| Zeile 1: |
Zeile 1: |
| − | {{Salzburgbezug}}[[Datei:Piding, nördliche Ansicht.jpg|thumb|Piding, nördliche Ansicht]]{{googlemapsort|Piding}} | + | {{Salzburgbezug}} |
| − | [[Datei:Piding vom Untersberg.jpg|thumb|Piding mit Umgebung und Staufen]] | + | [[Datei:Piding vom Untersberg.jpg|thumb|Piding mit Umgebung und Staufen]]{{googlemapsort|Piding}} |
| | + | [[Datei:Piding, nördliche Ansicht.jpg|thumb|Piding, nördliche Ansicht]] |
| | [[Datei:Piding, Ansicht vom Schloss Staufeneck aus.JPG|thumb|Piding, westliche Ansicht vom Schloss Staufeneck aus]] | | [[Datei:Piding, Ansicht vom Schloss Staufeneck aus.JPG|thumb|Piding, westliche Ansicht vom Schloss Staufeneck aus]] |
| | [[Datei:Piding mit Högl.jpg|thumb|Piding mit Högl, Ansicht vom Predigtstuhl aus]] | | [[Datei:Piding mit Högl.jpg|thumb|Piding mit Högl, Ansicht vom Predigtstuhl aus]] |
| − | '''Piding''' ist die südlichste Gemeinde im [[Rupertiwinkel]] in [[Bayern]] nahe der österreichisch-deutschen Grenze. | + | '''Piding''' ist die südlichste Gemeinde im [[Rupertiwinkel]] in [[Bayern]] und grenzt im Nordosten an das [[Bundesland Salzburg]] |
| | | | |
| − | ==Allgemeines== | + | ==Geografie == |
| − | Die Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land ist ein staatlich anerkannter Luftkurort zwischen [[Bad Reichenhall]] und [[Freilassing]] im [[Reichenhaller Becken]]. Im Südwesten der Gemeinde erhebt sich der [[Staufen]]-Gebirgsstock als östlicher Ausläufer der [[Chiemgauer Alpen]]. Dort befindet sich auch das ehemals zu Salzburg gehörende [[Schloss Staufeneck]]. Ebenfalls zur Gemeinde Piding gehört der [[Johannishögl]]. | + | Die Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land ist ein staatlich anerkannter Luftkurort zwischen [[Bad Reichenhall]] und [[Freilassing]] im [[Reichenhaller Becken]]. Im Südwesten der Gemeinde erhebt sich der [[Staufen]]-Gebirgsstock als östlicher Ausläufer der [[Chiemgauer Alpen]]. Dort befindet sich auch das ehemals zum [[Erzbischof als Landesherr oder Grundherr#Erzstift|Erzstift]] Salzburg gehörende [[Schloss Staufeneck]]. Ebenfalls zur Gemeinde Piding gehört der [[Johannishögl]]. |
| | | | |
| − | ==Ortsgeschichte== | + | Die Gemeinde grenzt im Nordosten an [[Käferheim]] in der [[Flachgau]]er Gemeinde [[Wals-Siezenheim]] und ist von dieser durch die [[Saalach]] getrennt. |
| | + | |
| | + | == Geschichte== |
| | Den ältesten Hinweis auf die Anwesenheit von Menschen in Piding geben Ringbarren aus der [[Bronzezeit]], welche am Hang des Fuderheubergs bei Mauthausen gefunden wurden und auf einen vorgeschichtlichen Handelsweg in diesem Bereich hindeuten. Nach dem Ende der [[Römer|römischen]] Epoche siedelten sich im [[6. Jahrhundert]] die [[Bajuwaren]] an. Ein Zeugnis dafür sind die 1965 nördlich der [[Kirche St. Laurentius Mauthausen (Piding)|Kirche St. Laurentius Mauthausen]] entdeckten bajuwarischen Reihengräber. | | Den ältesten Hinweis auf die Anwesenheit von Menschen in Piding geben Ringbarren aus der [[Bronzezeit]], welche am Hang des Fuderheubergs bei Mauthausen gefunden wurden und auf einen vorgeschichtlichen Handelsweg in diesem Bereich hindeuten. Nach dem Ende der [[Römer|römischen]] Epoche siedelten sich im [[6. Jahrhundert]] die [[Bajuwaren]] an. Ein Zeugnis dafür sind die 1965 nördlich der [[Kirche St. Laurentius Mauthausen (Piding)|Kirche St. Laurentius Mauthausen]] entdeckten bajuwarischen Reihengräber. |
| | | | |
| − | Aus frühbairischer Zeit stammt auch der Ortsname Piding. Die Endung „ing" steht für eine Siedlergruppe, die sich seinerzeit wohl unter Leitung eines Anführers namens Pido hier niedergelassen hat. Demnach bedeutet der Ortsname Piding „bei den Leuten des Pido". | + | Aus frühbairischer Zeit stammt auch der Ortsname Piding. Die Endung „ing" steht für eine Siedlergruppe, die sich seinerzeit wohl unter Leitung eines Anführers namens Pido hier niedergelassen hat. Demnach bedeutet der Ortsname Piding „''bei den Leuten des Pido''". |
| | | | |
| | Im [[7. Jahrhundert]] begann die staatlich gelenkte Missionierung im [[Herzogtum Bayern]]. Herzog [[Theodo II.]] holte dazu [[696]] [[Rupert von Worms]] nach [[Salzburg]] und übergab ihm unter anderem mehrere Güter in Piding. Die an Rupert gelangten Höfe gehörten zur Gründungsausstattung des [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Klosters St. Peter]] in Salzburg und damit der Salzburger Kirche. Die Schenkung geschah vermutlich auch deshalb, weil Rupert damit über den [[Salzhandel]] zu Wasser und zu Lande verfügen konnte. Sie ist im ersten [[Salzburger Güterverzeichnis]], der [[Notitia Arnonis]] (um [[790]]), festgehalten und erfolgte wohl noch vor der Übereignung der Anteile an der [[Saline Reichenhall|Reichenhaller Saline]]. | | Im [[7. Jahrhundert]] begann die staatlich gelenkte Missionierung im [[Herzogtum Bayern]]. Herzog [[Theodo II.]] holte dazu [[696]] [[Rupert von Worms]] nach [[Salzburg]] und übergab ihm unter anderem mehrere Güter in Piding. Die an Rupert gelangten Höfe gehörten zur Gründungsausstattung des [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Klosters St. Peter]] in Salzburg und damit der Salzburger Kirche. Die Schenkung geschah vermutlich auch deshalb, weil Rupert damit über den [[Salzhandel]] zu Wasser und zu Lande verfügen konnte. Sie ist im ersten [[Salzburger Güterverzeichnis]], der [[Notitia Arnonis]] (um [[790]]), festgehalten und erfolgte wohl noch vor der Übereignung der Anteile an der [[Saline Reichenhall|Reichenhaller Saline]]. |
| | | | |
| − | Piding war der erste Ort im Gebiet des heutigen Rupertiwinkels, in dem die Salzburger Kirche Güter besaß und kann somit auf die ältesten Beziehungen zu Salzburg zurückblicken. Vollständig in den Besitz des [[Erzbischof]]s aber gelangten Piding und im Besonderen Mauthausen, Pidingerau und Urwies, erst um 1300, als er die Burg und später das Schloss Staufeneck erwarb. | + | Piding war der erste Ort im Gebiet des heutigen Rupertiwinkels, in dem die Salzburger Kirche Güter besaß und kann somit auf die ältesten Beziehungen zu Salzburg zurückblicken. Vollständig in den Besitz des [[Erzbischof]]s aber gelangten Piding und im Besonderen Mauthausen, Pidingerau und Urwies, erst um [[1300]], als er die Burg und später das Schloss Staufeneck erwarb. |
| | | | |
| − | Die Grafschaft im oberen [[Salzburggau]], zu der Piding gehörte, fiel nach dem Aussterben der [[Grafen von Plain]] ([[1260]]) an den Salzburger Erzbischof. Mit dem [[Zweiter Erhartinger Vertrag|Zweiten Erhartinger Vertrag]] von [[1275]] erkannte der Baiernherzog innerhalb Bayerns die Grenzen des erzbischöflichen Besitzes weitgehend an. Im Jahr [[1328]] erließ dann Erzbischof [[Friedrich III. von Leibnitz ]] für seinen weltlichen Herrschaftsbereich eine eigene [[Salzburger Landesordnung|Landesordnung]] und löste diesen damit immer mehr von Bayern. | + | Die Grafschaft im oberen [[Salzburggau]], zu der Piding gehörte, fiel nach dem Aussterben der [[Grafen von Plain]] ([[1260]]) an den Salzburger Erzbischof. Mit dem [[Zweiter Erhartinger Vertrag|Zweiten Erhartinger Vertrag]] von [[1275]] erkannte der [[Bayernherzöge in Salzburg|Baiernherzog]] innerhalb Bayerns die Grenzen des erzbischöflichen Besitzes weitgehend an. Im Jahr [[1328]] erließ dann Erzbischof [[Friedrich III. von Leibnitz]] für seinen weltlichen Herrschaftsbereich eine eigene [[Salzburger Landesordnung|Landesordnung]] und löste diesen damit immer mehr von Bayern. |
| | | | |
| | Im Zuge der [[Säkularisierung]] dankte 1803 der letzte Salzburger [[Fürsterzbischof]], [[Hieronymus Graf Colloredo]], ab. Nach fast 500-jähriger Selbständigkeit wurde das Land Salzburg und damit das Dorf Piding [[1810]] dem [[Königreich Bayern]] zugesprochen. Sechs Jahre später fiel das Salzburger Land an die [[Habsburgermonarchie]]. Das Gebiet des heutigen Rupertiwinkels aber blieb bei Bayern. Piding ist die südlichste Gemeinde in diesem ehemals salzburgischen Landstrich. Während Piding früher fast ausschließlich durch die Landwirtschaft geprägt wurde, ging deren Bedeutung seit der Mitte des [[20. Jahrhundert]]s stark zurück. Im Zuge der Gebietsreform von 1978 wurden die Ortsteile Kleinhögl und Bichlbruck eingemeindet. 1997 gründete sich die [[EuRegio]] Salzburg-Berchtesgadener Land-Traunstein, der auch die Gemeinde Piding angehört. | | Im Zuge der [[Säkularisierung]] dankte 1803 der letzte Salzburger [[Fürsterzbischof]], [[Hieronymus Graf Colloredo]], ab. Nach fast 500-jähriger Selbständigkeit wurde das Land Salzburg und damit das Dorf Piding [[1810]] dem [[Königreich Bayern]] zugesprochen. Sechs Jahre später fiel das Salzburger Land an die [[Habsburgermonarchie]]. Das Gebiet des heutigen Rupertiwinkels aber blieb bei Bayern. Piding ist die südlichste Gemeinde in diesem ehemals salzburgischen Landstrich. Während Piding früher fast ausschließlich durch die Landwirtschaft geprägt wurde, ging deren Bedeutung seit der Mitte des [[20. Jahrhundert]]s stark zurück. Im Zuge der Gebietsreform von 1978 wurden die Ortsteile Kleinhögl und Bichlbruck eingemeindet. 1997 gründete sich die [[EuRegio]] Salzburg-Berchtesgadener Land-Traunstein, der auch die Gemeinde Piding angehört. |
| Zeile 31: |
Zeile 34: |
| | == Kirchen == | | == Kirchen == |
| | === Pfarrkirche Mariä Geburt === | | === Pfarrkirche Mariä Geburt === |
| − | :''Hauptartikel: [[Pfarrkirche Mariä Geburt]] | + | :''Hauptartikel [[Pfarrkirche Mariä Geburt]] |
| | Die Pfarrkirche Mariä Geburt ist die Hauptkirche von Piding. | | Die Pfarrkirche Mariä Geburt ist die Hauptkirche von Piding. |
| | | | |
| | === Kirche St. Laurentius in Pidinger Ortsteil Mauthausen === | | === Kirche St. Laurentius in Pidinger Ortsteil Mauthausen === |
| − | :''Hauptartikel: [[Kirche St. Laurentius Mauthausen (Piding)|Kirche St. Laurentius Mauthausen]] | + | :''Hauptartikel [[Kirche St. Laurentius Mauthausen (Piding)|Kirche St. Laurentius Mauthausen]] |
| | | | |
| | Die Kirche St. Laurentius in Mauthausen steht am Rand einer Geländeterrasse, die ein nacheiszeitliches Hochufer des Flusses [[Saalach]] bildete. Die Kirche stellt ein interessantes Kleinod mit zahlreichen kirchengeschichtlichen Details dar. | | Die Kirche St. Laurentius in Mauthausen steht am Rand einer Geländeterrasse, die ein nacheiszeitliches Hochufer des Flusses [[Saalach]] bildete. Die Kirche stellt ein interessantes Kleinod mit zahlreichen kirchengeschichtlichen Details dar. |
| Zeile 64: |
Zeile 67: |
| | <gallery> | | <gallery> |
| | Datei:Piding, Rupertusbrunnen vor der Pfarrkirche und dem Alten Pfarrhof.JPG|Rupertusbrunnen vor der Pfarrkirche und dem Alten Pfarrhof in Piding | | Datei:Piding, Rupertusbrunnen vor der Pfarrkirche und dem Alten Pfarrhof.JPG|Rupertusbrunnen vor der Pfarrkirche und dem Alten Pfarrhof in Piding |
| − | Datei:Rathaus von Piding.jpg|Rathaus der Gemeinde Piding
| |
| | Datei:Lagerplan von Piding.jpg|Lagerplan von Piding im Foyer des Rathauses von Piding | | Datei:Lagerplan von Piding.jpg|Lagerplan von Piding im Foyer des Rathauses von Piding |
| − |
| |
| | Datei:Alte Landkarte im alten Pfarrhof in Piding.jpg|Alte Landkarte im alten Pfarrhof in Piding | | Datei:Alte Landkarte im alten Pfarrhof in Piding.jpg|Alte Landkarte im alten Pfarrhof in Piding |
| − | Datei:Petrusstatue in Piding.JPG|Petrusstatue in Piding
| |
| | Datei:Ganzjahreskrippe im Pfarrhof von Piding.jpg|Ganzjahreskrippe im Pfarrhof von Piding | | Datei:Ganzjahreskrippe im Pfarrhof von Piding.jpg|Ganzjahreskrippe im Pfarrhof von Piding |
| − | Datei:Stoißer Ache, sie gilt als extrem hochwassergefährlich,.jpg|Stoißer Ache in Piding, sie gilt als sehr hochwassergefährlich
| + | Datei:Altwirt in Piding, seit 1600.jpg|Altwirt in Piding, seit 1600 |
| − | Datei:Altwirt in Piding, seit 1600.jpg|Altwirt in Piding, seit 1600 | |
| − | Datei:Zum Dorfbeisl in Piding.jpg|Zum Dorfbeisl in Piding
| |
| − | Datei:Schöner Hauseingang bei einem Bauernhof in Piding.jpg|Schöner Hauseingang bei einem alten Bauernhof in Piding
| |
| | Datei:Baderhaus in Piding.jpg|das alte Baderanwesen in Piding | | Datei:Baderhaus in Piding.jpg|das alte Baderanwesen in Piding |
| | Datei:Inschrift am alten Baderhaus.jpg|Inschrift am alten Baderanwesen in Piding | | Datei:Inschrift am alten Baderhaus.jpg|Inschrift am alten Baderanwesen in Piding |
| | + | Datei:Johannishöglansicht von der Neubichler Alm.jpg|Die Pidinger Ortschaft Johannishögl |
| | </gallery> | | </gallery> |
| | | | |
| Zeile 88: |
Zeile 86: |
| | Datei:Piding, Mauthaus in Mauthausen.JPG|Piding, Mauthaus in Mauthausen | | Datei:Piding, Mauthaus in Mauthausen.JPG|Piding, Mauthaus in Mauthausen |
| | Datei:Schloss Staufeneck und das Staufenmassiv.JPG|Schloss Staufeneck in Piding und das Staufenmassiv, das dem Schloss den Namen gab. | | Datei:Schloss Staufeneck und das Staufenmassiv.JPG|Schloss Staufeneck in Piding und das Staufenmassiv, das dem Schloss den Namen gab. |
| − | Datei:Johannishöglansicht von der Neubichler Alm.jpg|Die Pidinger Ortschaft Johannishögl
| |
| − | </gallery>
| |
| − |
| |
| − | === Panoramabilder ===
| |
| − | <gallery>
| |
| − | Datei:Panoramabild , Ostaussicht vom Friedhof der St. Laurentuis-Kirche in Mauthausen bei Piding.jpg|Panoramabild, Ostaussicht vom Friedhof der St. Laurentuis-Kirche in Mauthausen bei Piding
| |
| − | Datei:Piding.jpg|Piding von der Höglstraße
| |
| − | Datei:Untersberg-Nord-Panoramablick 15.10. 05.jpg|Piding vom Untersberg im Panorama
| |
| − | Datei:Panoramabild nach Westen von Aufham aus.JPG|Panoramabild nach Osten in Richtung Piding von Aufham aus
| |
| | </gallery> | | </gallery> |
| − | | + | === weitere Bilder === |
| | + | {{Bildkat}} |
| | ==Literatur und Quellen für den Abschnitt "Das Durchgangslager Piding" == | | ==Literatur und Quellen für den Abschnitt "Das Durchgangslager Piding" == |
| | * Karl Welser: 1945-1955 Überlebenskraft im Berchtesgadener Land, Bad Reichenhall 1990 | | * Karl Welser: 1945-1955 Überlebenskraft im Berchtesgadener Land, Bad Reichenhall 1990 |