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'''Josef Wessicken''' (* [[10. August]] [[1837]] in [[Salzburg]]-[[Mülln]]; † [[19. Oktober]] [[1918]] in [[Salzburg]]) war ein österreichischer Architekt des [[19. Jahrhundert|19.]] und frühen [[20. Jahrhundert]]s.

==Biographie==

===Herkunft und Familie ===

Wessicken entstammte einer westfälischen Tischlerdynastie die im 18. Jahrhundert in Linz ansässig wurde und schließlich nach Salzburg übersiedelte. Als Sohn des [[Joseph Heinrich Wessicken]] (* [[27. Juli]] [[1810]] in Salzburg, † [[16. Februar]] [[1899]] ebenda) und der Rosina, geb. Laiderin, in der Salzburger Vorstadt Mülln zur Welt gekommen und getauft, absolvierte er hier seine Schulzeit und begann daran anschließend eine Ausbildung zum Tischler im väterlichen Betrieb. Sein Vater war ein geachteter Schreinermeister, der sich durch seine Arbeiten für das [[Erzstift St. Peter|Stift Sankt Peter]] und im [[Schloss Anif]] einen hervorragenden Ruf geschaffen hatte und den Sohn mit seinen Werken im neogotischen Stil merklich beeinflusste. Am [[20. Dezember]] [[1888]] heiratete er die aus Wien stammende Rosa Bühlmayer im [[Salzburger Dom|Dom zu Salzburg]].

===Ausbildung und Berufung zum Dombaumeister von Mainz ===

Nach dem Besuch des Polytechnikums und der Akademie in München, studierte Wessicken an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei August Sicard von Sicardsburg. Ab [[1860]] war er im Wiener Atelier des Dombaumeisters Friedrich von Schmidt tätig. Drei Jahre später betraute ihn von Schmidt mit der Bauleitung des fürsterzbischöflichen Liechtenstein´schen [[Schloss Fischhorn|Schlosses Fischhorn]] in [[Bruck an der Glocknerstraße]]. Nachdem die Bauarbeiten durch den Ausbruch des Preußisch-Österreichischen Krieges 1866 unterbrochen werden mussten, vollendete er die Rekonstruktion des oberen Teiles des Turms der [[Franziskanerkirche]] in Salzburg und die Restaurierung der Pfarrkirche von [[Radstadt]] und der [[Stift Nonnberg|Kirche Nonnberg]].

Von einem Studienaufenthalt in Italien zurückgekehrt wurde er [[1867]] auf Empfehlung von Friedrich von Schmidt und Franz Josef Denzinger zum Dombaumeister von Mainz berufen, um bei der Rettung der gefährdeten Ostteile des Domes mitzuwirken. Während dieser Zeit entstanden nach seinen Plänen mehrere Sakralbauten in der Umgebung von Mainz, darunter die St. Bartholomäus-Kirche in Nieder-Saulheim, Chor und Querhaus der Ortskirche St. Stephan in Mainz-Gonsenheim ("Gonsenheimer Rheinhessendom"), die Kapelle der Armen Schwestern vom Hl. Franziskus am Stephansberg und das alte St.Vincenz- und St. Elisabeth-Krankenhaus auf dem Kästrich in Mainz. [[1873]] gab er sein Amt als Dombaumeister auf und kehrte nach Salzburg zurück.

===Wirken in Salzburg nach 1873===
Im [[Salzburg (Bundesland)|Land Salzburg]] vollendete er [[1874]] den neugotischen Bau von Schloss Fischhorn und übernahm die Planung für die von [[1873]] bis [[1876]] nach einem Brand wiedererrichtete Dekanatskirche in [[Sankt Johann im Pongau]]. Von [[1875]] bis [[1879]] lehrte er als Fachvorstand an der [[k.k. Staatsgewerbeschule]] in der Landeshauptstadt. [[1892]] vollendete er die zwei Jahre zuvor begonnenen Arbeiten am Umbau des [[Schloss Grubhof|Schlosses Grubhof]] bei [[Lofer]]. Ein Jahr darauf erfolgte die Fertigstellung des Generali-Hofes in der Salzburger [[Paris-Lodron-Straße]].

Als Krönung seiner Arbeit gilt die von [[1892]] bis [[1898]] nach seinen Plänen errichtete [[Andräkirche|St. Andrä-Kirche]] in der Salzburger [[Neustadt]]. Das ursprüngliche Erscheinungsbild der neugotischen Kirche ging jedoch im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg völlig verloren. Daneben entstanden in Salzburg die Villen Gessele, Schmederer, Wöss, Griesberger und seine eigene in der Arensbergstraße 23. Eine Vielzahl der von Wessicken geplanten Bauwerke wurden in Zusammenarbeit mit der [[Valentin Ceconi & Sohn|Baufirma Ceconi]] errichtet, bei der er zeitweise auch fest angestellt war.

===Miterbauer des "modernen" Gasteins ===
[[Bild:Bad-Gastein-Zentrum (1997-02-01).jpg|thumb|300px|Das Zentrum von [[Bad Gastein]] mit den Hotels Straubinger, Austria, Weißmayr und Elisabethhof. Aufnahme: [[1. Februar]] [[1997]]]]
Ab [[1879]] zeichnete er sich neben seinem Wirken in Salzburg, gemeinsam mit dem Baumeister [[Angelo Comini]] für die Errichtung mehrerer Profanbauten im Weltkurort [[Bad Gastein]] verantwortlich. Seinen ersten Auftrag erhielt er bereits drei Jahre zuvor mit der Errichtung der Villa Mühlberger, einem der wenigen Objekte im [[Gasteinertal]] bei denen er nicht mit Comini, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit noch mit dem Salzburger Bauunternehmer [[Valentin Ceconi]] zusammenarbeitete.

Seine größten Auftraggeber in Gastein waren die Bad Gasteiner Hoteliers, insbesondere die Familie Straubinger, für die er [[1884]] den direkt am [[Gasteiner Wasserfall]] gelegenen Adaptierungsbau (heute Krisch-Haus) und das Hotel Austria, in dem sich heute die Gemeindeverwaltung und das [[Gasteiner Museum]] befinden, errichtete. Zudem nahm er [[1887]] die Umgestaltung der Hauptfassade und den Umbau des Bädertraktes des Hotels Straubinger vor und entwarf das ebenfalls zum Straubingerkomplex gehörige (spätere) Postamtsgebäude. Bemerkenswert ist hierbei besonders der Bau des Hotels Austria. Während andernorts Bauten mit extremer Hanglage noch direkt in die Felsen hineingebaut wurden, beließen Wessicken und Comini einen schmalen Zwischenraum zum Bergfelsen, wodurch Fenster (und Türen) auch noch in den untersten Bereichen des vielgeschossigen Baus eingefügt werden konnten.
[[Bild:Schloss-Czernin-in-Böckstein (September-1997)-1.jpg|thumb|180px|[[Jagdschloss Czernin]], Westansicht. Aufnahme: [[September]] [[1997]]]]
Weiters wurden von Wessicken der Elisabethhof (heutiges Arcotel), das Hotel Weißmayr (vormals Provenchère), das Hotel Excelsior (vormals Haus Goldeck), die Villen Schieder, Wassing und Lothringen-Quisisana, und die heute nicht mehr existierende Wandelbahn mit dem Kurkasino geplant. Viele seiner Salzburger und Gasteiner Villen tragen dabei als gemeinsamen Merkmal das charakteristische "Wessicken-Türmchen".

In seine letzte Schaffensperiode fällt der Wiederaufbau des ursprünglich von [[1882]] bis [[1884]] erbauten [[Jagdschloss Czernin|Jagdschlösschens]] des Grafen [[Rudolf von Czernin]] in [[Böckstein]], das einem Brand zum Opfer gefallen war und in den Jahren von [[1902]] bis [[1903]] nach seinen Plänen wiedererrichtet wurde.

: ''„Dieses Jagdschlößchen des Grafen Czernin, das in die späten Schaffensjahre des ehemaligen Friedrich-von-Schmidt-Mitarbeiters fällt, zeigt in seiner Verbindung von "altdeutschen" und englischen Elementen (Mischung von Burg- und Landhauscharakter) nationalromantische Züge. Da es sich um einen Wiederaufbau nach einem Brand handelt, kann nicht genau gesagt werden, wieweit sich Wessicken an den Altbestand angepaßt hat.“''
::- [[Friedrich Achleitner]] im ersten Band seiner "Österreichischen Architektur".

==Ehrungen und Ableben ==
Wessicken war Ehrenmitglied der "Wiener Bauhütte" und wurde [[1902]] für seine Leistungen mit dem Titel eines k.k. Oberbaurates ausgezeichnet.

Nach seinem Tod wurde er in der familieneigenen Arkadengruft am [[Salzburger Kommunalfriedhof]] beigesetzt.

==Literatur und Quellen ==
* Laurenz Krisch: ''Der Salzburger Architekt Josef Wessicken und sein Wirken in Bad Gastein.'' In: Schriftenreihe des Gasteiner Museums. Selbstverlag des Gasteiner Museums. Bad Gastein 2004.
* Günther Rohrer: ''Josef Wessiken (sic!) – Ein biographische Skizze zu seinem 150. Geburtstag.'' In: Salzburg Archiv 4, Seite 103-112. Salzburg 1987
* Adolf Haslinger, Peter Mittermayr (Hg.): ''Salzburger Kulturlexikon.'' [[Residenz Verlag]]. Salzburg-Wien-Frankfurt/Main 2001. ISBN 3-7017-1129-1
* Friederike Zaisberger, Reinhard R. Heinisch: ''Leben über den Tod hinaus... Prominente im Salzburger Kommunalfriedhof.'' Mitteilungen der [[Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]]. 23. Ergänzungsband. Selbstverlag der Gesellschaft. Salzburg 2006

==Weblinks ==
* [http://gastein-im-bild.info/gewessik.htmlGastein Gastein im Bild: ''Die Bauten des Joses Wessicken'']

[[Kategorie:Architekt|Wessicken, Josef]]
[[Kategorie:Geschichte|Wessicken, Josef]]
[[Kategorie:Person (Geschichte)|Wessicken, Josef]]
[[Kategorie:Geschichte (Person)|Wessicken, Josef]]
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