Waagplatz 1: Unterschied zwischen den Versionen
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Das Haus '''Waagplatz 1''' ist ein Haus in der | [[Datei:Waagplatz.jpg|thumb|Das Gebäude der ehemaligen Stadttrinkstube - Hotel Erzherzog Karl]] | ||
[[Datei:Salzburg Kupferstich 1750 Detail Nr 28 Stadttrinkstube.jpg|thumb|[[Salzburg (Kupferstich) Johann Friedrich Probst|Probst, Johann Friedrich; Stadtansicht von 1750, Detail Nr 28 ]]]] | |||
[[Datei:Objekt Waagplatz Nr 1 Ankerhaus 02.jpg|thumb|Objekt Waagplatz Nr 1, Ankerhaus]] | |||
[[Datei:Objekt Waagplatz Nr 1 Ankerhaus 03.jpg|thumb|Objekt Waagplatz Nr 1, Ankerhaus]] | |||
Das Haus '''Waagplatz 1''' ist ein unter [[Denkmalschutz]] stehendes Haus in der [[Salzburg]]er [[Altstadt]] am [[Waagplatz]] mit langer Geschichte. | |||
== Geschichte == | == Geschichte == | ||
Nach [[1328]] wurde es Gerichtsgebäude, | Der Salzburger Historiker [[Franz Valentin Zillner]] glaubte, das erste [[Rathaus der Stadt Salzburg]] wäre im Haus Waagplatz Nr. 3 gewesen und erst um [[1100]] ins Haus Waagplatz 1 verlegt. Jedenfalls wurde es erst [[1407]] im [[Keutzlturm]] an seiner heutigen Stelle eingerichtet.<ref>Quelle [http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19200101&query=%22Keutzlturm%22&ref=anno-search&seite=10 ANNO], [[Salzburger Volksblatt]], Ausgabe vom 1. Jänner 1920, Seite 10, ein Beitrag von Dr. [[Franz Martin]]</ref> | ||
Nach [[1328]] wurde es Gerichtsgebäude und nach der Verlegung der Funktion als Rathaus blieb es im Besitz der [[Stadtgemeinde Salzburg|Stadtgemeinde]]. Es diente als Waag- und [[Niederlage]]<u></u>haus. Erst [[1487]] wurde dann die Stadtwaage in das Haus Waagplatz 3 verlegt. Die Funktion als Niederlagshaus endete für dieses Haus um 1540, als das [[Niederlagsrecht]] für Eisen ins Haus [[Getreidegasse]] 20 übersiedelte. | |||
In einer Beschreibung aus dem Jahr [[1526]] wird dann ein gewisser ''Sturmb'' als Wirt im Haus erwähnt. Ob eine Niederlage für Wein vorlag ist nicht bekannt, jedoch war es üblich, bei Waagen auch ein Wirtshaus zu finden - die Stadttrinkstube. | |||
=== Die Stadttrinkstube entsteht === | |||
Allerdings blieb dem Haus weiterhin der Name ''Waaghaus''. Erst [[1569]] hieß es bereits ''Gemeiner Stadt Waghaus oder Trinkstuben'', in dem Sebastian Schilling, Wirt, Valtin Schnell, Wagmeister und Ruprecht Scherdinger, Tuchscherer, sich die Bewohnung der drei Böden (Stockwerke) teilten. | |||
In diesem Jahrzehnt wurden Haus und Stadttrinkstube ausgebaut. [[1567]] hatte der [[Stadtrat]] beschlossen, die Stadttrinkstube zu ''tafeln'', also mit einem Holzplafonds auszustatten. Der Zimmermeister Sebastian Wöracker erhielt dafür 180 [[Gulden]]. Auch "''das Tachel ob der Wege'' wurde mit Kupfer gedeckt und das Schrannen- und das Waaghaus wurden bemalt (wie, ist heute nicht mehr bekannt, nur so viel, dass das von zwei wilden Männer gehaltene [[Wappen der Stadt Salzburg|Stadtwappen]] zu sehen war). | |||
In der "Stadttrinkstube" wurden die offiziellen Tafeln des Stadtrates abgehalten, es wurden die Bürgeraufnahmen und die Jahrestage der Zünfte gefeiert, akademische Akte fanden hier ihren Ausklang und Theateraufführungen fanden statt | |||
=== Der Brand 1635 brachte größere Veränderungen mit sich === | |||
Wahrscheinlich in der ersten Hälfte des März [[1635]] war ein Brand im Haus ausgebrochen und es musste vorübergehend gesperrt werden. Da beschloss der Stadtrat, die Stadtwaage ins gegenüberliegende Schranneghaus zu verlegen und nur mehr die Stadttrinkstube herzurichten. | |||
Bei dieser Gelegenheit wurde auch der [[Pranger]], der sich vor der Trinkstube befunden hatte weiter in den Platz gegen den [[St. Michaelsbrunnen]] hin verlegt. Die an der Trinksbube angebauten Tucherschererläden wurden mit der Bewilligung von [[Äbte der Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Abt]] des [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Erzstifts St. Peter]], [[Albert III. Keuslin]], an die Wand der [[St. Michaelskirche]] verlegt. | |||
Nach einer Stadtratssitzung am [[24. März]] [[1638]] erhielt dann das Gebäude sein heutiges Aussehen, wurde innen prächtig ausgestaltet und erhielt eine [[Fassadenmalerei]]. Der Name des Meisters der Trinkstubenfresken ist nicht bekannt. Mit der Frühjahrs-Ruperti-[[Dult]] am [[27. März]] [[1639]] konnte der Pächter der Trinkstube Baltasar Eizenberger den Betrieb wieder öffnen. | |||
Durch die Neugestaltung wurde der mittlerweile zum Gasthof gewordenen Betrieb wohl zum Gasthof ersten Ranges in der Stadt Salzburg. Schon [[Matthäus Merian]] lobte den Standard der "Stadttrinkstube", die bis Ende des [[18. Jahrhundert]]s der "erste Gasthof der Stadt" blieb. Im [[19. Jahrhundert]] war hier das [[Hotel Erzherzog Karl]], zu dessen Gäste Kaiserin [[Elisabeth von Österreich]], der deutsche Kaiser [[Wilhelm I.]] und Fürst [[Otto von Bismarck|Bismarck]] zählten. Das Hotel verfügte über eine Säulenhalle im zweiten Stock. | |||
Auch [[Karl Baedeker]] schrieb "''Und ist Gemainer Statt Trinkstuben wohl zu sehen, allda wegen der schönen Zimmer auch ein Römischer Kayser logieren könne; darum auch alles gar schön und wol angeordnet ist. Daher auch daselbst die durchrysende vornehme Herren auch andere Personen ihre Einkehr zu nehmen pflegen.''" | |||
Im [[20. Jahrhundert]] zogen auf der Hausseite zum Waagplatz Geschäfte ein. [[2007]] wurde es von [[Helga Rabl-Stadler]] an den Geschäftsmann [[Haythem Al Wazzan]] verkauft. Dieser eröffnetet am [[8. Dezember]] [[2010]] nach Renovierung des Hauses eine Filiale des ihm gehörenden [[Jeans only]]-Geschäfts | |||
Die [[Allgemeine Versicherungsaktien Gesellschaft Salzburg]] befand sich einst ebenfalls in diesem Gebäude. Daran erinnert heute noch die Fassade, die [[1928]] vom Salzburger Künstler [[Karl Reisenbichler]] und seinen Mitarbeitern R. Brandstätter, [[Albin Müller-Rundegg]] und F. Pichler geschaffen wurde. | Die [[Allgemeine Versicherungsaktien Gesellschaft Salzburg]] befand sich einst ebenfalls in diesem Gebäude. Daran erinnert heute noch die Fassade, die [[1928]] vom Salzburger Künstler [[Karl Reisenbichler]] und seinen Mitarbeitern R. Brandstätter, [[Albin Müller-Rundegg]] und F. Pichler geschaffen wurde. | ||
== Quellen == | == Quellen == | ||
* [http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19200101&seite=10&zoom=33&query=%22Keutzlturm%22&ref=anno-search ANNO], [[Salzburger Volksblatt]], Ausgabe vom 1. Jänner 1920, Seite 10: [[Franz Martin]]: ''Die alte "Stadttrinkstube"'' | |||
* [[Salzburger Nachrichten]], 10. Dezember 2010 | * [[Salzburger Nachrichten]], 10. Dezember 2010 | ||
* Inschrift an der Fassade | * Inschrift an der Fassade | ||
== Fußnote == | |||
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[[Kategorie:Gebäude Stadt Salzburg]] | [[Kategorie:Gebäude Stadt Salzburg]] | ||
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[[Kategorie:Unternehmen (Geschichte)]] | |||
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[[Kategorie:Gastronomie]] | |||
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[[Kategorie:historische Gaststätte]] | |||