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==== Brief vom 14. Mai 1875 von der Mutter Antonia Spängler, an die Familie Franz II. Xaver Gregor Spängler in Wien ====
 
==== Brief vom 14. Mai 1875 von der Mutter Antonia Spängler, an die Familie Franz II. Xaver Gregor Spängler in Wien ====
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[[Datei:Brief vom 14. Mai 1875, Seite 1.JPG|thumb|Brief vom 14. Mai 1875, Seite 1.]]
 
Ein Bogen, Prägestempel "A S" mit Kranz und Verzierung; / = Seitenwechsel (Leseabsatz eingefügt); fragliche [?] Stelle; die erste Seite des Briefes ist abgebildet:<br />
 
Ein Bogen, Prägestempel "A S" mit Kranz und Verzierung; / = Seitenwechsel (Leseabsatz eingefügt); fragliche [?] Stelle; die erste Seite des Briefes ist abgebildet:<br />
 
''Salzburg den 14/5 [18]75 Meine lieben Theuren! Wie gerne ergreife ich die Feder um mit Euch meine Lieben ein wenig plaudern zu können. Recht sehr danke ich vor allen für Eure lieben Briefe. Mit meinen fortgehen auß Wien<ref>Das bedeutet offenbar entgegen dem Wortlaut, dass sie die Reise nach Wien kurzfristig und überraschend abgesagt hat. Vgl. die Briefe davor und danach.</ref> ging es freilich so schnell, das ich nirgends mehr hin gehen konnte, daher werden auch die Leute überrascht geweßen sein. Mit meiner Gesundheit geht es gottlob beßer, ich bin wohl noch nicht so kräftig wie früher, aber ich sehe doch schon viel beßer auß. Ich habe gestern den letzten Malaga getruncken, er hat mir sehr gut gethan, und wird es noch nothwendig, so kaufe ich mir einen, die gesundheit ist ja alles werth. Ich bitte dich recht schön liebe Fany allen welche an mich grüße aufgegeben haben / ebenfalls viele grüße zu entrichten, war es mir ja selbst zu schnell. Wegen Sieber [?] bedaure ich sehr das die Nachrichten immer schlecht lauten. Liebe Fany wie froh bin ich das dein Befinden ein gutes ist, auch hoffe ich wirst du getröstet sein, wen du diesen Schmerz der F v Sauter bedennckst, welche schon so viele Freude an ihren Kindlein hatte, da es sie schon kannte, dan ist die Natalie so sehr geschwächt, das wohl zu fürchten ist, das sie kein Kind mehr bekömt. Bey dir liebe Fany ist dieß ganz anders. Ich bitte dich folge mir und trü[n]cke alle Tage etwas Wein, besonders gut wäre ein Türoller'' [Tiroler, Anm.] ''weil dieser ein gutes Blut macht, und Kraft giebt – ich dencke bey dir wird noch alles recht werden. Dencke dir bey Lürzer Otto ist Ihnen das / Kindlein mit 6 Wochen wider gestorben, der kleine Paul hat einen Lungenhusten bekommen, und ist daran gestorben kannst dir dencken wie schwer es ihnen ist. Am Dinnstag geht die Lürzer Pepi hinein<ref>Zell am See</ref> zu ihnen damit sie doch ein wenig sich zerstreut. Die kleine Margaretha ist auch schon überal aufgestanden, und hat so viel verstanden, was man mit ihr gesprochen, es thut gewiß auch sehr weh ein solches Kindlein zu verlieren. Man muß sich fiegen'' [fügen] ''und in den Willen Gottes ergeben.''  
 
''Salzburg den 14/5 [18]75 Meine lieben Theuren! Wie gerne ergreife ich die Feder um mit Euch meine Lieben ein wenig plaudern zu können. Recht sehr danke ich vor allen für Eure lieben Briefe. Mit meinen fortgehen auß Wien<ref>Das bedeutet offenbar entgegen dem Wortlaut, dass sie die Reise nach Wien kurzfristig und überraschend abgesagt hat. Vgl. die Briefe davor und danach.</ref> ging es freilich so schnell, das ich nirgends mehr hin gehen konnte, daher werden auch die Leute überrascht geweßen sein. Mit meiner Gesundheit geht es gottlob beßer, ich bin wohl noch nicht so kräftig wie früher, aber ich sehe doch schon viel beßer auß. Ich habe gestern den letzten Malaga getruncken, er hat mir sehr gut gethan, und wird es noch nothwendig, so kaufe ich mir einen, die gesundheit ist ja alles werth. Ich bitte dich recht schön liebe Fany allen welche an mich grüße aufgegeben haben / ebenfalls viele grüße zu entrichten, war es mir ja selbst zu schnell. Wegen Sieber [?] bedaure ich sehr das die Nachrichten immer schlecht lauten. Liebe Fany wie froh bin ich das dein Befinden ein gutes ist, auch hoffe ich wirst du getröstet sein, wen du diesen Schmerz der F v Sauter bedennckst, welche schon so viele Freude an ihren Kindlein hatte, da es sie schon kannte, dan ist die Natalie so sehr geschwächt, das wohl zu fürchten ist, das sie kein Kind mehr bekömt. Bey dir liebe Fany ist dieß ganz anders. Ich bitte dich folge mir und trü[n]cke alle Tage etwas Wein, besonders gut wäre ein Türoller'' [Tiroler, Anm.] ''weil dieser ein gutes Blut macht, und Kraft giebt – ich dencke bey dir wird noch alles recht werden. Dencke dir bey Lürzer Otto ist Ihnen das / Kindlein mit 6 Wochen wider gestorben, der kleine Paul hat einen Lungenhusten bekommen, und ist daran gestorben kannst dir dencken wie schwer es ihnen ist. Am Dinnstag geht die Lürzer Pepi hinein<ref>Zell am See</ref> zu ihnen damit sie doch ein wenig sich zerstreut. Die kleine Margaretha ist auch schon überal aufgestanden, und hat so viel verstanden, was man mit ihr gesprochen, es thut gewiß auch sehr weh ein solches Kindlein zu verlieren. Man muß sich fiegen'' [fügen] ''und in den Willen Gottes ergeben.''  
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==== Brief vom 17. Mai 1875 von der Mutter Antonia Spängler, an die Familie Franz II. Xaver Gregor Spängler in Wien ====
 
==== Brief vom 17. Mai 1875 von der Mutter Antonia Spängler, an die Familie Franz II. Xaver Gregor Spängler in Wien ====
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[[Datei:Brief vom 17. Mai 1875, Seite 1.JPG|thumb|Brief vom 17. Mai 1875, Seite 1.]]
 
Ein Bogen, Prägestempel "A S" mit Kranz und Verzierung; / = Seitenwechsel (Leseabsatz eingefügt); die erste Seite des Briefes ist abgebildet:<br />
 
Ein Bogen, Prägestempel "A S" mit Kranz und Verzierung; / = Seitenwechsel (Leseabsatz eingefügt); die erste Seite des Briefes ist abgebildet:<br />
 
''Salzburg den 17/5 [18]75 Meine liebsten Theuren! Wie ich oft sage, der Mensch denckt – der liebe Gott lenckt. Als ich neulich Euren Brief erhielt, welcher wohl sehr dringend mich auffordete zu kommen, ich beschloß daher zu gehen, wen es mir auch nicht so gut bekommen möge, wie die so herliche Landluft hier, ich richtete mir schon alles zusammen auf den kasten herauß die Schuhe Kleider, habe schon den Kofer besorgt schon die Nothwendigsten Abschieds besuche gemacht, kurz ich war ganz reiseferig und wollte am Dinstag den 11 t[en] reisen<ref>Zur Frage nach der Reise nach Wien vgl. den obigen Brief vom 24. bis 28. April 1875 (Anmerkung). Der 11. Mai 1875 war ein Dienstag.</ref>, als mir von 9 t[en] auf den 10 t[en] in der Nacht so unwohl wurde, und ich so auf geregt war, das ich nur zu deutlich sach, das dieß, keine Verfaßung / ist, um eine so weite Reise zu unternehmen; ich wußte mir nun nicht anders zu helfen als ich ging zum Vater der Fany<ref>[[Richard Franz Schlegel]]</ref> , um ihm zu rathe zu ziehen, und er sagte mir auch beßer als die Wienerreise wird mir gewiß der Aufenthalt auf dem Land thun, ich bath im dan er möge Euch selbst ein paar Zeilen schreiben, was er mir auch versprochen hat. Ich bin dan noch den selben Tag mit denen Ottoischen aufs Land gezogen, wo wir die herlichste Luft nebst den schönsten Wetter genießen, ich bin nur gestern in die Stadt in die Kirche gegangen, sonst bin ich den ganzen Tag im freyen, und habe immer das herliche Grün / vor den Augen was mir wohl, unendlich gut thut, diese Woche werde ich anfangen Moßbäder [!] zu brauchen.''
 
''Salzburg den 17/5 [18]75 Meine liebsten Theuren! Wie ich oft sage, der Mensch denckt – der liebe Gott lenckt. Als ich neulich Euren Brief erhielt, welcher wohl sehr dringend mich auffordete zu kommen, ich beschloß daher zu gehen, wen es mir auch nicht so gut bekommen möge, wie die so herliche Landluft hier, ich richtete mir schon alles zusammen auf den kasten herauß die Schuhe Kleider, habe schon den Kofer besorgt schon die Nothwendigsten Abschieds besuche gemacht, kurz ich war ganz reiseferig und wollte am Dinstag den 11 t[en] reisen<ref>Zur Frage nach der Reise nach Wien vgl. den obigen Brief vom 24. bis 28. April 1875 (Anmerkung). Der 11. Mai 1875 war ein Dienstag.</ref>, als mir von 9 t[en] auf den 10 t[en] in der Nacht so unwohl wurde, und ich so auf geregt war, das ich nur zu deutlich sach, das dieß, keine Verfaßung / ist, um eine so weite Reise zu unternehmen; ich wußte mir nun nicht anders zu helfen als ich ging zum Vater der Fany<ref>[[Richard Franz Schlegel]]</ref> , um ihm zu rathe zu ziehen, und er sagte mir auch beßer als die Wienerreise wird mir gewiß der Aufenthalt auf dem Land thun, ich bath im dan er möge Euch selbst ein paar Zeilen schreiben, was er mir auch versprochen hat. Ich bin dan noch den selben Tag mit denen Ottoischen aufs Land gezogen, wo wir die herlichste Luft nebst den schönsten Wetter genießen, ich bin nur gestern in die Stadt in die Kirche gegangen, sonst bin ich den ganzen Tag im freyen, und habe immer das herliche Grün / vor den Augen was mir wohl, unendlich gut thut, diese Woche werde ich anfangen Moßbäder [!] zu brauchen.''