von 16 fl za[h]len sollen. Bewahrheitet sich dies / so dürfte ihr Curs bedeutend steigen, nur ich glaube, wir werden sie dann verkaufen, wenn wir keinen Schade[n] mehr haben. In d[e]r Hammerau hoffe ich, werden wir Euch im Juni über die 4 gewöhnlichen noch eine 3 – 4 fache Superdividende verteilen können.'' |
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| | + | ''Morgen geht also der große Maskenball im Casino von Statten. Ich werde dir das eine oder andere blatt, das eine genaue beschreibung enthält, zusenden. Nun lebe wo[h]l lieber Franz, ich grüße dich u fanni aufs herzlichste. Dein treuer Otto.'' |
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| | + | [Seite 4 von der Mutter:] ''Meine lieben theuren! Gestern erhielt ich euren lieben Brief, und ich beeilte mich Heute sogleich den Butter zu kauffen, und wie ich von der Kirche nachhauße kamm fand ich die Karte mit dem daß ich den Butter nicht kauffen soll aber es macht nichts 1 Lb'' [Pfundzeichen] ''kaufte die Louise ½ Lb bey Duregger und ½ Lb behalte ich und so ist bis auf weiters alles in Ordnung. |
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| | + | Denckt Euch ich frage öfter hier was ein Kapaun koßtet und da heißt es immer 2 fl. 30 – 40 – 50 – ein Indian [?] 3 fl'' [Gulden] ''ein recht großes Thier, und wen ich frage woher sie sind so heißt es immer von Wien. In der kleinen Markthalle sind diese Sachen viel billiger zu kauffen als sonst wo, so auch das Wildbred, Butter, Eiyer, gemüße und dergleichen. Das Bücherl und Phfoto grafie hätte ich dir Heute mit den Butter geschückt so behalte ich mir es von auf ein andermal, übrigens sagte die Alois Spángler das die Angermeier'' [ [[Angermayer von Rebenberg]], Anm.] ''alles für dich mitgenohmen hat. Also wirst du es dort bekommen, ich hätte dir neuers geschückt. Wir sind alle so zimlich wohl die kleine Louise geht mit den Zähnen um. Ich bin für Euch froh wen es mit der Kathi noch länger hergeht bis sie heurathet, so fält für den Augenblück diese Sorge weg. Lebt recht wohl Es küßt /'' [auf Seite 1 des beigefügten Blattes unten:] ''Euch recht herzlich Eure treue Mutter Spangler.'' [darunter klein:] ''Alle Bekannte grüßen Euch recht herzlich besonders Herrn von Schmeltzing, welcher zimmlich krank ist an Wassersucht, Gott gebe eine glückliche Aänderung.'' |
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