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| | [[File:Zwergelgarten im Mirabellgarten.jpg|thumb|Zeichnung der Originalanlage: rechts der [[Historischer Zwergelgarten|historische Zwergelgarten]], in dem die Zwerge ursprünglich standen; links oben ist der [[Kleiner Bastionsgarten|kleine Bastionsgarten]], in dem sie derzeit aufgestellt sind; Der historische Zwergelgarten war nur über eine Treppe von der Wasserbastei-Brücke oder vom Salzachtreppelweg aus erreichbar; ganz links verläuft die heutige [[Schwarzstraße]]]]{{Googlemapsort|5020+Salzburg+Zwergelgarten}} | | [[File:Zwergelgarten im Mirabellgarten.jpg|thumb|Zeichnung der Originalanlage: rechts der [[Historischer Zwergelgarten|historische Zwergelgarten]], in dem die Zwerge ursprünglich standen; links oben ist der [[Kleiner Bastionsgarten|kleine Bastionsgarten]], in dem sie derzeit aufgestellt sind; Der historische Zwergelgarten war nur über eine Treppe von der Wasserbastei-Brücke oder vom Salzachtreppelweg aus erreichbar; ganz links verläuft die heutige [[Schwarzstraße]]]]{{Googlemapsort|5020+Salzburg+Zwergelgarten}} |
| − | [[File:Salzburg Schloss Mirabell Zwergerlgarten Zwerg 15.jpg|thumb|Am Eingang zum Zwergelgarten: Zwerg mit dem Stachelärmel]] | + | [[File:Salzburg Schloss Mirabell Zwergerlgarten Zwerg 15.jpg|thumb|Am Eingang zur Wasserbastei: Zwerg mit dem Stachelärmel]] |
| − | [[File:Salzburg Schloss Mirabell Zwergerlgarten Zwerg 18.jpg|thumb|Am Eingang zum Zwergelgarten: Zwerg mit dem Ball]] | + | [[File:Salzburg Schloss Mirabell Zwergerlgarten Zwerg 18.jpg|thumb|Am Eingang zur Wasserbastei: Zwerg mit dem Ball]] |
| | [[File:Salzburg Schloss Mirabell Zwergerlgarten Zwerg 01.jpg|thumb|Zwergin mit der Obstschürze]] | | [[File:Salzburg Schloss Mirabell Zwergerlgarten Zwerg 01.jpg|thumb|Zwergin mit der Obstschürze]] |
| | [[File:Salzburg Schloss Mirabell Zwergerlgarten Zwerg 02.jpg|thumb|Zwerg mit dem Strohtaschenhut]] | | [[File:Salzburg Schloss Mirabell Zwergerlgarten Zwerg 02.jpg|thumb|Zwerg mit dem Strohtaschenhut]] |
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| | == Einleitung == | | == Einleitung == |
| − | Der derzeitige Aufstellungsort der Zwerge auf der [[Wasserbastei]] ist nicht der ursprüngliche und es fehlen zudem einige Zwerge. Ein originalgetreu wieder hergestellter Zwergelgarten wäre der größte und mit einer Unterbrechung von rund 200 Jahren die älteste Zwergensammlung der Welt. Eine Wiederherstellung nach den alten Plänen wäre unschwer möglich. Der Zwergelgartenpavillon steht bis heute auf dem Areal des alten ZUwergelgartens vor den Wahranlagen. | + | Der derzeitige Aufstellungsort der Zwerge auf der [[Wasserbastei]] ist nicht der ursprüngliche und es fehlen zudem einige Zwerge. Ein originalgetreu wieder hergestellter Zwergelgarten wäre der größte und mit einer Unterbrechung von rund 200 Jahren die älteste Zwergensammlung der Welt. Eine Wiederherstellung nach den alten Plänen wäre unschwer möglich. |
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| | == Die Zwergenkarikaturen Callots und die Zwerge am Salzburger Hof == | | == Die Zwergenkarikaturen Callots und die Zwerge am Salzburger Hof == |
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| | Die Darstellung von Türken-Zwergenkarikaturen im Zwergelgarten ist sehr verständlich. Die Gestaltung des Mirabellgartens unter Johann Ernst Graf Thun folgte wenige Jahre nach dem Ende der letzten Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1683. Im Ersatzheer kämpften damals 800 Salzburger Soldaten mit. Seit den Jahren nach 1470, d. h. über 200 Jahre hatten die Türken eine mehr oder minder ständige Gefahr für das [[Erzbistum Salzburg|Erzbistum]] dargestellt. Mehrfach waren Türken plündernd in Teile des Erzbistums eingefallen. Nun erst traute sich Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun militärische Anlagen im Nahbereich des damaligen Schlossgartens zu Gärten umzugestalten. Auch wurden damals etwa die Hornwerke vor den Bastionen nördlich des Mirabellgartens und die Wehranlagen im Osten des [[Kapuzinerberg]]es aufgelassen. | | Die Darstellung von Türken-Zwergenkarikaturen im Zwergelgarten ist sehr verständlich. Die Gestaltung des Mirabellgartens unter Johann Ernst Graf Thun folgte wenige Jahre nach dem Ende der letzten Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1683. Im Ersatzheer kämpften damals 800 Salzburger Soldaten mit. Seit den Jahren nach 1470, d. h. über 200 Jahre hatten die Türken eine mehr oder minder ständige Gefahr für das [[Erzbistum Salzburg|Erzbistum]] dargestellt. Mehrfach waren Türken plündernd in Teile des Erzbistums eingefallen. Nun erst traute sich Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun militärische Anlagen im Nahbereich des damaligen Schlossgartens zu Gärten umzugestalten. Auch wurden damals etwa die Hornwerke vor den Bastionen nördlich des Mirabellgartens und die Wehranlagen im Osten des [[Kapuzinerberg]]es aufgelassen. |
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| − | ** Der Pallone-Zwerg mit dem Ball, am Eingang zum Zwergelgarten. | + | ** Der Pallone-Zwerg mit dem Ball, am Eingang zur Wasserbastei. |
| − | ** Der Pallone-Zwerg mit dem Stachelärmel, am Eingang zum Zwergelgarten. | + | ** Der Pallone-Zwerg mit dem Stachelärmel, am Eingang zur Wasserbastei. |
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| | Das Pallone-Spiel war ein Mannschaftsspiel mit meist je drei Spielern je Mannschaft, bei dem nicht mit der Hand oder mit einem Schläger, sondern mit einem hölzernen Schlagärmel ins gegnerische Feld geschlagen wurde. Es war seinerzeit nicht nur in Oberitalien, sondern auch in Salzburg bei der adeligen männlichen Jugend beliebt. | | Das Pallone-Spiel war ein Mannschaftsspiel mit meist je drei Spielern je Mannschaft, bei dem nicht mit der Hand oder mit einem Schläger, sondern mit einem hölzernen Schlagärmel ins gegnerische Feld geschlagen wurde. Es war seinerzeit nicht nur in Oberitalien, sondern auch in Salzburg bei der adeligen männlichen Jugend beliebt. |
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| | ** (fehlend) | | ** (fehlend) |
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| − | *'''An anderen Orten aufgestellte Zwerge aus dem einstigen Zwergelgartens''' | + | *'''An anderen Orten aufgestellte Zwerge aus dem einstigen Zwergelgarten''' |
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| | ** Der Zwerg in Kampfstellung (Salzburg-[[Riedenburg]], [[Reichenhaller Straße]]) | | ** Der Zwerg in Kampfstellung (Salzburg-[[Riedenburg]], [[Reichenhaller Straße]]) |
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| | Die Zwerge waren für fast hundert Jahre in Vergessenheit geraten. Am [[20. Oktober]] [[1919]] fasste der [[Salzburger Gemeinderat]] den Beschluss, den einzigartigen Garten am ursprünglichen Standort originalgetreu wieder zu errichten. Zuvor hatte sich der [[Salzburger Verschönerungsverein]], der heutige [[Salzburger Stadtverein]], unermüdlich darum bemüht, dieses wichtige Stück [[Salzburger Kulturgeschichte]] wieder erlebbar zu machen. Auf Antrag des Vereines stellte die [[Stadt Salzburg (Gebietskörperschaft)|Stadt Salzburg]] die neun damals wieder im Besitz des Stadtvereines befindlichen Zwerge an ihrem angestammten Platz im Zwergelgarten auf. Wegen der dort zahlreich spielenden Kinder musste zum Schutz der Skulpturen aber bald ein Platz in der Nähe des alten Gartens gefunden werden. Damals suchte vor allem der Verschönerungsverein mit Nachdruck nach weiteren Spuren der verlorenen alten Zwerge und fand sie in Salzburger Hausgärten, aber auch in Bayern, im oberösterreichischen Hausruck und im [[Pongau]]. Heute findet man 17<ref>Quelle "Neu auf'gstellt, guat aus'gstellt", eine Broschüre des [[Informationszentrum des Magistrats Salzburg|Informationszentrums]], herausgegeben anlässlich der Neuaufstellung Mai 2018</ref> der ursprünglich 28 Zwerge wieder auf der Wasserbastei. | | Die Zwerge waren für fast hundert Jahre in Vergessenheit geraten. Am [[20. Oktober]] [[1919]] fasste der [[Salzburger Gemeinderat]] den Beschluss, den einzigartigen Garten am ursprünglichen Standort originalgetreu wieder zu errichten. Zuvor hatte sich der [[Salzburger Verschönerungsverein]], der heutige [[Salzburger Stadtverein]], unermüdlich darum bemüht, dieses wichtige Stück [[Salzburger Kulturgeschichte]] wieder erlebbar zu machen. Auf Antrag des Vereines stellte die [[Stadt Salzburg (Gebietskörperschaft)|Stadt Salzburg]] die neun damals wieder im Besitz des Stadtvereines befindlichen Zwerge an ihrem angestammten Platz im Zwergelgarten auf. Wegen der dort zahlreich spielenden Kinder musste zum Schutz der Skulpturen aber bald ein Platz in der Nähe des alten Gartens gefunden werden. Damals suchte vor allem der Verschönerungsverein mit Nachdruck nach weiteren Spuren der verlorenen alten Zwerge und fand sie in Salzburger Hausgärten, aber auch in Bayern, im oberösterreichischen Hausruck und im [[Pongau]]. Heute findet man 17<ref>Quelle "Neu auf'gstellt, guat aus'gstellt", eine Broschüre des [[Informationszentrum des Magistrats Salzburg|Informationszentrums]], herausgegeben anlässlich der Neuaufstellung Mai 2018</ref> der ursprünglich 28 Zwerge wieder auf der Wasserbastei. |
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| − | == Die Restaurierung 2017/2018 == | + | == Die Restaurierung 2017/2018 auf der Wasserbastei == |
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| | Im Winter 2017/2018 wurden die mehr als 300 Jahre alten Zwerge - nach früheren Restaurierungen - vier Monate lang vom Steinmetzmeister und Restaurator [[Erich Reichl]] und seinem Team erneut einer gründlichen Restaurierung unterzogen. Mit schonendem Mikrodampfstrahl und Partikelstrahlen wurde in der Werkstatt in [[Hallein]]-[[Gamp]] der oberflächliche Biofilm abgetötet. Aufgrund der schonenden Vorgehensweise sind einzelne dunkle Flecken nach wie vor zu sehen. Kleine Fehlstellen wurden ergänzt. Wie Reichl erklärte, war nicht allzu viel Arbeit nötig und die Zwerge befanden sich in gutem Zustand. Der Untersberger Marmor, aus dem die Zwerge gefertigt wurden, weist nur vereinzelte Gefügeauflockerungen auf."<ref name="SN"></ref> Nach der "Kur" blieb eine Rest-Patina erhalten. Erich Reichl: "Das harmonische Gesamtbild steht im Vordergrund, man darf den Zwergen ihr Alter schon ansehen". Die Stadt Salzburg hat sich die Kur für die Zwerge mehrere Zehntausend Euro kosten lassen. Um die ältesten Gartenzwerge Europas bestmöglich zu erhalten, werden sie im Mirabellgarten in Zukunft im Winter mit einem Holzverschlag geschützt. Ein Zwerg im Zwergelgarten (der Mäher) ist ein Abguss und besteht aus Kunststein. | | Im Winter 2017/2018 wurden die mehr als 300 Jahre alten Zwerge - nach früheren Restaurierungen - vier Monate lang vom Steinmetzmeister und Restaurator [[Erich Reichl]] und seinem Team erneut einer gründlichen Restaurierung unterzogen. Mit schonendem Mikrodampfstrahl und Partikelstrahlen wurde in der Werkstatt in [[Hallein]]-[[Gamp]] der oberflächliche Biofilm abgetötet. Aufgrund der schonenden Vorgehensweise sind einzelne dunkle Flecken nach wie vor zu sehen. Kleine Fehlstellen wurden ergänzt. Wie Reichl erklärte, war nicht allzu viel Arbeit nötig und die Zwerge befanden sich in gutem Zustand. Der Untersberger Marmor, aus dem die Zwerge gefertigt wurden, weist nur vereinzelte Gefügeauflockerungen auf."<ref name="SN"></ref> Nach der "Kur" blieb eine Rest-Patina erhalten. Erich Reichl: "Das harmonische Gesamtbild steht im Vordergrund, man darf den Zwergen ihr Alter schon ansehen". Die Stadt Salzburg hat sich die Kur für die Zwerge mehrere Zehntausend Euro kosten lassen. Um die ältesten Gartenzwerge Europas bestmöglich zu erhalten, werden sie im Mirabellgarten in Zukunft im Winter mit einem Holzverschlag geschützt. Ein Zwerg im Zwergelgarten (der Mäher) ist ein Abguss und besteht aus Kunststein. |
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| | In Abstimmung mit dem [[Bundesdenkmalamt]] hat die Gartenhistorikerin [[Barbara Bacher]] an der derzeitigen Neugestaltung gearbeitet. Die Gestaltung besteht im Wesentlichen in der Darstellung des bekannten Jahreskreises der Monatszwerge in Form eines sichtbaren Kreises in einer umgebenden Schotterfläche, d. h. aus einer mittigen kreisförigen Rasenfläche, die von zwei bodengleichen Ringen aus Stein umgeben ist. Auf dem inneren Ring befinden sich die Monatszwerge, außerhalb desselben im geschotterten Bereich die Theaterzwerge. Sechs Sockel um den neuen kreisförimgen Rasen wurden leer gelassen, falls die Stadt den einen oder anderen Zwerg erwerben, oder diese sechs Zwerge schrittweise abgießen und als Kopie aufstellen sollte. Darauf hofft auch [[Bürgermeister der Stadt Salzburg|Bürgermeister]] [[Harald Preuner]].<ref>Quelle [https://www.sn.at/salzburg/chronik/sie-hat-ein-herz-fuer-zwergerl-28113337 www.sn.at/salzburg/chronik], online, abgefragt am 20. Mai 2018</ref> | | In Abstimmung mit dem [[Bundesdenkmalamt]] hat die Gartenhistorikerin [[Barbara Bacher]] an der derzeitigen Neugestaltung gearbeitet. Die Gestaltung besteht im Wesentlichen in der Darstellung des bekannten Jahreskreises der Monatszwerge in Form eines sichtbaren Kreises in einer umgebenden Schotterfläche, d. h. aus einer mittigen kreisförigen Rasenfläche, die von zwei bodengleichen Ringen aus Stein umgeben ist. Auf dem inneren Ring befinden sich die Monatszwerge, außerhalb desselben im geschotterten Bereich die Theaterzwerge. Sechs Sockel um den neuen kreisförimgen Rasen wurden leer gelassen, falls die Stadt den einen oder anderen Zwerg erwerben, oder diese sechs Zwerge schrittweise abgießen und als Kopie aufstellen sollte. Darauf hofft auch [[Bürgermeister der Stadt Salzburg|Bürgermeister]] [[Harald Preuner]].<ref>Quelle [https://www.sn.at/salzburg/chronik/sie-hat-ein-herz-fuer-zwergerl-28113337 www.sn.at/salzburg/chronik], online, abgefragt am 20. Mai 2018</ref> |
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| − | Am [[25. Mai]] [[2018]] wurde der neu arrangierte Zwergelgarten mit einem "Zwergerlfest" wieder eröffnet.<ref name="SN"></ref> <ref>[https://www.stadt-salzburg.at/internet/bildung_kultur/altstadt_und_tourismus/schloss_mirabell_areal/zwergelgarten_bastionsgarten_wasserbastei/zwergerlgarten_neu_angelegt_468174.htm www.stadt-salzburg.at]</ref> Erkennbare Bezüge zur ursprünglichen barocken Gestaltung des Bastionsgartens sind in der derzeitigen Gartenzwerge-Ausstellung kaum zu erkennen. Die Gestaltung der Wasserbastei als Schotterfläche mit einer mittigen Rasenfläche besitzt kaum Bezüge zu einem barocken Garten. Mittelfristig bleibt daher Handlungsbedarf bestehen. Den barocken Zwergen fehlt das notwendige barocke Umfeld. | + | Am [[25. Mai]] [[2018]] wurde der neu arrangierte Garten der Zwerge mit einem "Zwergerlfest" eröffnet.<ref name="SN"></ref> <ref>[https://www.stadt-salzburg.at/internet/bildung_kultur/altstadt_und_tourismus/schloss_mirabell_areal/zwergelgarten_bastionsgarten_wasserbastei/zwergerlgarten_neu_angelegt_468174.htm www.stadt-salzburg.at]</ref> Erkennbare Bezüge zur ursprünglichen barocken Gestaltung des Bastionsgartens sind in der derzeitigen Gartenzwerge-Ausstellung kaum zu erkennen. Die Gestaltung der Wasserbastei als Schotterfläche mit einer mittigen Rasenfläche besitzt kaum Bezüge zu einem barocken Garten. Mittelfristig bleibt daher Handlungsbedarf bestehen. Den barocken Zwergen fehlt das notwendige barocke Umfeld. |
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| | == Künftige Gestaltung am ursprünglichen Standort== | | == Künftige Gestaltung am ursprünglichen Standort== |