Das Phänomen İ·KYSELAK
Buchtipp Das Phänomen İ·KYSELAK

- Autorin: Gabriele Goffriller
- Herausgeber: Gabriele Goffriller
- Verlag: Edition Tandem
- Erscheinungsjahr: 2026
- ISBN 978-3903516465
Salzburgbezug
In diesem Kommentarband werden auf vier Seiten Signaturfunde von Kyselak anhand von zeitgenössischen Beiträgen beschrieben.
So kritisierte der Kustos der k.k. Lyceumsbibliothek in Salzburg, Caspar Johann Stefan, Kyselaks Buch. Unter anderem bemängelt Stefan, dass Kyselak in seinem Buch zwar das "Göllinger"- und das "Tännengebirge" erwähnt, nicht aber das "Hagen-Gebirg". In Bad Gastein entdeckte der Sprachforscher Johann Andreas Schmeller die Signatur Kyselaks. Eine andere Signatur wurde in einer Höhle entdeckt sowie eine in den Salzachöfen, letztere erwähnt Karl Baedeker 1855 und noch 1988 Josef Brettenthaler. Auch am Dürrnberg befindet sich gut versteckt eine Kyselak-Signatur.
Auch in der Hellbrunner Allee konnte man Signaturen von Kyselak sehen. Auf der Festung Hohenwerfen soll er sich über der Pforte "verewigt“ haben. (Kommentarband S. 60f). Am Kapuzinerberg, dort, wo Kyselak schrieb: "Nun still gehalten – der Erde freundlichster Punkt ist erreicht!“ (Skizzen, Band II Fortsetzung, S. 189), notierte 1834 ein spanischer Geologe eine Signatur.
Rezension 1
Eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Person Kyselak mit ausführlichen Endnoten
Joseph Kyselak, ein k.k. Beamter zu Beginn des 19. Jahrhunderts, durchwanderte zu Fuß mit seinem Hund weite Teile der habsburgischen Alpenregionen. Seine Erlebnisse und geografischen Beobachtungen veröffentlichte er später in zwei Bänden unter dem Titel "Skizzen". Berühmt wurde er jedoch vor allem durch seine überall hinterlassenen Signaturen in großen Buchstaben – İˑKYSELAK – die sich an Felswänden, Häusern, Burgtoren und vielen anderen Orten entlang seiner Routen fanden.
Die Autorin des mir vorliegenden wissenschaftlichen Kommentarbands zum Phänomen İˑKYSELAK hat die beiden Skizzen‑Bände bereits in transkribierter Form herausgegeben, der besseren Lesbarkeit wegen auf vier Bände verteilt. Diese vier Bände kenne ich selbst nicht. Das nun vorliegende Buch im etwa A5‑Format umfasst 120 Seiten. Auf rund 80 davon widmet sich die Autorin Fragen zu Kyselaks Person, seinem Lebenslauf, seiner Tätigkeit im kaiserlichen Dienst, seinen Wanderungen und natürlich seinen allgegenwärtigen Signaturen.
Goffriller beleuchtet jedoch nicht nur sein Leben. Sie zeigt auch, wie Zeitgenossen Kyselak wahrnahmen, welche Nachwirkungen sein ungewöhnliches Signatur‑Wesen noch über ein Jahrhundert hinweg hatte und welche Persönlichkeiten über ihn schrieben oder ihn zumindest erwähnten. Dabei handelt es sich meist um einzelne Abschnitte aus zeitgenössischer Literatur. Diese sind nicht immer besonders aufschlussreich, dokumentieren aber die historische Wahrnehmung. Die Sprache des 19. Jahrhunderts erschwert den Lesefluss gelegentlich – doch es handelt sich um ein wissenschaftliches Werk, und so nehme ich es auch wahr.
Die restlichen rund 40 Seiten bestehen aus ausführlichen Endnoten mit einigen interessanten Detailinformationen, biografischen Notizen, Bildnachweisen, einem Literaturverzeichnis, einem Kapitel über Kyselaks Wanderung von 1825 "übers Joch" im Stubaital, einer Danksagung sowie einem Epilog. Einige Bilder zeigen Orte seiner Fußwanderungen, noch erhaltene Signaturen und eine kleine Übersichtskarte seiner Route. Die Abbildungen sind allerdings eher klein gehalten, und ihr Inhalt ist nicht immer gut erkennbar.
Einige Punkte konnte ich inhaltlich nicht ganz einordnen. Auf der Rückseite des Buches heißt es etwa: "Ein junger Reiseblogger, … was sich nach einem coolen Social‑Media‑Star anhört …". Doch Kyselak bloggte nicht – er veröffentlichte nach seiner Reise Bücher. Auch der Vergleich mit einem Social‑Media‑Star wirkt wenig passend. Goffriller verwendet als Kapitelüberschrift zutreffend "Ein Schrift‑Bild", nennt ein anderes Kapitel jedoch Tagging, beschreibt darin aber weitere historische "Schrift‑Bilder". Tagging bedeutet jedoch, einem Inhalt Schlagworte zuzuweisen, um ihn leichter auffindbar oder thematisch zuordenbar zu machen. Und eine weitere Kapitelüberschrift irritierte mich: Street Credibility. Auch nach der Lektüre dieses Kapitels erschließt sich mir seine Bedeutung im Zusammenhang nicht.
Abschließend sei betont, dass Gabriele Goffriller sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Phänomen İˑKYSELAK beschäftigt. Ihre Recherchen sind umfassend, und sie plant, weiterzuforschen. Vielleicht sollte ich doch den einen oder anderen ihrer vier transkribierten Bände ebenfalls noch lesen.
Rezension 2
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Quelle
- Rezension von Peter Krackowizer