Güterweg
Ein Güterweg ist eine meist private oder genossenschaftliche Zubringerstraße zu abseits gelegenen Gehöften und Wohnhäusern im Salzburger Bergland.
Allgemeines
Bis in die Mitte des 20. Jahrhundert waren vor allem in den Bezirken inner Gebirg - im Pinzgau, im Pongau und im Lungau - abgelegene Bergbauerngüter meist nur zu Fuß erreichbar. Benötigte Waren wurden entweder von Menschen oder von einem Noriker Pferd oder einem Haflinger Pferd (früher auch manchmal von einem Hausesel) zu den Höfen getragen oder – wo es vom Wegverlauf und von der Wegverfassung her möglich war - von einem Pferd auf einer sogenannten „Schloapf“ gezogen. Eine Schloapf ist eine Art schmaler Schlitten ohne Räder. In wenigen Fällen existierte ein unasphaltierter Fahrweg, der im Sommerhalbjahr mit einem Pferdefuhrwerk und im Winterhalbjahr mit einem Pferdeschlitten befahren werden konnte.
Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg
Um die Bewirtschaftung der Bergbauernhöfe zu sichern ging man in der 2. Hälfte des 20. Jahrhundert nach und nach daran, die Infrastruktur zu verbessern. Das betraf zuerst Stromzuleitungen zu noch nicht elektrifizierten Höfen, darauf folgte die Errichtung von Zufahrten und zuletzt von Telefonleitungen. In allen Fällen kamen und kommen öffentliche Fördermittel (Land, Bund, EU) zum Einsatz und die Bauern mussten und müssen je nach Anteilen Eigenleistungen in Form von Arbeitsschichten und auch Geldleistungen erbringen. Der Errichtung von Güterwegen geht meist die Gründung einer Weggenossenschaft voraus, die als Rechtsträgerin Fördermittelempfängerin ist, über die zu leistenden Arbeitsschichten und Geldleistungen bestimmt und bis heute Entscheidungsträgerin für Ausbau- oder Erhaltungsarbeiten ist und somit eine Art Selbstverwaltung der Interessenten bildet.
Gegenwart
Der Güterwegbau hat die Erhaltung vieler Berglandwirtschaften jahrzehntelang gesichert und sichert viele noch immer, da durch ihn der Gütertransport einerseits und das Erreichen hoffremder Arbeitsplätze andererseits ermöglicht wurden. Denn erst damit war die Umstellung auf Zuerwerb oder Nebenerwerb und in der Folge die Weiterführung der meist kleinen und wenig ertragreichen Bergbauerngüter möglich.
Exkurs: Raumordnung
Der Güterwegbau hat aber auch dazu geführt, dass rund um bestehende Höfe von weichenden Bauernkindern auch Wohnhäuser errichtet wurden, deren Bewohner mit der Landwirtschaft nichts mehr zu tun haben. Dabei wurden essentielle Bereiche wie Wegerecht oder Wassernutzungsrechte nicht immer ausreichend klar geregelt, da es sich ja ursprünglich um Familienmitglieder handelte. Mittlerweile ist es aber auch so, dass die Nachfolgegeneration ehemaliger weichender Bauernkinder aus unterschiedlichen Gründen ihr Wohnhaus an gänzlich Hoffremde verkaufen und somit plötzlich direkt neben Berglandwirtschaften in Alleinlage in- oder ausländische Bewohner mit völlig unterschiedlichen Interessen und Erfahrungs- und Wissensstand existieren, was unter Umständen zu Nutzungskonflikten führt. Ein weiteres Problem sind Wasserversorgung, Kanalisation und Müllentsorgung, die den Kommunen aufgrund der langen Wege finanziellen Mehraufwand bescheren.
Quellen
Eigenartikel von Christina Nöbauer