| − | 1844 [18. August 1844] Briefbogen [gleiches Bündel wie Brief vom 7. Mai 1844], gefaltet, dreieinhalb Seiten beschrieben, ohne Adresse<br />''Salzburg, am 18. August 1844. Meine liebe Gute Betty! [darüber geschrieben: beantwortet] Wie sehr mich Dein freundliches Briefchen zum Namenstage gefreut hat, kann ich Dir nicht sagen, ich möchte Dir vielmehr gerne beweisen, wie lieb Du mir bist, und wie oft ich an Dich denke. Doch könnte ich wirklich dazu keine Worte finden, und freue mich nur im Voraus schon auf die Zeit wo wir mitsamen [!] wieder die Stunden verleben werden; ich hoffe daß die Zeit kommen werde. Ich freue mich daß Du und Deine Mutter gesund seyd; die Meinige welche Euch beyde vielmal grüßen und küßen läßt, leidet besonders heute an heftigen Herzklopfen, welches wohl von den heftigen Gemütsbewegungen komen [!] mag, in welchen sie jetzt lebt. Es betrift [!] nämlich einen großen Bau des Bräuhauses'' ([[Gasthof zur Hölle]]) ''der uns bevorsteht, indem das Poschacher Haus das wie Du weißt'' [etwa: verfällt bzw. marode ist] ''und neuerlich mehr ist, und dem Einsturz droht so daß bereits alle Parteien ausziehen mußten. Unser Bräuhaus Lokale mußte zu ihnen Stützen setzen'' [die Wand] ''ganz durchgeschlagen werden und es sieht bey uns aus als ob Krieg wäre; wie es werden wird weiß ich, und kein Mensch, nicht. Bey so eng an einander stehenden Häusern ist schon richten [?], und so sind die Sachen den Rechtsgelehrten / übergeben, da sie'' [Katharina Mayer, geb. Poschacher] ''wünscht es soll von unserer Seite mit bezahlt werden, weil wir leider so nahe sind an ihren schlechten Hause. Du und Deine gute Mutter könnt Euch nun denken, was es da fatale Geschichten gibt, da sogar das Haus links'' [die »Hölle] ''damit beschäftigt ist.''<ref>Vgl. Erich Marx (Hrsg.): ''Das »Höllbräu« zu Salzburg'', Salzburg 1992, S. 55 ("Das Haus Döllerergäßchen 8 verfiel in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mangels Investionen zu[se]hends, bis es 1844/45 saniert wurde."); S. 90 f. ("Die Ausstattung des »Höllbräu« um 1837"); S. 91 ("Im Nebengebäude selbst waren [Ställe und…] das Bräuhaus-Gewölbe […]"); S. 136 ("Poschacher hatte offensichtlich nichts in sein Haus investiert, es war in desolatem Zustand. Im Frühjahr 1844 traten erste Bauschäden auf, das Haus drohte einzustürzen. […] Verstärkung der Hauptmauer. Dafür mußte die Bierkühle des »Höllbräu« auf einige Zeit beseitigt werden. […] Über die Frage der Bezahlung der Baukosten konnten sich die Nachbarn nicht einigen." […]); S.137 (Baupläne von 1844); S. 192 (Besitzverhältnisse Poschacher 1825 bis 1865).</ref> ''Diese Unanehmlichkeiten ausgenommen bin ich wohl, und zufrieden. Das Wetter fortwährend schlecht. Der Vater Aufschlögl [?] war da; er sieht gut aus. Die Mad. Mayr ist mit einem Sohn entbunden.<ref>Josef (Joseph Franz) Mayr, * 6. August 1844, später Hotelier "Zum goldnen Schiff" am Residenzplatz und letzter aus der Familie der "Schiffmayrs" [[Josef Mayr (Gastwirt)]]</ref> Der Hr. Hauptmann [Glaeser] ist von Wien nach 14 Wochen zurückgekehrt, und grüßt Dich vielmal; nächstens wird [er] Dir Deinen Brief beantworten, welcher ihn sehr freute.'' | + | 1844 [18. August 1844] Briefbogen [gleiches Bündel wie Brief vom 7. Mai 1844], gefaltet, dreieinhalb Seiten beschrieben, ohne Adresse<br />''Salzburg, am 18. August 1844. Meine liebe Gute Betty!'' [darüber geschrieben: ''beantwortet''] ''Wie sehr mich Dein freundliches Briefchen zum Namenstage gefreut hat, kann ich Dir nicht sagen, ich möchte Dir vielmehr gerne beweisen, wie lieb Du mir bist, und wie oft ich an Dich denke. Doch könnte ich wirklich dazu keine Worte finden, und freue mich nur im Voraus schon auf die Zeit wo wir mitsamen [!] wieder die Stunden verleben werden; ich hoffe daß die Zeit kommen werde. Ich freue mich daß Du und Deine Mutter gesund seyd; die Meinige welche Euch beyde vielmal grüßen und küßen läßt, leidet besonders heute an heftigen Herzklopfen, welches wohl von den heftigen Gemütsbewegungen komen [!] mag, in welchen sie jetzt lebt. Es betrift [!] nämlich einen großen Bau des Bräuhauses'' ([[Gasthof zur Hölle]]) ''der uns bevorsteht, indem das Poschacher Haus das wie Du weißt'' [etwa: verfällt bzw. marode ist] ''und neuerlich mehr ist, und dem Einsturz droht so daß bereits alle Parteien ausziehen mußten. Unser Bräuhaus Lokale mußte zu ihnen Stützen setzen'' [die Wand] ''ganz durchgeschlagen werden und es sieht bey uns aus als ob Krieg wäre; wie es werden wird weiß ich, und kein Mensch, nicht. Bey so eng an einander stehenden Häusern ist schon richten [?], und so sind die Sachen den Rechtsgelehrten / übergeben, da sie'' [Katharina Mayer, geb. Poschacher] ''wünscht es soll von unserer Seite mit bezahlt werden, weil wir leider so nahe sind an ihren schlechten Hause. Du und Deine gute Mutter könnt Euch nun denken, was es da fatale Geschichten gibt, da sogar das Haus links'' [»Höllbräu«] ''damit beschäftigt ist.''<ref>Vgl. Erich Marx (Hrsg.): ''Das »Höllbräu« zu Salzburg'', Salzburg 1992, S. 55 ("Das Haus Döllerergäßchen 8 verfiel in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mangels Investionen zu[se]hends, bis es 1844/45 saniert wurde."); S. 90 f. ("Die Ausstattung des »Höllbräu« um 1837"); S. 91 ("Im Nebengebäude selbst waren [Ställe und…] das Bräuhaus-Gewölbe […]"); S. 136 ("Poschacher hatte offensichtlich nichts in sein Haus investiert, es war in desolatem Zustand. Im Frühjahr 1844 traten erste Bauschäden auf, das Haus drohte einzustürzen. […] Verstärkung der Hauptmauer. Dafür mußte die Bierkühle des »Höllbräu« auf einige Zeit beseitigt werden. […] Über die Frage der Bezahlung der Baukosten konnten sich die Nachbarn nicht einigen." […]); S.137 (Baupläne von 1844); S. 192 (Besitzverhältnisse Poschacher 1825 bis 1865).</ref> ''Diese Unanehmlichkeiten ausgenommen bin ich wohl, und zufrieden. Das Wetter fortwährend schlecht. Der Vater Aufschlögl [?] war da; er sieht gut aus. Die Mad. Mayr ist mit einem Sohn entbunden.<ref>Josef (Joseph Franz) Mayr, * 6. August 1844, später Hotelier "Zum goldnen Schiff" am Residenzplatz und letzter aus der Familie der "Schiffmayrs" [[Josef Mayr (Gastwirt)]]</ref> Der Hr. Hauptmann [Glaeser] ist von Wien nach 14 Wochen zurückgekehrt, und grüßt Dich vielmal; nächstens wird [er] Dir Deinen Brief beantworten, welcher ihn sehr freute.'' |
| | [derselbe Briefbogen:] ''Am 11. September 1844. Du siehst meine theuere Betty, daß schon wieder 3. Wochen vorüber sind, ohne daß mein Schreiben an Dich ge[e]ndigt war. Glaube ja nicht daß es Gleichgültigkeit ist, denn könnte ich Dir fühlen lassen wie oft ich von Dir rede oder an Dich denke Du würdest gewiß zufrieden seyn. Wir hatten seit der Zeit viele Fremde,'' [Gäste]<ref>Vgl. Erich Marx (Hrsg.): ''Das »Höllbräu« zu Salzburg'', Salzburg 1992, S. 88 ("Durchaus honorable Gäste nächtigten im »Höllbräu«: […] 1844 Graf Bellegarde und so weiter.")</ref> ''aber leider auch genug Verdruß, und hätte ich auch manchmal Zeit gehabt, Dir zu schreiben, so weißt Du ja selbst, daß man oft nicht Stimmung dazu hat. Doch deine Liebe / wog [?] nicht mein Wort, und vergilt mir mit baldiger Antwort. Verfloßnen Sonntag am 8. Sept: waren Hr. Hauptmann'' [Glaeser]'', Dr. Schlegel'' ([[Richard Franz Schlegel]]) ''und wir beide'' [Fanny Kobler und Amalie] ''in Fürstenb[r]unn'' ([[Fürstenbrunn]]) ''wir dachten Deiner, und unterhielten uns gut. Dr. Schlegel grüßt Dich vielmal herzlich; auch Madame Schlögelhofer, und Theres, welche auch Deiner Mutter Alles Schöne sagen läßt. Wärest Du nur bei mir jetzt, wo die Fremden schon seltener werden, könnten wir recht herum fliegen. Ich hege den Wunsch Dich kommenden Winter bey uns zu sehen, sage ihr Deiner Mutter mit vielen Grüßen von mir, auch sie sollte kommen, und wenn es nicht sage'' [ihr, sie] ''kann doch Dich ein wenig entbehren, o wie freue ich mich darauf!!!!!! Hablin Rosa welche sich schon lange wieder in Croatien befindet,<ref>Vgl. mehrere Briefe von ihr 1844 und 1845 aus Varazdin an Amalie Kobler (Amalie Castelli)</ref> schreibt mir oft, doch Du kennst ja ihre überspannten Sachen. Im letzten Briefe vergaß ich Dir zu sagen daß ich zum Namenstag der Mutter noch den Fußschemmel fertig machte, ich sperte mich nemlich einige Tage in das andere Zimmer ein, und den letzten Tag arbeitete ich bis 2 Uhr früh; Um 6 Uhr holte ihr der Tag XXX und um 8 Uhr früh am 9. May übergab ich ihn. es war kein kleines Stück Arbeit, doch sie XXhete sich weil ich ihr viele Freude machte.'' [langer Strich]'' / Doch nun Du liebe Gute lebe recht wohl, grüße die, die sich für mich interessieren, Deine liebe Freundin Fanni, und erinnere Dich so herzlich und oft, wie ich, Deiner Dich innig liebenden Freundin Amalie Castelli. Antworte bald.'' | | [derselbe Briefbogen:] ''Am 11. September 1844. Du siehst meine theuere Betty, daß schon wieder 3. Wochen vorüber sind, ohne daß mein Schreiben an Dich ge[e]ndigt war. Glaube ja nicht daß es Gleichgültigkeit ist, denn könnte ich Dir fühlen lassen wie oft ich von Dir rede oder an Dich denke Du würdest gewiß zufrieden seyn. Wir hatten seit der Zeit viele Fremde,'' [Gäste]<ref>Vgl. Erich Marx (Hrsg.): ''Das »Höllbräu« zu Salzburg'', Salzburg 1992, S. 88 ("Durchaus honorable Gäste nächtigten im »Höllbräu«: […] 1844 Graf Bellegarde und so weiter.")</ref> ''aber leider auch genug Verdruß, und hätte ich auch manchmal Zeit gehabt, Dir zu schreiben, so weißt Du ja selbst, daß man oft nicht Stimmung dazu hat. Doch deine Liebe / wog [?] nicht mein Wort, und vergilt mir mit baldiger Antwort. Verfloßnen Sonntag am 8. Sept: waren Hr. Hauptmann'' [Glaeser]'', Dr. Schlegel'' ([[Richard Franz Schlegel]]) ''und wir beide'' [Fanny Kobler und Amalie] ''in Fürstenb[r]unn'' ([[Fürstenbrunn]]) ''wir dachten Deiner, und unterhielten uns gut. Dr. Schlegel grüßt Dich vielmal herzlich; auch Madame Schlögelhofer, und Theres, welche auch Deiner Mutter Alles Schöne sagen läßt. Wärest Du nur bei mir jetzt, wo die Fremden schon seltener werden, könnten wir recht herum fliegen. Ich hege den Wunsch Dich kommenden Winter bey uns zu sehen, sage ihr Deiner Mutter mit vielen Grüßen von mir, auch sie sollte kommen, und wenn es nicht sage'' [ihr, sie] ''kann doch Dich ein wenig entbehren, o wie freue ich mich darauf!!!!!! Hablin Rosa welche sich schon lange wieder in Croatien befindet,<ref>Vgl. mehrere Briefe von ihr 1844 und 1845 aus Varazdin an Amalie Kobler (Amalie Castelli)</ref> schreibt mir oft, doch Du kennst ja ihre überspannten Sachen. Im letzten Briefe vergaß ich Dir zu sagen daß ich zum Namenstag der Mutter noch den Fußschemmel fertig machte, ich sperte mich nemlich einige Tage in das andere Zimmer ein, und den letzten Tag arbeitete ich bis 2 Uhr früh; Um 6 Uhr holte ihr der Tag XXX und um 8 Uhr früh am 9. May übergab ich ihn. es war kein kleines Stück Arbeit, doch sie XXhete sich weil ich ihr viele Freude machte.'' [langer Strich]'' / Doch nun Du liebe Gute lebe recht wohl, grüße die, die sich für mich interessieren, Deine liebe Freundin Fanni, und erinnere Dich so herzlich und oft, wie ich, Deiner Dich innig liebenden Freundin Amalie Castelli. Antworte bald.'' |