Salzbergbahn Hallein: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei:Salzbergbahn Hallein Risch-Lau.jpg|thumb|Eine Gondel der Salzbergbahn in den [[1950er]]- oder [[1960er]]-Jahren.]] | [[Datei:Salzbergbahn Hallein Risch-Lau.jpg|thumb|Eine Gondel der Salzbergbahn in den [[1950er]]- oder [[1960er]]-Jahren.]] | ||
Die '''Salzbergbahn Hallein''' | Die '''Salzbergbahn Hallein''' führte in der [[Tennengau]]er Bezirkshauptstadt [[Hallein]] auf den [[Dürrnberg (Hallein)|Dürrnberg]] und war vom [[22. August]] [[1952]] bis [[29. September]] [[2001]] in Betrieb. | ||
== Geschichte == | == Geschichte == | ||
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Die Talstation befand sich am Rande des Stadtzentrums von Hallein, neben der heutigen [[Salzberghalle]]. Von dort führte sie hinauf nach [[Bad Dürrnberg]]. Sie war im Besitz der [[Salzbergbahn Hallein GesmbH]]. Die Salzbergbahn Hallein hatte in ihrer Grundfunktion die Aufgabe eines öffentlichen Verkehrsmittels, das Bad Dürrnberg mit dem dem Tal verband. Denn sie war bis zur Eröffnung der Straße in den [[1980er]]-Jahren eine wichtige Verkehrsverbindung. Nach der Eröffnung der [[L 256 Dürrnberg Landesstraße]] verlor die Seilbahn jedoch ihre Bedeutung als öffentliches Verkehrsmittel und der Betrieb wurde eingestellt. | Die Talstation befand sich am Rande des Stadtzentrums von Hallein, neben der heutigen [[Salzberghalle]]. Von dort führte sie hinauf nach [[Bad Dürrnberg]]. Sie war im Besitz der [[Salzbergbahn Hallein GesmbH]]. Die Salzbergbahn Hallein hatte in ihrer Grundfunktion die Aufgabe eines öffentlichen Verkehrsmittels, das Bad Dürrnberg mit dem dem Tal verband. Denn sie war bis zur Eröffnung der Straße in den [[1980er]]-Jahren eine wichtige Verkehrsverbindung. Nach der Eröffnung der [[L 256 Dürrnberg Landesstraße]] verlor die Seilbahn jedoch ihre Bedeutung als öffentliches Verkehrsmittel und der Betrieb wurde eingestellt. | ||
In den [[1990er]]-Jahren wurden | In den [[1990er]]-Jahren wurden jährlich rund 180 000 Fahrten gezählt und die Seilbahn warf noch rund eine Million [[Schilling]] pro Jahr an Gewinn ab. Die Stromkosten betrugen jährlich rund öS 80.000,--. Die Betreibergesellschaft, die Salzbergbahn GesmbH, war zu 100 Prozent im Besitz der [[Stadtgemeinde Hallein]].<ref>[https://www.sn.at/archivsn?img=MwPSRe3%2BXaduhxYCVChMbPRQkUaU%2BAdzbrPyHtYlk%2FvwgoD3tsQP6LZbSZwSynGgn3bF656VAS2itwtU7U6ru5H2I7u4w%2Bs0SSHCVjvPoy%2BpgiioZN1YuP66Oz7KY0uG&id1=19940712_14&q=Salzbergbahn%2520#slide14 www.sn.at], Archiv der [[Salzburger Nachrichten]], Ausgabe vom 12. Juli 1994</ref> | ||
Nach 49 Jahren fuhr | Nach 49 Jahren fuhr sie am 29. September 2001 zum letzten Mal von Hallein zur Bergstation Bad Dürrnberg.<ref>Die Quelle [http://www.meinbezirk.at/hallein/leute/da-kommen-bei-trude-fallwickl-jugenderinnerungen-auf-wenn-sie-am-tourengeher-parkplatz-bei-den-zinkenliften-in-der-alten-gondel-der-salzbergbahn-platz-nimmt-nach-49-jahren-fuhr-am-30-september-2001-die-bahn-zum-letzten-mal-von-hallein-zur-bergstation-bad-duerrnberg-und-ueberwand-bei-einer-laenge-von-1550-metern-349-hoehenmeter-m3704237,472564.html www.meinbezirk.at] nennt als letzten Betriebstag den 30. September 2001</ref> | ||
==== Seilbahnunglück 1965 ==== | ==== Seilbahnunglück 1965 ==== | ||
Am Freitag, dem [[19. März]] [[1965]] ereignete sich ein schweres Seilbahnunglück. Um 20:30 Uhr rollte bei der letzten Bergfahrt eine Gondel zurück und riss zwei weitere Gondeln mit sich. Durch den Zusammenprall wurde eine Person getötet, zehn andere, zum Teil schwer, verletzt.<ref | Am Freitag, dem [[19. März]] [[1965]] ereignete sich ein schweres Seilbahnunglück. Um 20:30 Uhr rollte bei der letzten Bergfahrt eine Gondel zurück und riss zwei weitere Gondeln mit sich. Durch den Zusammenprall wurde eine Person getötet, zehn andere, zum Teil schwer, verletzt.<ref name="SN1965"/> | ||
Die Gondeln waren mit je vier Personen besetzt und waren im Abstand von je 140 Metern unterwegs. Als die erste Gondel den ersten Stützmast passierte, begann sie rückwärts zu rollen. Augenzeugen berichteten von einem grellroten Feuerschein, der durch die Reibung entstand. Nachdem die erste Gondel die | Die Gondeln waren mit je vier Personen besetzt und waren im Abstand von je 140 Metern unterwegs. Als die erste Gondel den ersten Stützmast passierte, begann sie rückwärts zu rollen. Augenzeugen berichteten von einem grellroten Feuerschein, der durch die Reibung entstand. Nachdem die erste Gondel die nachfolgende gerammt hatte, traf diese auf die dritte und schleuderte diese in die Bergstation zurück. Die Seilbahn war zwar durch eine automatische Notschaltung zum Stillstand gekommen, dies konnte aber das Ausmaß des Unglücks nicht mehr verhindern oder beeinflussen. Die Rettungskräfte durchkämmten sofort das Gelände und fanden auch einen schwerverletzten Fahrgast, der aus der Gondel gesprungen war. | ||
Nachdem [[Bürgermeister der Stadt Hallein|Bürgermeister]] [[Josef Brandauer|Brandauer]], [[Vizebürgermeister]] Holztrattner und Stadtrat Viertbauer schon bald am Unglücksort erschienen | Nachdem [[Bürgermeister der Stadt Hallein|Bürgermeister]] [[Josef Brandauer|Brandauer]], [[Vizebürgermeister]] [[Kurt Holztrattner|Holztrattner]] und Stadtrat Viertbauer schon bald am Unglücksort erschienen waren, traf gegen Mitternacht auch [[Landeshauptmann]] Dr. [[Hans Lechner]] ein. Bereits um 04 Uhr Früh trafen die Mitglieder einer Untersuchungskommission des Verkehrsministeriums aus Wien ein. | ||
In einer offiziellen Stellungnahme hieß es, dass das Unglück vermutlich auf unzureichende Wirkung des die Verbindung mit dem Zugseil herstellenden Klemmapparats des ersten verunglückten Seilbahnwagens zurückzuführen war. Bei dem Todesopfer handelte es sich um die 29jährige Professorengattin Erna Scheichl, deren Mann Dr. [[Walter Scheichl]] schwerverletzt das Unglück überlebte.<ref>[https://www.sn.at/archivsn?img=R5zqBhQESzsyHErVig4YNKvrX%2Bs%2B%2FFCSdjSKbb7ABhhl0ZaMK5UCHsgJnoekd7d%2BnrXgTlhHnruPfWyvyrLGvcOHsSzozFdylS3qmZXeMkXrpD0%2FqdOlIyQmItU4CeCE&id1=19650320_04&q=%2522Seilbahnungl%25C3%25BCck%2520auf%2520dem%2520D%25C3%25BCrrnberg%2522#slide5 www.sn.at] Archiv SN, 20. März 1965, Seite 4</ref> | In einer offiziellen Stellungnahme hieß es, dass das Unglück vermutlich auf unzureichende Wirkung des die Verbindung mit dem Zugseil herstellenden Klemmapparats des ersten verunglückten Seilbahnwagens zurückzuführen war. Bei dem Todesopfer handelte es sich um die 29jährige Professorengattin Erna Scheichl, deren Mann Dr. [[Walter Scheichl]] schwerverletzt das Unglück überlebte.<ref name="SN1965">[https://www.sn.at/archivsn?img=R5zqBhQESzsyHErVig4YNKvrX%2Bs%2B%2FFCSdjSKbb7ABhhl0ZaMK5UCHsgJnoekd7d%2BnrXgTlhHnruPfWyvyrLGvcOHsSzozFdylS3qmZXeMkXrpD0%2FqdOlIyQmItU4CeCE&id1=19650320_04&q=%2522Seilbahnungl%25C3%25BCck%2520auf%2520dem%2520D%25C3%25BCrrnberg%2522#slide5 www.sn.at] Archiv SN, 20. März 1965, Seite 4</ref> | ||
Doch die Untersuchungskommission kam zu einem überraschenden Ergebnis. Messungen zeigten, dass die Klemmvorrichtung der Unglücksgondel nach dem Unglück nicht nur einwandfrei funktionierte, sondern eine weit über die Vorschriften hinausgehende Klemmkraft besaß. Die Untersuchungen wurden fortgesetzt.<ref | Doch die Untersuchungskommission kam zu einem überraschenden Ergebnis. Messungen zeigten, dass die Klemmvorrichtung der Unglücksgondel nach dem Unglück nicht nur einwandfrei funktionierte, sondern eine weit über die Vorschriften hinausgehende Klemmkraft besaß. Die Untersuchungen wurden fortgesetzt.<ref name="SN1965"/> | ||
Die "Wiener Städtische Versicherungsanstalt" und die [[Stadtgemeinde Hallein]] stellten je 50.000,-- [[Schilling]] als Schmerzensgeld zur Verfügung. Im Jänner [[1966]] wurde immer noch über die Verteilung gestritten.<ref>[https://www.sn.at/archivsn?img=NBwwlbvN9m1PX%2FMwzGbOhoGbF97VJm3lcwkiCGc9zbc8yX%2BRghTdf9KZf65OY6xFzRbtjEA8sOCSA5GrZFZpv6s7BjgEy%2BnYjj5a1HSsp7HzNGQXzByAxXiWZoz2FAej&id1=19660115_07&q=%2522Gasteiner%2520Bergbahnen%2520AG%2522#slide7 www.sn.at], Archiv SN, 15. Jänner 1966, Seite 7</ref> | Die "Wiener Städtische Versicherungsanstalt" und die [[Stadtgemeinde Hallein]] stellten je 50.000,-- [[Schilling]] als Schmerzensgeld zur Verfügung. Im Jänner [[1966]] wurde immer noch über die Verteilung gestritten.<ref>[https://www.sn.at/archivsn?img=NBwwlbvN9m1PX%2FMwzGbOhoGbF97VJm3lcwkiCGc9zbc8yX%2BRghTdf9KZf65OY6xFzRbtjEA8sOCSA5GrZFZpv6s7BjgEy%2BnYjj5a1HSsp7HzNGQXzByAxXiWZoz2FAej&id1=19660115_07&q=%2522Gasteiner%2520Bergbahnen%2520AG%2522#slide7 www.sn.at], Archiv SN, 15. Jänner 1966, Seite 7</ref> | ||
==Technik und Daten== | ==Technik und Daten== | ||
Die Salzbergbahn Hallein war eine [[Aufstiegshilfen#Technik|Umlauf-Kabinenbahn]] nach dem System ''Girak' und wurde von einem Elektromotor angetrieben, der sich in der Bergstation auf dem Dürrnberg befand. Die Gondel wurde über eine Laufschiene händisch zum Tragseil bewegt, in das sie sich mittels eines Federmechanismus wieder am Zugseil festklemmte. Eingefahren in Berg- oder Talstation lösten sich diese Klemmen wieder, wurden händisch um die Umlenkrolle geführt, die Gäste stiegen ein, die Kabine wurde wieder in das Zugseil eingeklemmt. | Die Salzbergbahn Hallein war eine [[Aufstiegshilfen#Technik|Umlauf-Kabinenbahn]] nach dem System ''Girak'' und wurde von einem Elektromotor angetrieben, der sich in der Bergstation auf dem Dürrnberg befand. Die Gondel wurde über eine Laufschiene händisch zum Tragseil bewegt, in das sie sich mittels eines Federmechanismus wieder am Zugseil festklemmte. Eingefahren in Berg- oder Talstation lösten sich diese Klemmen wieder, wurden händisch um die Umlenkrolle geführt, die Gäste stiegen ein, die Kabine wurde wieder in das Zugseil eingeklemmt. | ||
Die Seilbahn war auf ihrer schrägen Länge 1 543 Meter lang und überwand dabei einen Höhenunterschied von 348 Meter. Ihre Kapazität betrug in jede Richtung 400 Personen. | Die Seilbahn war auf ihrer schrägen Länge 1 543 Meter lang und überwand dabei einen Höhenunterschied von 348 Meter. Ihre Kapazität betrug in jede Richtung 400 Personen. | ||
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* Peter Staudacher: ''Luft-Seilbahnen im Land Salzburg, von den Anfängen bis 1970'', in der Schriftenreihe des [[Verein Freunde der Salzburger Geschichte|Vereins Freunde der Salzburger Geschichte]], Band 20, Seite 359 | * Peter Staudacher: ''Luft-Seilbahnen im Land Salzburg, von den Anfängen bis 1970'', in der Schriftenreihe des [[Verein Freunde der Salzburger Geschichte|Vereins Freunde der Salzburger Geschichte]], Band 20, Seite 359 | ||
* [https://www.dokumentationszentrum-eisenbahnforschung.org/salzbergbahnhallein Dokumentationszentrum für Europäische Eisenbahnforschung], Salzbergbahn Dürrnberg Hallein | * [https://www.dokumentationszentrum-eisenbahnforschung.org/salzbergbahnhallein Dokumentationszentrum für Europäische Eisenbahnforschung], Salzbergbahn Dürrnberg Hallein | ||
* Archiv der Salzburger | * Archiv der Salzburger Nachrichten, im Internet in [[ANNO]] freigegeben ([https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=san&datum=19520821&query=%22Wallack%22&ref=anno-search&seite=3 SN 21. August 1952, Seite 3]) | ||
== Einzelnachweise == | == Einzelnachweise == | ||