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[[Datei:Reiffenstuhl Salzburg um 1830.jpg|thumb|Ansicht von der Stadt Salzburg um 1830 von [[Anton Reiffenstuhl]].]]
[[Datei:Gruber Museum Hallein.jpg|thumb|Blick ins [[Stille Nacht Museum Hallein]] vor der Neugestaltung 2018 mit Einrichtung aus der Biedermeierzeit.]]
[[Datei:Salzburg Sattler-Panorama Rechte Altstadt.jpg|thumb|Detail aus dem Sattler-Panorama.]]
[[Bild:Fuschlsee mit Schafberg (Waldmüller).jpg|thumb|"Der [[Fuschlsee]]", Ölgemälde von [[Ferdinand Georg Waldmüller]] um 1835]]
[[Datei:Laufen um 1838, Teil eines Votivbildes in Maria Mühlberg in Waging am See.jpg|thumb|[[Laufen an der Salzach|Laufen]] um 1838.]]
Als '''Biedermeier''' wird die Zeitspanne vom Ende des Wiener Kongresses [[1815]] bis zum Beginn der bürgerlichen Revolution [[1848]] in den Ländern des Deutschen Bundes bezeichnet.

== Ursprung des Begriffs ==
Der Begriff ''Biedermeier'' geht zurück auf die fiktive Figur des treuherzigen, aber spießbürgerlichen Gottlieb Biedermaier, die der Jurist und Schriftsteller Ludwig Eichrodt und der Arzt Adolf Kußmaul erfanden und unter dessen Namen in den Jahren ab [[1855]] in den Münchner [[Fliegende Blätter|Fliegenden Blättern]] diverse Gedichte veröffentlicht wurden, die teilweise Parodien auf die Poesie des realen Dorfschullehrers Samuel Friedrich Sauter waren.

Entstanden war der Name aus zwei Gedichten mit den Titeln ''Biedermanns Abendgemütlichkeit'' und ''Bummelmaiers Klage'', die [[Joseph Victor von Scheffel]] in diesem Blatt 1848 veröffentlicht hatte. Bis [[1869]] wurde ''Biederm'''a'''ier'' geschrieben, erst danach kam die Schreibweise mit ''ei'' auf.

Der fiktive Herr Biedermeier war ein dichtender schwäbischer Dorflehrer mit einfachem Gemüt, dem laut Eichrodt seine kleine Stube, sein enger Garten, sein unansehnlicher Flecken und das dürftige Los eines verachteten Dorfschulmeisters zu irdischer Glückseligkeit verhelfen. In den Veröffentlichungen werden die Biederkeit, der Kleingeist und die unpolitische Haltung großer Teile des Bürgertums karikiert und verspottet.

== Bildende Kunst ==
In der Bildenden Kunst der Biedermeierzeit dominierten die Genre- und die Landschaftsmalerei, aber auch das Porträt. Bekannte bildende Künstler des Biedermeiers waren unter anderen die Maler Moritz von Schwind, Carl Spitzweg und [[Ferdinand Georg Waldmüller]]. Eine Besonderheit des Biedermeier waren die so genannten Zimmerbilder, detailgenaue Schilderungen einzelner Wohnräume. In der Glas- und Porzellanmalerei ist die Epoche mit den Hausmalern Samuel Mohn und Anton Kothgasser verbunden. Typisch für diese Zeit ist ferner das Ansichtenglas.

== Musik ==
In der Musik ist die Bezeichnung Biedermeier eher ungewöhnlich. Jedoch lässt sich auch für die Musik gewissermaßen eine Biedermeier-Epoche unterscheiden, in der sie erstmals vom bürgerlichen Geschmack bestimmt wurde. Die Hausmusik erlangte große Bedeutung. Das Klavier als Hausinstrument wurde im Bürgertum zunehmend populär. Tonangebend in der Klaviermusik war Robert Schumann. Auch [[Franz Schubert]]s Lieder wurden, zwar nach seinem Tod, im Bürgertum sehr geliebt.

Das Biedermeier war auch die Zeit des Walzers, dessen Hochburg Wien war. Er entstand aus dem meist im Freien getanzten Ländler. Zu den Tanzveranstaltungen strömten die Massen, war hier doch ausgelassene Fröhlichkeit erlaubt. Komponisten und Kapellmeister wurden teilweise gefeiert wie Stars, allen voran [[Benutzer:Archiv/Johann Strauß|Johann Strauß]] senior und Joseph Lanner. Sehr beliebt war auch das Ballett – in Wien feierte die Balletttänzerin Fanny Elßler Triumphe.

== Theater ==
In der Biedermeierzeit erlebte auch das Theater einen Aufschwung, doch statt Belehrung war Unterhaltung gefragt, also eine Abkehr von den Idealen der Aufklärung.

== Leben und Kultur ==
Mit dem Begriff Biedermeier ist in erster Linie auch eine bürgerliche Kultur gemeint, die in der ersten Hälfte des [[19. Jahrhundert]]s entstand. Das Bürgertum kultivierte das Privat- und Familienleben in ganz neuem Ausmaß. Nicht die Repräsentation stand im Vordergrund, sondern das häusliche Glück in den eigenen vier Wänden, die zum Rückzugsort wurden. Bürgerliche Tugenden wie Fleiß, Ehrlichkeit, Treue, Pflichtgefühl, Bescheidenheit wurden zu allgemeinen Prinzipien erhoben. Die Biedermeier-Wohnstube war die Urform des heutigen Wohnzimmers, und wahrscheinlich wurde damals der Ausdruck Gemütlichkeit eingeführt. Die Geselligkeit wurde in kleinem Rahmen gepflegt, beim Kaffeekränzchen, am Stammtisch, bei der Hausmusik, aber auch in den Wiener Kaffeehäusern. Beliebteste Zeitung war die Wiener allgemeine Theaterzeitung von Adolf Bäuerle.

== Mode ==
Nach der Epoche des [[Empire]]-Stils zwischen 1795 und 1820 wurde die Damenmode im Biedermeier schlichter, aber auch deutlich unbequemer.
* Damenmode: Die Taille wurde ab 1835 wieder deutlich betont, und Reifrock und Korsett wurden zu unentbehrlichen Kleidungsstücken der höheren Schichten. Schon ab 1820 wurden die Ärmel der Tageskleider so voluminös, dass sie sogar beim Klavierspielen hinderlich waren. Wichtige Accessoires waren Kaschmirschal und Sonnenschirm.
* Herrenmode: Auch die Herrenmode des Biedermeier war alles andere als bequem. Die Hemden hatten einen so genannten Vatermörderkragen, der den Hals einschnürte. Dazu wurden seit 1815 erstmals lange Hosen, sogenannte Pantalons, getragen, gestreifte oder geblümte Westen sowie ein Gehrock oder ein Frack. Kopfbedeckung war der Zylinder. Wichtig waren auch die kunstvoll geknotete Krawatte, ein Spazierstock, Handschuhe und eine Taschenuhr, eventuell noch ein Lorgnon. Nach 1820 galten auch Backen-, Oberlippen- oder Kinnbart nicht mehr als revolutionär, der Vollbart aber galt erst als Symbol des Liberalismus. Unerlässlich waren zu dieser Zeit lange Koteletten, genannt Favoris.

== Architektur und Möbel ==
Das wesentliche Kennzeichen der Biedermeier-Architektur ist der elegante, aber eher schlichte Stil, wobei er letztlich eine Variante des Klassizismus war. Dieser Stil prägte die Monumentalbauten dieser Zeit, das Biedermeier die bürgerlichen Wohnviertel. Die Biedermeier-Möbel folgen keinem einheitlichen Stil, zeichnen sich aber ebenfalls durch schlichte Eleganz aus. Sie hatten weniger repräsentativen Charakter, sondern sollten den Eindruck von Behaglichkeit verbreiten, vor allem auch zweckmäßig sein. Die ersten Möbel dieser Art entstanden in Wien, wobei englisches Mobiliar als Vorbild diente.

== Salzburg und die Biedermeierzeit ==
Die bedeutendste Änderung für das ehemalige [[Fürsterzbistum Salzburg]] war [[1816]] der Anschluss an das [[Republik Österreich#Kaisertum Österreich bis 1867|Kaisertum Österreich]], wo es bis zur Erhebung zum [[Kronland Salzburg|Kronland]] [[1850]] nur als [[Herzogtum Salzburg|Herzogum]] der regionalen Hauptstadt [[Linz]] in [[Oberösterreich]] untergeordnet war. Die damalige Haupt- und [[Residenz]]stadt [[Salzburg]] verödete. Der große [[Stadtbrand Salzburg (rechtes Salzachufer)|Stadtbrand 1818]] in der Stadt Salzburg vernichtete zusätzlich große Teile der [[Altstadt (rechtes Salzachufer)|rechtsufrigen Altstadt]]

[[1818]] erklang dann zum ersten Mal das Weihnachtslied [[Stille Nacht! Heilige Nacht!]].

Über seine Besuch [[1825]] schrieb [[Franz Schubert]], dass viele Gebäude in der Stadt Salzburg leer standen und zwischen Pflastersteinen wuchs Gras. [[1845]] schilderte Franz Raffelsberger in seinem "''Allgemeinen geographisch-statistischen Lexikon aller österreichischer Staaten''" den Zustand der Stadt Salzburg. Unter anderem schrieb er, dass den [[Residenzplatz]] der schönste Springbrunnen ''Deutschlands'' ziert. Und dass es in der Stadt 720 Häuser mit 11 310 Einwohnern gab.

Auf Wunsch der obderennsischen Stände (Oberösterreich) der Eingliederung der [[Salzburger Landtafel|Salzburger Landstände]] wurde [[1827]] die [[Hohe Salzburger Landschaft]] wieder einberufen. Am [[18. April]] 1827 wurde in geheimer Wahl der "Größere Ausschuss" gewählt, dessen Vorsitz als kaiserlicher Kommissär [[Hieronymus Graf Plaz]], Präsident des Appellationsgerichts für Innerösterreich und das [[Küstenland]] aus einer altsalzburger Adelsfamilie hatte. Betreiber dieser Wiederbelebung waren auch der Salzburger (Fürst)[[Erzbischof]] [[Augustin Gruber]] und der [[Abt der Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Abt]] von [[St. Peter]] P. [[Albert Nagnzaun]] gewesen.

=== Weitere Ereignisse in Salzburg, die in die Biedermeierzeit fallen ===
Auszug:
* [[1820]]:
: ... beginnt die Nutzung von [[Thermalwasser|Heilwasser]] zu Kurzwecken im [[Gasteinertal]]
: ... werden die Moorvorkommen im [[Leopoldskroner Moor]] für Heilbehandlungen, insbesondere bei Gelenksschmerzen, erstmals genutzt
: ... beginnen die Versammlungen der [[Kassuppengesellschaft]]
* [[1822]]: kommt es zu einem [[Kaisertreffen in Salzburg 1822|Kaisertreffens in Salzburg]] von Kaiser [[Franz I.]] von Österreich und Zar Alexander I. von Russland
: "[[Sattler-Panorama]]" von [[Johann Michael Sattler]], Rundgemälde, entstanden von 1826 bis [[1829]]
* [[1826]]: kommt es zur touristische Erstbesteigung des [[Hochkönig (Berg)|Hochkönigs]] durch den Salzburger Theologieprofessor und Alpinist [[Peter Karl Thurwieser]] mit zwei Offizieren und zwölf Trägern
* [[1832]]: wird das [[Kollegiatstift Seekirchen]] mit Dekret des [[Franz II./I.|Kaisers]] wieder errichtet
* [[1835]]: wird das [[Salzburger Museum Carolino-Augusteum]] eröffnet
* [[1844]]: wird ein "Gränzberichtigungsvertrag" zwischen dem Kaisertum Österreich und dem [[Königreich Bayern]] abgeschlossen, der die Grenze zwischen dem [[Herzogtum Salzburg]] und Bayern festlegt

== Quellen ==
* [[Friederike Zaisberger|Zaisberger, Friederike]]: ''[[Geschichte Salzburgs]]'', Seite 249f
* Salzburgwiki
* {{wikipedia-de}}

{{Epochen
|EPOCHE= Biedermeier
|VORHER= [[Klassizismus]]
|NACHHER= [[Gründerzeit]]
}}

[[Kategorie:Kultur und Bildung]]
[[Kategorie:Kultur]]
[[Kategorie:Geschichte]]
[[Kategorie:Kunstgeschichte]]
[[Kategorie:Biedermeier|!|Biedermeier]]

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