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| | Wie sich in den Jahren 2002 und 2003 bei der Kartierung der Salzburger Flusskrebse ergab, besteht ein natürliches Vorkommen des Edelkrebses insbesondere noch im [[Prebersee]] ([[Lungau]]) und dessen Abfluss. Ansonsten gibt es gute Edelkrebs‐Bestände nur in einigen Teichen und Weihern, die fast ausnahmslos künstlich besetzt wurden. | | Wie sich in den Jahren 2002 und 2003 bei der Kartierung der Salzburger Flusskrebse ergab, besteht ein natürliches Vorkommen des Edelkrebses insbesondere noch im [[Prebersee]] ([[Lungau]]) und dessen Abfluss. Ansonsten gibt es gute Edelkrebs‐Bestände nur in einigen Teichen und Weihern, die fast ausnahmslos künstlich besetzt wurden. |
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| − | Der Edelkrebs steht in der „Roten Liste der gefährdeten Tiere Österreichs“ auf Gefährdungsstufe 1 (vom Aussterben bedroht). | + | Der Edelkrebs steht in der "Roten Liste der gefährdeten Tiere Österreichs“ auf Gefährdungsstufe 1 (vom Aussterben bedroht). |
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| | Chancen für eine Wiederansiedlung des Edelkrebses werden gesehen, da sich die Wasserqualität vieler Fließgewässer in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert hat und immer mehr Bäche restrukturiert werden. Dabei ist allerdings zu beachten, dass solche Bäche in keinerlei Verbindung mit Gewässern stehen dürfen, die mit [[Signalkrebs]]en – Überträgern der Krebspest – besetzt sind; dadurch scheiden sehr viele Gewässer des [[Flachgau]]s, wo die besten Voraussetzungen für eine Wiederbesiedlung gegeben wären, aus. | | Chancen für eine Wiederansiedlung des Edelkrebses werden gesehen, da sich die Wasserqualität vieler Fließgewässer in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert hat und immer mehr Bäche restrukturiert werden. Dabei ist allerdings zu beachten, dass solche Bäche in keinerlei Verbindung mit Gewässern stehen dürfen, die mit [[Signalkrebs]]en – Überträgern der Krebspest – besetzt sind; dadurch scheiden sehr viele Gewässer des [[Flachgau]]s, wo die besten Voraussetzungen für eine Wiederbesiedlung gegeben wären, aus. |
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| | === Geschichte === | | === Geschichte === |
| − | Berichte über Vorkommen und wirtschaftliche Nutzung des Edelkrebses in Salzburg reichen bis in das [[15. Jahrhundert]] zurück. Bei den [[Salzburger Erzbischöfe]]n waren die Krebse als Speise hoch geschätzt. Sie bezogen die Tiere hauptsächlich aus dem [[Zeller See]], dessen Krebsreichtum im [[16. Jahrhundert]] außerordentlich war. So betrug um 1560 der „Krebsendienst“, die dem [[Salzburger Fürstenhof|erzbischöflichen Hof]] zu dienende Abgabe, 13 900 Stück (Mindestmaß "ohne Scheren, Kopf und Zagl" neun Zentimeter) pro Jahr. Die Krebse wurden vom St.-Ulrichs-Tag (4. Juli) bis zu [[Rupert von Worms|Ruperti]] (24. September) gefangen und geliefert. Zuerst musste der [[Pfleger]] oder Seeinspektor, wie bei allen Fischlieferungen, die dem Hof zu liefernden Krebse besichtigen und ausmustern. Von dem Krebsfangergebnis wurden nur zwei Drittel an den Hof geliefert, ein Drittel erhielt gegen Fanggeld der Pfleger von [[Kaprun]]. Dann wurden die ausgewählten Tiere zu 500 bis 700 Stück in Säcke gefüllt, die zugesiegelt wurden. Sie wurden vom Jahr 1665 an von eigenen Hofkrebsträgerinnen nach Salzburg getragen. Man kann sich vorstellen, in welchem Zustand die Krebse in Salzburg ankamen. In der Regel waren in [[Zell am See|Zell]] drei Krebsenträgerinnen, die wöchentlich die Krebse nach Salzburg trugen; sie erhielten jährlich je zwei Metzen Roggen und Korn sowie für jeden Gang und für 200 Krebse 1 [[Gulden]] 30 Kreuzer. Für jede Krebsenlieferung stellte der Pfleger (wie für jede Fischlieferung) einen Schein aus, der an den Pässen und bei Revisionen vorzuzeigen, bei der Ablieferung zu bestätigen und bei der Heimkunft wieder abzuliefern war. Begehrt waren die Krebse auch im Ausland und nicht zuletzt bei Dieben, die sich durch schwere Strafen nicht abhalten ließen. Der Krebsbestand des Zeller Sees ging im Laufe der Jahrhunderte insbesondere durch Einleitung von Bergbauabwässern stark zurück. | + | Berichte über Vorkommen und wirtschaftliche Nutzung des Edelkrebses in Salzburg reichen bis in das [[15. Jahrhundert]] zurück. Bei den [[Salzburger Erzbischöfe]]n waren die Krebse als Speise hoch geschätzt. Sie bezogen die Tiere hauptsächlich aus dem [[Zeller See]], dessen Krebsreichtum im [[16. Jahrhundert]] außerordentlich war. So betrug um 1560 der "Krebsendienst“, die dem [[Salzburger Fürstenhof|erzbischöflichen Hof]] zu dienende Abgabe, 13 900 Stück (Mindestmaß "ohne Scheren, Kopf und Zagl" neun Zentimeter) pro Jahr. Die Krebse wurden vom St.-Ulrichs-Tag (4. Juli) bis zu [[Rupert von Worms|Ruperti]] (24. September) gefangen und geliefert. Zuerst musste der [[Pfleger]] oder Seeinspektor, wie bei allen Fischlieferungen, die dem Hof zu liefernden Krebse besichtigen und ausmustern. Von dem Krebsfangergebnis wurden nur zwei Drittel an den Hof geliefert, ein Drittel erhielt gegen Fanggeld der Pfleger von [[Kaprun]]. Dann wurden die ausgewählten Tiere zu 500 bis 700 Stück in Säcke gefüllt, die zugesiegelt wurden. Sie wurden vom Jahr 1665 an von eigenen Hofkrebsträgerinnen nach Salzburg getragen. Man kann sich vorstellen, in welchem Zustand die Krebse in Salzburg ankamen. In der Regel waren in [[Zell am See|Zell]] drei Krebsenträgerinnen, die wöchentlich die Krebse nach Salzburg trugen; sie erhielten jährlich je zwei Metzen Roggen und Korn sowie für jeden Gang und für 200 Krebse 1 [[Gulden]] 30 Kreuzer. Für jede Krebsenlieferung stellte der Pfleger (wie für jede Fischlieferung) einen Schein aus, der an den Pässen und bei Revisionen vorzuzeigen, bei der Ablieferung zu bestätigen und bei der Heimkunft wieder abzuliefern war. Begehrt waren die Krebse auch im Ausland und nicht zuletzt bei Dieben, die sich durch schwere Strafen nicht abhalten ließen. Der Krebsbestand des Zeller Sees ging im Laufe der Jahrhunderte insbesondere durch Einleitung von Bergbauabwässern stark zurück. |
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| | Um die Wende zum [[20. Jahrhundert]] wurde in Mitteleuropa mit nordamerikanischen Krebsen die Krebspest eingeschleppt. Dieser Krankheit fiel bis in die [[1950er]]-Jahre der Großteil der Krebsbestände Österreichs und Deutschlands zum Opfer, insbesondere auch jener des Zeller Sees. | | Um die Wende zum [[20. Jahrhundert]] wurde in Mitteleuropa mit nordamerikanischen Krebsen die Krebspest eingeschleppt. Dieser Krankheit fiel bis in die [[1950er]]-Jahre der Großteil der Krebsbestände Österreichs und Deutschlands zum Opfer, insbesondere auch jener des Zeller Sees. |
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| | * [[Pinzgau]]: | | * [[Pinzgau]]: |
| | ** Noch Anfang des [[19. Jahrhundert]]s wurde im Pinzgau jährlich ein Ertrag von etwa 15 000 Krebsen erzielt. Der Großteil der Tiere stammte aus dem [[Zeller See]]. Im Jahr 1551 wurde allerdings im Bereich von [[Zell am See]] der [[Kupferbergbau]] begonnen. Durch die dabei entstandenen Abwässer ging der Krebsbestand stark zurück. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden Teile des südlichen Bereiches des Sees sowie eine Reihe von Sumpfwiesen und -gräben trockengelegt und im Bereich der Salzach [[Salzachregulierung|Regulierungsarbeiten]] durchgeführt, was zu einer weiteren Abnahme der Pinzgauer Krebsbestände führte. Im Jahr [[1880]] trat im Zeller See die Krebspest auf und rottete den dortigen Edelkrebsbestand vollkommen aus. Bereits 1905 regte [[Josef Kollmann]] an, Krebse wieder in den Zeller See einzusetzen, um eine Lücke in der Nahrungskette der Fische zu schließen. In den [[1990er]]-Jahren gab die Stadt [[Zell am See]] eine Studie in Auftrag, um womöglich den Edelkrebs im Zeller See selbst wieder einzubürgern; ein Problem bestand in den im See lebenden, konkurrenzstärkeren [[Kamberkrebs]]en. | | ** Noch Anfang des [[19. Jahrhundert]]s wurde im Pinzgau jährlich ein Ertrag von etwa 15 000 Krebsen erzielt. Der Großteil der Tiere stammte aus dem [[Zeller See]]. Im Jahr 1551 wurde allerdings im Bereich von [[Zell am See]] der [[Kupferbergbau]] begonnen. Durch die dabei entstandenen Abwässer ging der Krebsbestand stark zurück. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden Teile des südlichen Bereiches des Sees sowie eine Reihe von Sumpfwiesen und -gräben trockengelegt und im Bereich der Salzach [[Salzachregulierung|Regulierungsarbeiten]] durchgeführt, was zu einer weiteren Abnahme der Pinzgauer Krebsbestände führte. Im Jahr [[1880]] trat im Zeller See die Krebspest auf und rottete den dortigen Edelkrebsbestand vollkommen aus. Bereits 1905 regte [[Josef Kollmann]] an, Krebse wieder in den Zeller See einzusetzen, um eine Lücke in der Nahrungskette der Fische zu schließen. In den [[1990er]]-Jahren gab die Stadt [[Zell am See]] eine Studie in Auftrag, um womöglich den Edelkrebs im Zeller See selbst wieder einzubürgern; ein Problem bestand in den im See lebenden, konkurrenzstärkeren [[Kamberkrebs]]en. |
| − | ** In der Gegend von [[Mittersill]] wurde der Edelkrebs erst im Jahr [[1712]] aus [[Tirol]] und [[Bayern]] eingesetzt. In den dortigen Sumpfgebieten gedieh er ausgezeichnet und übertraf die Krebse des Zeller Sees bei Weitem an Güte und Größe (was die Zeller Fischer auf den Gedanken brachte, Mittersiller Krebse zur „Blutauffrischung“ in den Zeller See einzusetzen). | + | ** In der Gegend von [[Mittersill]] wurde der Edelkrebs erst im Jahr [[1712]] aus [[Tirol]] und [[Bayern]] eingesetzt. In den dortigen Sumpfgebieten gedieh er ausgezeichnet und übertraf die Krebse des Zeller Sees bei Weitem an Güte und Größe (was die Zeller Fischer auf den Gedanken brachte, Mittersiller Krebse zur "Blutauffrischung“ in den Zeller See einzusetzen). |
| − | ** Noch vor dem großen Krebssterben wurden Edelkrebse aus dem Zeller See in den [[Uttendorfer See]] und andere Kleingewässer um [[Uttendorf]] eingesetzt. Einige dieser Bestände blieben von der Krebspest verschont; in ihnen lebt die ursprüngliche Population des Zeller Sees noch heute fort. Im Uttendorfer See entwickelte sich der Krebsbestand gut; im Jahr 1978 wurde ein Ausfang von 46 kg berichtet. Aus diesen Beständen wurde eine Reihe von stehenden und fließenden Gewässern des Pinzgaus besetzt, so auch die „[[Bauernlacke]]“ bei [[Piesendorf]]. | + | ** Noch vor dem großen Krebssterben wurden Edelkrebse aus dem Zeller See in den [[Uttendorfer See]] und andere Kleingewässer um [[Uttendorf]] eingesetzt. Einige dieser Bestände blieben von der Krebspest verschont; in ihnen lebt die ursprüngliche Population des Zeller Sees noch heute fort. Im Uttendorfer See entwickelte sich der Krebsbestand gut; im Jahr 1978 wurde ein Ausfang von 46 kg berichtet. Aus diesen Beständen wurde eine Reihe von stehenden und fließenden Gewässern des Pinzgaus besetzt, so auch die "[[Bauernlacke]]“ bei [[Piesendorf]]. |
| | ** Bei [[Saalfelden am Steinernen Meer]] gab es bis 1996 ein Restvorkommen, das wahrscheinlich durch den Bau eines [[Golf]]platzes ausgelöscht wurde. | | ** Bei [[Saalfelden am Steinernen Meer]] gab es bis 1996 ein Restvorkommen, das wahrscheinlich durch den Bau eines [[Golf]]platzes ausgelöscht wurde. |
| | **Bei Zell am Moos wurde ein Golfteich mit [[Augsburg]]er Edelkrebsen besetzt, die sich gut entwickelten. | | **Bei Zell am Moos wurde ein Golfteich mit [[Augsburg]]er Edelkrebsen besetzt, die sich gut entwickelten. |