Änderungen

K
Textersetzung - „Magyaren“ durch „Magyaren
Zeile 5: Zeile 5:     
== Verzweigung der Hagenauer in drei Stämme ==
 
== Verzweigung der Hagenauer in drei Stämme ==
Als ältester Sitz der Hagenauer wird der Weiler und Forst Hagenau bei Freising genannt, ein ''"Dorff sampt eim Vorst oberhalb Schrobenhausen"''. Es ist anzunehmen, dass dieser Edelsitz (Hagenovve, Hof mit Hube) der bayrischen Linie eine mit Steinen, Lehm und Holzbalken errichtete verstärkte Feste mit steinernem Wohnturm war. Die Magyaren hatten während der Ungarneinfällen, wo sie im Jahr 909 als auch im Jahr 954 bis nach Freising und weiter vorgedrungen waren, dieses Gebiet mit allen Dörfern und Gebäuden komplett verwüstet. Das Dorf Schrobenhausen wurde darauf mehr als 100 Jahre in keiner Urkunde mehr genannt. Zwischen [[1006]] und [[1036]] wurde mehrmals ein Guntpolt (von Hagenau?) in den Freisinger Urkunden erwähnt, der möglicher Weise der Ahnherr der Herren von Hagenau sein könnte. Als Stammvater der Hagenauer wird jedoch der 1068 in den Freisinger Urkunden genannte Guntpold von Hagenau gesehen. Seit der Erblichkeit der Lehen im Jahr 1037 führten die Herren von Hagenau einen festen Familiennamen, um ihre Erbansprüche geltend machen zu können. Ihr Name stammte von ihrem Edelsitz und Forst Hagenau bei Schrobenhausen in Bayern, der nordwestlich von Freising lag. Die Herren von Hagenau waren als Vögte im Auftrag des Bistums Freising und des Hochstiftes Passau mit der Verwaltung neuer Gebiete, deren Rodung, Pflege, sowie deren Christianisierung groß geworden. Von Freising aus siedelte ein Hagenauer 150 km weiter östlich bei Neuburg am Inn (in der Nähe von Passau). Gumpoldus nobilis de Hagenowe (um [[1080]]) besaß dort laut einer alten österreichischen Chronik ein Lehen in der Grafschaft Neuburg am Inn (damals Österreich, heute Bayern). Im Auftrag des Hochstiftes Passau begab sich sein Bruder, der Edle Hartwicus von Hagenau, 50 km südlich davon nach St. Peter am Hart bei Braunau, wo er um [[1088]] einen Sitz errichtete und die zweite Linie begründete. Die dritte Linie wurde [[1098]] 220 km weiter östlich in Außerkasten bei Böheimkirchen in Niederösterreich von Hartwigs Sohn Reimprecht von Hagenau begründet. Der aus Freising stammende Domvogt von Passau Reimprecht von Hagenau errichtete dort seinen Stammsitz und erwarb durch seine Ehe mit Helena von Stille und Heft mehrere Lehen. Später erwarben die Hagenauer etliche andere Lehen, von denen einige bei Salzburg lagen. Entlang der Siedlungs-Routen, die hauptsächlich an Flüssen lagen, begegnet uns eine massive Anhäufung von Landschaften, Weilern oder Gütern, die teilweise noch heute Hagenau genannt werden.   
+
Als ältester Sitz der Hagenauer wird der Weiler und Forst Hagenau bei Freising genannt, ein ''"Dorff sampt eim Vorst oberhalb Schrobenhausen"''. Es ist anzunehmen, dass dieser Edelsitz (Hagenovve, Hof mit Hube) der bayrischen Linie eine mit Steinen, Lehm und Holzbalken errichtete verstärkte Feste mit steinernem Wohnturm war. Die [[Ungarn#Magyaren|Magyaren]] hatten während der Ungarneinfällen, wo sie im Jahr 909 als auch im Jahr 954 bis nach Freising und weiter vorgedrungen waren, dieses Gebiet mit allen Dörfern und Gebäuden komplett verwüstet. Das Dorf Schrobenhausen wurde darauf mehr als 100 Jahre in keiner Urkunde mehr genannt. Zwischen [[1006]] und [[1036]] wurde mehrmals ein Guntpolt (von Hagenau?) in den Freisinger Urkunden erwähnt, der möglicher Weise der Ahnherr der Herren von Hagenau sein könnte. Als Stammvater der Hagenauer wird jedoch der 1068 in den Freisinger Urkunden genannte Guntpold von Hagenau gesehen. Seit der Erblichkeit der Lehen im Jahr 1037 führten die Herren von Hagenau einen festen Familiennamen, um ihre Erbansprüche geltend machen zu können. Ihr Name stammte von ihrem Edelsitz und Forst Hagenau bei Schrobenhausen in Bayern, der nordwestlich von Freising lag. Die Herren von Hagenau waren als Vögte im Auftrag des Bistums Freising und des Hochstiftes Passau mit der Verwaltung neuer Gebiete, deren Rodung, Pflege, sowie deren Christianisierung groß geworden. Von Freising aus siedelte ein Hagenauer 150 km weiter östlich bei Neuburg am Inn (in der Nähe von Passau). Gumpoldus nobilis de Hagenowe (um [[1080]]) besaß dort laut einer alten österreichischen Chronik ein Lehen in der Grafschaft Neuburg am Inn (damals Österreich, heute Bayern). Im Auftrag des Hochstiftes Passau begab sich sein Bruder, der Edle Hartwicus von Hagenau, 50 km südlich davon nach St. Peter am Hart bei Braunau, wo er um [[1088]] einen Sitz errichtete und die zweite Linie begründete. Die dritte Linie wurde [[1098]] 220 km weiter östlich in Außerkasten bei Böheimkirchen in Niederösterreich von Hartwigs Sohn Reimprecht von Hagenau begründet. Der aus Freising stammende Domvogt von Passau Reimprecht von Hagenau errichtete dort seinen Stammsitz und erwarb durch seine Ehe mit Helena von Stille und Heft mehrere Lehen. Später erwarben die Hagenauer etliche andere Lehen, von denen einige bei Salzburg lagen. Entlang der Siedlungs-Routen, die hauptsächlich an Flüssen lagen, begegnet uns eine massive Anhäufung von Landschaften, Weilern oder Gütern, die teilweise noch heute Hagenau genannt werden.   
    
''"Neben den im [[11. Jahrhundert]] großen, durch Amt, Besitz oder Rodungstätigkeit bedeutenden Adelsfamilien gab es zahlreiche kleinere Geschlechter, Edelfreie, Nebenlinien der großen Häuser oder auch Burgherren, die sich in die Vasallität oder gar [[Ministerialen|Ministerialität]] des Königs, des Herzogs oder eines mächtigen Grafen begaben. ... Nach ihren Lehensbindungen an größere Dynasten läßt sich eine den Andechsern zugeordnete Gruppe von Edelfreien feststellen, ... eine den Ortenburgern zugehörige Gruppe mit den edelfreien Herrschaften Baumgarten, Haidburg, Rotenberg, Griesbach, Warth-Reisbach, Raiding und Rottau, wobei jedoch die Mehrzahl dieser Herren zugleich eng mit dem Hochstift Passau verbunden war. ... Ebenso hatten die (Edelfreien) von Hagenau Passauer Hochstiftsgut."'' (Handbuch der Bayrischen Geschichte)
 
''"Neben den im [[11. Jahrhundert]] großen, durch Amt, Besitz oder Rodungstätigkeit bedeutenden Adelsfamilien gab es zahlreiche kleinere Geschlechter, Edelfreie, Nebenlinien der großen Häuser oder auch Burgherren, die sich in die Vasallität oder gar [[Ministerialen|Ministerialität]] des Königs, des Herzogs oder eines mächtigen Grafen begaben. ... Nach ihren Lehensbindungen an größere Dynasten läßt sich eine den Andechsern zugeordnete Gruppe von Edelfreien feststellen, ... eine den Ortenburgern zugehörige Gruppe mit den edelfreien Herrschaften Baumgarten, Haidburg, Rotenberg, Griesbach, Warth-Reisbach, Raiding und Rottau, wobei jedoch die Mehrzahl dieser Herren zugleich eng mit dem Hochstift Passau verbunden war. ... Ebenso hatten die (Edelfreien) von Hagenau Passauer Hochstiftsgut."'' (Handbuch der Bayrischen Geschichte)
Zeile 12: Zeile 12:     
== Die Hagenauer im 12. Jahrhundert ==  
 
== Die Hagenauer im 12. Jahrhundert ==  
Am [[24. April]] [[1109]] übergaben die Edlefreien Reginbert (auch Reimprecht) von Hagenau und sein Schwager Udalschalk von Stille dem Hochstift Passau ein kleines Chorherrenstift, das sie in Seitenstetten gegründet hatten. Dieser als Mitstifter von Seitenstetten bekannte Reginbert I. von Hagenau aus der niederösterreichischen Linie, hatte fünf Kinder. Den Ältesten Sohn Hartwig von Hagenau aus erster Ehe (Besitzer des oberösterreichischen Gutes Hagenau bei Braunau). Seine Adoptivtochter Richarda von Hagenau, die seine Frau Helena (Stille und Heft) aus ihrer ersten Ehe in die Ehe gebracht hatte, und die in die Familienstiftung Seitenstetten als Nonne eintreten sollte. Schließlich seinen zweiten Sohn Reginbert II. (auch Reinbert) von Hagenau (Bischof von Passau), sowie den dritten Sohn Werinhart von Hagenau (Vogt von Mondsee), der drei Kinder hatte. Schließlich das fünfte Kind, Ulrich von Hagenau, der anscheinend bereits früh verstarb. Reinberts (auch Reginbert I.) Sohn Reginbert II. wurde um [[1130]] Propst des Stiftes St. Pölten und im Jahr [[1139]] von Papst Innozenz II. zum Priester sowie zum Bischof von Passau geweiht. Dieses Bischofsamt hatte zuvor der Stiefbruder seiner Mutter Helena Stille und Heft zwischen 1092 und 1121 inne, der als Passauer Bischof Ulrich I. bzw. als Ulrich von Passau in den Urkunden genannt wurde. [[1146]] ernannte Reginbert II. von Hagenau seinen ältesten Bruder Hartwig zum Vogt des Spitals in Vöcklabruck. Er überzeugte seinen kinderlosen Bruder Hartwig ein Testament zu Gunsten des Passauer Erzbistums zu machen, bevor sich beide Brüder als getreue Gefolgsmänner der Staufer mit König Konrad III. auf den Zweiten Kreuzzug ([[1147]] - [[1149]]) begaben. In diesem Kreuzzug verloren beide ihr Leben; Reginbert wurde am 10. November [[1148]] ''"mit vielen tausend anderen Kreuzfahrern von den Türken in Kappadocien eingeschlossen und getötet"'', Hartwig starb am 23. November [[1149]] auf der Rückreise. Hierauf entbrannte ein Streit um das Erbe Hartwigs von Hagenau zwischen der Witwe Hartwigs (Hildegard von Moosbach), dem Erzbistum Passau und dem noch lebenden Bruder Hartwigs, Werinhart von Hagenau, der ebenfalls Ansprüche am Lehen angemeldet hatte. Eine Entscheidung diesbezüglich fällte Herzog Heinrich auf einem Gerichtstag, in der das Lehen Hagenau bei Braunau dem Erzbistum Passau zugesprochen wurde. Die Witwe Hartwigs, Hildegard von Hagenau (de Hagenowe), übergab [[1150]] das Lehen dem nunmehrigen Bischof von Passau Konrad I. und ging in ein Kloster. Werinhart (Werinhard I.) von Hagenau und dessen Söhne Dietrich und Wernhard II. wurden vorerst entschädigt, der vierte Sohn Ulrich von Hagenau war anscheinend bereits verstorben. Werinhard I. von Hagenau und Zelking wird von manchen Forschern als Begründer des Geschlechts der Zelkinger gesehen (1634 mit Wilhelm von Zelking ausgestorben). Aber bereits [[1152]] oder [[1153]] vergab das Passauer Hochstift die Burg Hagenau bei Rott am Inn wieder an die Hagenauer (Koch-Sternfeld).
+
Am [[24. April]] [[1109]] übergaben die Edlefreien Reginbert (auch Reimprecht) von Hagenau und sein Schwager Udalschalk von Stille dem Hochstift Passau ein kleines Chorherrenstift, das sie in Seitenstetten gegründet hatten. Dieser als Mitstifter von Seitenstetten bekannte Reginbert I. von Hagenau aus der niederösterreichischen Linie, hatte fünf Kinder. Den Ältesten Sohn Hartwig von Hagenau aus erster Ehe (Besitzer des oberösterreichischen Gutes Hagenau bei Braunau). Seine Adoptivtochter Richarda von Hagenau, die seine Frau Helena (Stille und Heft) aus ihrer ersten Ehe in die Ehe gebracht hatte, und die in die Familienstiftung Seitenstetten als Nonne eintreten sollte. Schließlich seinen zweiten Sohn Reginbert II. (auch Reinbert) von Hagenau (Bischof von Passau), sowie den dritten Sohn Werinhart von Hagenau (Vogt von Mondsee), der drei Kinder hatte. Schließlich das fünfte Kind, Ulrich von Hagenau, der anscheinend bereits früh verstarb. Reinberts (auch Reginbert I.) Sohn Reginbert II. wurde um [[1130]] Propst des Stiftes St. Pölten und im Jahr [[1139]] von Papst Innozenz II. zum Priester sowie zum Bischof von Passau geweiht. Dieses Bischofsamt hatte zuvor der Stiefbruder seiner Mutter Helena Stille und Heft zwischen 1092 und 1121 inne, der als Passauer Bischof Ulrich I. bzw. als Ulrich von Passau in den Urkunden genannt wurde. [[1146]] ernannte Reginbert II. von Hagenau seinen ältesten Bruder Hartwig zum Vogt des Spitals in Vöcklabruck. Er überzeugte seinen kinderlosen Bruder Hartwig ein Testament zu Gunsten des Passauer Erzbistums zu machen, bevor sich beide Brüder als getreue Gefolgsmänner der Staufer mit König Konrad III. auf den Zweiten Kreuzzug ([[1147]] - [[1149]]) begaben. In diesem Kreuzzug verloren beide ihr Leben; Reginbert wurde am 10. November [[1148]] ''"mit vielen tausend anderen Kreuzfahrern von den Türken in Kappadocien eingeschlossen und getötet"'', Hartwig starb am 23. November [[1149]] auf der Rückreise. Hierauf entbrannte ein Streit um das Erbe Hartwigs von Hagenau zwischen der Witwe Hartwigs (Hildegard von Moosbach), dem Erzbistum Passau und dem noch lebenden Bruder Hartwigs, Werinhart von Hagenau, der ebenfalls Ansprüche am Lehen angemeldet hatte. Eine Entscheidung diesbezüglich fällte Herzog Heinrich auf einem Gerichtstag, in der das Lehen Hagenau bei Braunau dem Erzbistum Passau zugesprochen wurde. Die Witwe Hartwigs, Hildegard von Hagenau (de Hagenowe), übergab [[1150]] das Lehen dem nunmehrigen Bischof von Passau Konrad I. und ging in ein Kloster. Werinhart (Werinhard I.) von Hagenau und dessen Söhne Dietrich und Wernhard II. wurden vorerst entschädigt, der vierte Sohn Ulrich von Hagenau war anscheinend bereits verstorben. Aber bereits [[1152]] oder [[1153]] vergab das Passauer Hochstift die Burg Hagenau bei Rott am Inn wieder an die Hagenauer (Koch-Sternfeld).
 +
 
 +
Werinhard I. von Hagenau und Zelking, der sich später nach seinem durch Heirat in Besitz gekommenen Sitz nur mehr Zelking nannte, wird von einigen Forschern als Begründer des Geschlechts der Zelkinger gesehen. Die Herren von Zelking zählten zu den Apostelgeschlechtern, jene alten Adelsgeschlechter von Österreich ob und unter der Enns, die zur Zeit der Babenberger (976–1246) schon ansässig waren und der Sage nach die erste Landherrentafel bildeten. Auf der heute nur mehr als Ruine erhaltenen Burg Zelking befanden sich über dem aus Granit errichteten Rundbogen des Eingangstores drei Wappen. Das Wappen der Herren von Hagenau, das der Herren von Zelking und das Wappen der Herren von Schlierbach. Ulrich II. von Zelking erwarb durch Heirat die Herrschaft Schlierbach im Kremstal. 1634 ist allerdings mit Wilhelm von Zelking das Geschlecht derer von Zelking ausgestorben.  
    
Im [[12. Jahrhundert]] hatten die Hagenauer somit gleichzeitig drei Stammsitze inne:  
 
Im [[12. Jahrhundert]] hatten die Hagenauer somit gleichzeitig drei Stammsitze inne:  
Zeile 24: Zeile 26:  
== Der Stamm bei Braunau in Oberösterreich ==
 
== Der Stamm bei Braunau in Oberösterreich ==
 
Der Edle Hartwicus von Hagenau tauchte in einer 1088 verfassten Gleinker Urkunde als Zeuge auf, in der Bischof Altmann von Passau einen Tauschkontrakt mit dem Markgraf Otaker von  
 
Der Edle Hartwicus von Hagenau tauchte in einer 1088 verfassten Gleinker Urkunde als Zeuge auf, in der Bischof Altmann von Passau einen Tauschkontrakt mit dem Markgraf Otaker von  
Steyer bezeugt. Ungefähr um diese Zeit hat Hartwicus von Hagenau bei St. Peter am Hart bei Braunau einen Sitz errichtet und somit die oberösterreichische Linie begründet. Sein Nachkomme (ebenfalls ein) Hartwig von Hagenau starb 1149 auf der Rückreise des zweiten Kreuzzuges. Nach einem Streit um dessen Erbe wurde sein Bruder Werinhart von Hagenau und dessen Söhne abgegolten und der Sitz fiel 1152 durch ein Gerichtsurteil an das Passauer Hochstift. Doch bereits oder 1153 vergab das Passauer Hochstift die Burg Hagenau bei Rott am Inn wieder an die Hagenauer (Koch-Sternfeld). Der nun letzte Besitzer der Burg Hagenau bei Braunau am Inn ([[Innviertel]]), aus der (wie hier vermutet wird) Böheimkirchner Linie der Herren von Hagenau, war der sehr vermögende Edle Ludowicus von Hagenau. Im Jahre [[1231]] verkaufte Ludwig von Hagenau seine Ansprüche an der Vogtei von  [[Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg|Reichersberg]] dem Erzbischof von Salzburg, [[Eberhard II. von Regensberg]]. Ludwig taucht in den folgenden Jahren noch ein paar Mal in verschiedenen Papst- und Königsurkunden, seine Besitzungen betreffend, auf. Er hatte aber auf Grund von Besitzunklarheiten (Urbare) massive Konflikte mit dem Hochstift Passau und auch mit dem bayrischen Herzog Otto II.. Nachdem Ludovicus schließlich einige Passauer Lehensmänner gefangen genommen und diese aus dem Hoheitsgebiet des Hochstiftes Passau vertrieben hatte, wurden ihm nach einem Gerichtsurteil Herzog Otto II. eine große Anzahl von Lehen und Besitzungen (in Bayern, Ober- und Niederösterreich) als Entschädigung weggenommen. Diese satisfactio, diese Buße, die Ludwig zu leisten hatte, dürfte für ihn eine schwere Belastung gewesen sein. Er verlor zehn Meierhöfe, zwölf Lehen und eine Mühle. Hinzu kamen noch 32 homines, die Kinder miteingerechnet. Auf Grund von fehlender Unterstützung des Bistums Freising und weiterer Konflikte mit dem bayrischen Herzog Otto II. wurde [[1239]] der gesamte Besitz Ludovicus von Hagenau nach dessen Tod vom bayrischen Herzog unrechtmäßig eingezogen. Ludovicos Söhne waren somit verarmt und scheinen ab diesem Zeitpunkt auch nicht mehr in Regesten auf.  
+
Steyer bezeugt. Ungefähr um diese Zeit hat Hartwicus von Hagenau bei St. Peter am Hart bei Braunau einen Sitz errichtet und somit die oberösterreichische Linie begründet. Sein Nachkomme (ebenfalls ein) Hartwig von Hagenau starb 1149 auf der Rückreise des zweiten Kreuzzuges. Nach einem Streit um dessen Erbe wurde sein Bruder Werinhart von Hagenau und dessen Söhne abgegolten und der Sitz fiel 1152 durch ein Gerichtsurteil an das Passauer Hochstift. Doch bereits oder 1153 vergab das Passauer Hochstift die Burg Hagenau bei Rott am Inn wieder an die Hagenauer (Koch-Sternfeld). Der nun letzte Besitzer der Burg Hagenau bei Braunau am Inn ([[Innviertel]]), aus der (wie hier vermutet wird) Böheimkirchner Linie der Herren von Hagenau, war der sehr vermögende Edle Ludowicus von Hagenau. Im Jahre [[1231]] verkaufte Ludwig von Hagenau seine Ansprüche an der Vogtei von  [[Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg|Reichersberg]] dem [[Erzbischof von Salzburg]], [[Eberhard II. von Regensberg]]. Ludwig taucht in den folgenden Jahren noch ein paar Mal in verschiedenen Papst- und Königsurkunden, seine Besitzungen betreffend, auf. Er hatte aber auf Grund von Besitzunklarheiten (Urbare) massive Konflikte mit dem Hochstift Passau und auch mit dem bayrischen Herzog Otto II.. Nachdem Ludovicus schließlich einige Passauer Lehensmänner gefangen genommen und diese aus dem Hoheitsgebiet des Hochstiftes Passau vertrieben hatte, wurden ihm nach einem Gerichtsurteil Herzog Otto II. eine große Anzahl von Lehen und Besitzungen (in Bayern, Ober- und Niederösterreich) als Entschädigung weggenommen. Diese satisfactio, diese Buße, die Ludwig zu leisten hatte, dürfte für ihn eine schwere Belastung gewesen sein. Er verlor zehn Meierhöfe, zwölf Lehen und eine Mühle. Hinzu kamen noch 32 homines, die Kinder miteingerechnet. Auf Grund von fehlender Unterstützung des Bistums Freising und weiterer Konflikte mit dem bayrischen Herzog Otto II. wurde [[1239]] der gesamte Besitz Ludovicus von Hagenau nach dessen Tod vom bayrischen Herzog unrechtmäßig eingezogen. Ludovicos Söhne waren somit verarmt und scheinen ab diesem Zeitpunkt auch nicht mehr in Regesten auf.  
    
Nachdem verschiedene andere Familien als Lehensnehmer der Burg Hagenau eingesetzt wurden, wurde im 14. Jahrhundert das Lehen an das Geschlecht Aham vergeben, die es bis 1538 besaßen. Da sich diese neuen Besitzer (Aham von Hagenau) ebenfalls nach der Burg nannten, wäre eine Verwechslung mit den Hagenauern leicht möglich. Hier lassen sich jedoch keine direkten verwandtschaftlichen Beziehungen zu dem Geschlecht der Hochfreien von Hagenau nachweisen, obwohl einige Forscher der Meinung sind, das dieses Geschlecht ''"mit den Bannerherren v. Hagenau einen Ursprung hat"''. Jedoch verwendete dieses Ahamer Geschlecht ein anderes Wappen. Auch von dieser Burg Hagenau steht heute nichts mehr, denn im Jahr 1571 wurde die Veste von Feuer und Hochwasser derart zerstört, dass daneben ein neues Renaissanceschloss gebaut wurde, welches ebenfalls den Namen Hagenau trägt. Kurfürst Maximilian von Bayern hatte seinem Leibarzt Ferdinand Schütz das Anwesen (1635) geschenkt und ihm gestattet den Titel "von und zu Hagenau und St. Peter" zu führen. Heute erinnert dort nur noch der Namen des Schlosses an die ursprüngliche Burg und das Geschlecht der Hagenauer, nunmehrige Besitzer sind die Freiherrn von Handel.
 
Nachdem verschiedene andere Familien als Lehensnehmer der Burg Hagenau eingesetzt wurden, wurde im 14. Jahrhundert das Lehen an das Geschlecht Aham vergeben, die es bis 1538 besaßen. Da sich diese neuen Besitzer (Aham von Hagenau) ebenfalls nach der Burg nannten, wäre eine Verwechslung mit den Hagenauern leicht möglich. Hier lassen sich jedoch keine direkten verwandtschaftlichen Beziehungen zu dem Geschlecht der Hochfreien von Hagenau nachweisen, obwohl einige Forscher der Meinung sind, das dieses Geschlecht ''"mit den Bannerherren v. Hagenau einen Ursprung hat"''. Jedoch verwendete dieses Ahamer Geschlecht ein anderes Wappen. Auch von dieser Burg Hagenau steht heute nichts mehr, denn im Jahr 1571 wurde die Veste von Feuer und Hochwasser derart zerstört, dass daneben ein neues Renaissanceschloss gebaut wurde, welches ebenfalls den Namen Hagenau trägt. Kurfürst Maximilian von Bayern hatte seinem Leibarzt Ferdinand Schütz das Anwesen (1635) geschenkt und ihm gestattet den Titel "von und zu Hagenau und St. Peter" zu führen. Heute erinnert dort nur noch der Namen des Schlosses an die ursprüngliche Burg und das Geschlecht der Hagenauer, nunmehrige Besitzer sind die Freiherrn von Handel.
    
== Der Stamm bei Böheimkirchen in Niederösterreich ==
 
== Der Stamm bei Böheimkirchen in Niederösterreich ==
Die niederösterreichische Linie wurde 1098 in Außerkasten bei Böheimkirchen von Hartwigs Sohn Reimprecht von Hagenau begründet. Der aus Freising stammende Domvogt von Passau Reimprecht von Hagenau errichtete dort seinen Stammsitz und erwarb mehrere Güter. Die Urkunden über den Böheimkirchner Zweig der Hagenauer im 13. und 14. Jahrhunderts sind eher dürftig. Wie bereits erwähnt, standen die Herren von Hagenau im [[13. Jahrhundert]] noch auf der gleichen Stufe mit den Reichsministerialen und gingen im [[14. Jahrhundert]] in der Ministerialität unter. Die Hagenauer siegelten nun in Urkunden als Stifter oder Zeugen, in denen sie als Verwalter im Range eines Burggrafen, als Ritter, Nobile, Edle oder Herren genannt wurden. In einer Klosterneuburger Urkunde vom [[23. April]] [[1314]] verkaufte Chunrat Hagenauer (Hagnower) zwei Lehen zu Albrechtsdorf an das Stift. [[1322]] verkauften  wieder jener ''"Chunrat der Hagenauer von Rezzing, Margret seine Hausfrau u. Chunrat deren Sohn an Offen von Ozberch u. dessen Hausfrau Getraud ihr rechtes Eigen, 9 Schilling Pfg. Gült auf den Hof datz dem Dürrenhag"'' (Archiv Starhemberg), welches bei dem Burg Hagenau in Außerkasten lag. Ob mit Rezzing das 70 km nördliche Retz gemeint war, ist ungewiss. Konrads Bruder Seifridus de Hagenau, der sich bereits Hagenauer nannte, wurde 27. Abt des Stiftes Melk: ''"Aus einer angesehenen, im V.O.W.W. (Viertel Ober-Wienerwald) begüterten, uralt adeligen Familie, ward Seifried im Jahre [[1378]] einhellig zum Abte gewählt, stand aber in dieser Würde nur durch drei Jahre, denn er starb schon im Jahre [[1382]]"'' (Freiherr v. Schweickhardt). In einer St. Pöltner Urkunde von [[1374]] verkaufte "Friedrich der Hagenauer" dem Stifte seinen Hof zu Anger in der Pfarre Böheimkirchen und noch andere Güter und Gülten. In einer anderen St. Pöltner Urkunde aus dem Jahr 1374 werden die drei "Brüder Hanns, Jacob und Stephan die Hagenauer" als Zeugen genannt. "Stefan der Hagenauer" (ein weiterer Bruder des Abtes von Melk) war [[1394]] Burggraf zu Perchtoldsdorf. Der "ehrbare Ritter Hans Hagenauer" siegelte und bezeugte [[1428]] einen Vermächtnisbrief des Herbot von Auersperg (dieser Name sollte im [[18. Jahrhundert|18. Jh.]] bei der Familie wieder eine Rolle spielen). Der "Edle Georg Hagenauer" ([[1439]] melkerische Urkunde) und jener Ritter Hans Hagenauer waren (laut F. Wissgrill) die Letzten der niederösterreichischen Linie, die in Urkunden genannt wurden. Jedoch scheint noch [[1446]] Albrecht der Hagenauer (Albrechten der Hagnauer) in einer Urkunde bezüglich seines Bleibe-Rechts im Burgfried in Wien auf. In diesem an den Bürgermeister, Richter und Rath zu Wien gerichteten Brief (Wiener-Neustädter Urkunde), von König Friedrich IV. (dem späteren Kaiser Friedrich III.) unterzeichnet, werden auch Albrechts Frau und Kinder erwähnt. Da seine Kinder in keinen späteren Urkunden mehr auftauchen, scheint mit den Kindern von Albrecht dem Hagenauer auch die Böheimkirchner Linie ausgestorben zu sein.
+
Die niederösterreichische Linie wurde 1098 in Außerkasten bei Böheimkirchen von Hartwigs Sohn Reimprecht von Hagenau begründet. Der aus Freising stammende Domvogt von Passau Reimprecht von Hagenau errichtete dort seinen Stammsitz und erwarb mehrere Güter. Die Urkunden über den Böheimkirchner Zweig der Hagenauer im 13. und 14. Jahrhunderts sind eher dürftig. Wie bereits erwähnt, standen die Herren von Hagenau im [[13. Jahrhundert]] noch auf der gleichen Stufe mit den Reichsministerialen und gingen im [[14. Jahrhundert]] in der Ministerialität unter. Die Hagenauer siegelten nun in Urkunden als Stifter oder Zeugen, in denen sie als Verwalter im Range eines Burggrafen, als Ritter, Nobile, Edle oder Herren genannt wurden. In einer Klosterneuburger Urkunde vom [[23. April]] [[1314]] verkaufte Chunrat Hagenauer (Hagnower) zwei Lehen zu Albrechtsdorf an das Stift. [[1322]] verkauften  wieder jener ''"Chunrat der Hagenauer von Rezzing, Margret seine Hausfrau u. Chunrat deren Sohn an Offen von Ozberch u. dessen Hausfrau Gertraud ihr rechtes Eigen, 9 Schilling Pfg. Gült auf den Hof datz dem Dürrenhag"'' (Archiv Starhemberg), welches bei dem Burg Hagenau in Außerkasten lag. Ob mit Rezzing das 70 km nördliche Retz gemeint war, ist ungewiss. Konrads Bruder Seifridus de Hagenau, der sich bereits Hagenauer nannte, wurde 27. Abt des Stiftes Melk: ''"Aus einer angesehenen, im V.O.W.W. (Viertel Ober-Wienerwald) begüterten, uralt adeligen Familie, ward Seifried im Jahre [[1378]] einhellig zum Abte gewählt, stand aber in dieser Würde nur durch drei Jahre, denn er starb schon im Jahre [[1382]]"'' (Freiherr v. Schweickhardt). In einer St. Pöltner Urkunde von [[1374]] verkaufte "Friedrich der Hagenauer" dem Stifte seinen Hof zu Anger in der Pfarre Böheimkirchen und noch andere Güter und Gülten. In einer anderen St. Pöltner Urkunde aus dem Jahr 1374 werden die drei "Brüder Hanns, Jacob und Stephan die Hagenauer" als Zeugen genannt. "Stefan der Hagenauer" (ein weiterer Bruder des Abtes von Melk) war [[1394]] Burggraf zu Perchtoldsdorf. Der "ehrbare Ritter Hans Hagenauer" siegelte und bezeugte [[1428]] einen Vermächtnisbrief des Herbot von Auersperg (dieser Name sollte im [[18. Jahrhundert|18. Jh.]] bei der Familie wieder eine Rolle spielen). Der "Edle Georg Hagenauer" ([[1439]] melkerische Urkunde) und jener Ritter Hans Hagenauer waren (laut F. Wissgrill) die Letzten der niederösterreichischen Linie, die in Urkunden genannt wurden. Jedoch scheint noch [[1446]] Albrecht der Hagenauer (Albrechten der Hagnauer) in einer Urkunde bezüglich seines Bleibe-Rechts im Burgfried in Wien auf. In diesem an den Bürgermeister, Richter und Rath zu Wien gerichteten Brief (Wiener-Neustädter Urkunde), von König Friedrich IV. (dem späteren Kaiser Friedrich III.) unterzeichnet, werden auch Albrechts Frau und Kinder erwähnt. Da seine Kinder in keinen späteren Urkunden mehr auftauchen, scheint mit den Kindern von Albrecht dem Hagenauer auch die Böheimkirchner Linie ausgestorben zu sein.
    
== Der Stamm bei Schrobenhausen und später bei Allershausen in Bayern ==
 
== Der Stamm bei Schrobenhausen und später bei Allershausen in Bayern ==