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Die Halleiner Orgel geht auf das Instrument zurück, das [[1704]] angeschafft wurde und das vermutlich vom Salzburger [[Orgelbauer#Hoforgelmacher|Hoforgelmacher]] [[Christoph Egedacher]] stammte. Das Gehäuse, welches in etwas veränderter Form erhalten geblieben ist, lieferte der Halleiner Tischler Jacob Daigl um 80 [[Gulden]], [[1707]] wurde es vergoldet.<ref>''[[Österreichische Kunsttopographie]] 20'': [[Die Denkmale des politischen Bezirkes Hallein]] (ÖKT 20), hg. vom Kunsthistorischen Institute des Bundesdenkmalamtes, Wien, Augsburg, Köln, 1927, S. 88.</ref> Sie hatte 13 Register auf zwei Manualen und Pedal, anstelle des Tondos mit dem Ölbild der hl. [[Cäcilia von Rom]] war das Zifferblatt einer Uhr Bestandteil des Orgelprospektes. Das Zifferblatt mit römischen Ziffern ist auf einer [[1927]] veröffentlichen Abbildung noch zu sehen.<ref>''[[Österreichische Kunsttopographie]] 20'': Die Denkmale des politischen Bezirkes Hallein (ÖKT 20), hg. vom Kunsthistorischen Institute des Bundesdenkmalamtes, Wien, Augsburg, Köln, 1927, Abb. 83, S. 97.</ref>
 
Die Halleiner Orgel geht auf das Instrument zurück, das [[1704]] angeschafft wurde und das vermutlich vom Salzburger [[Orgelbauer#Hoforgelmacher|Hoforgelmacher]] [[Christoph Egedacher]] stammte. Das Gehäuse, welches in etwas veränderter Form erhalten geblieben ist, lieferte der Halleiner Tischler Jacob Daigl um 80 [[Gulden]], [[1707]] wurde es vergoldet.<ref>''[[Österreichische Kunsttopographie]] 20'': [[Die Denkmale des politischen Bezirkes Hallein]] (ÖKT 20), hg. vom Kunsthistorischen Institute des Bundesdenkmalamtes, Wien, Augsburg, Köln, 1927, S. 88.</ref> Sie hatte 13 Register auf zwei Manualen und Pedal, anstelle des Tondos mit dem Ölbild der hl. [[Cäcilia von Rom]] war das Zifferblatt einer Uhr Bestandteil des Orgelprospektes. Das Zifferblatt mit römischen Ziffern ist auf einer [[1927]] veröffentlichen Abbildung noch zu sehen.<ref>''[[Österreichische Kunsttopographie]] 20'': Die Denkmale des politischen Bezirkes Hallein (ÖKT 20), hg. vom Kunsthistorischen Institute des Bundesdenkmalamtes, Wien, Augsburg, Köln, 1927, Abb. 83, S. 97.</ref>
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In der Zeit um 1770 muss das Instrument von einem "betrügerischen Orgelbauer" verhunzt worden sein, wie der Halleiner Stadtpfarrorganist (1791–1806) Franz Treml klagte. In einer Eingabe der Kirchenverwaltung ist zu lesen: ''Seit einiger Zeit hatten sich diese Gebrechen derart vermehrt und sind so gravierend geworden, daß fünf Register, worunter einige der nothwendigsten, z. B. Koppel, Flöte, Subbaß ganz zugesteckt und außer Gebrauch gesetzt werden mußten''.<ref>[[Archiv der Erzdiözese Salzburg|AES]]: Akte ''Hallein 6/78'' (Hallein, [[2. August]] [[1804]]). Zitiert nach: Gerhard Walterskirchen: "''… weil der Organist doch immer am besten versteh, was sein Bedarf ist''. Ein unbekanntes Orgegutachten von Franz Xaver Gruber, in: ''De Editione Musices'', Salzburg 1992, S. 339.</ref>
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In der Zeit um 1770 muss das Instrument von einem "betrügerischen Orgelbauer" verhunzt worden sein, wie der Halleiner Stadtpfarrorganist (1791–1806) Franz Treml klagte. In einer Eingabe der Kirchenverwaltung ist zu lesen: ''Seit einiger Zeit hatten sich diese Gebrechen derart vermehrt und sind so gravierend geworden, daß fünf Register, worunter einige der nothwendigsten, z. B. Koppel, Flöte, Subbaß ganz zugesteckt und außer Gebrauch gesetzt werden mußten''.<ref>[[Archiv der Erzdiözese Salzburg|AES]]: Akte ''Hallein 6/78'' (Hallein, [[2. August]] [[1804]]). Zitiert nach: Gerhard Walterskirchen: "''… weil der Organist doch immer am besten versteh, was sein Bedarf ist''". Ein unbekanntes Orgegutachten von Franz Xaver Gruber, in: ''De Editione Musices'', Salzburg 1992, S. 339.</ref>
    
Anscheinend hatte der "betrügerischen Orgelbauer", um für sich wertvolles Zinn abzuzweigen, jede Zinnpfeife gekürzt, sodass dann ihr Stimmton um einen Halbton höher als der ohnehin schon hohe Cornettton war. Außerdem war das Gotteshaus vor [[1800]]<ref>''Personalstand der Welt- und Ordens-Geistlichkeit der Erzdiözese Salzburg für das Jahr 1957'' (Schematismus 1957), hrsg. vom Erzbischöflichen Ordinariat Salzburg 1957, S. 187.</ref> aufwändig in eine klassizistische Hallenkirche umgebaut worden: sie wurde u.a. um ''30 Schuch'' (ca. 9,5 Meter)<ref>Der ''Wiener Fuß'' betrug 0,316102 Meter. In: Franc Močnik: ''Lehrbuch des gesammten Rechnens'': für die vierte Classe der Hauptschulen in den k.k. Staaten. Wien: k.k. Schulbücher-Verschleiß-Administration bey St. Anna 1848, S. 131.</ref> nach Westen zu verlängert.<ref>[[Franz Xaver Gruber (Autor)|Gruber, Franz]]: ''Chronologisch-statistische Beschreibung der Stadt Hallein und ihrer Umgebung'', Salzburg 1870, S. 89f.</ref> Naturgemäß muss die Orgel auch wegen dieser Baumaßnahmen glitten haben.
 
Anscheinend hatte der "betrügerischen Orgelbauer", um für sich wertvolles Zinn abzuzweigen, jede Zinnpfeife gekürzt, sodass dann ihr Stimmton um einen Halbton höher als der ohnehin schon hohe Cornettton war. Außerdem war das Gotteshaus vor [[1800]]<ref>''Personalstand der Welt- und Ordens-Geistlichkeit der Erzdiözese Salzburg für das Jahr 1957'' (Schematismus 1957), hrsg. vom Erzbischöflichen Ordinariat Salzburg 1957, S. 187.</ref> aufwändig in eine klassizistische Hallenkirche umgebaut worden: sie wurde u.a. um ''30 Schuch'' (ca. 9,5 Meter)<ref>Der ''Wiener Fuß'' betrug 0,316102 Meter. In: Franc Močnik: ''Lehrbuch des gesammten Rechnens'': für die vierte Classe der Hauptschulen in den k.k. Staaten. Wien: k.k. Schulbücher-Verschleiß-Administration bey St. Anna 1848, S. 131.</ref> nach Westen zu verlängert.<ref>[[Franz Xaver Gruber (Autor)|Gruber, Franz]]: ''Chronologisch-statistische Beschreibung der Stadt Hallein und ihrer Umgebung'', Salzburg 1870, S. 89f.</ref> Naturgemäß muss die Orgel auch wegen dieser Baumaßnahmen glitten haben.
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Um 1805 bekam der Orgelmachergeselle Joachim Brugger den Auftrag, die Orgel zu reparieren, und erhielt dafür 300 [[Gulden|fl.]] Brugger war der sogenannte "''wirkliche Provisor''" als Orgelbauer: die Witwe des [[1804]] verstorbenen Hoforgelmachers [[Johann Ev. Schmidt]] führte den Orgelbau-Betrieb mit Gesellen mehrere Jahre weiter. Bruggers Arbeit dürfte auch nur Flickwerk gewesen sein, denn die alten Mängel traten bald wieder zu Tage.
 
Um 1805 bekam der Orgelmachergeselle Joachim Brugger den Auftrag, die Orgel zu reparieren, und erhielt dafür 300 [[Gulden|fl.]] Brugger war der sogenannte "''wirkliche Provisor''" als Orgelbauer: die Witwe des [[1804]] verstorbenen Hoforgelmachers [[Johann Ev. Schmidt]] führte den Orgelbau-Betrieb mit Gesellen mehrere Jahre weiter. Bruggers Arbeit dürfte auch nur Flickwerk gewesen sein, denn die alten Mängel traten bald wieder zu Tage.
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[[1837]] erweiterte [[Karl Mauracher (Orgelbauer)|Carl Mauracher]] die Orgel auf 19 Register, wobei er allein für das Hauptwerk zehn Stimmen vorgesehen hatte. Für das Positiv reichte allerdings das Geld nicht mehr aus und er erneuerte nur die ''"wurmstichige Flöte"''.<ref>Walterskirchen: "''… weil der Organist doch immer am besten versteh, was sein Bedarf ist'', Salzburg 1992, S. 340.</ref> Doch die Unzufriedenheit mit der Orgel wuchs und die Halleiner Kirchenverwaltung formulierte Kritik. So hätte die Orgel zu viele scharfe Stimmen, die ''zusammen einen grellen Ton'' bewirkten. Es besteht kein Zweifel, ''dass die Mitglieder der Kirchenverwaltung hier die Meinung ihres Organisten [[Franz Xaver Gruber]] artikulierten. Gruber war seit 1833 "Regens chori" und Organist an der Stadtpfarrkirche Hallein und verfolgte, "seit längerer Zeit schon die Gebrechen der Orgel bemerkend''", einen Umbau nach seinen Intentionen. Da Carl Mauracher 1844 gestorben war, hatte er sich an dessen  Söhne [[Ludwig Mauracher|Ludwig]] und [[Johann Nepomuk Carl Mauracher|Johann Nepomuk Carl]] gewandt, danach noch an deren Konkurrenten Matthäus Mauracher. Dieser sandte daraufhin an den einen Sohn Grubers, [[Franz Xaver Gruber (Autor)|Franz Xaver jun.]], einen Kostenvoranschlag.<ref>Walterskirchen: "''… weil der Organist doch immer am besten versteh, was sein Bedarf ist'', Salzburg 1992, S. 341f.</ref>
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[[1837]] erweiterte [[Karl Mauracher (Orgelbauer)|Carl Mauracher]] die Orgel auf 19 Register, wobei er allein für das Hauptwerk zehn Stimmen vorgesehen hatte. Für das Positiv reichte allerdings das Geld nicht mehr aus und er erneuerte nur die ''"wurmstichige Flöte"''.<ref>Walterskirchen: "''… weil der Organist doch immer am besten versteh, was sein Bedarf ist''", Salzburg 1992, S. 340.</ref> Doch die Unzufriedenheit mit der Orgel wuchs und die Halleiner Kirchenverwaltung formulierte Kritik. So hätte die Orgel zu viele scharfe Stimmen, die ''zusammen einen grellen Ton'' bewirkten. Es besteht kein Zweifel, ''dass die Mitglieder der Kirchenverwaltung hier die Meinung ihres Organisten [[Franz Xaver Gruber]] artikulierten. Gruber war seit 1833 "Regens chori" und Organist an der Stadtpfarrkirche Hallein und verfolgte, "seit längerer Zeit schon die Gebrechen der Orgel bemerkend''", einen Umbau nach seinen Intentionen. Da Carl Mauracher 1844 gestorben war, hatte er sich an dessen  Söhne [[Ludwig Mauracher|Ludwig]] und [[Johann Nepomuk Carl Mauracher|Johann Nepomuk Carl]] gewandt, danach noch an deren Konkurrenten Matthäus Mauracher. Dieser sandte daraufhin an den einen Sohn Grubers, [[Franz Xaver Gruber (Autor)|Franz Xaver jun.]], einen Kostenvoranschlag.<ref>Walterskirchen: "''… weil der Organist doch immer am besten versteh, was sein Bedarf ist''", Salzburg 1992, S. 341f.</ref>
    
== Mauracher-Orgel 1864 ==
 
== Mauracher-Orgel 1864 ==
Am [[13. April]] [[1861]] schrieb Franz Xaver Gruber sen. an Matthäus Mauracher einen langen Brief, in dem er zum Kostenvoranschlag Maurachers Stellung bezieht, seine klanglichen Vorstellungen einfordert und in Maurachers Dispositionsvorschlag eingreift.<ref>Salzburg, Privatbesitz, in: Walterskirchen: "''… weil der Organist doch immer am besten versteh, was sein Bedarf ist'', Salzburg 1992, S. 342.</ref> Gruber erwähnt auch, dass der Dechant (1845-1872) [[Johann Baptist Wichtlhuber]] das Vorhaben unterstützt.<ref>''"Endlich wurde unsere Orgelbau-Angelegenheit, die bereits in Schlummer zu sinken begann, wieder aufgelegt, um mit erneuter Kraft betrieben zu werden.'' [...] ''Stadtpfarrer Johann Baptist Wichtlhuber'' ... [will] ... ''den Bau beschleinigt wissen und auf eine gediegene Weise ausgeführt'' [...]"''.</ref>
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Am [[13. April]] [[1861]] schrieb Franz Xaver Gruber sen. an Matthäus Mauracher einen langen Brief, in dem er zum Kostenvoranschlag Maurachers Stellung bezieht, seine klanglichen Vorstellungen einfordert und in Maurachers Dispositionsvorschlag eingreift.<ref>Salzburg, Privatbesitz, in: Walterskirchen: "''… weil der Organist doch immer am besten versteh, was sein Bedarf ist''", Salzburg 1992, S. 342.</ref> Gruber erwähnt auch, dass der Dechant (1845-1872) [[Johann Baptist Wichtlhuber]] das Vorhaben unterstützt.<ref>''"Endlich wurde unsere Orgelbau-Angelegenheit, die bereits in Schlummer zu sinken begann, wieder aufgelegt, um mit erneuter Kraft betrieben zu werden.'' [...] ''Stadtpfarrer Johann Baptist Wichtlhuber'' ... [will] ... ''den Bau beschleinigt wissen und auf eine gediegene Weise ausgeführt'' [...]"''.</ref>
    
====Dispositionsvorschlag von Matthäus Mauracher I. 1861====
 
====Dispositionsvorschlag von Matthäus Mauracher I. 1861====
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'''Pedal:''' Den Wegfall der Posaune 8' von Karl Mauracher aus dem Jahre [[1837]] wollte Gruber verhindern, ([…]'' wegwerfen dürfen wir sie nicht!''), zudem verlangte er einen ''Quintbass 10<sup>2</sup>/<sub>3</sub>Fuß''.
 
'''Pedal:''' Den Wegfall der Posaune 8' von Karl Mauracher aus dem Jahre [[1837]] wollte Gruber verhindern, ([…]'' wegwerfen dürfen wir sie nicht!''), zudem verlangte er einen ''Quintbass 10<sup>2</sup>/<sub>3</sub>Fuß''.
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Gruber erlebte die Fertigstellung der Orgel im Oktober [[1864]] nicht mehr, seine Wünsche waren aber von Matthäus Mauracher erfüllt worden. Als Gratisleistung hatte er zudem ein drittes Manual für eine ''Physharmonika mit Piano-Zug'' eingebaut. Mit 32 Registern (inkl. Nebenzügen) war die Halleiner Orgel damit, nach der [[Salzburger Domorgel]] und bis zur Fertigstellung der Orgel der [[Kollegienkirche]] [[1868]], die zweitgrößte Orgel Salzburgs.<ref>Walterskirchen: "''… weil der Organist doch immer am besten versteh, was sein Bedarf ist'', Salzburg 1992, S. 345–347.</ref>
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Gruber erlebte die Fertigstellung der Orgel im Oktober [[1864]] nicht mehr, seine Wünsche waren aber von Matthäus Mauracher erfüllt worden. Als Gratisleistung hatte er zudem ein drittes Manual für eine ''Physharmonika mit Piano-Zug'' eingebaut. Mit 32 Registern (inkl. Nebenzügen) war die Halleiner Orgel damit, nach der [[Salzburger Domorgel]] und bis zur Fertigstellung der Orgel der [[Kollegienkirche]] [[1868]], die zweitgrößte Orgel Salzburgs.<ref>Walterskirchen: "''… weil der Organist doch immer am besten versteh, was sein Bedarf ist''", Salzburg 1992, S. 345–347.</ref>
    
1962/63 wurde die Matthäus-Mauracher-Orgel aus dem Jahre 1864 durch die Firma [[Max Dreher|Dreher & Reinisch]] so umfassend verändert, dass sie einem Neubau glich.
 
1962/63 wurde die Matthäus-Mauracher-Orgel aus dem Jahre 1864 durch die Firma [[Max Dreher|Dreher & Reinisch]] so umfassend verändert, dass sie einem Neubau glich.
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==Literatur==
 
==Literatur==
* [[Gerhard Walterskirchen]]: "''… weil der Organist doch immer am besten versteh, was sein Bedarf ist''. Ein unbekanntes Orgelgutachten von [[Franz Xaver Gruber]], in: ''De Editione Musices''. Festschrift [[Gerhard Croll]] zum 65. Geburtstag, hrsg. von [[Wolfgang Gratzer]] und Andrea Lindmayr, Salzburg 1992, S. 339–347.
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* [[Gerhard Walterskirchen]]: "''… weil der Organist doch immer am besten versteh, was sein Bedarf ist''". Ein unbekanntes Orgelgutachten von [[Franz Xaver Gruber]], in: ''De Editione Musices''. Festschrift [[Gerhard Croll]] zum 65. Geburtstag, hrsg. von [[Wolfgang Gratzer]] und Andrea Lindmayr, Salzburg 1992, S. 339–347.
 
* ''Gruber & Mohr. Festival 2018. gruber and more. Festschrift & Programmheft'', hrsg. vom Halleiner Puppentheater, Oberalm 2018.
 
* ''Gruber & Mohr. Festival 2018. gruber and more. Festschrift & Programmheft'', hrsg. vom Halleiner Puppentheater, Oberalm 2018.