Hass im Netz gegenüber Bürgermeistern

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Mit Hass im Netz gegenüber Bürgermeistern beschäftigt sich ein Artikel der "Tennengauer Woche" Ende April 2026.

Alexander Stangassinger (Hallein)

Am 10. April 2026 veröffentlichte Halleins Bürgermeister Alexander Stangassinger (SPÖ) ein 30‑sekündiges Video auf Facebook. Darin kritisierte er die Spielhalle in der Halleiner Altstadt und kündigte an, "alles Notwendige zu tun, damit der Betrieb so schnell wie möglich eingestellt wird".

Wenige Tage später reagierte ein Halleiner Bürger mit einem eigenen Video. Er konnte die Kritik des Bürgermeisters nicht nachvollziehen. In seiner Antwort ging er jedoch deutlich zu weit: Er sagte, es wäre "gescheiter gewesen, wenn sie ihm gleich einen Feitl[1] von hinten einigrennt hätten". Damit erhielt der Bürgermeister eine Messer-Drohung.

Stangassinger wurde wegen zahlreicher Beschwerden von Anrainern über die Spielhalle und das benachbarte 24‑Stunden‑Automatengeschäft aktiv. Kritik an seiner Arbeit sei für ihn in Ordnung, sagt er. Auch mit Beschimpfungen könne er umgehen. "Aber eine Messer-Drohung ist eine ganz andere Dimension", erklärt er.

Nach dem Vorfall sicherte die Stadtgemeinde Hallein das Video und dokumentierte alle Personen, die es geliked oder geteilt hatten. Diese Informationen wurden an einen Anwalt übergeben. Da der Fall auch in einer Tageszeitung aufgegriffen wurde, schalteten sich die Behörden ein. Stangassinger gab bereits eine Aussage bei der Bundespolizei ab. Nun soll auch der Verfasser des Videos einvernommen werden, bevor der Fall an die Staatsanwaltschaft weitergeht.

Friedrich Strubreiter (Scheffau am Tennengebirge)

Auch Scheffaus Bürgermeister und Tennengauer Oberbürgermeister Friedl Strubreiter (ÖVP) weiß, dass man als Bürgermeister Kritik aushalten muss. Ein Beispiel ist die "Nacht des Fuchses", eine Veranstaltung, gegen die Tierschutzorganisationen regelmäßig protestieren. Dazu bekommen er, sein Vize und weitere Gemeinderäte immer wieder zahlreiche E‑Mails mit Beschimpfungen. Aussagen, dass Bürgermeister wie er "weggehören", seien dabei noch die harmloseren.

"Darauf reagiere ich gar nicht – wie sollte ich auch", sagt Strubreiter. Beschimpfungen seien für ihn nicht das größte Problem. Viel belastender seien die ständigen Drohungen mit Klagen, weil "wegen jedem Blödsinn gleich mit dem Rechtsanwalt gedroht wird".

Drohungen wie jene, die sein Halleiner Amtskollege erhalten hat, sieht Strubreiter jedoch als völlig inakzeptabel. Gleichzeitig meint er, dass man sich bewusst sein müsse, dass ein Posting auf Facebook angreifbar macht.

Wolfgang Auer (Adnet)

Auch Adnets Bürgermeister Wolfgang Auer (ÖVP) kennt Drohungen. Besonders der Bau des dritten Werkes der Firma Schlotterer auf den sogenannten Adneter Feldern sorgt bei einigen Bürgern für heftigen Widerstand. "Meine Familie und ich haben mehrere Drohbriefe bekommen – mit ausgeschnittenen Buchstaben, wie man sie aus Filmen kennt", erzählt Auer.

Vor der Gemeinderatswahl 2024 musste er sich außerdem mit einem Instagram‑Account auseinandersetzen, über den mit gefälschten Profilen Stimmung gegen ihn gemacht wurde. Laut seinem Rechtsanwalt gibt es dagegen nur wenige Möglichkeiten vorzugehen.

Auer, der auch im Salzburger Landtag sitzt, sieht darin eine gesellschaftliche Entwicklung: "Die Gewaltbereitschaft hat zugenommen – nicht nur in der Gemeinde oder im Bundesland, sondern in allen Bereichen." Eine Morddrohung habe er jedoch noch nie erhalten. "Das ist noch einmal eine ganz andere Dimension", sagt er.

Barbara Schweitl (Puch bei Hallein)

Bürgermeisterin Barbara Schweitl (SPÖ), die seit zwei Jahren im Amt in Puch bei Hallein ist. "Vielleicht bin ich noch nicht lange genug Bürgermeisterin. Ich wäre aber froh, wenn es so bleibt", sagt sie. Dass die Bürgerinnen und Bürger gegenüber einer Frau höflicher sind, glaubt sie wiederum nicht: "Was Frauen speziell im Internet aushalten müssen, ist auch nicht ohne." Generell ist der Umgang mit den sozialen Medien für eine Ortschefin oder einen Ortschef ein schmaler Grat, denn "man muss die sozialen Medien als Informationsplattform nutzen", ist sich Schweitl sicher. Gleichzeitig ist sich die einzige Tennengauer Bürgermeisterin aber auch bewusst, dass Onlineauftritte angreifbar machen. Aber solch eine Dimension, wie es ihr Halleiner Amts- und Parteikollege erleben muss, ist auch für Barbara Schweitl eine neue Dimension, die so nicht zu akzeptieren ist.

Quelle

Fußnote

  1. umgangssprachlich für Messer