Entnazifizierung (Saalfelden): Unterschied zwischen den Versionen

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Die Alliierten übertrugen zu Beginn des Jahres [[1946]] die Durchführung der Entnazifizierung auf die österreichische Bundesregierung – als Grundlage dafür diente das bereits erwähnte Verbotsgesetz. Nun waren ehemalige Nationalsozialisten verpflichtet, sich selbstverantwortlich zu registrieren. Auf Basis dieser Maßnahme legten die Gemeinden Listen an, die in den Kommunen selbst sowie in Bezirksbehörden, im Innenministerium und bei Arbeitgebern und Gewerkschaften auflagen<ref>vergleiche Publikation "Entnazifizierung im regionalen Vergleich"</ref>. In Saalfelden wurde eine solche Meldestelle für ehemalige Nationalsozialisten im Frühsommer 1946 eingerichtet.  
Die Alliierten übertrugen zu Beginn des Jahres [[1946]] die Durchführung der Entnazifizierung auf die österreichische Bundesregierung – als Grundlage dafür diente das bereits erwähnte Verbotsgesetz. Nun waren ehemalige Nationalsozialisten verpflichtet, sich selbstverantwortlich zu registrieren. Auf Basis dieser Maßnahme legten die Gemeinden Listen an, die in den Kommunen selbst sowie in Bezirksbehörden, im Innenministerium und bei Arbeitgebern und Gewerkschaften auflagen<ref>vergleiche Publikation "Entnazifizierung im regionalen Vergleich"</ref>. In Saalfelden wurde eine solche Meldestelle für ehemalige Nationalsozialisten im Frühsommer 1946 eingerichtet.  


Die Umsetzung dieser Verordnung erwies sich jedoch als schwierig, da einige Nationalsozialisten versuchten, gezielte Falschangaben bzgl. des Eintrittes in die NSDAP zu machen. Dies geschah vor allem deshalb, da das Verbotsgesetz "besonderen Wert" auf die Erfassung der "Illegalen” legte (Personen, die bereits vor 1938 Mitglieder der NSDAP gewesen waren, Anm.). Nach der Erfassung der Nationalsozialisten bei der eingerichteten Meldestelle gab es für die Saalfeldener Bevölkerung die Möglichkeit der Begutachtung, wie aus einer offiziellen Verlautbarung der Marktgemeinde hervorgeht.
Die Umsetzung dieser Verordnung erwies sich jedoch als schwierig, da einige Nationalsozialisten versuchten, gezielte Falschangaben bzgl. des Eintrittes in die NSDAP zu machen. Dies geschah vor allem deshalb, da das Verbotsgesetz "besonderen Wert" auf die Erfassung der "Illegalen" legte (Personen, die bereits vor 1938 Mitglieder der NSDAP gewesen waren, Anm.). Nach der Erfassung der Nationalsozialisten bei der eingerichteten Meldestelle gab es für die Saalfeldener Bevölkerung die Möglichkeit der Begutachtung, wie aus einer offiziellen Verlautbarung der Marktgemeinde hervorgeht.


Die Entnazifizierung wurde mit der Einführung der Meldestelle nach bürokratischen, formalen Kriterien durchgeführt. Dies erwies sich jedoch insofern als problematisch, da aufgrund der bürokratischen Ausrichtung der Verfahren oft die notwendigen Individualbehandlungen zu kurz kamen. "Dadurch konnte es einerseits nicht zu jener politischen, kulturellen und ideologischen Umerziehung der Gesellschaft gelangen, die notwendig gewesen wäre."<ref>vergleiche [http://www.ooegeschichte.at www.ooegeschichte.at]</ref> Andererseits befanden sich dadurch Saalfeldens Kommunalpolitiker in einem "moralischen Dilemma": Vor allem Bürgermeister Rohrmoser  musste in seiner Funktion als "erste Anlaufstelle" Probleme, Beschwerden und Interventionen der registrierten Gemeindebürger behandeln.  
Die Entnazifizierung wurde mit der Einführung der Meldestelle nach bürokratischen, formalen Kriterien durchgeführt. Dies erwies sich jedoch insofern als problematisch, da aufgrund der bürokratischen Ausrichtung der Verfahren oft die notwendigen Individualbehandlungen zu kurz kamen. "Dadurch konnte es einerseits nicht zu jener politischen, kulturellen und ideologischen Umerziehung der Gesellschaft gelangen, die notwendig gewesen wäre."<ref>vergleiche [http://www.ooegeschichte.at www.ooegeschichte.at]</ref> Andererseits befanden sich dadurch Saalfeldens Kommunalpolitiker in einem "moralischen Dilemma": Vor allem Bürgermeister Rohrmoser  musste in seiner Funktion als "erste Anlaufstelle" Probleme, Beschwerden und Interventionen der registrierten Gemeindebürger behandeln.