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| − | {{Baustellenartikel}}'''Jeanne de Peyrebère''' Marquise de Guilloutet (1875–1961), war die erste Frau, die an der [[Theologische Fakultät der Benediktineruniversität Salzburg|Theologischen Fakultät]] der [[Benediktineruniversität Salzburg]] unterrichtete.
| + | [[Datei:Jeanne de Peyrebère.jpg|thumb|Jeanne de Peyrebère, Lithografie von Karl Ziegler, [[Universitätsbibliothek Salzburg]] Sign. G 1167 H.]]'''Jeanne de Peyrebère''' Marquise de Guilloutet (* [[1875]]; † [[9. Dezember]] [[1961]]), war die erste namentlich bekannte Frau, die an der [[Theologische Fakultät in Salzburg|Theologischen Fakultät]] der [[Universität Salzburg]] unterrichtete. |
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| | == Leben == | | == Leben == |
| − | Spätestens ab Anfang der 1930er Jahre gab sie Französischkurse für angehende Priester. Ihre schillernde Persönlichkeit mit fast romanhaftem Lebenslauf gab ihren Zeitgenossen viele Rätsel auf. | + | Spätestens ab Anfang der [[1930er]]-Jahre gab sie Französischkurse für angehende Priester. Ihre schillernde Persönlichkeit mit fast romanhaftem Lebenslauf gab ihren Zeitgenossen viele Rätsel auf. |
| − | Zu ihren Familienangehörigen gehörten der tollkühne Baron de Batz, ein von Stefan Zweig verewigter Abenteurer, der Ludwig XVI. auf dem Weg zum Schafott hatte retten wollen, Gaspard Monge, der als Mathematiker und Physiker an Napoleons Ägypten-Expedition teilgenommen hatte, und Jean Lannes, duc de Montebello, der in der Schlacht von Aspern tödlich verwundet worden war. | + | Zu ihren Familienangehörigen gehörten der tollkühne Baron de Batz, ein von [[Stefan Zweig]] verewigter Abenteurer, der Ludwig XVI. auf dem Weg zum Schafott hatte retten wollen, Gaspard Monge, der als Mathematiker und Physiker an Napoleons Ägypten-Expedition teilgenommen hatte, und Jean Lannes, Herzog von Montebello, der in der Schlacht von Aspern tödlich verwundet worden war. |
| − | Nach umfassender Ausbildung heiratete Jeanne de Peyrebère einen Vetter, der 1920 auf der Reise nach Port-Gentil in Gabun bei einem Schiffsunglück ertrank. Er war in Begleitung seiner Geliebten gewesen, die er als Ehefrau ausgegeben hatte. Deshalb musste seine Witwe „erst mühselig beweisen, daß sie die Gattin des Herrn Peyrebère sei“. Möglicherweise verließ sie deshalb ihre Heimat und mietete im „Turmhaus“ des Stifts Nonnberg in Salzburg eine Wohnung.
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| − | Ihren Unterricht belebte die Marquise mit erlesenen Prunkstücken ihrer Sammlung – darunter ein Schultertuch der Kaiserin Josephine und ein Schrank Napoleons aus Fontainebleau. Kein Wunder, dass sie mit ihren Vortragsabenden im Studiengebäude „eine Elite-Hörerschaft förmlich in Bann“ zog. Unermüdlich waren zudem ihre Bemühungen, die Salzburger Festspiele in zahlreichen Zeitungsartikel in ihrem Heimatland bekannt zu machen. Durch ihre hervorragenden Kontakte gelang es ihr, internationale Künstler:innen nach Salzburg zu vermitteln.
| + | Nach umfassender Ausbildung heiratete Jeanne de Peyrebère einen Vetter, der [[1920]] auf der Reise nach Port-Gentil in Gabun bei einem Schiffsunglück ertrank. Er war in Begleitung seiner Geliebten gewesen, die er als Ehefrau ausgegeben hatte. Deshalb musste seine Witwe "erst mühselig beweisen, daß sie die Gattin des Herrn Peyrebère sei". Möglicherweise verließ sie deshalb ihre Heimat und mietete im "Turmhaus" der [[Benediktinerinnenabtei Nonnberg]] in der [[Stadt Salzburg]] eine Wohnung. |
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| − | Der Zweite Weltkrieg zwang Madame Peyrebère zur Rückkehr in ihre Heimat Frankreich. Als ein Rechtsanwalt der nationalsozialistischen Regierung im Stift Nonnberg erschien, um das Eigentum der Marquise vor Zugriffen zu schützen, brodelte die Gerüchteküche. Die Vermutungen reichten von einer Bekanntschaft der Marquise mit dem später durch das Verschwinden des Bernsteinzimmers berüchtigt gewordenen Gauleiter Erich Koch bis zur Annahme, sie habe Hitlers „Mein Kampf“ ins Französische übersetzt.
| + | Ihren Unterricht belebte die ''Marquise'' mit erlesenen Prunkstücken ihrer Sammlung – darunter ein Schultertuch der Kaiserin Josephine und ein Schrank [[Salzburg unter Napoleon|Napoleons]] aus Schloss Fontainebleau bei Paris, [[Frankreich]]. Kein Wunder, dass sie mit ihren Vortragsabenden im Studiengebäude "eine Elite-Hörerschaft förmlich in Bann" zog. Unermüdlich waren zudem ihre Bemühungen, die Salzburger Festspiele in zahlreichen Zeitungsartikel in ihrem Heimatland bekannt zu machen. Durch ihre hervorragenden Kontakte gelang es ihr, internationale Künstler:innen nach Salzburg zu vermitteln. |
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| − | Nach Kriegsende nahm Madame Peyrebère ihre Lehrtätigkeit an der Theologischen Fakultät wieder auf. Ihre finanziellen Verhältnisse verschleierte sie erfolgreich vor der Salzburger Öffentlichkeit. Groß war daher die Überraschung, als nach ihrem Tod am 9. Dezember 1961 ein Vermögen von 1,5 Millionen Schilling vorgefunden wurde. Aus diesen Mitteln vergibt die Stadt Salzburg noch heute ein „Interkulturstipendium“ für Kunst- und Kulturprojekte. Viele Bücher, die aufgrund handschriftlicher Widmungen besonders wertvoll sind, hatte die Marquise bereits zu Lebzeiten der Studienbibliothek (heute: Universitätsbibliothek) vermacht. Begraben wurde Jeanne de Peyrebère auf dem Petersfriedhof. Auf dem stark verwitterten Grabstein mit schlichtem Kreuz kann man die Worte entziffern: „Credo in vitam aeternam“ – „Ich glaube an das ewige Leben.“ | + | Der Zweite Weltkrieg zwang Madame Peyrebère zur Rückkehr in ihre Heimat Frankreich. Als ein Rechtsanwalt der [[Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei|nationalsozialistischen]] Regierung in der Benediktinerinnenabtei erschien, um das Eigentum der ''Marquise'' vor Zugriffen zu schützen, brodelte die Gerüchteküche. Die Vermutungen reichten von einer Bekanntschaft der ''Marquise'' mit dem später durch das Verschwinden des Bernsteinzimmers berüchtigt gewordenen Gauleiter Erich Koch bis zur Annahme, sie habe [[Adolf Hitler|Hitlers]] "Mein Kampf" ins Französische übersetzt. |
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| | + | Nach [[Zweiter Weltkrieg|Kriegsende]] nahm ''Madame'' Peyrebère ihre Lehrtätigkeit an der Theologischen Fakultät wieder auf. Ihre finanziellen Verhältnisse verschleierte sie erfolgreich vor der Salzburger Öffentlichkeit. Groß war daher die Überraschung, als nach ihrem Tod am 9. Dezember 1961 ein Vermögen von 1,5 Millionen [[Schilling]] vorgefunden wurde. Aus diesen Mitteln vergibt die [[Stadtgemeinde Salzburg]] noch heute ein "Interkulturstipendium" für Kunst- und Kulturprojekte. Viele Bücher, die aufgrund handschriftlicher Widmungen besonders wertvoll sind, hatte die ''Marquise'' bereits zu Lebzeiten der Studienbibliothek (heute [[Universitätsbibliothek Salzburg|Universitätsbibliothek]]) vermacht. Begraben wurde Jeanne de Peyrebère auf dem [[Petersfriedhof]]. Auf dem stark verwitterten Grabstein mit schlichtem Kreuz kann man die Worte entziffern: ''Credo in vitam aeternam'' – "Ich glaube an das ewige Leben." (Erdgrab Nr. 56a zwischen [[Margarethenkapelle]] und Gruften an der [[Mönchsberg]]wand). |
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| | == Quelle == | | == Quelle == |
| | * [[Christoph Brandhuber]]: "PLUSpunkte. 400 Jahre Universität Salzburg", Salzburg 2022, in [https://www.facebook.com/photo/?fbid=1361222148003309&set=pcb.1361223281336529 www.facebook.com] | | * [[Christoph Brandhuber]]: "PLUSpunkte. 400 Jahre Universität Salzburg", Salzburg 2022, in [https://www.facebook.com/photo/?fbid=1361222148003309&set=pcb.1361223281336529 www.facebook.com] |
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