Änderungen

4.865 Bytes hinzugefügt ,  18:44, 13. Jun. 2013
erhebliche Texterweiterung
Zeile 2: Zeile 2:  
Die '''Lamprechtshöhle''', auch ''Lamprechtsofen'' genannt, befindet sich im nördlichen [[Pinzgau]] im [[Saalachtal]] und ist die tiefste Höhle Österreichs und die tiefste Durchgangshöhle<ref>[http://de.wikipedia.org/wiki/Durchgangsh%C3%B6hle Wikipedia Durchgangshöhle]</ref> Österreichs (in manchen Quellen wird sie sogar als die tiefste Durchgangshöhle der Welt bezeichnet).
 
Die '''Lamprechtshöhle''', auch ''Lamprechtsofen'' genannt, befindet sich im nördlichen [[Pinzgau]] im [[Saalachtal]] und ist die tiefste Höhle Österreichs und die tiefste Durchgangshöhle<ref>[http://de.wikipedia.org/wiki/Durchgangsh%C3%B6hle Wikipedia Durchgangshöhle]</ref> Österreichs (in manchen Quellen wird sie sogar als die tiefste Durchgangshöhle der Welt bezeichnet).
   −
==Die Höhle==
+
==Einführung==
 
Mit einer Gesamtlänge von über 50 Kilometern gehört die Lamprechtshöhle bei [[Sankt Martin bei Lofer]] zu den größten Höhlensystemen Europas. Der Eingang liegt direkt neben der Bundesstraße [[B 311]] [[Pinzgauer Straße]] zwischen Sankt Martin bei Lofer und [[Weißbach bei Lofer]] und ist schon viele Jahrhunderte bekannt.  
 
Mit einer Gesamtlänge von über 50 Kilometern gehört die Lamprechtshöhle bei [[Sankt Martin bei Lofer]] zu den größten Höhlensystemen Europas. Der Eingang liegt direkt neben der Bundesstraße [[B 311]] [[Pinzgauer Straße]] zwischen Sankt Martin bei Lofer und [[Weißbach bei Lofer]] und ist schon viele Jahrhunderte bekannt.  
   Zeile 8: Zeile 8:     
[[1993]] entdeckten polnische Höhlenforscher in 2&nbsp;178 m ü. A. den lang gesuchten zweiten Eingang. Mit einer Höhendifferenz von über 1600 m galt der Lamprechtsofen für einige Jahre auch als tiefste Höhle der Welt. Große Teile der Höhle können bei starken Niederschlägen oder Schneeschmelze komplett unter Wasser stehen. Eine sichere Befahrung ist daher nur im Winter bei strengem Frost möglich. Ein etwa 600 m langer Abschnitt mit einer Höhendifferenz von 70 m ist als Schauhöhle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.
 
[[1993]] entdeckten polnische Höhlenforscher in 2&nbsp;178 m ü. A. den lang gesuchten zweiten Eingang. Mit einer Höhendifferenz von über 1600 m galt der Lamprechtsofen für einige Jahre auch als tiefste Höhle der Welt. Große Teile der Höhle können bei starken Niederschlägen oder Schneeschmelze komplett unter Wasser stehen. Eine sichere Befahrung ist daher nur im Winter bei strengem Frost möglich. Ein etwa 600 m langer Abschnitt mit einer Höhendifferenz von 70 m ist als Schauhöhle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.
 +
==Daten und Fakten==
 +
Der untere Höhleneingang befindet sich auf 664 [[m ü. A.]]. Ihre Gesamtausdehnung von rund 47 km macht die Lamprechtsofenhöhle zu einem der größten Höhlensysteme [[Europa]]s. [[1996]] haben polnische Höhlenforscher den lang gesuchten 2. Zugang zur Höhle gefunden. Er befindet sich auf 2 296 [[m ü. A.]]. 1 632 m Höhendifferenz machen somit die Lamprechtsofenhöhle auch zur derzeit größten wasserführenden Durchgangshöhle der Welt. Der erstmalige Durchstieg erfolgte [[1992]]. Die Temperatur in der Höhle liegt das ganze Jahr über zwischen plus fünf und sieben Grad Celsius. Die gesamte Länge der erforschten Höhlenteile beträgt 2013 50,5 km.
 +
Der Schauhöhlenbereich erstreckt sich über rund 700 Meter und rund 70 Höhenmeter. Er ist gut beleuchtet und durch Betonstiegen, die mit Geländern versehen sind, erschlossen und gesichert. Im Höhleninneren befindet sich ein Warnsystem, das bei plötzlich drohendem Hochwasser aktiv wird. Bei einem Stromausfall schaltet sich ein Notstromsystem ein.
 +
==Geologie==
 +
Typisch für alle Höhlen im Bereich der [[Leoganger SteinbergeSteinberge]] ist deren starke Bindung an tektonische Strukturen. Geologisch befindet sich im Bereich des Lamprechtsofens eine Schichtgrenze zwischen Dolomitgestein und [[Dachsteinkalk]]. Letzterer überlagert in einer Stärke von 400 m das Dolomitgestein.
 +
„Die Schichtgrenze in Kombination mit der meist senkrecht dazu einfallenden Klüftung bestimmen das Raumbild und bieten die Basis für die Entstehung großer Räume wie den Passauerdom oder Lamprechtsdom, die durch die Gebirgsspannungen immer wieder eingebrochen sind und von Versturzmaterial erfüllt wurden. Im Bereich der aktiven Wasserläufe kann der Bach Teile eines Versturzes immer wieder erosiv oder korrosiv beseitigen. Der Lamprechtsofen bietet also das Bild einer außerordentlich unruhigen und durch die Wirkung der Hochwässer ständig in Veränderung begriffenen Höhle….Die Anlage der oberen Stockwerke der Lamprechtshöhle erfolgte schon vor ca. 12 Mio. Jahren, sie können mit der Talgeschichte des Flusslaufes in Verbindung gebracht werden. Die jüngsten Höhlenverläufe im Niveau des heutigen [[Saalachtal]]es haben wahrscheinlich eiszeitliches Alter (10 000 Jahre).“
 +
==Erschließung der Höhle==
 +
Bereits im [[17. Jahrhundert]] trauten sich einige Abenteurer in die Höhle, um den nach einer Sage hier versteckten Schatz des später für die Höhle namengebenden Ritter Lamprecht zu suchen. Anfang des [[18. Jahrhundert]]s wurden im Bereich der Stainerhalle 14 Skelette – wahrscheinlich von Schatzsuchern - gefunden. Sie wurden entweder vom Wasser eingeschlossen oder hatten kein Licht mehr, um den Ausgang zu finden. An den Auffindungsstellen wurden damals schwarze Kreuze an die Wand gemalt.
 +
Nach der Aufklärung und dem Siegeszug der Naturwissenschaften verloren die Menschen ihre Angst vor Geistern und der Unterwelt. Die ersten Erforscher dieses Naturdenkmals waren jedoch keine Naturwissenschaftler sondern Menschen aus der Gegend. Erste Inschriften im Hachelgang und in der Stainerhalle – [[Johann Stainer]] war Bürgermeister in Lofer und ein gegeisterter Höhlenforscher – stammen vom Beginn des [[19. Jahrhundert]]s und geben zeugnis von den damaligen Befahrungen. Stainer bemühte sich sehr um die Erforschung und Erschließung der Lamprechtsofenhöhle. [[1898]] pachtete die Sektion Passau des Deutschen Alpenvereines die Höhle von den [[Österreichische BundesforsteÖsterreichische Bundesforsten]] und baute den Lamprechtsofen mit großem Einsatz zur Schauhöhle aus. Im Juli [[1905]] konnte der Schauteil eröffnet werden und wurde die Höhle bereits im ersten Jahr von 1 200 Besuchern frequentiert. Sie kamen jedoch nicht wegen der Höhle selbst, sondern wegen der elektrischen Beleuchtung, die zu dieser Zeit noch eine Sensation war.
 +
==Bäche==
 +
Die Höhle wird von drei Bächen durchflossen. Der Steinbach, er entspringt im hinteren Teil der Höhle, der Kneipbach und der Stainerhallenbach. Bei einer Hochwassersituation können pro Sekunde mehr als 10 Kubikmeter Wasser aus dem Höhleneingang stürzen. Im Winter plätschern wenig mehr als 20 Liter pro Sekunde durch die Höhlenräume. „Die Wasserläufe folgen der Schichtgrenze zwischen Dachsteinkalk und Dolomit und ermöglichen erst dadurch die Erforschbarkeit der Höhle.“
 +
[[1904]] wurde in Vorbereitung des Kraftwerksbaues in der Höhle ein Wasserstaubecken errichtet. Die Wasser der Höhlenbäche wurden von [[1905]] bis [[1975]] gesammelt und durch eine Druckrohrleitung, deren Errichtung als echte Pionierleistung zu bewerten ist, zu einem kleinen Kraftwerk geleitet. Mittels Turbine erreichte man eine Leistung von 10 PS. Der so gewonnenen Gleichstrom (110 Volt) setzte man für die Höhlenbeleuchtung ein. Seit 1975 ist die Höhle an das öffentliche Stromnetz angeschlossen.
 +
 +
 
==Bildergalerie==
 
==Bildergalerie==
 
<gallery>
 
<gallery>
28.595

Bearbeitungen