| | ''Krems 17 April 1887/ Liebste Fanni! Ich habe dir heute nur eine Karte geschickt, da ich mit dem Brief aus verschiedenen Gründen nicht fertig zu werden glaube u ich dich nicht ohne Nachricht lassen will. Und nun zur Wohnungsfrage. Ich habe also gestern Abends mit Hauptmann Hartmann conferirt, u. das Resultat ist folgendes: Er behält mit Rücksicht darauf dß er möglicher Weise im Herbste wieder hierher transferirt wird die Wohnung als Miether, ist aber bereit vom Mai-Termin an die Wohnung bis Aug od[er] Nov 1887 zu überlassen; falls er nicht hierher zurückkäme, könnten wir dieselbe dann ganz übernehmen; falls er aber hierher zurückkäme, müßten wir dieselbe räumen. Das ist nun freilich keine angeneme Aussicht! Anderseits wurde mir von mehrer Seiten gesagt, dß, so empfehlenswerth die Wohnung für den Sommer sei, dieselbe doch im Winter wegen der einsamen Lage u des geringen Verkehrs in dieser Gegend der Stadt manches unangenehme habe; da wäre es also vielleicht doch nicht so böse, wenn wir im Herbste in eine andere Wohnung ziehen müßten. - Die gestrige Karte, in der ich dir von der Wohnung in der Alleegaße 25 schrieb, hast du hoffentlich erhalten; diese Wohnung hätte manches für sich; ich füge hier eine Skizze bei, mit f. sind die Fenster, mit t die Thüren bezeichnet, die Alleegasse ist durch die Anlagen von der Stadt getrennt, aber die Entfernung ist auch nicht groß. - [hier ist eine Skizze in den Text eingefügt: 3 Zimmer + Eßzimmer + Küche + Cabinet + Vorzimmer + Vorratsraum (?) + Abort] - Garten ist bei dieser Wohnung freilich keiner, wohl eben ein Hof, in dem sich die Kinder herumtummeln könnten/ Diese Herzog’schen Häuser sollen wie ich hörte auch 2 Unannehmlichkeiten haben, namlich einerseits dß die Wände u. Böden so dünn sind, dß man von einer Wohnung in die andere alles lautere Gespräch hören soll, u. dß die Kanäle dort nur sehr geringes Gefälle haben, u daher im Sommer ziemlich riechen. - Nun ist mir heute von einer Wohnung in der Stadt, in der Gasse zwischen Hirschen u Kreisgericht gesagt worden, die auch bis Mai frei werden soll; hierüber werde ich erst morgen näheres erfahren, u. dann dir gleich darüber schreiben/ Heute habe ich meine Besuche begonnen, u. war bei allen Advokaten (bis auf einen, zu dem ich morgen gehen werde) bei den 2 Notaren, dem Probste, der Frau Präsidentin u. der einen Familie Kreza, aber zufällig gerade bei jener, an welche der Brief nicht gerichtet war. Ich werde überall recht freundlich empfangen, u es haben mir auch die sämtlichen Herren einen ganz günstigen Eindruck gemacht. Die Frau Präsidentin ist eine lebhafte Frau von Anfangs 40, recht freundlich, u. so wie auch der Präsident, durchaus nicht stolz. Sie hat gesagt, dß ich dich gewiß ihr aufführen soll, - (was sich ja von selbst versteht.) Wie ich höre, ladet sie die Frauen der Räthe ab [gestrichen?] öfters zu einer Cafevisite, der Präsident mitunter die Herren für Abends zu einer Spielparthie ein. - Der Probst ist ein einfacher würdiger Herr mit dem sich vielleicht auch ein geselliger Verkehr entwickeln kann. Jene Frau Kreza, die ich besuchte, scheint sehr nobel zu sein, u. kennt Zieken [?] nur oberflächlich; wenn nicht die andere Familie Kreza entgegenkommender ist, wird sich kaum ein näherer Verkehr entwickeln. - Bei Tscheheer [?] war ich schon am Tage deiner Abreise; er ist im Gesundheitszustande besser, als ich erwartet hatte, u. erinnerte sich in freundlicher Weise deines sel. Vaters. - Auch im Gasthause habe ich durch Präsident Schreer [?] u Rath Vogel, welche donnerstags Abends zum Hirschen kommen, u. mit den ich auch gestern Abends in einem anderen Gasthause zusammen war, unsere Herren von hier kennen gelernt, darunter den hiesigen Bürgermeister/ den Gymnasial Direktor (Piarist)/ den Realschuldirektor u. den Bürgerschuldirektor, dann einen ehemaligen Kaufmann Schumacher, Bruder des verstorbenen Professors in Salzburg. Auch ist einer der Direktoren, Namens Eberle, ein Salzburger, u. mit Alexi verwandt. Daneben sich auch 2 Wiener Schulinspektoren hier, die neben mir wohnen u. mit denen ich ebenfalls bekannt wurde. Neulich war ich in Stein, das übrigens ein Nest ersten Ranges ist, u. wo ich mir nicht denken kann, dß ordentliche Wohnungen zu haben wären; ich habe daher dort auch gar nicht nachgefragt - Montag 18 April - Soeben habe ich die Wohnung/ von der ich dir gestern schrieb angesehen. Sie besteht aus einem großen 1 kleineren Zimmer 1 Cabinet 1 Vorzimmner eine finstere Kammer 1 Küche; hat Fußboden mit harten KrXXzen (wie Parquetten), aber mit weißer Füllung, daher ziemlich uneben, schlechte Öfen, in der Küche gehört der Sparherd der Parthei; es ist überhaupt ein altes Haus. Die Wohnung wäre uns jedenfalls zu klein; ob eine der XXßenden Wohnungen, von welchen die eine sich die an einen Professor in Wien verheiratete Hausbesizerin als AbsteigeQuartier vorbehalten hat/ und die andere der Hausmeister innehat, dazr [?] zu bekommen wäre, kann ich erst in einigen Tagen erfahren; da der Advokat D Frestl [?], deshalb an die Hausbesitzerin schrieb/ Uebrigens wäre auch diese Wohnung erst bis August zu haben. - Was soll ich also machen? Soll ich mit Hptm. [Hauptmann] Hartmann auch auf die Gefahr hin bis November ausziehen zu müßen, abschließen? od[er] willst du mit der Uebersiedlung bis August warten? Soll ich den Garten dazu nehmen od[er] nicht? Wenn wir die Hartmann’sche Wohnung nehmen, so müßte die Uebersiedlung in der Woche zwischen 1. u. 8. Mai geschehen, da am 8 Mai d[er] eine der Räthe auf Urlaub geht, u ich daher denselben zu suppliren habe, daher am 8. jedenfalls wieder her sein müßte. - Mit Neunherz [?] habe ich verhandelt, u ich werde ihm wohl die Spedition übertragen; er glaubt, dß wir mit 2 Waggons ausreichen u meint, wir sollen den etwaigen Rest der Sachen - Kisten - als gewöhnliche Fracht aufgeben. - Es ist hohe Zeit, dß wir über die Wohnungsfrage endlich schlüßig werden. Mir wäre es am liebsten, wenn du selbst die noch in Frage stehenden Wohnungen ansehen würdest u. ich mit dir die Sache mündlich besprechen könnte. Wenn es dir also möglich wäre, an einem der nächsten Tage etwa donnerstags hierher zu kommen, wäre es mir sehr angenehm; ich bitte nur in diesem Falle um briefliche, eventuell telegrafische Nachricht/ - NB. Auf dem Schreibtische muß meine Aufs(ch)tellung über die abgesendeten Dankschreiben liegen geblieben sein; vielleicht kannst du sie mir in einem Briefe schiken, od[er] du bringst mir selben mit; auch der Glückwunsch-brief od[er] Karte von Pf Wiegand von Furth fehlt mir; du hast mir denselben eingegeben/ darüber ob Bügelofen u Wäschwelle [Wäschemangel] in der Wehrmannschen Villa vorhanden sind, mag ich erst genau durch Augenschein mich überzeugen gehen, da ich eben wegen der Wohnung dort noch nichts definitives sagen könnte. Deine mir heute zugekommene Karte hast du offenbar im Halbschlaf geschrieben; ich konnte mehreres garnicht lesen. - Daß die beiden Franzeln brav sind, freut mich zu hören; dagegen bin ich mit Rosa sehr unzufrieden, dß sie gar strafweise in der Schule bleiben mußte; ich laße ihr sagen, dß das nicht mehr vorkommen darf. - Sei samt den Kindern herzlich gegrüßt u geküßt von deinem trauen Franz - Krems 18/4 1887'' | | ''Krems 17 April 1887/ Liebste Fanni! Ich habe dir heute nur eine Karte geschickt, da ich mit dem Brief aus verschiedenen Gründen nicht fertig zu werden glaube u ich dich nicht ohne Nachricht lassen will. Und nun zur Wohnungsfrage. Ich habe also gestern Abends mit Hauptmann Hartmann conferirt, u. das Resultat ist folgendes: Er behält mit Rücksicht darauf dß er möglicher Weise im Herbste wieder hierher transferirt wird die Wohnung als Miether, ist aber bereit vom Mai-Termin an die Wohnung bis Aug od[er] Nov 1887 zu überlassen; falls er nicht hierher zurückkäme, könnten wir dieselbe dann ganz übernehmen; falls er aber hierher zurückkäme, müßten wir dieselbe räumen. Das ist nun freilich keine angeneme Aussicht! Anderseits wurde mir von mehrer Seiten gesagt, dß, so empfehlenswerth die Wohnung für den Sommer sei, dieselbe doch im Winter wegen der einsamen Lage u des geringen Verkehrs in dieser Gegend der Stadt manches unangenehme habe; da wäre es also vielleicht doch nicht so böse, wenn wir im Herbste in eine andere Wohnung ziehen müßten. - Die gestrige Karte, in der ich dir von der Wohnung in der Alleegaße 25 schrieb, hast du hoffentlich erhalten; diese Wohnung hätte manches für sich; ich füge hier eine Skizze bei, mit f. sind die Fenster, mit t die Thüren bezeichnet, die Alleegasse ist durch die Anlagen von der Stadt getrennt, aber die Entfernung ist auch nicht groß. - [hier ist eine Skizze in den Text eingefügt: 3 Zimmer + Eßzimmer + Küche + Cabinet + Vorzimmer + Vorratsraum (?) + Abort] - Garten ist bei dieser Wohnung freilich keiner, wohl eben ein Hof, in dem sich die Kinder herumtummeln könnten/ Diese Herzog’schen Häuser sollen wie ich hörte auch 2 Unannehmlichkeiten haben, namlich einerseits dß die Wände u. Böden so dünn sind, dß man von einer Wohnung in die andere alles lautere Gespräch hören soll, u. dß die Kanäle dort nur sehr geringes Gefälle haben, u daher im Sommer ziemlich riechen. - Nun ist mir heute von einer Wohnung in der Stadt, in der Gasse zwischen Hirschen u Kreisgericht gesagt worden, die auch bis Mai frei werden soll; hierüber werde ich erst morgen näheres erfahren, u. dann dir gleich darüber schreiben/ Heute habe ich meine Besuche begonnen, u. war bei allen Advokaten (bis auf einen, zu dem ich morgen gehen werde) bei den 2 Notaren, dem Probste, der Frau Präsidentin u. der einen Familie Kreza, aber zufällig gerade bei jener, an welche der Brief nicht gerichtet war. Ich werde überall recht freundlich empfangen, u es haben mir auch die sämtlichen Herren einen ganz günstigen Eindruck gemacht. Die Frau Präsidentin ist eine lebhafte Frau von Anfangs 40, recht freundlich, u. so wie auch der Präsident, durchaus nicht stolz. Sie hat gesagt, dß ich dich gewiß ihr aufführen soll, - (was sich ja von selbst versteht.) Wie ich höre, ladet sie die Frauen der Räthe ab [gestrichen?] öfters zu einer Cafevisite, der Präsident mitunter die Herren für Abends zu einer Spielparthie ein. - Der Probst ist ein einfacher würdiger Herr mit dem sich vielleicht auch ein geselliger Verkehr entwickeln kann. Jene Frau Kreza, die ich besuchte, scheint sehr nobel zu sein, u. kennt Zieken [?] nur oberflächlich; wenn nicht die andere Familie Kreza entgegenkommender ist, wird sich kaum ein näherer Verkehr entwickeln. - Bei Tscheheer [?] war ich schon am Tage deiner Abreise; er ist im Gesundheitszustande besser, als ich erwartet hatte, u. erinnerte sich in freundlicher Weise deines sel. Vaters. - Auch im Gasthause habe ich durch Präsident Schreer [?] u Rath Vogel, welche donnerstags Abends zum Hirschen kommen, u. mit den ich auch gestern Abends in einem anderen Gasthause zusammen war, unsere Herren von hier kennen gelernt, darunter den hiesigen Bürgermeister/ den Gymnasial Direktor (Piarist)/ den Realschuldirektor u. den Bürgerschuldirektor, dann einen ehemaligen Kaufmann Schumacher, Bruder des verstorbenen Professors in Salzburg. Auch ist einer der Direktoren, Namens Eberle, ein Salzburger, u. mit Alexi verwandt. Daneben sich auch 2 Wiener Schulinspektoren hier, die neben mir wohnen u. mit denen ich ebenfalls bekannt wurde. Neulich war ich in Stein, das übrigens ein Nest ersten Ranges ist, u. wo ich mir nicht denken kann, dß ordentliche Wohnungen zu haben wären; ich habe daher dort auch gar nicht nachgefragt - Montag 18 April - Soeben habe ich die Wohnung/ von der ich dir gestern schrieb angesehen. Sie besteht aus einem großen 1 kleineren Zimmer 1 Cabinet 1 Vorzimmner eine finstere Kammer 1 Küche; hat Fußboden mit harten KrXXzen (wie Parquetten), aber mit weißer Füllung, daher ziemlich uneben, schlechte Öfen, in der Küche gehört der Sparherd der Parthei; es ist überhaupt ein altes Haus. Die Wohnung wäre uns jedenfalls zu klein; ob eine der XXßenden Wohnungen, von welchen die eine sich die an einen Professor in Wien verheiratete Hausbesizerin als AbsteigeQuartier vorbehalten hat/ und die andere der Hausmeister innehat, dazr [?] zu bekommen wäre, kann ich erst in einigen Tagen erfahren; da der Advokat D Frestl [?], deshalb an die Hausbesitzerin schrieb/ Uebrigens wäre auch diese Wohnung erst bis August zu haben. - Was soll ich also machen? Soll ich mit Hptm. [Hauptmann] Hartmann auch auf die Gefahr hin bis November ausziehen zu müßen, abschließen? od[er] willst du mit der Uebersiedlung bis August warten? Soll ich den Garten dazu nehmen od[er] nicht? Wenn wir die Hartmann’sche Wohnung nehmen, so müßte die Uebersiedlung in der Woche zwischen 1. u. 8. Mai geschehen, da am 8 Mai d[er] eine der Räthe auf Urlaub geht, u ich daher denselben zu suppliren habe, daher am 8. jedenfalls wieder her sein müßte. - Mit Neunherz [?] habe ich verhandelt, u ich werde ihm wohl die Spedition übertragen; er glaubt, dß wir mit 2 Waggons ausreichen u meint, wir sollen den etwaigen Rest der Sachen - Kisten - als gewöhnliche Fracht aufgeben. - Es ist hohe Zeit, dß wir über die Wohnungsfrage endlich schlüßig werden. Mir wäre es am liebsten, wenn du selbst die noch in Frage stehenden Wohnungen ansehen würdest u. ich mit dir die Sache mündlich besprechen könnte. Wenn es dir also möglich wäre, an einem der nächsten Tage etwa donnerstags hierher zu kommen, wäre es mir sehr angenehm; ich bitte nur in diesem Falle um briefliche, eventuell telegrafische Nachricht/ - NB. Auf dem Schreibtische muß meine Aufs(ch)tellung über die abgesendeten Dankschreiben liegen geblieben sein; vielleicht kannst du sie mir in einem Briefe schiken, od[er] du bringst mir selben mit; auch der Glückwunsch-brief od[er] Karte von Pf Wiegand von Furth fehlt mir; du hast mir denselben eingegeben/ darüber ob Bügelofen u Wäschwelle [Wäschemangel] in der Wehrmannschen Villa vorhanden sind, mag ich erst genau durch Augenschein mich überzeugen gehen, da ich eben wegen der Wohnung dort noch nichts definitives sagen könnte. Deine mir heute zugekommene Karte hast du offenbar im Halbschlaf geschrieben; ich konnte mehreres garnicht lesen. - Daß die beiden Franzeln brav sind, freut mich zu hören; dagegen bin ich mit Rosa sehr unzufrieden, dß sie gar strafweise in der Schule bleiben mußte; ich laße ihr sagen, dß das nicht mehr vorkommen darf. - Sei samt den Kindern herzlich gegrüßt u geküßt von deinem trauen Franz - Krems 18/4 1887'' |