| Zeile 15: |
Zeile 15: |
| | Josef Achleitner war ein damals bekannter Zitherspieler und zugleich [[Königreich Bayern|königlich-bayerischer]] Kammervirtuose und Kammermusikus des Königs [[Otto von Griechenland]]. Er ließ die bisherigen Gebäude abtragen und erbaute einen neuen Turm mit einer Aussichtswarte und einer dem Geschmack der damaligen Zeit entsprechender neogotischer und historisierender Innenausstattung; die Holzverkleidungen und Butzenscheiben sind teilweise heute noch erhalten. Es wird gesagt, dass er Besucher mit dem Flügelhorn empfangen und dann auf den Söller geführt hat. Nach dem Tode des Erbauers am [[5. März]] [[1891]] kam der Besitz zuerst an die Witwe und dann ([[1892]]) an den Sohn, der ihn an Marie Geisberg verkauften. Das Inventar wurde versteigert und aus dem Haus wurde unter dem Namen „Marienschlösschen“ eine Fremdenpension. 1902 erwarb Marie Fischer das Gebäude. | | Josef Achleitner war ein damals bekannter Zitherspieler und zugleich [[Königreich Bayern|königlich-bayerischer]] Kammervirtuose und Kammermusikus des Königs [[Otto von Griechenland]]. Er ließ die bisherigen Gebäude abtragen und erbaute einen neuen Turm mit einer Aussichtswarte und einer dem Geschmack der damaligen Zeit entsprechender neogotischer und historisierender Innenausstattung; die Holzverkleidungen und Butzenscheiben sind teilweise heute noch erhalten. Es wird gesagt, dass er Besucher mit dem Flügelhorn empfangen und dann auf den Söller geführt hat. Nach dem Tode des Erbauers am [[5. März]] [[1891]] kam der Besitz zuerst an die Witwe und dann ([[1892]]) an den Sohn, der ihn an Marie Geisberg verkauften. Das Inventar wurde versteigert und aus dem Haus wurde unter dem Namen „Marienschlösschen“ eine Fremdenpension. 1902 erwarb Marie Fischer das Gebäude. |
| | | | |
| − | Der nächste Käufer mit Kaufvertrag vom [[2. Dezember]] [[1912]] war der Industrielle [[Franz Kupelwieser]], der verschiedene Anbauten und Renovierungen vorgenommen und den Besitz „''Stauffenegg''“ genannt hat. Diese Bezeichnung hatte aber keinen Bestand. Franz Kupelwieser ließ auch das Torhaus sowie ein Mäuerchen mit einem [[Löwenkopf-Mauerbrunnen]] vor dem Torhaus errichten. Sein Sohn Ernst Kupelwieser, ein bedeutender Physiologe und Entwickler eines Verfahrens zur Entbitterung der Sojabohne, übernahm nach dem Tod seines Vaters [[1930]] den Besitz. Nach seinem Tod [[1964]] ging das Schlösschen über eine Zwischenstation (zuerst kam ein Teil des Besitzes an die beiden Töchter aus erster Ehe, die nach [[Kanada]] ausgewandert waren) an seine Tochter [[Gerheid Widrich]] über, die hier ab [[1965]] mit [[Hans Widrich]] wohnte. | + | Der nächste Käufer mit Kaufvertrag vom [[2. Dezember]] [[1912]] war der Industrielle [[Franz Kupelwieser]], der verschiedene Anbauten und Renovierungen vorgenommen und den Besitz „''Stauffenegg''“ genannt hat. Diese Bezeichnung hatte aber keinen Bestand. Franz Kupelwieser ließ auch das Torhaus sowie ein Mäuerchen mit einem [[Löwenkopf-Mauerbrunnen]] vor dem Torhaus errichten. Sein Sohn [[Ernst Kupelwieser]], ein bedeutender Physiologe und Entwickler eines Verfahrens zur Entbitterung der Sojabohne, übernahm nach dem Tod seines Vaters [[1930]] den Besitz. Nach seinem Tod [[1964]] ging das Schlösschen über eine Zwischenstation (zuerst kam ein Teil des Besitzes an die beiden Töchter aus erster Ehe, die nach [[Kanada]] ausgewandert waren) an seine Tochter [[Gerheid Widrich]] über, die hier ab [[1965]] mit [[Hans Widrich]] wohnte. |
| | | | |
| | Gerheid und Hans Widrich führten durch ihr Schlössl und ließen in die Geschichte des Hauses und ihrer Familie blicken. Sie kannten die Salzburger als ehemalige Ärztin und [[Landesrätin]] – übrigens die erste Frau in der [[Salzburger Landesregierung]] –, er war über Jahrzehnte Pressechef der [[Salzburger Festspiele]]. Der Journalist stand auch dem [[Salzburger Kunstverein]] als Präsident vor. | | Gerheid und Hans Widrich führten durch ihr Schlössl und ließen in die Geschichte des Hauses und ihrer Familie blicken. Sie kannten die Salzburger als ehemalige Ärztin und [[Landesrätin]] – übrigens die erste Frau in der [[Salzburger Landesregierung]] –, er war über Jahrzehnte Pressechef der [[Salzburger Festspiele]]. Der Journalist stand auch dem [[Salzburger Kunstverein]] als Präsident vor. |
| Zeile 23: |
Zeile 23: |
| | Kupelwieser war Leiter und Teilhaber von Eisenwerken in [[Böhmen]] und wurde damit reich. Der Industrielle erwarb das Schlössl in Salzburg mit Kaufvertrag vom [[2. Dezember]] [[1912]], also vor 100 Jahren. Er investierte kräftig in sein neues Anwesen, das er ''Schloss Stauffenegg'' nannte, ließ es um- und ausbauen. | | Kupelwieser war Leiter und Teilhaber von Eisenwerken in [[Böhmen]] und wurde damit reich. Der Industrielle erwarb das Schlössl in Salzburg mit Kaufvertrag vom [[2. Dezember]] [[1912]], also vor 100 Jahren. Er investierte kräftig in sein neues Anwesen, das er ''Schloss Stauffenegg'' nannte, ließ es um- und ausbauen. |
| | | | |
| − | Das Porträt von Franz Kupelwieser hängt im Salon des Hauses – in einem großen, lichtdurchfluteten Zimmer – wie all die anderen Bilder der Ahnen aus der Kupelwieser’schen Sippe. An dem großen, runden [[Biedermeier]]<nowiki>tisch</nowiki> sind schon viele Gäste gesessen, allen voran Peter Handke, der in seiner Salzburg-Zeit von 1979 bis 1987 mit Tochter Amina und der damaligen Ehefrau Libgart Schwarz im Nebentrakt des Schlössls gewohnt hat. Hier hatte der Schriftsteller beispielsweise sein Kompendium „Am Felsfenster morgens (und andere Ortszeiten 1982 bis 1987)“ geschrieben. Hans Widrich und Peter Handke sind befreundet, beide stammen aus Griffen in Kärnten. | + | Das Porträt von Franz Kupelwieser hängt im Salon des Hauses – in einem großen, lichtdurchfluteten Zimmer – wie all die anderen Bilder der Ahnen aus der Kupelwieser’schen Sippe. An dem großen, runden [[Biedermeier]]<nowiki>tisch</nowiki> sind schon viele Gäste gesessen, allen voran Peter Handke, der in seiner Salzburg-Zeit von 1979 bis 1987 mit Tochter Amina und der damaligen Ehefrau Libgart Schwarz im Nebentrakt des Schlössls gewohnt hat. Hier hatte der Schriftsteller beispielsweise sein Kompendium „Am Felsfenster morgens (und andere Ortszeiten 1982 bis 1987)“ geschrieben. Hans Widrich und Peter Handke sind befreundet, beide stammen aus Griffen in [[Kärnten]]. |
| | | | |
| | Nach dem Tod des Vaters von Gerheid Widrich, [[Ernst Kupelwieser]], 1964, wurde der Besitz auf die Erbinnen aufgeteilt. In den [[1970er]]-Jahren kauften Gerheid und Hans Widrich den rückwärtigen Teil von den älteren Halbschwestern zurück, die nach [[Kanada]] ausgewandert waren. | | Nach dem Tod des Vaters von Gerheid Widrich, [[Ernst Kupelwieser]], 1964, wurde der Besitz auf die Erbinnen aufgeteilt. In den [[1970er]]-Jahren kauften Gerheid und Hans Widrich den rückwärtigen Teil von den älteren Halbschwestern zurück, die nach [[Kanada]] ausgewandert waren. |
| Zeile 41: |
Zeile 41: |
| | Bekannt ist das Kupelwieserschlössl auch, da hier zwischen [[1979]] und [[1988]] [[Peter Handke]] wohnte. Er beschrieb seine Spaziergänge auf dem Mönchsberg in „''Nachmittag eines Schriftstellers''“. Auch ein Teil seines Frühwerkes („''Die Wiederholung''“, „''Die Abwesenheit''“, „''Über die Dörfer''“) und zahlreiche Übersetzungen (William Adonis, Aischylos, Jean Genet, Shakespeare oder Sophokles) verfasste Handke hier. Hier entstanden auch Werke wie „''Die Lehre der Sainte Victoire''“ ([[1980]]), „''Kindergeschichte''“ ([[1981]]), „''Der Chinese des Schmerzes''“ ([[1983]]), „''Nachmittag eines Schriftstellers''“ ([[1987]]), „''Die Wiederholung''“ ([[1986]]) und „''Die Abwesenheit''“ ([[1987]]). In dem Band „''Am Felsfenster morgens''“ ([[1998]]) verarbeitete er ebenfalls Erinnerungen an Salzburg. Sein Gastgeber, Jugendfreund und Landsmann Widrich baute eine umfangreiche Handke-Sammlung auf, die er der Österreichischen Nationalbibliothek als Dauerleihgabe überließ. Weitere handgeschriebene Manuskripte einiger Handke-Texte befinden sich im Salzburger Literaturarchiv. | | Bekannt ist das Kupelwieserschlössl auch, da hier zwischen [[1979]] und [[1988]] [[Peter Handke]] wohnte. Er beschrieb seine Spaziergänge auf dem Mönchsberg in „''Nachmittag eines Schriftstellers''“. Auch ein Teil seines Frühwerkes („''Die Wiederholung''“, „''Die Abwesenheit''“, „''Über die Dörfer''“) und zahlreiche Übersetzungen (William Adonis, Aischylos, Jean Genet, Shakespeare oder Sophokles) verfasste Handke hier. Hier entstanden auch Werke wie „''Die Lehre der Sainte Victoire''“ ([[1980]]), „''Kindergeschichte''“ ([[1981]]), „''Der Chinese des Schmerzes''“ ([[1983]]), „''Nachmittag eines Schriftstellers''“ ([[1987]]), „''Die Wiederholung''“ ([[1986]]) und „''Die Abwesenheit''“ ([[1987]]). In dem Band „''Am Felsfenster morgens''“ ([[1998]]) verarbeitete er ebenfalls Erinnerungen an Salzburg. Sein Gastgeber, Jugendfreund und Landsmann Widrich baute eine umfangreiche Handke-Sammlung auf, die er der Österreichischen Nationalbibliothek als Dauerleihgabe überließ. Weitere handgeschriebene Manuskripte einiger Handke-Texte befinden sich im Salzburger Literaturarchiv. |
| | | | |
| − | Die an die Mauer zur Richterhöhe angebaute Keramikwerkstätte wurde an den Architekten [[Koloman Lenk]] verkauft, der hier eine Atelierwohnung einrichtete. | + | Die an die Mauer zur Richterhöhe angebaute Keramikwerkstätte wurde an den Architekten [[Koloman Lenk]] verkauft, der hier eine Atelierwohnung einrichtete. |
| | | | |
| | == Sonstiges == | | == Sonstiges == |