Änderungen

Zur Navigation springen Zur Suche springen
keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 54: Zeile 54:  
Die Konzerttätigkeit in Salzburg und die [[Salzburger Festspiele]] wurden unter neuen Vorzeichen weitergeführt. 1939 wurden ''Dichtertage'' abgehalten. Neben anderen waren eingeladen Erwin Guido Kolbenheyer, [[Karl Heinrich Waggerl]], Josef Weinheber und [[Karl Springenschmid]].
 
Die Konzerttätigkeit in Salzburg und die [[Salzburger Festspiele]] wurden unter neuen Vorzeichen weitergeführt. 1939 wurden ''Dichtertage'' abgehalten. Neben anderen waren eingeladen Erwin Guido Kolbenheyer, [[Karl Heinrich Waggerl]], Josef Weinheber und [[Karl Springenschmid]].
   −
==Weniger Christliche Feiertage ==
+
== Weniger Christliche Feiertage ==
 
Einzelne christliche Feiertage wurde abgeschafft. Anstelle gab es den ''Tag der Machtergreifung'' (30. Jänner), ''Tag der Parteigründung'' (24. Februar), ''Heldengedenktag'' (23. März), ''Hitlers Geburtstag'' (20. April). Andererseits lebten "heidnische" Gedenktage wie das Julfest (anstelle des Weihnachtsfestes) auf, das traditionelle [[Sonnwendfeuer]] wurde politisch benutzt.
 
Einzelne christliche Feiertage wurde abgeschafft. Anstelle gab es den ''Tag der Machtergreifung'' (30. Jänner), ''Tag der Parteigründung'' (24. Februar), ''Heldengedenktag'' (23. März), ''Hitlers Geburtstag'' (20. April). Andererseits lebten "heidnische" Gedenktage wie das Julfest (anstelle des Weihnachtsfestes) auf, das traditionelle [[Sonnwendfeuer]] wurde politisch benutzt.
   −
==Kleine Gemeinden wurden in größere eingegliedert, Ortsbezeichnungen geändert==
+
== Kleine Gemeinden wurden in größere eingegliedert, Ortsbezeichnungen geändert ==
 
[[Eingemeindungen]]: Im Raum der Stadt Salzburg wurden Umgebungsgemeinden in die Stadt Salzburg einbezogen. Bisher selbständige Gemeinden wie  
 
[[Eingemeindungen]]: Im Raum der Stadt Salzburg wurden Umgebungsgemeinden in die Stadt Salzburg einbezogen. Bisher selbständige Gemeinden wie  
*[[Gemeinde Bucheben]], heute zu [[Rauris]] gehörend,  
+
* [[Bucheben (Gemeinde)|Bucheben]], heute zu [[Rauris]] gehörend,  
*[[Weng (Goldegg)]], heute nur mehr Ortsteil von [[Goldegg]],  
+
*[[Goldeggweng (Gemeinde)|Goldeggweng]], heute nur mehr Ortsteil von [[Goldegg]],  
*[[St. Georgen (Bruck)|St. Georgen im Pinzgau]],  
+
*[[St. Georgen im Pinzgau]],  
*[[Gemeinde Embach]], heute Ortsteil von [[Lend]]  
+
*[[Embach (Gemeinde)|Embach]], heute Ortsteil von [[Lend]]  
*[[Gemeinde Eschenau]], heute Ortsteil von [[Taxenbach]],  
+
*[[Eschenbach (Gemeinde)|Eschenau]], heute Ortsteil von [[Taxenbach]],  
 
wurden anderen Gemeinden zugeschlagen. Auch Ortsbezeichnungen wurden vereinzelt abgeändert, z. B. [[St. Johann im Pongau]], das über Anordnung des herrschenden Regimes nun "Markt Pongau" hieß. Fast alle Eingemeindungen blieben nach dem Ende des Nationalsozialismus weiter bestehen, sie wurden nicht rückgängig gemacht.
 
wurden anderen Gemeinden zugeschlagen. Auch Ortsbezeichnungen wurden vereinzelt abgeändert, z. B. [[St. Johann im Pongau]], das über Anordnung des herrschenden Regimes nun "Markt Pongau" hieß. Fast alle Eingemeindungen blieben nach dem Ende des Nationalsozialismus weiter bestehen, sie wurden nicht rückgängig gemacht.
   −
==Wer ist Nationalsozialist?==
+
== Wer ist Nationalsozialist? ==
 
Auf die Frage "''Wie werde ich Nationalsozialist?''" antwortete Karl Springenschmid mit "''Nationalsozialistisch ist, wer sich in einem Tun und Handeln ausschließlich nach jenen Grundsätzen richtet, die der Führer in seiner Lehre dargelegt hat!''"
 
Auf die Frage "''Wie werde ich Nationalsozialist?''" antwortete Karl Springenschmid mit "''Nationalsozialistisch ist, wer sich in einem Tun und Handeln ausschließlich nach jenen Grundsätzen richtet, die der Führer in seiner Lehre dargelegt hat!''"
    
Die Euphorie in Salzburg wurde durch Besuche von Göring und Hitler gesteigert. Bei Hitlers Besuch am [[6. April]] 1938 meinte dieser: "''... Nur ein Beethoven, Deutschlands und Österreichs gemeinsamer großer Sohn, wäre imstande, den Jubel, der seit Tagen die österreichischen Lande durchtobt, in die Gewalt musikalischer Rhythmen einzufangen...''"<ref>Quelle des Zitats - [[Salzburger Zeitung]], 7. April 1938</ref>.
 
Die Euphorie in Salzburg wurde durch Besuche von Göring und Hitler gesteigert. Bei Hitlers Besuch am [[6. April]] 1938 meinte dieser: "''... Nur ein Beethoven, Deutschlands und Österreichs gemeinsamer großer Sohn, wäre imstande, den Jubel, der seit Tagen die österreichischen Lande durchtobt, in die Gewalt musikalischer Rhythmen einzufangen...''"<ref>Quelle des Zitats - [[Salzburger Zeitung]], 7. April 1938</ref>.
   −
==Kriegsgefangene und Inhaftierungen==
+
== Kriegsgefangene und Inhaftierungen ==
 
Besonders hart traf es die Russen im [[Kriegsgefangenenlager "Markt Pongau"]], wie [[St. Johann im Pongau]] in der Zeit des NS-Regimes hieß. Für die Zigeuner gab es in Salzburg - [[Riedenburg]] (Rosittengründe) ein Lager ([[Zigeunerlager Maxglan]]), in dem viele ihr Leben ließen. Insgesamt 13.000 oppositionell gesinnte Personen wurden zwischen [[1938]] und [[1945]] verhaftet, darunter prominente Politiker wie der langjährige Landeshauptmann Dr. [[Franz Rehrl]]. [[1942]] wurden acht Eisenbahner, die der Widerstandsbewegung angehörten, hingerichtet. Zeitweise wurden drei [[KZ-Nebenlager im Pinzgau]] geführt.
 
Besonders hart traf es die Russen im [[Kriegsgefangenenlager "Markt Pongau"]], wie [[St. Johann im Pongau]] in der Zeit des NS-Regimes hieß. Für die Zigeuner gab es in Salzburg - [[Riedenburg]] (Rosittengründe) ein Lager ([[Zigeunerlager Maxglan]]), in dem viele ihr Leben ließen. Insgesamt 13.000 oppositionell gesinnte Personen wurden zwischen [[1938]] und [[1945]] verhaftet, darunter prominente Politiker wie der langjährige Landeshauptmann Dr. [[Franz Rehrl]]. [[1942]] wurden acht Eisenbahner, die der Widerstandsbewegung angehörten, hingerichtet. Zeitweise wurden drei [[KZ-Nebenlager im Pinzgau]] geführt.
   −
==Euthanasie und Zwangssterilisierung==  
+
== Euthanasie und Zwangssterilisierung ==  
 
In der Tötungsanstalt [[Schloss Hartheim]] bei Linz begannen im Mai 1940 die Vergasungen gemäß dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“, das am 1. Jänner 1940 in der „Ostmark“ eingeführt wurde. Am [[23. Juni]] [[1940]] fand der erste Abtransport auf Salzburger Boden und zwar aus der Caritasanstalt St. Anton [[Bruck an der Großglocknerstraße]], heute [[Caritas-Kinderdorf St. Anton]], statt. Insgesamt fielen der Mordaktion im Rahmen der [[NS-Euthanasie]] über 400 Kranke und Menschen mit Beeinträchtigung aus dem [[Bundesland Salzburg]] zum Opfer. Die Anzahl jener Menschen, die zwangssterilisiert wurden, ist bis heute nicht bekannt.
 
In der Tötungsanstalt [[Schloss Hartheim]] bei Linz begannen im Mai 1940 die Vergasungen gemäß dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“, das am 1. Jänner 1940 in der „Ostmark“ eingeführt wurde. Am [[23. Juni]] [[1940]] fand der erste Abtransport auf Salzburger Boden und zwar aus der Caritasanstalt St. Anton [[Bruck an der Großglocknerstraße]], heute [[Caritas-Kinderdorf St. Anton]], statt. Insgesamt fielen der Mordaktion im Rahmen der [[NS-Euthanasie]] über 400 Kranke und Menschen mit Beeinträchtigung aus dem [[Bundesland Salzburg]] zum Opfer. Die Anzahl jener Menschen, die zwangssterilisiert wurden, ist bis heute nicht bekannt.
   Zeile 86: Zeile 86:  
[[Anton Brugger]], ein gebürtiger [[Kaprun]]er, war Reformadventist und verweigerte ebenfalls aus Glaubensgründen den Dienst mit der Waffe, wofür er zum Tode verurteilt und wie Franz Jägerstätter hingerichtet wurde.
 
[[Anton Brugger]], ein gebürtiger [[Kaprun]]er, war Reformadventist und verweigerte ebenfalls aus Glaubensgründen den Dienst mit der Waffe, wofür er zum Tode verurteilt und wie Franz Jägerstätter hingerichtet wurde.
   −
==Enteignung==
+
== Enteignung ==
 
Unter dem Titel [[Arisierungen im Bundesland Salzburg|"Arisierung"]] wurde jüdischer Besitz enteignet und sog. Volksgruppenzugehörigen zugesprochen. Entschädigungen wurden willkürlich festgelegt und entsprachen bei weitem nicht dem Wert des entzogenen Eigentums. Arisiert wurden Geschäfte, Betriebe, Wohnungen und sonstiges Privatvermögen.
 
Unter dem Titel [[Arisierungen im Bundesland Salzburg|"Arisierung"]] wurde jüdischer Besitz enteignet und sog. Volksgruppenzugehörigen zugesprochen. Entschädigungen wurden willkürlich festgelegt und entsprachen bei weitem nicht dem Wert des entzogenen Eigentums. Arisiert wurden Geschäfte, Betriebe, Wohnungen und sonstiges Privatvermögen.
   −
==Bauwahn==
+
== Bauwahn ==
 
In der Zeit des Nationalsozialismus planten [[Otto Reitter]] und [[Otto Strohmayer]] vier große neue Gebäudekomplexe auf dem [[Kapuzinerberg]]: ein ''Gauforum'' sowie ein ''Sportstadion'' an Stelle des [[Kapuzinerkloster Salzburg|Kapuzinerkloster]]s, dann ein höherliegendes ''Festspielhaus'' mit einer ''Verwaltungszentrale'' am höchsten Punkt des Berges, beim [[Franziski-Schlössl]]. Diese Bauten sollten per Automobil durch eine Auffahrtsrampe in Serpentinen erreicht werden, die am [[Äußerer Stein|Äußeren Stein]] hätte beginnen sollen. Wegen der sich abzeichnenden militärischen Niederlage und dem Ende der NS-Zeit kam es nicht zur Ausführung dieser Projekte.
 
In der Zeit des Nationalsozialismus planten [[Otto Reitter]] und [[Otto Strohmayer]] vier große neue Gebäudekomplexe auf dem [[Kapuzinerberg]]: ein ''Gauforum'' sowie ein ''Sportstadion'' an Stelle des [[Kapuzinerkloster Salzburg|Kapuzinerkloster]]s, dann ein höherliegendes ''Festspielhaus'' mit einer ''Verwaltungszentrale'' am höchsten Punkt des Berges, beim [[Franziski-Schlössl]]. Diese Bauten sollten per Automobil durch eine Auffahrtsrampe in Serpentinen erreicht werden, die am [[Äußerer Stein|Äußeren Stein]] hätte beginnen sollen. Wegen der sich abzeichnenden militärischen Niederlage und dem Ende der NS-Zeit kam es nicht zur Ausführung dieser Projekte.
 
Verwirklicht wurde der Bau der Tauernautobahn von der Staatsgrenze bis zur Salzach, und der Westautobhahn bis vor Eugendorf. Anstelle der ''"[[Rasende Eierspeis|Rasenden Eierspeis]]"'' wurde 1940 der ''[[Obus]]'' eingeführt.
 
Verwirklicht wurde der Bau der Tauernautobahn von der Staatsgrenze bis zur Salzach, und der Westautobhahn bis vor Eugendorf. Anstelle der ''"[[Rasende Eierspeis|Rasenden Eierspeis]]"'' wurde 1940 der ''[[Obus]]'' eingeführt.
   −
==Der Krieg beginnt==
+
== Der Krieg beginnt ==
 
Nach der Kriegserklärung am [[1. September]] [[1939]] rollte eine beispiellose Verhaftungswelle über Salzburg: In der Stadt Salzburg, St. Johann im Pongau und Kaprun kam es zu Verhaftungen unter den Arbeitern wegen angeblicher Verbreitung von Schmähschriften. Unter den Eisenbahner gab es unter dem NS-Regime 250 Verhaftungen, allein 150 im Jahr 1942.
 
Nach der Kriegserklärung am [[1. September]] [[1939]] rollte eine beispiellose Verhaftungswelle über Salzburg: In der Stadt Salzburg, St. Johann im Pongau und Kaprun kam es zu Verhaftungen unter den Arbeitern wegen angeblicher Verbreitung von Schmähschriften. Unter den Eisenbahner gab es unter dem NS-Regime 250 Verhaftungen, allein 150 im Jahr 1942.
   Zeile 100: Zeile 100:  
Am [[16. Dezember]] [[1943]] wurde vom Gauleiter das [[Salzburger Heimatwerk]] gegründet. Hier waren z.T. auch [[Tobias Reiser d. Ä.]], Gaukulturrat [[Kuno Brandauer]], [[Adolf Dengg]], und [[Cesar Bresgen]] tätig. Neben Volksmusik, Trachten und Bräuche hatten sie auch Übungen auf dem [[Privilegierter Landeshauptschießstand|Schießstand]] zu organisieren. (Eine Neugründung des Heimatwerkes erfolgte 1946.) Die ersten Luftangriffe auf Salzburg flog dann die alliierte Luftwaffe am [[13. August]] [[1943]].
 
Am [[16. Dezember]] [[1943]] wurde vom Gauleiter das [[Salzburger Heimatwerk]] gegründet. Hier waren z.T. auch [[Tobias Reiser d. Ä.]], Gaukulturrat [[Kuno Brandauer]], [[Adolf Dengg]], und [[Cesar Bresgen]] tätig. Neben Volksmusik, Trachten und Bräuche hatten sie auch Übungen auf dem [[Privilegierter Landeshauptschießstand|Schießstand]] zu organisieren. (Eine Neugründung des Heimatwerkes erfolgte 1946.) Die ersten Luftangriffe auf Salzburg flog dann die alliierte Luftwaffe am [[13. August]] [[1943]].
   −
==Siehe auch==
+
== Siehe auch ==
 
=== Allgemeine Beiträge ===
 
=== Allgemeine Beiträge ===
 
* [[Nationalsozialismus in Salzburg - Zeitzeugen erinnern sich]]
 
* [[Nationalsozialismus in Salzburg - Zeitzeugen erinnern sich]]
Zeile 132: Zeile 132:  
* [[Thalgauer Bücherverbrennung]]
 
* [[Thalgauer Bücherverbrennung]]
   −
==Bilder==
+
== Bilder ==
 
{{Bildkat}}
 
{{Bildkat}}
==Quellen ==
+
== Quellen ==
 
* diverse Beiträge im Salzburgwiki wie [[Zweiter Weltkrieg]]
 
* diverse Beiträge im Salzburgwiki wie [[Zweiter Weltkrieg]]
 
* Reschreiter, Walter, LEBENS(UN)WERT, „NS-Euthanasie im Land Salzburg“, Begleitpublikation zur Ausstellung der Laube sozialpsychiatrische Aktivitäten Gmbh.
 
* Reschreiter, Walter, LEBENS(UN)WERT, „NS-Euthanasie im Land Salzburg“, Begleitpublikation zur Ausstellung der Laube sozialpsychiatrische Aktivitäten Gmbh.
63.246

Bearbeitungen

Navigationsmenü