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| | Das Städtische Wasserwerk war zwischen [[1875]] und [[1922]] eine Fürsorgeanstalt der [[Stadtgemeinde Salzburg]]. Ab [[1922]] wurde die Wasserversorgung der Stadt Salzburg ein wirtschaftliches Unternehmen der [[Stadt Salzburg (Gebietskörperschaft)|Stadt Salzburg]], die [[1950]] in die [[Salzburger Stadtwerke]] eingebracht wurde, welche im Jahr [[2000]] in der [[Salzburg AG]] aufging. | | Das Städtische Wasserwerk war zwischen [[1875]] und [[1922]] eine Fürsorgeanstalt der [[Stadtgemeinde Salzburg]]. Ab [[1922]] wurde die Wasserversorgung der Stadt Salzburg ein wirtschaftliches Unternehmen der [[Stadt Salzburg (Gebietskörperschaft)|Stadt Salzburg]], die [[1950]] in die [[Salzburger Stadtwerke]] eingebracht wurde, welche im Jahr [[2000]] in der [[Salzburg AG]] aufging. |
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| − | ==Wasserspeicher== | + | == Wasserspeicher im späten 19. und 20. Jahrhundert == |
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| | === Kapuzinerberg Kavernen === | | === Kapuzinerberg Kavernen === |
| | [[1888]]/1889 wurde für eine höhere Versorgungssicherheit oberhalb der [[Glockengasse]] eine erste Kaverne mit 1 000 Kubikmetern Speicherreservoir in den Kapuzinerberg gesprengt und mit Zuleitungen vom Gersberg und Heuberg versorgt. <ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=18890208&seite=3&zoom=33&query=%22Reservoir%22%2B%22Kapuzinerberg%22&ref=anno-search anno.onb.ac.at/1889]</ref>. um 1900 folgte in nächster Nähe ein zweiter etwas größerer Speicher. | | [[1888]]/1889 wurde für eine höhere Versorgungssicherheit oberhalb der [[Glockengasse]] eine erste Kaverne mit 1 000 Kubikmetern Speicherreservoir in den Kapuzinerberg gesprengt und mit Zuleitungen vom Gersberg und Heuberg versorgt. <ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=18890208&seite=3&zoom=33&query=%22Reservoir%22%2B%22Kapuzinerberg%22&ref=anno-search anno.onb.ac.at/1889]</ref>. um 1900 folgte in nächster Nähe ein zweiter etwas größerer Speicher. |
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| | Der Wasserturm auf dem Mönchsberg wurde [[1891]]–[[1892]] vom Architekten [[Karl Demel]] im Auftrag des Bankiers [[Karl Leitner]], der das [[Schloss Mönchstein]] erworben hatte, erbaut. Er beherbergt einen kleinen Wasserbehälter, das aus der gleichzeitig neu errichteten Gerbergwasserleitung gespeist wurde. Die Quelle auf dem Gersberg liegt wesentlich höher als jene in Fürstenbrunn, deren Druck nicht ausgereicht hat, um das Wasser in die Häuser am Mönchsberg hinaufzudrücken. | | Der Wasserturm auf dem Mönchsberg wurde [[1891]]–[[1892]] vom Architekten [[Karl Demel]] im Auftrag des Bankiers [[Karl Leitner]], der das [[Schloss Mönchstein]] erworben hatte, erbaut. Er beherbergt einen kleinen Wasserbehälter, das aus der gleichzeitig neu errichteten Gerbergwasserleitung gespeist wurde. Die Quelle auf dem Gersberg liegt wesentlich höher als jene in Fürstenbrunn, deren Druck nicht ausgereicht hat, um das Wasser in die Häuser am Mönchsberg hinaufzudrücken. |
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| − | === Hochbehälter Mönchsberg ===
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| − | Der heutige [[Hochbehälter Mönchsberg]] in der Nähe der Richterhöhe wurde 1948 bis 1950 errichtet und in den Jahren 1995 bis 1998 generalsaniert. Dieser Behälter fasst 25 000 Kubikmeter (= 25 000 000 Liter) Wasser. Die Wassertiefe beträgt 8,5 Meter.
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| | === Wasserknappheit und Wasseruhren === | | === Wasserknappheit und Wasseruhren === |
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| | [[1903]] wurden Wassermesser (Wasseruhren) eingeführt, um Wasserverschwendung entgegen zu treten und um sicherzustellen, dass jeder entsprechend seinem Verbrauch bezahlen muss. Die generelle Wasserknappheit wird erst [[1928]] durch die Errichtung des Grundwasserwerks in Glanegg beseitigt. | | [[1903]] wurden Wassermesser (Wasseruhren) eingeführt, um Wasserverschwendung entgegen zu treten und um sicherzustellen, dass jeder entsprechend seinem Verbrauch bezahlen muss. Die generelle Wasserknappheit wird erst [[1928]] durch die Errichtung des Grundwasserwerks in Glanegg beseitigt. |
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| − | =====Versorgung in Notzeiten: Tankwagen und Desinfizierung mit Chlor== | + | =====Versorgung in Notzeiten: Tankwagen und Desinfizierung mit Chlor == |
| | Beim ersten [[Bomben auf Salzburg|Bombenangriff]] wurden in der Altstadt auch große Teile des Wasserversorgungsnetzes zerstört und es wurde auch der kleine Hochbehälter am Mönchsberg getroffen. Die Bereiche [[Griesgasse]] und [[Getreidegasse]] standen lange Zeit im Wasser und die Schadstellen konnten aus Materialmangel nicht ausgebessert werden. Bis Kriegsende war eine Versorgung durch Tankwagen notwendig. Eine weitere Kriegsfolge war, dass zur Aufrechterhaltung der Wasserhygiene und als Prävention gegen Infektionskrankheiten auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung das Wasser ab [[1945]] mit Chlor desinfiziert wurde. Ein unangenehmer Geruch und Geschmack waren die unvermeidliche Folge und die Beschwerden darüber häuften sich im Lauf der Jahre. Die besatzungsseits Chlor-Dosis war allerdings weit übertrieben, sie wurde sofort nach dem Abzug der Besatzung stark herabgesetzt.= | | Beim ersten [[Bomben auf Salzburg|Bombenangriff]] wurden in der Altstadt auch große Teile des Wasserversorgungsnetzes zerstört und es wurde auch der kleine Hochbehälter am Mönchsberg getroffen. Die Bereiche [[Griesgasse]] und [[Getreidegasse]] standen lange Zeit im Wasser und die Schadstellen konnten aus Materialmangel nicht ausgebessert werden. Bis Kriegsende war eine Versorgung durch Tankwagen notwendig. Eine weitere Kriegsfolge war, dass zur Aufrechterhaltung der Wasserhygiene und als Prävention gegen Infektionskrankheiten auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung das Wasser ab [[1945]] mit Chlor desinfiziert wurde. Ein unangenehmer Geruch und Geschmack waren die unvermeidliche Folge und die Beschwerden darüber häuften sich im Lauf der Jahre. Die besatzungsseits Chlor-Dosis war allerdings weit übertrieben, sie wurde sofort nach dem Abzug der Besatzung stark herabgesetzt.= |
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| | + | === Ozonanlage zur Desinfizierung === |
| | + | [[1961]] wurde vorübergehend eine Ozonanlage in Betrieb genommen und dadurch endete die seit 1945 übliche Chlorierung. |
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| | === Abschied von der Fürstenquelle === | | === Abschied von der Fürstenquelle === |
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| | Das [[Grundwasserwerk Glanegg]] befindet sich in der [[Flachgau]]er Marktgemeinde Grödig im Ortsteil [[Glanegg]]. | | Das [[Grundwasserwerk Glanegg]] befindet sich in der [[Flachgau]]er Marktgemeinde Grödig im Ortsteil [[Glanegg]]. |
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| − | == Wasserversorgung heute und Projekte zur Versorgung == | + | == Trinkwasserversorgung heute und Projekte zur Versorgung == |
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| | + | [[Datei:Wasserversorgung der Stadt Salzburg, Gesamtschema, Foto v. Herbert Strobl.jpg|thumb|Wasserversorgung der Stadt Salzburg, Gesamtschema. Foto im Wassermuseum Mönchsberg durch Herbert Strobl]] |
| | + | Aus dem Grundwasser dürfen bis zu 10,3 Mio. m³ Wasser pro Jahr gefördert werden. |
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| | + | Das Wasser kleinerer Quellen wird ebenfalls in das Rohrnetz eingespeist, wobei jeder einzelnen Quelle ein eigenes Versorgungsgebiet zugeordnet ist. Das Trinkwasser kommt dann in das eng vermaschte Verteilungsrohrnetz. In fast jeder Straße liegt eine Wasserleitung und bei jeder Straßenkreuzung sind diese Leitungen zu einem Netz verbunden. |
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| | + | Von den Versorgungsleitungen zweigen die einzelnen Hausanschlussleitungen ab. Die Salzburg AG verfügt derzeit insgesamt über acht Trinkwasserhochbehälter mit einem Gesamtspeichervolumen von rund 50 873 m³. Meist bleibt das Wasser dort nur einen Tag, bis es an den Endverbraucher geht. Vier Pumpstationen fördern das Wasser aus der Hauptversorgungszone in höher gelegenen Siedlungsgebiete. |
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| | + | Sämtliche Trinkwasserspeicher und Pumpstationen werden von einer zentralen Schaltwarte im Lastverteiler ''Center Wasser'' in [[Bergheim]] aus überwacht und gesteuert. Für alle Grundwasserfelder und Quellen der Salzburg AG sind frühzeitig Wasserschutz- und Wasserschongebiete eingerichtet worden. |
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| | + | In diesen Gebieten unterliegen alle Maßnahmen einer strengen Überwachung und Regelung durch die Wasserrechtsbehörde. Durch intensive Inanspruchnahme aller im Wasserrechtsgesetz vorgesehenen Möglichkeiten und darüber weit hinausgehende Eigeninitiativen und Aufwendungen sorgt die Salzburg AG – Center Wasser für einen wirkungsvollen, vorbeugenden Schutz. |
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| | + | Das Wasser aus den Grundwasserwerken und der Wasserschiene bedarf keiner Desinfizierung und wird im Naturzustand abgegeben. Aus hygienischen Gründen wird jedoch das Wasser der Quellen entkeimt. Dies erfolgt für die [[Tiefenbach (Hallwang)|Tiefenbach]]quelle und für die Quellen am Heu- und Gersberg sowie in der [[Glasenbachklamm]] mit UV-Licht. |
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| | + | Für den Notfall sind alle Brunnen und Quellen mit Strom unabhängigen Chlorgasanlagen zur Desinfektion ausgestattet. Die Salzburg AG hat ein eigenes, mit Mitarbeitern und Geräten sehr gut ausgestattetes chemisch-bakteriologisches Labor eingerichtet. 2 000 Wasserproben aus dem eigenen Netz werden pro Jahr bakteriologisch und 400 chemisch untersucht. |
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| | === Grundwasserwerk St. Leonhard === | | === Grundwasserwerk St. Leonhard === |
| − | [[1976]] wurde beim [[Grundwasserwerk St. Leonhard]] in Grödig ein Horizontal-Filterbrunnen in Betrieb genommen. Mit ihm wird ein unabhängiges Wasservorkommen genutzt, das vom Grundwasser-Begleitstrom der [[Königsseeache]] gespeist wird. | + | [[1976]] wurde beim [[Grundwasserwerk St. Leonhard]] in Grödig ein Horizontal-Filterbrunnen in Betrieb genommen. Mit ihm wird ein unabhängiges Wasservorkommen genutzt, das vom Grundwasser-Begleitstrom der [[Königsseeache]] gespeist wird. |
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| | + | === Der moderne Hochbehälter Mönchsberg === |
| | + | Der heutige [[Hochbehälter Mönchsberg]] in der Nähe der Richterhöhe wurde 1948 bis 1950 errichtet und in den Jahren 1995 bis 1998 generalsaniert. Dieser Behälter fasst 25 000 Kubikmeter (= 25 000 000 Liter) Wasser. Die Wassertiefe beträgt 8,5 Meter. |
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| | === Projekte Fuschlsee und Taugl === | | === Projekte Fuschlsee und Taugl === |
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| | Die Hochbehälter im Mönchs- und im [[Kapuzinerberg]] werden mit Mischwasser aus den Grundwasserwerken Glanegg und St. Leonhard sowie gegebenenfalls der Wasserschiene gespeist. | | Die Hochbehälter im Mönchs- und im [[Kapuzinerberg]] werden mit Mischwasser aus den Grundwasserwerken Glanegg und St. Leonhard sowie gegebenenfalls der Wasserschiene gespeist. |
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| − | === Ozonanlage zur Desinfizierung ===
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| − | [[1961]] wurde vorübergehend eine Ozonanlage in Betrieb genommen und dadurch endete die seit 1945 übliche Chlorierung.
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| | === Wasserverband Salzburger Becken und Wasserschiene === | | === Wasserverband Salzburger Becken und Wasserschiene === |
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| | Das Wassermuseum zeigt die Entwicklung der Wasserversorgung der Stadt Salzburg von damals bis heute, präsentiert ihre Technik und erklärt anhand von ausgewählten Ausstellungsstücken, Plänen und Skizzen viele Details von historischen und aktuellen Bauwerken, Projekten, Leitungen, Brunnen, Hydranten, ... und informiert über ihre Funktionsweise und Wartung. | | Das Wassermuseum zeigt die Entwicklung der Wasserversorgung der Stadt Salzburg von damals bis heute, präsentiert ihre Technik und erklärt anhand von ausgewählten Ausstellungsstücken, Plänen und Skizzen viele Details von historischen und aktuellen Bauwerken, Projekten, Leitungen, Brunnen, Hydranten, ... und informiert über ihre Funktionsweise und Wartung. |
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| − | == Trinkwasserversorgung heute ==
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| − | [[Datei:Wasserversorgung der Stadt Salzburg, Gesamtschema, Foto v. Herbert Strobl.jpg|thumb|Wasserversorgung der Stadt Salzburg, Gesamtschema. Foto im Wassermuseum Mönchsberg durch Herbert Strobl]]
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| − | Aus dem Grundwasser dürfen bis zu 10,3 Mio. m³ Wasser pro Jahr gefördert werden.
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| − | Das Wasser kleinerer Quellen wird ebenfalls in das Rohrnetz eingespeist, wobei jeder einzelnen Quelle ein eigenes Versorgungsgebiet zugeordnet ist. Das Trinkwasser kommt dann in das eng vermaschte Verteilungsrohrnetz. In fast jeder Straße liegt eine Wasserleitung und bei jeder Straßenkreuzung sind diese Leitungen zu einem Netz verbunden.
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| − | Von den Versorgungsleitungen zweigen die einzelnen Hausanschlussleitungen ab. Die Salzburg AG verfügt derzeit insgesamt über acht Trinkwasserhochbehälter mit einem Gesamtspeichervolumen von rund 50 873 m³. Meist bleibt das Wasser dort nur einen Tag, bis es an den Endverbraucher geht. Vier Pumpstationen fördern das Wasser aus der Hauptversorgungszone in höher gelegenen Siedlungsgebiete.
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| − | Sämtliche Trinkwasserspeicher und Pumpstationen werden von einer zentralen Schaltwarte im Lastverteiler ''Center Wasser'' in [[Bergheim]] aus überwacht und gesteuert. Für alle Grundwasserfelder und Quellen der Salzburg AG sind frühzeitig Wasserschutz- und Wasserschongebiete eingerichtet worden.
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| − | In diesen Gebieten unterliegen alle Maßnahmen einer strengen Überwachung und Regelung durch die Wasserrechtsbehörde. Durch intensive Inanspruchnahme aller im Wasserrechtsgesetz vorgesehenen Möglichkeiten und darüber weit hinausgehende Eigeninitiativen und Aufwendungen sorgt die Salzburg AG – Center Wasser für einen wirkungsvollen, vorbeugenden Schutz.
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| − | Das Wasser aus den Grundwasserwerken und der Wasserschiene bedarf keiner Desinfizierung und wird im Naturzustand abgegeben. Aus hygienischen Gründen wird jedoch das Wasser der Quellen entkeimt. Dies erfolgt für die [[Tiefenbach (Hallwang)|Tiefenbach]]quelle und für die Quellen am Heu- und Gersberg sowie in der [[Glasenbachklamm]] mit UV-Licht.
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| − | Für den Notfall sind alle Brunnen und Quellen mit Strom unabhängigen Chlorgasanlagen zur Desinfektion ausgestattet. Die Salzburg AG hat ein eigenes, mit Mitarbeitern und Geräten sehr gut ausgestattetes chemisch-bakteriologisches Labor eingerichtet. 2 000 Wasserproben aus dem eigenen Netz werden pro Jahr bakteriologisch und 400 chemisch untersucht.
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| | == Literatur == | | == Literatur == |