Hagenauer - der Wiener Zweig: Unterschied zwischen den Versionen
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Im biedermeierlichen Linz bestand das gesellschaftliche Umfeld der beiden Cousins Johann Wolfgang und Franz de Paula von Hagenauer nun hauptsächlich aus hohen Beamten und deren Familien, Mitgliedern des Klerus (wie der Benediktiner Michael Leopold Enk von der Burg), sowie Künstlern. Zu den Beamtenfamilien gehörten unter anderem die Ritter von Spaun, die [[Karl Maria Enk von der Burg|Enk von der Burg]], die Schloßgängl von Edlenbach, die Steyrer von Riedenburg, die Grafen [[Carl Graf Chorinsky|Chorinsky]] oder die Freiherrn von Vogelsang. Mit ihnen waren die Hagenauer meist nicht nur verwandt oder verschwägert, sondern oft auch beruflichen verbunden. Am stärksten aber verband diese Familien ihre starke Religiosität und die Frömmigkeit im Glauben, sowie ihre Leidenschaft zur Kunst. Die Hagenauer Cousins waren ja in Passau und Salzburg in der beeindruckenden Welt von Kirchenfürsten, hohen Geistlichen und herausragenden Künstlern (Musikern, Bildhauern, Architekten und Malern) aufgewachsen. Nun waren auch in den Linzer Salons, bei Konzertabenden oder bei den sogenannten "Landpartien" dieser Familien häufig Künstler geladen. Einige dieser Künstler wurden von den Familien gefördert, mit manchen verband sie auch eine lebenslange Freundschaft. Der heute Bekannteste war sicherlich der Komponist [[Franz Schubert]]. Aber auch die Maler Moritz von Schwindt (der Trauzeuge bei einer Hagenauer-Hochzeit wurde) und Leopold Kuppelwieser, die Schriftsteller [[Adalbert-Stifter-Straße|Adalbert Stifter]] (der Hauslehrer der Hagenauer-Kinder wurde), Franz Grillparzer und Eduard von Bauernfeld, oder die Dichter Freiherr Ernst von Feuchtersleben sowie Franz von Schober (und einige mehr) gehörten zum engeren Kreis der Familien. Die Kinder des Registraturs-Direktors Franz de Paula II., Franz de Paula III. (1824 - 1885), Eugen (1825 - 1880), Julius (1826 - 1879) und Helena (*1835), wurden von dem Schriftsteller und Maler Adalbert Stifter unterrichtet. Dennoch wurden alle drei Brüder wie ihr Vater Jurist und blieben vorerst als Beamte in Linz. Nur der älteste Sohn Franz de Paula (III.), sowie dessen Neffe Arnold II. (Sohn des Julius), sollten später nach Wien übersiedeln. | Im biedermeierlichen Linz bestand das gesellschaftliche Umfeld der beiden Cousins Johann Wolfgang und Franz de Paula von Hagenauer nun hauptsächlich aus hohen Beamten und deren Familien, Mitgliedern des Klerus (wie der Benediktiner Michael Leopold Enk von der Burg), sowie Künstlern. Zu den Beamtenfamilien gehörten unter anderem die Ritter von Spaun, die [[Karl Maria Enk von der Burg|Enk von der Burg]], die Schloßgängl von Edlenbach, die Steyrer von Riedenburg, die Grafen [[Carl Graf Chorinsky|Chorinsky]] oder die Freiherrn von Vogelsang. Mit ihnen waren die Hagenauer meist nicht nur verwandt oder verschwägert, sondern oft auch beruflichen verbunden. Am stärksten aber verband diese Familien ihre starke Religiosität und die Frömmigkeit im Glauben, sowie ihre Leidenschaft zur Kunst. Die Hagenauer Cousins waren ja in Passau und Salzburg in der beeindruckenden Welt von Kirchenfürsten, hohen Geistlichen und herausragenden Künstlern (Musikern, Bildhauern, Architekten und Malern) aufgewachsen. Nun waren auch in den Linzer Salons, bei Konzertabenden oder bei den sogenannten "Landpartien" dieser Familien häufig Künstler geladen. Einige dieser Künstler wurden von den Familien gefördert, mit manchen verband sie auch eine lebenslange Freundschaft. Der heute Bekannteste war sicherlich der Komponist [[Franz Schubert]]. Aber auch die Maler Moritz von Schwindt (der Trauzeuge bei einer Hagenauer-Hochzeit wurde) und Leopold Kuppelwieser, die Schriftsteller [[Adalbert-Stifter-Straße|Adalbert Stifter]] (der Hauslehrer der Hagenauer-Kinder wurde), Franz Grillparzer und Eduard von Bauernfeld, oder die Dichter Freiherr Ernst von Feuchtersleben sowie Franz von Schober (und einige mehr) gehörten zum engeren Kreis der Familien. Die Kinder des Registraturs-Direktors Franz de Paula II., Franz de Paula III. (1824 - 1885), Eugen (1825 - 1880), Julius (1826 - 1879) und Helena (*1835), wurden von dem Schriftsteller und Maler Adalbert Stifter unterrichtet. Dennoch wurden alle drei Brüder wie ihr Vater Jurist und blieben vorerst als Beamte in Linz. Nur der älteste Sohn Franz de Paula (III.), sowie dessen Neffe Arnold II. (Sohn des Julius), sollten später nach Wien übersiedeln. | ||
Die jüngste Tochter des Franz (II.) von Hagenauer, Helena von Hagenauer, hatte 1852 Major Karl Elßler geheiratet. Karl war der Sohn von Johann Florian Elßler, Faktotum und Leib-Kopist von Joseph Haydn bis zu dessen Tod 1809. Die bekannten Geschwister von Major Elßler waren Johann Elßler, Chordirektor an der Berliner Oper, sowie die damals berühmtesten Tänzerinnen des 19. Jahrhunderts, Therese und Franziska (Fanny) Elßler. Therese war in morganatischer Ehe mit Prinz Adalbert von Preußen als Freifrau von Barnim verheiratet (Sohn Adalbert Freiherr von Barnim). Fanny Elßler hatte aus einer Verbindung mit Leopold von Neapel-Sizilien, Prinz von Salerno und Sohn des Königs Ferdinand IV. von Neapel einen Sohn. Dieser Sohn Franz wuchs in Eisenstadt auf und nahm sich 1873 das Leben. | Die jüngste Tochter des Franz (II.) von Hagenauer, Helena von Hagenauer, hatte 1852 Major Karl Elßler geheiratet. Karl war der Sohn von Johann Florian Elßler, Faktotum und Leib-Kopist von Joseph Haydn bis zu dessen Tod 1809. Die bekannten Geschwister von Major Elßler waren Johann Elßler, Chordirektor an der Berliner Oper, sowie die damals berühmtesten Tänzerinnen des 19. Jahrhunderts, Therese und Franziska (Fanny) Elßler. Therese war in morganatischer Ehe mit Prinz Adalbert von Preußen als Freifrau von Barnim verheiratet (Sohn Adalbert Freiherr von Barnim). Fanny Elßler hatte aus einer Verbindung mit Leopold von Neapel-Sizilien, Prinz von Salerno und Sohn des Königs Ferdinand IV. von Neapel einen Sohn. Dieser Sohn Franz wuchs in Eisenstadt auf und nahm sich 1873 das Leben. Aus einer Verbindung mit ihrem Jugendfreund Anton Stuhlmüller hatte Fanny Elßler auch eine Tochter namens Therese, die den Truchsess und Rittmeister Victor Weber Edler von Webenau heiraten sollte. | ||
Nachdem die Hagenauer ihr Landgut mit der [[Burg Radeck]] (Salzburg) aufgegeben hatten, verbrachten sie die Sommer nun auf Schloss Klaus in Kirchdorf (Oberösterreich), wo sie ebenfalls eine Jagd hatten. Später sollte auf Schloss Klaus auch der älteste Sohn von Franz de Paula (III.) auf die Welt kommen, Simon II.. Er wurde nach dem Großvater seiner Mutter, Simon Thaddäus Ritter von Spaun, benannt. Die Hagenauer standen in regem Kontakt mit der Familie Spaun (Förderer Franz Schuberts), die [[1848]] in Traunkirchen (OÖ) das ehemalige Landrichterhaus erworben hatten. Diese sich heute noch im Besitz der Nachkommen (Freiherren von Spaun und Freiherren von Cornaro) befindliche "Villa Spaun" am Traunsee wurde als Gedenkstätte für Franz Schubert und später auch Arnold Schoenberg bekannt. Im Jahr [[1851]] hatte Franz de Paula (III.) von Hagenauer die Edle Marie von Spaun (Tochter des Anton Ritter von Spaun und der Henriette Freiin von Vogelsang) in Traunkirchen geheiratet. | Nachdem die Hagenauer ihr Landgut mit der [[Burg Radeck]] (Salzburg) aufgegeben hatten, verbrachten sie die Sommer nun auf Schloss Klaus in Kirchdorf (Oberösterreich), wo sie ebenfalls eine Jagd hatten. Später sollte auf Schloss Klaus auch der älteste Sohn von Franz de Paula (III.) auf die Welt kommen, Simon II.. Er wurde nach dem Großvater seiner Mutter, Simon Thaddäus Ritter von Spaun, benannt. Die Hagenauer standen in regem Kontakt mit der Familie Spaun (Förderer Franz Schuberts), die [[1848]] in Traunkirchen (OÖ) das ehemalige Landrichterhaus erworben hatten. Diese sich heute noch im Besitz der Nachkommen (Freiherren von Spaun und Freiherren von Cornaro) befindliche "Villa Spaun" am Traunsee wurde als Gedenkstätte für Franz Schubert und später auch Arnold Schoenberg bekannt. Im Jahr [[1851]] hatte Franz de Paula (III.) von Hagenauer die Edle Marie von Spaun (Tochter des Anton Ritter von Spaun und der Henriette Freiin von Vogelsang) in Traunkirchen geheiratet. | ||