Visitationsbericht Dr. Franz Duellis, Radstadt 1688
Der Visitationsbericht Dr. Franz Duellis, Radstadt 1688 wurde vom Landschaftsphysikus in Radstadt Dr. Franz Duelli verfasst und gibt einen Einblick in das Medizinalwesen seiner Entstehungszeit. Eine Überzeichnung in s Negative kann nicht ausgeschlossen werden. Vielleicht wollte Duelli einen höheren Gehalt oder die Stelle als Salzburger Stadtphysiker erreichen, was ihm später auch gelang.
Einleitung
"Dr. Duelli nahm in einem ihm "ex decreto" aufgetragenen Bericht vom Januar 1688 zu den Zuständen im Medizinalwesen auf dem Land in mehreren Punkten Stellung. Darin beschrieb er die ländlichen Bader-Wundärzte als schlecht ausgebildet und nur oberflächlich geprüft, wobei er dem Handwerk unterstellte, dass es "das gelt an statt deß examinis genohmen" und die Kandidaten zu Meistern gemacht habe, ob sie ihr Handwerk beherrscht haben oder nicht. Diese Meister hätten nichts verdienen und Weib und Kind nicht ernähren können, so daß sie sich mit Holzhacken, Botengängen und anderen Tagwerken fortbringen mußten. Dabei hätten die "Empirici" (gemeint sind hier die ungelernten oder nicht ausgelernten Störer und Stimpler) überhand genommen. Nunmehr aber sei hinsichtlich des Prüfungswesens eine Besserung eingetreten. Viele aber, die schon Meister sind, seien teils sehr liederlich und "verdrunkhen" und nicht einmal mit den geringsten Mitteln für den Bedarfsfall ("im fahl der Noth") ausgestattet. Auch hätten manche von ihnen zuviel Selbstvertrauen, aber nicht genügend Verstand und gründliches Können, doch zu große Nachlässigkeit, womit sie den Leuten sowohl äußerlich wie innerlich Schaden zufügten. Es gäbe aber im ganzen Land keinen Ort, wo sich nicht ein Bader, der sein Handwerk versteht und fleißig ist, ehrlich und gut fortbringen könnte. Allerdings müßten die "Empirici" abgestellt werden, deren sich zu bedienen man keine Ursache habe."[1]
Text-Teile
== Einzelnachweise
- ↑ Friedrich R. Besl, Die Entwicklung des handwerklichen Medizinalwesens im Land Salzburg vom 15. bis zum 19. Jahrhundert, in: MGSL 138 (1998), 103-296, hier: 156.