Kobler-Spängler-Briefe

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Die Kobler-Spängler-Briefe bezeichnen eine umfangreiche Briefsammlung aus dem Besitz von Franz (II.) Xaver Gregor Spängler (* 1839; † 1912; siehe Abbildung dort). Über seine Tochter Johanna Spängler (* 1882; † 1973), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* 1868; † 1940), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* 1917; † 2001), verheiratet Saska in Krems, an Otto Holzapfel (* 1941) in Freiburg i. Br. Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen „Fanny“ Franziska Kobler (* 1796; † 1886) und Franz Castelli. Deren Tochter Zäzilia Amalia Kobler wird 1821 geboren und heiratet 1846 Richard Franz Schlegel, stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes 1848. Diese Tochter „Fanni“ Franziska Schlegel (* 1848; † 1905), heiratet 1872 in Salzburg den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz Xaver Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter „Fanny“ und Enkelkind „Fanni“.[1]Franz (Francesco) Castelli (* 1796; † 1832)[2] aus Brescia in Oberitalien schreibt 1821 und 1827 aus „Peterwardein“ (Novi Sad) in Serbien bzw. aus (dem ebenfalls in dieser Zeit unter österreichischem Einfluss stehenden) Venedig fünf Briefe an seine Verlobte Fanny Kobler in Salzburg. Sie heiraten nicht, bleiben aber im Kontakt. Er, Landvermesser beim Militär, im „Genie Korps“ (Pioniere) im Range eines Oberleutnants, stirbt, bevor er eine Familie ernähren kann. Castelli schreibt aus Salzburg am 31. Dezember 1820 an Seraphin Kobler. Er beichtet dem Vater Kobler das „Unglück“, den „Unfall“, bittet aber, nicht nur dem „bösen Zorn“ zu folgen. Nach drei Jahren erwartet er zum Hauptmann zu avancieren; er will eine zivile Stelle als Kreis-Ingenieur suchen und kann dann auch seine Familie ernähren. Im Augenblick „darf“ er sich in „politischer“ wie in ökonomischer Hinsicht nicht verehelichen. Ein Brief an Fanny Kobler, datiert „Venizia 20 marzo“ [also 1832, im Jahr seines Todes], berichtet von seiner Krankheit. Er will nach Brescia reisen, um seine Krankheit pflegen zu lassen. Für März und April zahlt er „16 t. C. M.“ (Taler courante Münze): „ich wünschte der Amalia Hunderte geben zu können“, aber wegen seiner Krankheit muss er dem Arzt viel bezahlen.

Die (uneheliche) Tochter ist Zäzilia Amalia und wird in ihrer Jugend in Salzburg als „Fräulein Castelli“ angeschrieben. Auch der Salzburger Stadtarzt Dr. Richard Schlegel, der sie später heiratet, schreibt sie unter dem Namen „Amalia Castelli, in der Hölle“ an. Einige Beispiele, auch von anderen Briefpartnern:

„A Demoiselle la Demoiselle Amélie Castelli, Stadt, Judengasse N. 67, Salzburg. Trés aimable Amélie! La grande estime, quelle m’inspirent Vos prééminentes qualités, a reveillé en moi ce tendre sentiment, que le createur des mondes a planté dans nos coeurs, pour nous faire heureux […] Votre très intime amant Anonyme.“ [ohne Datum, Salzburg; Siegel mit Wappen, nicht Richard Schlegel]. – „Fräulein Fräulein Amalie v Castelli zu Salzburg, Judengasse Nr. 67 [heute Nr. 15], 1. Stock. Meine philosophische Freundin! Sage mir nur was für ein Geist in Dich gefahren ist [… Warasdin, Datum nicht erkennbar; anderes Wappen-Siegel]. – „Fräulein Malli Kobler. Im Gasthofe zur Hölle XXX Judengasse Nr. 67. Salzburg. Verehrtes Fräulein, Mit dem innigsten Bedauern vernehmen wir von Ihnen die Kunde von dem Dahinscheiden Ihres theuren Vaters. So mußte schon so bald der harte Schlag treffen XXX [… Salzburg 1841]. – „A Mademoiselle Mademoiselle Amalie de Castelli à Salzburg, abzugeben in Kobler’s Brauhause. Liebes Malchen! Wieder ist heute die Stunde der Postankunft trostlos nun hingeschwunden – Nichts bringend, das mich beglücken sollte […] Richard [Schlegel; Kufstein 1843]. – „Fräulein Fräulein Amalia Castelli Wohlgeboren. Mein innigst geliebtes Malchen! «Was du heute thun kannst, verschiebe nich auf Morgen» daher geliebter Engel soll sich bey mir in Allem […] Dein innigster Verehrer Richard. 12. 5. [1]845.“ – „An Fräulein Amalia Castelli Wohlgeboren in Loco. Guten Morgen! Liebes gutes Malchen! Ueberzeugt von deiner herzlichen Theilnahme will ich Dir so früh als möglich Nachricht von meinem Befinden geben. Gestern abends hatte ich etwas stärkeres Fieber […] 16. 10. 1845 Richard [Schlegel]“. – „An Fräulein Fräulein Amalia Castelli Wohlgeboren in der Hölle. NB Nur für Dich! Innigste geliebtes Mauserl! Es ist doch höchst sonderbar […] Dein kopfloser Richard. 8. 12. [1]845“.

Großmutter Fanny, „Höllbräuin“ in Salzburg und Besitzerin des heutigen Gasthauses Höllbräu bzw. Hotel Altstadt Radisson Blu, wechselt über viele Jahre hinweg Briefe mit ihrer Enkelin Fanni. In diesen Briefen ist viel von „Gesundheit“, „Tod im Kindbett“ usw. die Rede. Das ist nicht zufällig und nicht nur allgemeines Gesprächstema der Zeit, sondern auf die besondere Beziehung beider Frauen zueinander zurückzuführen. Zumeist geht es jedoch (später) um Alltagsdinge, um familiäre Nachrichten und um Grüße:

[Fanny Kobler an Fanni Spängler; Brief mit Prägestempel [englisches Staatswappen], Salzburg 19. 4. 1872: Dank für Zeilen aus Kufstein, aber das sind wenig Nachrichten, von allen Seiten wird gefragt, „wo ihr seit, und wie es Euch geht“. Die Großmutter beklagt sich über fehlende Nachrichten, „es hat mich sehr geschmerzt“, dein Mann zeigt dir alle Naturschönheiten, „ein ganz kleines Plätzchen in deinem Herzen gehört auch noch mir, so hab ich mir gedacht. [...] Seit mehreren Tagen rüstet sich alles zum Ball der Morgen stattfinden wird. Mina hat ein gelbes Seidenkleid mit weisen Oberkleid, die Lida [Guttenberg] ein Rosakleid. Es sind über 600 Personen geladen. [...] Die Arigler [Arrigler] Lina ist Braut von Hr. Hager der von Arigler das Geschäft gekauft hat. [...] Lebet wohl und vergnügt bis wir uns in Mödling treffen, Gott erhalten uns gesund, dieß ist der innigste Wunsch deiner dich liebenden Großmutter Fanni.“

[Fanny Kobler an Fanni Spängler:] „Salzburg am 14te Dez: 1872. Liebe Fanni! Dießmal muß ich deinen Brief gleich beantworten, damit du nicht zweifeln darfst ob ich euch beherbergen werde. Wie, und warum du, daran auch nur einen Augenblick zweifeln konntest, weis ich nicht. Ich habe nur zu ein paar Bekante mich geäußert, das wenn ihr im Winter kommt es mir recht leid thut, weil ich euch zum schlafen kein geheiztes Zimmer geben kann, das hab ich auch zu Franzens Mutter gesagt. Wenn es die Geschäfte deines Mannes erlauben, o, so komt nur meine Lieben die alte Großmutter hat große Sensucht euch einmal wieder zu seh’n. – Die Feyertage werden ja doch keine Verhandlungen sein, und so gebe ich mich der Hoffnung hin, euch gewiß zu seh’n. Die Lida [Guttenberg; Freundin] hab ich nur einmal gesprochen, solang sie jetzt in Salzburg ist, jezt hat sie die Nani schon 8 Tage die Winterkleidung zusammenzurichten. Hast du dir ein schwarzes Tuchkleid gekauft, oder nur eine Ueberschosse [?] und eine Jage [Jacke]. Die meisten Mädchen bey uns, haben Ansetze von Sammt wenn es aber nicht ein schönes Sammt ist gefallen sie mir viel weniger als von Tuch. Der Walli ihre Hochzeit wird den 25.ten Januar sein. Erlach Robert ist Brautführer und Ida [Schlögelhofer] eine von die Kranzjungfraun. Die Schwester der Haßseck [?] die Mari hat den 20.te Hochzeit mit Herrn Mößer, der einmal die Schnerberger hat heurathen wollen, er ist Braumeister in Steuer [Steyr]; die Laschenzki welche dich herzlich grüß, hat zwey Hochzeiten in einer Woche. Das deine Wirthschaft so gut geht freud mich sehr, aller Anfang ist schwer, besonders wenn man fremd ist, ich habe auch gar nicht gezweifelt, das es so werden wird, wenn du länger in Mödling bist. Was deine Geschwister betrift mußt du entweder jeden etwas geben, oder keinen nichts [!], ich glaube es [ist] nicht notwendig ihnen etwas zu geben. Die schönen Tage sind jetzt bey uns vorüber, 2 Tag haben wir Schnee und kalt. Wenn es zur Reise kommt wie ich hoffe, zieht euch ja recht warm an. Jedenfalls sey so gut ein paar Tage früher es mir wißen zu lassen wann ihr eintrefft. Lebe recht wohl, grüße deinen Mann von mir herzlich, es ist auch für ihn wohlthuent einige Tage [fehlt wohl: Ferien] zu mach’n. Erfreue bald mit einer angenehmen Antwort deine dich liebende Großmutter Fanni Kobler. – Alle Bekanten grüßen dich herzlich Deinen Brief hab ich erst den 12.te erhalten“

[Fanny Kobler an Fanni Spängler:] „27. 7. 1874 Liebe Fanni! Alle Bekanten grüßen euch. Hast du die Laurey [?] nie besucht? Weis dein Mann nicht wo er angestellt ist. – Ich sollte dich ein wenig auszanken, weil ich seyd den 14ten Juni keine Nachricht auf meine zwey Briefe erhalten habe, und mir gar kein Hinternüß denken konnte. Ich hätte so gerne die mir zugeschückten Kleider in Ordnung gebracht; weil der Vater vom K. Beringer könnt mit deinem Bruder Karl in Schweiz gehn wird, und ich weder hörte, das er Verschiedenes zu der Reise benötiget, besonders ein Beinkleid. Du kannst dir denken das die Mutter [und] der Karl über Euer Geschänck erfreud warn. Auch den Vater hat es gefreud das du an Karl gedacht hast. Das schwarze Beinkleid hab ich für Hinterholzer behalten. [...] besonders ist dein Vater wie ich entschieden dagegen das du die Zimmer bürsten thust, er sagt, solche Arbeiten muß man gewöhnt seyn, es könnte für dich üble Folgen haben, da deine Brust nicht so stark ist. In Mödling gibt es gewiß einen Zimmerputzer, wenn du alle 14 Tage einen kommen läßt, der dir auch zu gleich die Teppiche ausstaubt ist es oft genug, und diese Auslage wird schon zu bestreiten sein, um sich der Gefahr […] böse Folgen auszusetzen. Ich bitte dich, mich bald darüber zu beruhigen, das du dein Zimmer nicht mehr sebst bürsten wilst. So viel Geschück im Kleider machen hab ich dir fast nicht zugetraut das du dich auch über Männer Kleidungs-Stücke wagst. – Da muß dir dein Mann schon ein gutes Trinkgeld gegeben haben. – [...] und sträng dich nicht so sehr an. Dieß wünscht und erwarthet deine Großmutter Fanni.“

[Fanny Kobler an Fanni Spängler:] „22. 12. 1875 Liebe Fanni! Es ist gerade 11 Uhr Mittag und ich habe das Kistl wo sich die kleine Ausstat[t]ung für euer kleines Kind befindet den Eillgut übergeben. Morgen wirst du es in Haus gestellt erhalten. ich hoffe das Christkind wird euch [erreichen] du kannst es glauben liebe Fanni es hat mir viele Mühe und Sorge gemach alles zusammen zu bringen. Ich habe es mit Freuden gethan. Wenn Gott mir die Gnade schänkt das kleine Wesen an mein Herz zu drücken und ihm den Urgroßmütterlichen Kuß zu geben, bin [ich] für alles belohnt. Du wirst sehn wie mit Mühe und Sorge für das kleine Wuzi wächst, nur meine ich immer es wird dir zu viel werden ohne Magd, weil dir dir schlaflosen Nächt oft Müdigkeit und Unwohlsein bereitet gemacht haben, und auch für das Geschäft deines Franzes beschwerlich ist. Doch wenn der liebe Gott dem ich täglich inig bitte Gesundheit schänkt, wirst du dich schon daran gewöhnen, die Lieb überwindet alles. Der Güttig Gott schänke dir an Geist und Korper ein gesunds Kind. Ich brauche dir nicht erst zu sagen wie gern ich dir in den Wochenbett zur Seite gestanden wäre und alles überwacht hätte. Doch ich weis ja die gute Mutter [Spängler, geb. Lürzer] bey dir die ja Sorgsam, lieb und gut ist, Gott möge ihrr Gesundheit schänken. Wie wird sich dein guter Mann freuen das kleine Püpchen auf seinen Arm zu tragen und auf seinen Knien zu schaukeln. Euer Leben wird jetzt ein ganz anderes sein. Eine Kinderlose Ehe wird mit den Jahren zu Monoton, es fehl dem Leben an Jntreße [Interesse]. Nun liebe Fanni hab ich einmal über das was uns beyde so sehr intresiert sprächen können nach dem ich mich schon lange gesähnt habe. Heute hab ich gerade die Lichte für meine Augen da ich mehr sehe als gewöhnlich. Ich füge daher dem besten Wunsch zum freudigen Christkind, dem aufrichtigen herzlichen Wunsch bey zum Neuenjahr bey, Gott wolle uns Gesundheit und ein Wiedersehn verleihn. – Meine Gesundheit hat sich viel gebessert, doch frey bin ich von meinen Magenklopfen nicht, aber ich darf doch wieder etwas mehr genießen, und es dauert nicht 4-5 Stunden lang. Ich danke dir für den Stoff den du mir hast färben lassen er gefählt mir gut, was daraus wird, weis ich noch nicht. Die Näherin ist im Spital bedenklich krank, wenn sie wieder besser wird, werden ihr die 3 fl [Taler] zur Erholung recht wohl thun. Ida welche dich vielmals grüßt, ist jetzt recht beschäftigt. sie geht in 3-4 Häuser wo sie Kleider macht, man ist mit ihr zufrieden, da muß von 4 ½ Uhr bis 7 ½ Uhr fleißig nähn, und kann nicht davon laufen. Gestern war sie den ganzen Tag bey mir, da haben wir die Kindswäsche geordnet und zusammen gebunden, es hat ihr Freude gemacht, es thun zu dürfen. Jetzt muß ich schlüßen eds wird schon dunkl die Augen versagen mir ihrn Dienst. Ich meine du sollst die Wäsche wenn du selbr gesehn hast in der Küste lassen, du darfst nur einen Tepich darunter legen, da kanst du sie in jeden Zimmer stehn lassen. Grüße die Rosi, ich hoffe das Mieder wird recht sein Lebe recht wohl es umarmt Euch beyde Euere Großmutter Fanni.“

Ein weiterer Briefkomplex stammt aus der Familie von Dr. jur. Franz Spängler, der Fanni Schlegel heiratet. Er ist in Salzburg geboren, wird nach dem Studium in Graz und Wien Richter an verschiedenen Orten in und bei Wien, zuletzt in Krems an der Donau. Er wechselt unzählige Briefe mit seiner Verlobten und späteren Frau, manchmal mehrmals in der Woche. Mit der Mutter Antonia Spängler (* 1803; † 1882), geborene Lürzer von Zehendthal, gibt es ebenfalls einen intensiven Briefwechsel, auch mit Zusätzen des Bruders Otto Spängler (* 1841; † 1919), Sparkassen-Direktor in Salzburg und verheiratet mit mit Aloisia Duregger, der Tochter von Johann Alois Duregger. Die Familie Duregger, Antonia Spängler und Otto Spängler wohnen in den Stockwerken übereinander im Dureggerhaus (Antretterhaus) am Mozartplatz 4, nicht weit von der „Höllbräu“, wo die „Großmutter“ Fanny Kobler lebt. Der spätere Landgerichtsdirektor Spängler schreibt an Fanni Schlegel (1871) bzw. an seine Frau Fanni Spängler zwischen 1882 [und davor] bis 1890 häufig Karten und Briefe. Sie antwortet bzw. schreibt ihm, z. B. aus den Sommerferien mit den Kindern in Salzburg, in langen Briefen, die vieles widerspiegeln: Sorgen mit den Kindern, Nähe und (gesellschaftlich anerzogene) Ferne zum Ehegatten, aber auch höchst moderne Gleichberechtigung in der Entscheidung über Dinge des Alltags. Vieles ist Zeitkolorit, aber auch Individuelles, z. B. sind ihre Briefe nicht ohne Ironie, die er offenbar weniger versteht. Hier beziehen sich die Briefe vielfach lückenlos aufeinander. Viel ist von „Ordnung“ die Rede, was auf Sicherheit und Übersichtlichkeit im täglichen Leben zielt. „Ordnung“ sind die Regelung der Hochzeit, das Herrichten der Aussteuer, das Einrichten der Wohnung, aber auch: zur Ruhe kommen nach außergewöhnlichen Ereignissen. Häufig wird die Gesundheit angesprochen, und getragen ist der sehr intensive Briefwechsel von einer starken Gott-Ergebenheit und einer Alltagsfrömmigkeit, die wohl nicht nur verbal ist (häufig liest man: „..., so Gott will,...“).

Umrahmt wird diese Briefsammlung von vielen Einzelbriefen, z. B. schreibt 1826 die andere Großmutter Maria Anna Lürzer von Zehendthal aus Hall in Tirol, geborene Grassl, die Frau von Franz Lürzer von Zechenthal, an ihren späteren Schwiegersohn Franz Xaver Spängler in Salzburg. In diesem (leider nur fragmentarisch erhaltenen) Brief ist einiges von Not und Schwierigkeiten die Rede, aus denen dann doch die wohlhabende Handelsgesellschaft und spätere Spänglerbank (seit 1828) in Salzburg wurde. In den Briefen ist mehrfach die zahlreiche Spängler-Verwandtschaft in Salzburg angesprochen. Deren traditionelle gesellschaftliche Stellung in der Stadt ist offensichtlich und spiegelt sich in vielen Hinweisen.

Die vorliegenden Briefe sind Alltagskorrespondenz (z. B. auch die beiden Briefe der Mutter Spängler an ihren Sohn Franz, 1871, über Heiratsaussichten und Hochzeitsvorbereitungen). Die Briefe betreffen weniger die direkte Salzburger Stadtgeschichte, obwohl uns weitere Details zur Erklärung willkommen wären. Das Verständnis mancher Einzelheiten ist schwer zu rekonstruieren, und einige (zumeist nebensächliche) Fragen bleiben offen. Die Briefe stellen Zeitzeugnisse dar, welche zwar nicht unabhängig von einem Kontext zu verstehen sind, aber auf ihre Weise Einblicke in die Mentalität unserer entfernten (und in manchen Dingen doch so nahen) Vorfahren bieten. Gerade in diesem Spannungsfeld zwischen Nähe und Ferne, zwischen Vertrautheit mit den angesprochenen menschlichen Problemen und Entfremdung vom Zeitstil des 19. Jahrhunderts, liegt der Reiz dieser Briefe.

  1. Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich [O. H.] zu Großmutter „Fanny“ [Kobler] und Enkelin „Fanni“ [Schlegel / Spängler].
  2. „Castelli“ dürfte ein verbreitete Name sein. Kaum Verwandtschaft vesteht mit dem Wiener Ignaz Franz Castelli (* 1781; † 1862), der selbst über seine Familie in Aus dem Leben eines Wiener Phäaken 1781-1862. Die Memoiren des I. F. Castelli, neu hrsg. von Adolf Saager, 3. Auflage, Stuttgart (o.J.), S. 37, schreibt: „Mein Name hat zwar italienischen Klang, und es wäre wohl zu vermuten, dass meine Voreltern Italiener gewesen seien, aber ich habe darüber nie etwas Gewisses erfahren können, denn mein Vater selbst wusste über seine Ahnenleiter nichts weiter, als dass sein Vater ein ehrsamer Schneidermeister in der Leopoldstadt [Wien] gewesen sei.“