Kobler-Spängler-Briefe von 1870: Unterschied zwischen den Versionen
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''Lieber Franz! Schon lange wollte ich Dir schreiben, und Dir für Deinen Brief danken, welchen Du mir zu meinem Namenstage schriebst, doch ich habe immer so viel zu thun, wie Du Dir bei den drei kleinen Kindern leicht denken kannst, doch die Mutter und die Kathi helfen uns viel. Wir freuen uns schon sehr, Dich zu sehen; Du wirst mit dem kleinen Otto gewiß recht viel Spaß haben, er spricht bereits alles, und wenn auch noch nicht vollkommen, so ist er doch im Stande sich stets so auszudrücken, daß man versteht was er will. Nun theile ich dir überhaupt unser Reiseprojekt mit. Wir beabsichtigen im Ganzen eine Partie von 10 Tagen zu machen, und zwar nach Innsbruck und Lietzen'' [Liezen] ''; da wir jeden Tag können so möchte ich Dich bitten uns bald thunlichst mitzutheilen, wann Du nach Salzburg zu kommen gedenkst. Wir wollen natürlich die Zeit welche Du hier bist auch hier sein. Kozarges Ernennung wirst Du natürlich von ihm selbst erfahren haben, er hat sich in seiner neuen Würde in einer vom Grafen Esterhazy ihm so geschenkten Uniform an Kaisers Geburtstag recht gut ausgenommen. Er hat nach seiner eigenen Aufschreibung 98 Abschieds Besuche zu machen und hat der Aufschreibung dieser Besuche noch die Worte beygefügt "und unzählige auf der Gasse"! / Lebe recht wohl ich freue mich sehr Dich zu sehen und bitte nochmals um baldige Antwort auf meine Frage / Deine / Dich liebende Schwägerin Luise [!]. // | ''Lieber Franz! Schon lange wollte ich Dir schreiben, und Dir für Deinen Brief danken, welchen Du mir zu meinem Namenstage schriebst, doch ich habe immer so viel zu thun, wie Du Dir bei den drei kleinen Kindern leicht denken kannst, doch die Mutter und die Kathi helfen uns viel. Wir freuen uns schon sehr, Dich zu sehen; Du wirst mit dem kleinen Otto gewiß recht viel Spaß haben, er spricht bereits alles, und wenn auch noch nicht vollkommen, so ist er doch im Stande sich stets so auszudrücken, daß man versteht was er will. Nun theile ich dir überhaupt unser Reiseprojekt mit. Wir beabsichtigen im Ganzen eine Partie von 10 Tagen zu machen, und zwar nach Innsbruck und Lietzen'' [Liezen] ''; da wir jeden Tag können so möchte ich Dich bitten uns bald thunlichst mitzutheilen, wann Du nach Salzburg zu kommen gedenkst. Wir wollen natürlich die Zeit welche Du hier bist auch hier sein. Kozarges Ernennung wirst Du natürlich von ihm selbst erfahren haben, er hat sich in seiner neuen Würde in einer vom Grafen Esterhazy ihm so geschenkten Uniform an Kaisers Geburtstag recht gut ausgenommen. Er hat nach seiner eigenen Aufschreibung 98 Abschieds Besuche zu machen und hat der Aufschreibung dieser Besuche noch die Worte beygefügt "und unzählige auf der Gasse"! / Lebe recht wohl ich freue mich sehr Dich zu sehen und bitte nochmals um baldige Antwort auf meine Frage / Deine / Dich liebende Schwägerin Luise [!]. // | ||
''Lieber Franz. Ich füge den Zeilen meiner Louise nun noch einige geschäftliche bei. Für 1 September habe ich für dich gar kein Geld; am 15. kömmt allerdings das Spänglergewölb, und hoffentlich auch eine Hammerauerausbeute'' (vgl. [[Stahlwerk Annahütte]] in Hammerau, [[Ainring]]). ''Wenn du also auf 1. Sept. kein Geld zu finden in der Lage oder Willens bist, so werde ich der Mutter das Monatgeld am 15. erst geben, und dann auch mir wieder aus dr Hammerau 8 – 10 fl [Gulden] abzalen; da ich auch das Geld brauche. Bitte also um Weisung. / Heute, Sonntag den 21. ist große Abschiedsfeier des Kozarge bei Hedwig Laufer. Wir sind geladen; vorgestern Freitag haben alle beiden Laufer, [[Sauter]] u wir in Aign'' | ''Lieber Franz. Ich füge den Zeilen meiner Louise nun noch einige geschäftliche bei. Für 1 September habe ich für dich gar kein Geld; am 15. kömmt allerdings das Spänglergewölb, und hoffentlich auch eine Hammerauerausbeute'' (vgl. [[Stahlwerk Annahütte]] in Hammerau, [[Ainring]]). ''Wenn du also auf 1. Sept. kein Geld zu finden in der Lage oder Willens bist, so werde ich der Mutter das Monatgeld am 15. erst geben, und dann auch mir wieder aus dr Hammerau 8 – 10 fl [Gulden] abzalen; da ich auch das Geld brauche. Bitte also um Weisung. / Heute, Sonntag den 21. ist große Abschiedsfeier des Kozarge bei Hedwig Laufer. Wir sind geladen; vorgestern Freitag haben alle beiden Laufer, [[Sauter]] u wir in Aign'' [ [[Aigen]], Anm.] ''soupirt; war recht heiter. Nun adieu! / Dein / treuer Bruder Otto / 21 / 8 [18]70'' | ||
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==== Brief vom 29. August 1870 an Fanni Schlegel ==== | |||
Brief an [[Franziska Spängler]] von Unbekannt; Umschlag "An Fräulein Fanny Schlegel // d. G."; ein Bogen; [?] = fraglich; XX = schwer lesbar:<br /> | |||
''29. / 8 [18]70 // Lieber blonder Stickel. [?] // Endlich wieder ein Brief von dir – auch ich freue mich immer unendlich auf die deinigen und wäre glücklich, wenn mein Wunsch Euch wiederzusehen in Erfüllung ginge. – Ich hoffe das Beste'' […] Hoffnung, wieder nach Salzburg zu kommen … sei ist zusammen mit Rosa und einem Ungenannten, der beim Militär in Wien ist … Mathilde ist in Pesth [Budapest] … die Mutter braucht Pflege … der Vater will Donnerstag nach Salzburg fahren, er nimmt dieses Schreiben mit und freut sich aus dem staubigen Wien hinauszukommen … ''Auch wir interessieren uns sehr für den Krieg, ich und die Meinigen sind gut deutsch gesinnt, wie die meisten Wiener. Wenn der Vater aus Wien kommt ist stets unsere erste Frage: "Nichts Neues vom Kriegsschauplatz?" Gott gebe nur, daß wir dann einen dauernden Frieden bekommen, damit sich Land und Leute wieder erholen können. Es muß fürchterlich sein Jemanden den man liebt auf diese Art zu verlieren. Ich mag nicht zu sehr dran denken'' […] … sie ist froh, daß sich die Großmutter wieder erholt hat … will noch an Lida schreiben … ''Sei herzlich gegrüßt von deiner dich treu und innig liebenden schwarzen UngethXX'' … | |||
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