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''Salzburg den 8/11 [18]73. Meine inigst geliebten Theuren! Recht sehr freute mich Euer letztes Schreiben, besonders da ich darauß ersehe wie kindisch und vergnügt Ihr seid – Gott schenke Euch immer diese ungetrübte Heiterkeit. Die Fany ist halt immer neckisch aufgelegt, es wird für dich lieber Franz, oft recht gut sein, wenn dir der Kopf von der vielen Arbeit voll ist, dich die Fany ein wenig darauß bringt. Dießmal sage ich weniger das ich länger auf eine Antwort warten mußte, weil doch immerzu Bekante mir Nachricht von Euch brachten, und mir immer erzählen von Euern beiderseitigen – guten außsehen / wo für ich immer den lieben Gott dannke. Das Otto die Außstellung nur mehr oberflächlich durchschaute finde ich sehr leicht begreiflich, wen ja der Zweck der Reise eigentlich nur Geschäfte welche auf 3 Vormmittag von denen 6 Tägen welche er in Wien war, dan hätte er ja schon wegen der Louise nicht so anstrengend es beschauen können, die Schistl, und auch Leopoldine waren fast ganz matsch. Der Bamberger war so leid, das gerade die Guttenberg<ref>Vgl. Hinweis zum Brief vom 3. Jänner 1872: "Lida" [verheiratet] Guttenberg, enge Freundin von Fanni, auch Spängler-Bekanntschaft, häufig genannt in den Briefen seit 1860.</ref> diesen Abend auch in dieß gastHauß gekommen, so konten sie mit Euch so wenig verkehren, und der Guttenberg ihre Unruhe hat sie sehr Nerwös berührt. Unser[e] Großmutter hat 4. Otto und die ganze gesellschaft sind schon mit den angegebenen Zug am Sontag gefahren, aber / sie sind mit Absicht auf der anderen Seite geseßen dammit, sie die Gegend beßer besichtigen konten. Gehalten hat der Zug gar keinen Augenblick. Otto schreibt Heute selbst an dich. Der kleine Otto ist schon 12 Tag an einen Tiefösen'' [typhös-, Anm.] ''Fieber krank, ist sehr schwach dabey doch die ganze Zeit nichts als lere Supen und feinen Kaffe ohne Bund und seit 3 Tagen gedünstete Apfel haben, das Fieber ist etwas müder'' [niederer?] '' – gott gebe das es bald wider sich gebe.''
 
''Salzburg den 8/11 [18]73. Meine inigst geliebten Theuren! Recht sehr freute mich Euer letztes Schreiben, besonders da ich darauß ersehe wie kindisch und vergnügt Ihr seid – Gott schenke Euch immer diese ungetrübte Heiterkeit. Die Fany ist halt immer neckisch aufgelegt, es wird für dich lieber Franz, oft recht gut sein, wenn dir der Kopf von der vielen Arbeit voll ist, dich die Fany ein wenig darauß bringt. Dießmal sage ich weniger das ich länger auf eine Antwort warten mußte, weil doch immerzu Bekante mir Nachricht von Euch brachten, und mir immer erzählen von Euern beiderseitigen – guten außsehen / wo für ich immer den lieben Gott dannke. Das Otto die Außstellung nur mehr oberflächlich durchschaute finde ich sehr leicht begreiflich, wen ja der Zweck der Reise eigentlich nur Geschäfte welche auf 3 Vormmittag von denen 6 Tägen welche er in Wien war, dan hätte er ja schon wegen der Louise nicht so anstrengend es beschauen können, die Schistl, und auch Leopoldine waren fast ganz matsch. Der Bamberger war so leid, das gerade die Guttenberg<ref>Vgl. Hinweis zum Brief vom 3. Jänner 1872: "Lida" [verheiratet] Guttenberg, enge Freundin von Fanni, auch Spängler-Bekanntschaft, häufig genannt in den Briefen seit 1860.</ref> diesen Abend auch in dieß gastHauß gekommen, so konten sie mit Euch so wenig verkehren, und der Guttenberg ihre Unruhe hat sie sehr Nerwös berührt. Unser[e] Großmutter hat 4. Otto und die ganze gesellschaft sind schon mit den angegebenen Zug am Sontag gefahren, aber / sie sind mit Absicht auf der anderen Seite geseßen dammit, sie die Gegend beßer besichtigen konten. Gehalten hat der Zug gar keinen Augenblick. Otto schreibt Heute selbst an dich. Der kleine Otto ist schon 12 Tag an einen Tiefösen'' [typhös-, Anm.] ''Fieber krank, ist sehr schwach dabey doch die ganze Zeit nichts als lere Supen und feinen Kaffe ohne Bund und seit 3 Tagen gedünstete Apfel haben, das Fieber ist etwas müder'' [niederer?] '' – gott gebe das es bald wider sich gebe.''
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''Der Domherr Kapfinger<ref>Domcapitular etc. Dr. Johann Baptist Kapfinger (* 15. Juni 1809; † 9. November 1873); vgl. [[Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Nekrologe]] "K". Vgl. folgenden Brief vom 30. November 1873, beiliegendes Blatt.</ref> ist jeden Augenblück zum Sterben an Blutzersetzung. Eine ganz Junge Frau, die Schwester von Franz Fenzl seiner Frau welche erst einen Goldarbeiter geheurathet, ist Heute, nach glücklicher Entbindung, am Herz krammpf / gestorben. Hier sind sehr viele Leute an Tifösen Fieber krank. Wie lange bleibt den noch die gute Großmutter'' ([[Franziska Kobler]], Anm.) ''in Mödling ich gehe Täglich hinauf es rüchtet sich eben gar nichts bey ihr in der Wohnung. Grüßt sie recht herzlich von mir. Wie ich höre ist Hoffnung vor Handen das Ihr nun vor We[i]hnachten vieleicht kömmt würde mich sehr freuen. Euch alle recht herzlich Grüßend und Küßend verbleibe ich Eure treue Mutter Spángler'' [darunter:] ''Von allen Bekanten viele Grüße.''
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''Der Domherr Kapfinger<ref>Domcapitular etc. Dr. Johann Baptist Kapfinger (* 15. Juni 1809; † 9. November 1873); vgl. [[Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Nekrologe]] "K". Vgl. folgenden Brief vom 30. November 1873, beiliegendes Blatt.</ref> ist jeden Augenblück zum Sterben an Blutzersetzung. Eine ganz Junge Frau, die Schwester von Franz Fenzl seiner Frau welche erst einen Goldarbeiter geheurathet, ist Heute, nach glücklicher Entbindung, am Herz krammpf / gestorben. Hier sind sehr viele Leute an Tifösen Fieber krank. Wie lange bleibt den noch die gute Großmutter'' [[[Franziska Kobler]], Anm.] ''in Mödling ich gehe Täglich hinauf es rüchtet sich eben gar nichts bey ihr in der Wohnung. Grüßt sie recht herzlich von mir. Wie ich höre ist Hoffnung vor Handen das Ihr nun vor We[i]hnachten vieleicht kömmt würde mich sehr freuen. Euch alle recht herzlich Grüßend und Küßend verbleibe ich Eure treue Mutter Spángler'' [darunter:] ''Von allen Bekanten viele Grüße.''
 
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