| | 1844 Brief von Rosa [Hablin, eine Freundin von Amalia Kobler] an [Nr. 39] Cäcilia Amalia Kobler-Castelli (* 1821; † 1848) [gefaltetes Blatt, gebrochenes Siegel "H", Stempel "Warasdin 29. Jun. 1844" [Varazdin, heute in Kroatien] und "Salzburg 3. Jul." manches schwer lesbar]:<br /> | | 1844 Brief von Rosa [Hablin, eine Freundin von Amalia Kobler] an [Nr. 39] Cäcilia Amalia Kobler-Castelli (* 1821; † 1848) [gefaltetes Blatt, gebrochenes Siegel "H", Stempel "Warasdin 29. Jun. 1844" [Varazdin, heute in Kroatien] und "Salzburg 3. Jul." manches schwer lesbar]:<br /> |
| − | ''Fräulein Fräulein Amalie v. Castelli zu Salzburg, Judengasse No. 67. 1ter Stock. – Meine gute theure Maly! Ach Gott! wie ich mich verschrieben habe-: gute theure Maly, das wollte ich wahrhaftig nicht schreiben, denn ich bin sehr- sehr böse auf Dich, u. glaube, es ist nicht Scherz- sondern Wahrheit, wenn ich Dir sage, daß floß aus alten Gewohnheit, diese zärtlichen Worte meiner Feder entschlüpften. Jetzt bin ich 2 Monate hier und habe einen einzigen Brief, und den von meinem guten Vater erhalten. Dieser war 2 u. ½ Zeile lang, der Inhalt folgender: Liebe Rosa. Deine Briefe habe ich richtig erhalten u. daraus gesehen daß Du in Versicherungen Deiner kindlichen Liebe durch die Feder weit freygebiger bist als mit Worten. Übrigens befinde ich mich in vol''[s]''t''XX ''Gesundheit was auch dir wünscht dein Vater! Sonst erhielt ich von keinen Nachricht, u. nun sage ob es nicht zum Verzweifeln ist. Du weißt wie schwer, mit welchen Bangen gepresten Hunger ich Salzburg verließ, Du kannst ahnen, daß durch diese so schnelle unverhof[f]te Abreise ich unendl'' XX''ehrlich auf die Ungewißheit drucken muß, mit der wir selbst von der nächsten Kunde mit Bestimmheit sprechen können. "Werde ich meinen Vater wieder sehen, wird mein Fuß Salzburg jeh wieder betretten!" So quäle ich mich beständig, ach bin sehr- sehr traurig.- Selbst die größte Gleichgültigkeit einer Fremden würde mich nicht so grausam der Ma''XX ''hingeben. Nachrichten von meinen Lieben von der Stadt grd geben die ich verließ, u. die dem Herzen so theuer sind, so unendlich süß, wenn man ferne u. so einsam ist:- Ich hätte dir unendlich viel zu sagen, zu erzählen, XXigenden sich in Zungen sehr viel seiner'' XX ''und, allein ist bin zu verstimmt, dieses XXgentliche Harren u. Hoffen, das immer vergebens, der nimmer b''XX''gt der äusehnde Bote mir de erwünschte Nachrichten, ich die krank an Körper u. Gemüth, gestern hatte ich einen Fieberanfall ich war sehr unwohl, und wir füchten daß das Fieber Morgen bey mir ausbrechen wird.- Ich kann diesen beständigen Temparaturwechsel nicht ganz ertragen, u. vorgestern wo ich schon sehr unwohl war, fuhr ich nach Warasdin u. das hat mich in dieser unerträglichen Hitze die wir hier haben sehr angegriffen.- Habe Mitleid mit mir, Maly! schreibe mir, ich weiß nicht mehr was ich denken soll. Hast Du meine beyden Briefe nicht erhalten?- Was- was ist die Ursache dieses zerdrückenden Schweigens. Ich weiß nur mehr ein Mittel! Wie ich mit umgehender Post keinen Brief habe, send ich Dir ein großes Paket voll altes Papier damit du unendlich viel Postporto zahlen mußt. Ich weiß Dich nicht anders zu strafen- aber es wird geschehen. Maly, ich gebe dir mein Wort darauf!- Lebe wohl, mich schmers[zt] der Kopf, u. ich schreib Dir nun noch schnell weil ich glaube krank zu werden u. mir für diese Zeit eine Nachricht aus Salzburg gewinnen müste'' [möchte] ''– 28 Juni [1]844. Rosa.'' | + | ''Fräulein Fräulein Amalie v. Castelli zu Salzburg, Judengasse No. 67. 1ter Stock. – Meine gute theure Maly! Ach Gott! wie ich mich verschrieben habe-: gute theure Maly, das wollte ich wahrhaftig nicht schreiben, denn ich bin sehr- sehr böse auf Dich, u. glaube, es ist nicht Scherz- sondern Wahrheit, wenn ich Dir sage, daß floß aus alten Gewohnheit, diese zärtlichen Worte meiner Feder entschlüpften. Jetzt bin ich 2 Monate hier und habe einen einzigen Brief, und den von meinem guten Vater erhalten. Dieser war 2 u. ½ Zeile lang, der Inhalt folgender: Liebe Rosa. Deine Briefe habe ich richtig erhalten u. daraus gesehen daß Du in Versicherungen Deiner kindlichen Liebe durch die Feder weit freygebiger bist als mit Worten. Übrigens befinde ich mich in vol''[s]''t''XX ''Gesundheit was auch dir wünscht dein Vater! Sonst erhielt ich von keinen Nachricht, u. nun sage ob es nicht zum Verzweifeln ist. Du weißt wie schwer, mit welchen Bangen gepresten Hunger ich Salzburg verließ, Du kannst ahnen, daß durch diese so schnelle unverhof[f]te Abreise ich unendl'' XX''ehrlich auf die Ungewißheit drucken muß, mit der wir selbst von der nächsten Kunde mit Bestimmheit sprechen können. "Werde ich meinen Vater wieder sehen, wird mein Fuß Salzburg jeh wieder betretten!" So quäle ich mich beständig, ach bin sehr- sehr traurig.- Selbst die größte Gleichgültigkeit einer Fremden würde mich nicht so grausam der Ma''XX ''hingeben. Nachrichten von meinen Lieben von der Stadt grd geben die ich verließ, u. die dem Herzen so theuer sind, so unendlich süß, wenn man ferne u. so einsam ist:- Ich hätte dir unendlich viel zu sagen, zu erzählen,'' XX''igenden sich in Zungen sehr viel seiner'' XX ''und, allein ist bin zu verstimmt, dieses'' XX''gentliche Harren u. Hoffen, das immer vergebens, der nimmer b''XX''gt der äusehnde Bote mir de erwünschte Nachrichten, ich die krank an Körper u. Gemüth, gestern hatte ich einen Fieberanfall ich war sehr unwohl, und wir füchten daß das Fieber Morgen bey mir ausbrechen wird.- Ich kann diesen beständigen Temparaturwechsel nicht ganz ertragen, u. vorgestern wo ich schon sehr unwohl war, fuhr ich nach Warasdin u. das hat mich in dieser unerträglichen Hitze die wir hier haben sehr angegriffen.- Habe Mitleid mit mir, Maly! schreibe mir, ich weiß nicht mehr was ich denken soll. Hast Du meine beyden Briefe nicht erhalten?- Was- was ist die Ursache dieses zerdrückenden Schweigens. Ich weiß nur mehr ein Mittel! Wie ich mit umgehender Post keinen Brief habe, send ich Dir ein großes Paket voll altes Papier damit du unendlich viel Postporto zahlen mußt. Ich weiß Dich nicht anders zu strafen- aber es wird geschehen. Maly, ich gebe dir mein Wort darauf!- Lebe wohl, mich schmers[zt] der Kopf, u. ich schreib Dir nun noch schnell weil ich glaube krank zu werden u. mir für diese Zeit eine Nachricht aus Salzburg gewinnen müste'' [möchte] ''– 28 Juni [1]844. Rosa.'' |