| Zeile 3: |
Zeile 3: |
| | Der '''Tauerntunnel''' ist ein Straßentunnel auf der [[Tauernautobahn]] (A 10), der den [[Radstädter Tauern]] auf einer Länge von 6.765 m (inkl. Vorportal) durchquert. | | Der '''Tauerntunnel''' ist ein Straßentunnel auf der [[Tauernautobahn]] (A 10), der den [[Radstädter Tauern]] auf einer Länge von 6.765 m (inkl. Vorportal) durchquert. |
| | | | |
| − | ==Geschichte== | + | == Geschichte == |
| | Anfang der [[1970er]] Jahre wurde mit dem Bau des Tauerntunnels zwischen [[Flachauwinkl]] ([[Pongau]]) und [[Zederhaus]] ([[Lungau]]) begonnen. Am [[19. Jänner]] [[1974]] erfolgte der Durchschlag und am [[21. Juni]] [[1975]] die Verkehrsfreigabe für den rund 44 km langen Abschnitt von [[Eben im Pongau]] bis [[St. Michael im Lungau]], in dessen Bereich der Tunnel fällt. Zwar wurden auf beiden Seiten des Tunnels auch Portale für eine zweite Tunnelröhre bis zu 60m in den Fels vorangetrieben, der Tauerntunnel blieb aber, vor allem auch aus Angst vor dem hohen Verkehrsaufkommen, vorerst eine Sparvariante mit Gegenverkehr und wechselweisen Anhaltungen (Blockabfertigung) an verkehrsreichen Tagen. | | Anfang der [[1970er]] Jahre wurde mit dem Bau des Tauerntunnels zwischen [[Flachauwinkl]] ([[Pongau]]) und [[Zederhaus]] ([[Lungau]]) begonnen. Am [[19. Jänner]] [[1974]] erfolgte der Durchschlag und am [[21. Juni]] [[1975]] die Verkehrsfreigabe für den rund 44 km langen Abschnitt von [[Eben im Pongau]] bis [[St. Michael im Lungau]], in dessen Bereich der Tunnel fällt. Zwar wurden auf beiden Seiten des Tunnels auch Portale für eine zweite Tunnelröhre bis zu 60m in den Fels vorangetrieben, der Tauerntunnel blieb aber, vor allem auch aus Angst vor dem hohen Verkehrsaufkommen, vorerst eine Sparvariante mit Gegenverkehr und wechselweisen Anhaltungen (Blockabfertigung) an verkehrsreichen Tagen. |
| | | | |
| − | ==Tunnelbrand 1999== | + | == Tunnelbrand 1999 == |
| | + | : '' Hauptartikel: [[Tauerntunnelbrand 1999]]'' |
| | + | Am [[29. Mai]] [[1999]] ereignete sich im Tauerntunnel ein folgenschwerer Auffahrunfall, der einen Tunnelbrand auslöste, der 12 Tote gefordert hat. |
| | | | |
| − | Am [[29. Mai]] [[1999]] ereignete sich im Tauerntunnel ein folgenschwerer Auffahrunfall. Um 4.50 Uhr Nachts prallt ein LKW, der Stückgut aus Italien nach Norden bringen soll, 800 Meter vor dem Nordportal mit mindestens 50 km/h auf eine vor der Baustellenampel stehende Kolonne von 13 Fahrzeugen. Ein PKW wird 25 Meter mitgeschliffen, der Tank aufgerissen, ein Brand entsteht. Drei weitere Autos werden zermalmt und unter einen mit 24.000 Dosen Spraylack beladenen Laster geschoben, eines bis auf 40 Zentimeter zusammengequetscht.
| + | == Zweite Tunnelröhre == |
| | | | |
| − | Ausfließender Treibstoff führt zu Explosionen. Eine bis zu 1200 Grad heiße Feuerwalze rollt durch die Betonröhre. Die zehneinhalb Tonnen Spraydosen sind in ihrer Hitzeentwicklung dem Jahresbedarf von drei Einfamilienhäusern gleichzusetzen, aber nicht über sechs Monate verteilt, sondern in Sekundenschnelle. Der Brand breitet sich auf eine Länge von 400 m Richtung Norden und 700 m Richtung Süden aus.
| + | Unmittelbar nach dem Unfall versprach die Politik einmal mehr den Bau einer zweiten Tunnelröhre. Lungauer Bürgerinitiativen warnten weiter vor der zu erwartenden Verkehrslawine. Diesmal setzte sich jedoch die Politik durch. Am [[15. September]] [[2006]] erfolgte der Anstich für die zweite Tunnelröhre. Den betroffenen Gemeinden im Lungau wurde ein umfassender Lärmschutz entlang der gesamten Strecke der A 10 durch das [[Zederhaustal]] versprochen. |
| | | | |
| − | Die Zwischendecke stürzt teilweise ein. Dutzende Menschen rennen um ihr Leben. Das Rote Kreuz setzt 181 Sanitäter und Ärzte ein. Die [[Feuerwehr Zederhaus]] rettet drei Menschen kilometerweit bis zum Südportal. Beim Nordportal werden weitere 46 Verletzte abtransportiert. 21 Menschen gelangen dort unverletzt ins Freie.
| + | ==== Zahlen ==== |
| − | | |
| − | Um 21.45 Uhr heißt es "Brand aus". 248 Feuerwehrleute von 15 Freiwilligen Wehren leisteten 2432 Einsatzstunden. Zuerst geht man von einem Toten aus, fünf Tage später ist aber klar, dass der Unfall 12 Tote gefordert hat: Acht Menschen sterben in den Wracks direkt nach dem Aufprall des LKWs - ein Kärntner, zwei Bosnier und eine fünfköpfige Familie aus Reutlingen in Deutschland. Vier Leute begingen in Panik tödliche Fehler. Ein Ehepaar aus Belgien bleibt im Auto sitzen, ein Grieche steigt zu ihnen in den Mercedes. Ein Deutscher erstickt auf der Flucht vor dem Feuer. 49 weitere Menschen werden verletzt.
| |
| − | | |
| − | Am [[4. Juni]] sind alle Wracks, 16 LKW und 24 PKW, geborgen. Vier Wochen nach dem Inferno schließen Gerichtsmediziner am [[23. Juni]] die Identifizierung der Opfer ab. Der Lkw-Lenker, der den Unfall verursacht hatte, wird am [[29. September]] [[2000]] am [[Landesgericht Salzburg]] zu einer teilbedingten Haftstrafe verurteilt: Zwei Jahre, davon drei Monate unbedingt.
| |
| − | | |
| − | ==Zweite Tunnelröhre==
| |
| − | | |
| − | Unmittelbar nach dem Unfall versprach die Politik einmal mehr den Bau einer zweiten Tunnelröhre. Lungauer Bürgerinitiativen warnten weiter vor der zu erwartenden Verkehrslawine. Diesmal setzte sich jedoch die Politik durch. Am [[15. September]] [[2006]] erfolgte der Anstich für die zweite Tunnelröhre. Den betroffenen Gemeinden im Lungau wurde ein umfassender Lärmschutz entlang der gesamten Strecke der A 10 durch das [[Zederhaustal]] versprochen.
| |
| − | | |
| − | ====Zahlen==== | |
| | {| class="blueboxleft" | | {| class="blueboxleft" |
| | |- class="blueboxleftheader" | | |- class="blueboxleftheader" |
| Zeile 38: |
Zeile 30: |
| | |} | | |} |
| | | | |
| − | Die beiden Tunnel werden mit drei befahrbaren und 17 begehbaren Querschlägen, sowie mit sechs Einsatzquerschlägen verbunden, um im Notfall eine Flucht aus der einen in die andere Tunnelröhre zu ermöglichen. | + | Die beiden Tunnel werden mit drei befahrbaren und 17 begehbaren Querschlägen, sowie mit sechs Einsatzquerschlägen verbunden, um im Notfall eine Flucht aus der einen in die andere Tunnelröhre zu ermöglichen. Nach Abschluss dieser Bauarbeiten soll der Tauerntunnel ab Juni 2011 ohne Gegenverkehr befahrbar sein. |
| | | | |
| − | Der Durchschlag der zweiten Tunnelröhre ist für das Frühjahr 2009 geplant, im Herbst 2010 soll sie für den Verkehr freigegeben werden, gleichzeitig beginnt aber die Sanierung der alten Tunnelröhre. Nach Abschluss dieser Bauarbeiten soll der Tauerntunnel ab Juni 2011 ohne Gegenverkehr befahrbar sein.
| + | In der Arbeitsbeschreibung schreibt die [[ASFINAG]] zum Thema Kosten: ''Die geschätzten Netto-Gesamtkosten für die "2. Röhre Tauerntunnel – Talröhre" inklusive notwendiger Grundeinlösen, Planung, Bau und Projektmanagement betragen ca. 195 Mio. Euro. Die Sanierungskosten für die "1. Röhre – Bergröhre" betragen aus heutiger Sicht ca. 21 Mio. Euro. Insgesamt kann somit von ca. 216 Mio. Euro Netto-Gesamtkosten ausgegangen werden. (Stand Oktober 2006)''<ref>siehe [http://www.asfinag.at/strassenbau/bauprojekte/A10_Tauerntunnel/a10_2roehre_tauerntunnel.htm#Kosten]</ref>. |
| | | | |
| − | In der Arbeitsbeschreibung schreibt die [[ASFINAG]] zum Thema Kosten: ''Die geschätzten Netto-Gesamtkosten für die "2. Röhre Tauerntunnel – Talröhre" inklusive notwendiger Grundeinlösen, Planung, Bau und Projektmanagement betragen ca. 195 Mio. Euro. Die Sanierungskosten für die "1. Röhre – Bergröhre" betragen aus heutiger Sicht ca. 21 Mio. Euro. Insgesamt kann somit von ca. 216 Mio. Euro Netto-Gesamtkosten ausgegangen werden. (Stand Oktober 2006).''<ref>siehe [http://www.asfinag.at/strassenbau/bauprojekte/A10_Tauerntunnel/a10_2roehre_tauerntunnel.htm#Kosten]</ref>
| + | 150 Mitarbeiter waren zu Spitzenzeiten im Tunnel tätig. Die Kosten inklusive Sanierung der alten Röhre betragen 212 Millionen Euro<ref>Quelle [http://www.news.at/articles/1017/95/267322/zweite-tauerntunnel-roehre-ab-2011-a10 www.news.at]</ref>. |
| | | | |
| | Weitere 300 Mill. Euro werden bis 2020 zwischen [[Hüttau]] (Pongau) und Seeboden ([[Kärnten]]) in den Bau von Umweltentlastungsmaßnahmen wie Einhausungen und Einschüttungen, eine Autobahnverlegung im Bereich Zederhaus oder die Anschüttung von Lärmschutzdämmen fließen. | | Weitere 300 Mill. Euro werden bis 2020 zwischen [[Hüttau]] (Pongau) und Seeboden ([[Kärnten]]) in den Bau von Umweltentlastungsmaßnahmen wie Einhausungen und Einschüttungen, eine Autobahnverlegung im Bereich Zederhaus oder die Anschüttung von Lärmschutzdämmen fließen. |
| | | | |
| − | ====Baufortschritt==== | + | ==== Baufortschritt zweite Röhre ==== |
| | [[Bild:Tauerntunnel.jpg|thumb|Baustelle 2. Röhre]]Auf der nördlichen Seite in Flachauwinkel mussten sich die Bagger zu Beginn der Arbeiten etwa 430 Meter weit durch die so genannte Hangschuttstrecke plagen: Über Millionen von Jahren hat die Erosion dafür gesorgt, dass sich am Fuß des Berges Material angesammelt hat. Mehr als 400 Meter dick ist diese Schicht. Das lockere Material zu durchwühlen, gleichzeitig dahinter Tunneldecke und Tunnelwand zu fixieren, das ist viel Arbeit und kostet vor allem aus Sicherheitsgründen viel Zeit. Nur 1 bis 2,7 Meter pro Tag waren dabei möglich. Das hat zu einer Verzögerung von etwa 50 Tagen gesorgt. | | [[Bild:Tauerntunnel.jpg|thumb|Baustelle 2. Röhre]]Auf der nördlichen Seite in Flachauwinkel mussten sich die Bagger zu Beginn der Arbeiten etwa 430 Meter weit durch die so genannte Hangschuttstrecke plagen: Über Millionen von Jahren hat die Erosion dafür gesorgt, dass sich am Fuß des Berges Material angesammelt hat. Mehr als 400 Meter dick ist diese Schicht. Das lockere Material zu durchwühlen, gleichzeitig dahinter Tunneldecke und Tunnelwand zu fixieren, das ist viel Arbeit und kostet vor allem aus Sicherheitsgründen viel Zeit. Nur 1 bis 2,7 Meter pro Tag waren dabei möglich. Das hat zu einer Verzögerung von etwa 50 Tagen gesorgt. |
| | | | |
| Zeile 59: |
Zeile 51: |
| | 100 Arbeiter sind derzeit für diesen Tunnelbau beschäftigt, 70 davon direkt im Vortrieb auf beiden Seiten. (Stand: Februar 2007) | | 100 Arbeiter sind derzeit für diesen Tunnelbau beschäftigt, 70 davon direkt im Vortrieb auf beiden Seiten. (Stand: Februar 2007) |
| | | | |
| − | Am [[8. Juli]] [[2008]] erfolgte der Durchstich der zweiten Tunnelröhre. Um 14.32 Uhr begrüßten sich dabei die Mineure des Nord- und Südtrupps mit Handschlag. | + | Am [[8. Juli]] [[2008]] erfolgte der Durchstich der zweiten Tunnelröhre. Um 14.32 Uhr begrüßten sich dabei die Mineure des Nord- und Südtrupps mit Handschlag. Am [[30. April]] [[2010]] konnte die 6.546 m lange zweite Röhre dem Verkehr übergeben werden. Dann wird die alte, erste Röhre ein Jahr lang saniert und ist bis Juni 2011 weiter nur einspurig befahrbar. |
| − | | |
| − | Fast zwei Jahre später wurde die zweite Tunnelröhre am [[28. April]] [[2010]] inoffiziell eröffnet, da nun aber die erste Röhre ein Jahr lang saniert wird, ist der Tauerntunnel bis Juni 2011 weiter nur einspurig befahrbar.
| |
| | | | |
| − | ==Weblinks== | + | == Weblinks == |
| | * [http://www.asfinag.at/strassenbau/bauprojekte/A10_Tauerntunnel/a10_2roehre_tauerntunnel.htm ASFINAG-Bauprojekt "2. Röhre Tauerntunnel"] | | * [http://www.asfinag.at/strassenbau/bauprojekte/A10_Tauerntunnel/a10_2roehre_tauerntunnel.htm ASFINAG-Bauprojekt "2. Röhre Tauerntunnel"] |
| | | | |
| − | ==Fußnote== | + | == Fußnote und weitere Quellen == |
| | <references/> | | <references/> |
| | | | |
| − | ==Quelle== | + | == Quelle == |
| − | *Salzburger Nachrichten | + | * [[Salzburger Nachrichten]] |
| − | *Pongauer Nachrichten | + | * [[Pongauer Nachrichten]] |
| − | *Lungauer Nachrichten | + | * [[Lungauer Nachrichten]] |
| − | *ASFINAG | + | * ASFINAG |
| | | | |
| | [[Kategorie:Geografie]] | | [[Kategorie:Geografie]] |