Chronik des Jänners 2019
Chronik des Jänners 2019
Einleitung
Ereignisse
- 9. Jänner, Mittwoch: Zell am See: Bergretter holen neun Skifahrer aus Tiefschnee: Trotz Lawinenwarnstufe 4 waren auf der Schmittenhöhe in Zell am See am Mittwoch neun Skifahrer abseits der gesicherten Piste unterwegs - eine Notsituation war fast unvermeidlich. Die Gruppe aus Polen, Ungarn, Ukraine und Russland konnte zirka eine Stunde später von der Bergrettung, die mit 12 Mann ausgerückt war, lokalisiert werden.[1]
- 10. Jänner, Donnerstag:
- Es galt Warnstufe 5: Lawinengefahr bleibt extrem. Das war zuletzt in den Jahren 1999 und 2009 der Fall.[2]
- Am 10. Jänner waren im Land Salzburg ca. 9 600 Personen nicht durchgängig mit Fahrzeugen erreichbar. Davon rund 6 000 in Obertauern. In Salzburg sind neben Obertauern auch der Ortsteil Rengerberg in Bad Vigaun, Rußbach und Weißbach bei Lofer nicht erreichbar. Sehr erschwert erreichbar ist St. Koloman. In Adnet ist ein Zweitwohnsitzgebiet und ein Gehöft abgeschlossen. Auf der Rudolfshütte in Uttendorf sind 350 Gäste eingeschlossen. Die Evakuierung war für Freitag, 11. Jänner, geplant.[2]
- Getreidegasse stundenlang gesperrt: Der Winter hatte auch die Stadt Salzburg fest im Griff. Wegen der Schneemassen musste am Donnerstagvormittag sogar die Getreidegasse gesperrt werden. Die Weihnachtsbeleuchtung hatte gegen neun Uhr der Last nachgegeben. Durch das Gewicht waren es schon die Wandhaken herausgerissen worden.[2]
- Immer wieder fiel in den stark von Schnee betroffenen Gebieten Strom aus. Am Donnerstagnachmittag waren rund 900 Haushalte in Salzburg ohne Strom. Hauptbetroffen sind derzeit die Gemeinden Weißbach, Rußbach, Bad Vigaun, Annaberg/Lungötz und das Heutal bei Unken. Vor allem im Flachgau sorgen unter der Schneelast gebrochene Bäume für Störungen. Behinderungen gab es zuletzt auch in Lamprechtshausen, Faistenau, Hintersee und St. Gilgen. Rund 400 Haushalte, vor allem im Raum Eugendorf, sind ohne Telekom-Verbindung.[2]
- In Salzburg waren am Donnerstag laut einer Informationen der Bildungsdirektion 26 Schulen geschlossen geblieben. Sechs Schulen im Flachgau, zwölf im Tennengau, zwei im Pongau, fünf im Pinzgau und eine im Lungau blieben zu. Die meisten der am Donnerstag von einer Sperre betroffenen Schulen befanden sich im Tennengau, und hier vor allem im Lammertal.[2]
- Seit Donnerstagmittag war die Bahnstrecke zwischen dem Bahnhof Golling-Abtenau und Werfen unterbrochen, Zugfahrten sind in diesem Bereich nicht möglich. Wie die ÖBB mitteilten, ist dort im Nahbereich der Bahntrasse in der Nähe des Ofenauer Tunnels gegen Mittag eine Staublawine abgegangen. "Es ist kein Zug betroffen, es gibt also auch keine Verletzen", sagt ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair. Gleise wurden nicht verschüttet. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet.[2]
- Im Skigebiet Maria Alm am Steinernen Meer (Pinzgau) waren Personen in den Gondeln der "Sinalco-Bahn" eingeschlossen. Ein Baum ist auf die Seile der Bahn gekracht. Sechs Personen wurden von der Bergrettung aus den Gondeln geborgen und mit Pistenbullys ins Tal gebracht.[3]
- 11. Jänner, Freitag:
- Am Freitag waren dann zusätzlich einige Schulen im Flachgau geschlossen. Auch in Eugendorf oder Henndorf fiel der Unterricht am Freitag aus.[2]
Menschen helfen Menschen
Die dreifache Mutter Astrid Hohenwarter in Weißbach bei Lofer ist "First Responder" beim Roten Kreuz und seit Tagen in einer besonders schwierigen Situation. "Weißbach mit seinen 420 Bewohnern ist derzeit von der Außenwelt abgeschnitten. Als Sanitäterin bin ich mit einer hier wohnhaften Krankenschwester die einzige Anlaufstation bei medizinischen Notfällen", sagte die 43-Jährige. Sie ist mit einem Defibrillator, Absauggerät, Sauerstoff und Verbandsmaterial gut ausgerüstet. Mit dem Allradauto kann sie gemeinsam mit der Feuerwehr bei Notfällen zu den Patienten fahren. Ein Dialyse-Patient wurde noch vor der Sperre ins Spital gebracht. "Es ist zwar ein beklemmendes Gefühl, aber im Dorf halten sie alle zusammen", so Hohenwarter.
Stellvertretend für die rund 1 300 ehrenamtlich aktiven Retter erzählte Christian Schartner aus Oberalm: "Ich habe ein Vermessungsbüro mit 18 Angestellten, aber wenn wir gerufen werden, muss ich alles liegen und stehen lassen. So wie kürzlich, als es galt, elf eingeschneite bayerische Urlauber von einer Hütte am Tauglboden in der Nacht unter hoher Lawinengefahr sicher herauszubekommen." Christian Schartner ist mittlerweile Ortsstellenleiter der Bergrettung in Hallein und seit 17 Jahren ehrenamtlicher Helfer. "Ich bin selbst im Juni 1986 bei einer Tour in der Dachstein-Südwand in akute Bergnot geraten, habe über Nacht in der Wand biwakieren müssen, ehe mich die Bergrettung geborgen hat. In der Folge stand für mich fest, dass ich in Zukunft auch anderen helfen will. Das ist eine schöne Sache und die Dankbarkeit der Menschen ist der Lohn. Wöchentliche Übungen, die Einsätze und permanentes körperliches Training sind es wert."
Das sehen auch die Helfer des Bundesheers, die im Katastrophenfall angefordert werden, so. Wie Fabian Schaffler vom Pionierbataillon 2, das derzeit mit zwei Zügen bei Minusgraden und Schneefall in Thalgauegg und Hintersee im Einsatz ist. Es gilt Bäume zu fällen, die auf die Straßen zu stürzen drohen. "Helfen in Friedenszeiten war mein Motiv, dass ich zum Heer gegangen bin", so der Elsbethener. Die betroffenen Menschen sind froh, wenn wir da sind, und wir spüren, dass wir gebraucht werden. Das motiviert uns ungemein."
Stellenweise Schneemengen wie nur alle 30 bis 100 Jahre
In Hochfilzen fielen vom 1. bis 10. Jänner 311 Zentimeter Neuschnee, in Bad Mitterndorf rund 280 cm, in Seefeld 208 cm, in der Ramsau am Dachstein und in Lofer rund 170 cm. "Grob kann man sagen, dass diese Neuschneemengen selbst im klassischen Nordstau oberhalb von etwa 800 Meter Seehöhe statistisch gesehen nur alle 30 bis 100 Jahre vorkommen. Das gilt vor allem für die Regionen vom Tiroler Unterland über Salzburg bis hin zur Dachstein- und Hochkarregion. Weiter im Westen und Süden sind die Schneemengen auch im Bergland deutlich geringer", sagt Alexander Radlherr von der ZAMG.[4]
Quellen
- www.sn.at/salzburg/chronik, Menschen helfen Menschen, abgefragt am 10. Jänner 2019
Fußnoten
- ↑ Quelle www.sn.at/salzburg/chronik, abgefragt am 10. Jänner 2019
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Quelle www.sn.at, abgefragt am 10. Jänner 2019
- ↑ Quelle www.salzburg24.at, abgefragt am 10. Jänner 2019
- ↑ Quelle www.sn.at/panorama, abgefragt am 10. Jänner 2019