Archiv der Erzdiözese Salzburg: Unterschied zwischen den Versionen
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Es verwahrt die Registraturen des Konsistoriums im ehemaligen [[Erzbischof als Landesherr oder Grundherr#Erzstift|Erzstift]] und der Ämter des erzbischöflichen Ordinariates seit der [[Säkularisation]] | Es verwahrt die Registraturen des Konsistoriums im ehemaligen [[Erzbischof als Landesherr oder Grundherr#Erzstift|Erzstift]] und der Ämter des erzbischöflichen Ordinariates seit der [[Säkularisation]]. Die Bestände reichen zurück bis ins [[12. Jahrhundert]], aber auch die Neuerscheinungen werden erschlossen. Betreut werden ca. 220 [[Pfarren der Erzdiözese Salzburg|Pfarren]] und [[Seelsorgestellen]] der [[Erzdiözese Salzburg]], womit die Funktion eines Diözesanarchivs erfüllt wird. Das Archiv unterliegt dem Leitbild des Verbandes der österreichischen Archivarinnen und Archivare, welches im Mai [[1999]] in Klagenfurt beschlossen wurde. | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Das erste Archiv der Salzburger Erzbischöfe verwahrte die wichtigsten Dokumente (Urkunden, Konzepte, Kopialbücher usw) gemeinsam mit dem Kirchenschatz in der erzbischöflichen Kammer | Das erste Archiv der Salzburger Erzbischöfe verwahrte die wichtigsten Dokumente (Urkunden, Konzepte, Kopialbücher usw.) gemeinsam mit dem Kirchenschatz in der erzbischöflichen Kammer. Bezeichnet wurde es als "Geheimarchiv" oder auch "Hauptarchiv". Seit dem [[14. Jahrhundert]] leitete es ein sogenannter Kammermeister. Nach bescheidenen Anfängen wurde es erst nach den [[Salzburger Bauernaufstände und -kriege|Bauernkriegen]] [[1525]] (in denen viele wertvolle Bestände zerstört wurden) geordnet und wurden die ersten Findbücher angelegt. Die staatlichen, geistlichen und wirtschaftlichen Schriftgüter wurden seit damals getrennt aufbewahrt. | ||
Seit dem [[Mittelalter]] befand sich das Archiv in der [[Alte Residenz|Alten Residenz]], im [[17. Jahrhundert]] wechselte es in den [[Neue Residenz|Residenz-Neubau]]. Damals wurde es von zwei [[Hofrat|Hofräten]] nebenamtlich betreut. Später übernahm es der Registrator der Hofkanzlei. | |||
Ab [[1756]] beschäftigte man eigene "Geheime Archivare". | |||
Nach der Errichtung der Zentralbehörden (Hofrat, [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#H|Hofkammer]], Kriegsrat, Konsistorium) an der Wende zum [[17. Jahrhundert]] unterstand dieses Archiv der Hofkanzlei. Im Laufe der nächsten Jahrhunderte formten sich so umfangreiche Bestände. Neben dem "Haupt- oder Altarchiv" entstanden aber auch Teilregistraturen und -archive einzelner Oberbehörden (Hofrat, Lehenstube, [[Domkapitel]]), die sich separat davon entwickelten. | Nach der Errichtung der Zentralbehörden (Hofrat, [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#H|Hofkammer]], Kriegsrat, Konsistorium) an der Wende zum [[17. Jahrhundert]] unterstand dieses Archiv der Hofkanzlei. Im Laufe der nächsten Jahrhunderte formten sich so umfangreiche Bestände. Neben dem "Haupt- oder Altarchiv" entstanden aber auch Teilregistraturen und -archive einzelner Oberbehörden (Hofrat, Lehenstube, [[Domkapitel]]), die sich separat davon entwickelten. | ||
Es bildete sich daneben auch die "Geheime Registratur", die die laufenden Amtsgeschäfte der [[Erzbischöfe]] abzuwickeln hatte. Sie wurde allmählich zu einem zweiten Archiv, da es nur zu wenigen Aktenabgaben kam. Nach der Abtretung des Wiener Neustädter Distrikts im Jahre [[1782]] und der Errichtung je zweier Bistümer in der Steiermark und in Kärnten kam es zu den ersten Archivalienabgaben aus dem Hauptarchiv an die dortigen Behörden. | Es bildete sich daneben auch die "Geheime Registratur", die die laufenden Amtsgeschäfte der [[Erzbischöfe]] abzuwickeln hatte. Sie wurde allmählich zu einem zweiten Archiv, da es nur zu wenigen Aktenabgaben kam. Nach der Abtretung des Wiener Neustädter Distrikts im Jahre [[1782]] und der Errichtung je zweier Bistümer in der [[Steiermark]] und in [[Kärnten]] kam es zu den ersten Archivalienabgaben aus dem Hauptarchiv an die dortigen Behörden. | ||
[[1791]] wurden die vorhandenen Archivalien im Rahmen einer kompletten Neuordnung in vier Hauptgruppen erschlossen und repertorisiert: | [[1791]] wurden die vorhandenen Archivalien im Rahmen einer kompletten Neuordnung in vier Hauptgruppen erschlossen und repertorisiert: | ||
* ''Archiepiscopatus | * ''Archiepiscopatus Salisburgensis et Metropolitica'' | ||
* ''Episcopatus seu Dioecesis Salisburgensis'' | * ''Episcopatus seu Dioecesis Salisburgensis'' | ||
* ''Extranea'' | * ''Extranea'' | ||
* ''Miscellanea'' | * ''Miscellanea'' | ||
Durch [[Koalitionskriege (Überblick)|Krieg]] und der Säkularisation des Erzstifts im Jahr [[1803]] war die Ordnung nicht lange von Dauer. Verluste blieben nicht aus. Die Zeit des [[Kurfürstentum Salzburg|Kurfürstentums Salzburg]] ([[1803]]–[[1805]]) brachte nicht nur einen Zuwachs an Aktenmaterial durch die territoriale Erweiterung des Landes ([[Fürstpropstei Berchtesgaden]], [[Eichstätt]]), sondern führte auch zu einer Trennung der geistlichen und weltlichen Bestände, wobei letztere an die oberste Justizbehörde abgegeben wurden. | Durch [[Koalitionskriege (Überblick)|Krieg]] und der Säkularisation des [[Erzstift Salzburg|Erzstifts]] im Jahr [[1803]] war die Ordnung nicht lange von Dauer. Verluste blieben nicht aus. Die Zeit des [[Kurfürstentum Salzburg|Kurfürstentums Salzburg]] ([[1803]]–[[1805]]) brachte nicht nur einen Zuwachs an Aktenmaterial durch die territoriale Erweiterung des Landes ([[Fürstpropstei Berchtesgaden]], [[Eichstätt]]), sondern führte auch zu einer Trennung der geistlichen und weltlichen Bestände, wobei letztere an die oberste Justizbehörde abgegeben wurden. | ||
==== 19. und 20. Jahrhundert ==== | ==== 19. und 20. Jahrhundert ==== | ||
Die wechselnde Eingliederung Salzburgs in die Habsburgermonarchie und in das [[Königreich Bayern]] hatte den Verlust von Teilen des erzbischöflichen Archivs zur Folge. Die ältesten Urkunden und Codices und ein Großteil des | Die wechselnde Eingliederung Salzburgs in die Habsburgermonarchie und in das [[Königreich Bayern]] hatte den Verlust von Teilen des erzbischöflichen Archivs zur Folge. Die ältesten Urkunden und Codices und ein Großteil des [[Salzburger Domkapitel|domkapitlischen]] Schriftguts wurden nach [[Wien]] und nach [[München]] gebracht. | ||
Die Aktenauslieferungen waren auch mit der Abtretung des ehemals | Die Aktenauslieferungen waren auch mit der Abtretung des ehemals salzburgischen [[Rupertiwinkel]]s an Bayern verbunden. Auch als Salzburg endgültig zum [[Kaisertum Österreich]] kam, bedeutete es für das Archivwesen zunächst keine besondere Veränderung. Der Rest an Archivgut, mit überwiegend geistlichem Inhalt, wurde durch den Zuwachs an Akten der diözesanen Ämter laufend ergänzt. Das Archiv war im erzbischöflichen Palais untergebracht. Aufgrund des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieges]] kam es zu häufigen Auslagerungen im Gebiet von Stadt und Land Salzburg. Dadurch hielten sich die Schäden in Grenzen, lediglich durch die [[Bomben auf Salzburg|Bombardierung]] des Salzburger [[Dom]]es im Jahr [[1944]] und unsachgemäße Lagerung des Archivguts waren Verluste zu beklagen. | ||
Von [[1955]] bis [[1968]] kam es zu einer Rückführung und Neuverzeichnung der Bestände. Die Bestände wurden als unverschachtelte Bündel in 24 Kästen mit je 108 Fächern einer Kompaktanlage untergebracht. Sie wurden nach Sachbetreffen geordnet und durch | Von [[1955]] bis [[1968]] kam es zu einer Rückführung und Neuverzeichnung der Bestände. Die Bestände wurden als unverschachtelte Bündel in 24 Kästen mit je 108 Fächern einer Kompaktanlage untergebracht. Sie wurden nach Sachbetreffen geordnet und durch einen Findbehelf in Form von Karteikarten erschlossen. | ||
Spätere Archivalienzuwächse wurden in mehreren Außendepots verwahrt. | Spätere Archivalienzuwächse wurden in mehreren Außendepots verwahrt. | ||
==== 21. Jahrhundert ==== | ==== 21. Jahrhundert ==== | ||
In den [[1990er]]-Jahren kam die Idee auf, den ehemaligen Kornspeicher des Domkapitels aus dem [[17. Jahrhundert]] als "Kulturspeicher" zu adaptieren. Nach Jahren der Bauplanungen und | In den [[1990er]]-Jahren kam die Idee auf, den ehemaligen Kornspeicher des Domkapitels aus dem [[17. Jahrhundert]] als "Kulturspeicher" zu adaptieren. Nach Jahren der Bauplanungen und ‑verhandlungen kam es am [[2. September]] [[2003]] zur Grundsteinlegung. | ||
Im Herbst [[2005]] konnte das Gebäude, das von Architekt Flavio Thonet geplant | Im Herbst [[2005]] konnte das Gebäude, das von Architekt Flavio Thonet geplant worden war, seiner Bestimmung übergeben werden. Am [[12. Mai]] [[2006]] fand die feierliche Eröffnung und Weihe durch Erzbischof Dr. [[Alois Kothgasser]] statt. Das Archiv wurde nach der so genannten "Ein-Haus-Lösung" gestaltet, d. h. alle erforderlichen Funktionsbereiche sind unter einem Dach. Es stehen fünf Magazine auf drei Stockwerken mit einer Fläche von 2 000 m² für die dauerhafte Lagerung von 9 600 Laufmetern Schriftgut zu Verfügung. Der Archivleiter heißt Dr. [[Thomas Mitterecker]]. | ||
== Archivare == | == Archivare == | ||