Kobler-Spängler-Briefe von 1882: Unterschied zwischen den Versionen
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Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]]. | Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]]. | ||
Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen | Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen "Fanny“ [[Franziska Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, "Fanni“ Franziska Schlegel (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz Xaver Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny“ und Enkelkind "Fanni“.<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich [O. H.] zu Großmutter "Fanny“ [Kobler] und Enkelin "Fanni“ [Schlegel-Spängler].</ref> | ||
== 1882 == | == 1882 == | ||
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==== Brief ohne Datum, 1882, von Otto Spängler an Franz Spängler ==== | ==== Brief ohne Datum, 1882, von Otto Spängler an Franz Spängler ==== | ||
Brief von [Nr. 18 a] [[Otto Spängler]] (* 1841; † 1919), grauer Umschlag an: | Brief von [Nr. 18 a] [[Otto Spängler]] (* 1841; † 1919), grauer Umschlag an: "Wolgeboren Herrn kk Bezirksrichter Dr Franz Spängler [Nr. 18] ([[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]), Pottentein, St.Pölten-Leobersdorf, Niederösterreich.“ Mit Bleistift "Tod der Mutter“ [Nr. 37 Maria Anthonia Lürzer von Zehendthal, * 1803; † 1882; verh. mit Nr. 36 Franz Xaver Gregor Spängler, * 1793; † 1852; verstorben am 15. März 1882<ref>"Nr. 37" usw. bezieht sich auf die Kekulé-Sosa-Nummerierung in der Aufstellung des Stammbaums bei 'Geneanet oholzapfel' ([https://de.geneanet.org/profil/oholzapfel de.geneanet.org]).</ref>] ohne Datum:<br /> | ||
''Lieber Franz! Leider kann ich dir über das Befinden der Mutter noch nichts beßers schreiben; das Fieber scheint zwar etwas beßer geworden zu sein,doch ist die Schwäche immer sehr groß. – Ich wollte schon gestern durchaus um eine Wärterin umschauen, allein sie will absolut keine; sie bedarf allerdings sehr wenig Pflege, weil sie sehr ruhig ist; allein ich fürchte nur, dß die Arme bei allem beßten Willen nicht beschloßen genug ist, und sich, wenn der Mutter in der Nacht irgend etwas zustoßen würde, sich nicht zu helfen weiß. Mir ist recht bang um die gute Mutter; ich fürchte, sie macht sich nicht mehr ganz heraus. Ihre Unwolseins haben sich in lezteren Jahren zu oft wiederholt. – Wenn ich die Mutter noch schlechter finden sollte, als sie dermalen ist, so würde ich dir telegrafiren, damit du kommst. – Sie selbst scheint allerdings von einer bedeutenden Erkrankung gar nichts zu fühlen oder zu ahnen denn sie spricht über ihr Kranksein gar nichts; ich war eben wieder eine Stunde bei ihr unten; sie sprach in manchen Augenbliken ganz zusammenhängend von anderen Dingen; meist aber von ihrem Unwolsein. Gott gebe eine baldige beßerung! Wie immer dein treuer Otto. – Montag Nachmittag.'' | ''Lieber Franz! Leider kann ich dir über das Befinden der Mutter noch nichts beßers schreiben; das Fieber scheint zwar etwas beßer geworden zu sein,doch ist die Schwäche immer sehr groß. – Ich wollte schon gestern durchaus um eine Wärterin umschauen, allein sie will absolut keine; sie bedarf allerdings sehr wenig Pflege, weil sie sehr ruhig ist; allein ich fürchte nur, dß die Arme bei allem beßten Willen nicht beschloßen genug ist, und sich, wenn der Mutter in der Nacht irgend etwas zustoßen würde, sich nicht zu helfen weiß. Mir ist recht bang um die gute Mutter; ich fürchte, sie macht sich nicht mehr ganz heraus. Ihre Unwolseins haben sich in lezteren Jahren zu oft wiederholt. – Wenn ich die Mutter noch schlechter finden sollte, als sie dermalen ist, so würde ich dir telegrafiren, damit du kommst. – Sie selbst scheint allerdings von einer bedeutenden Erkrankung gar nichts zu fühlen oder zu ahnen denn sie spricht über ihr Kranksein gar nichts; ich war eben wieder eine Stunde bei ihr unten; sie sprach in manchen Augenbliken ganz zusammenhängend von anderen Dingen; meist aber von ihrem Unwolsein. Gott gebe eine baldige beßerung! Wie immer dein treuer Otto. – Montag Nachmittag.'' | ||
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==== Verschiedene Korrespondenzen ==== | ==== Verschiedene Korrespondenzen ==== | ||
leerer Umschlag, zugeklebt, ungebraucht: Frau Antonia Spängler, Salzburg, Mozartplaz N 4 – Mehrere Visitenkarten | leerer Umschlag, zugeklebt, ungebraucht: Frau Antonia Spängler, Salzburg, Mozartplaz N 4 – Mehrere Visitenkarten "Antonie Spängler, geb. v. Lürzer“ | ||
Telegramm an Bezirksrichter Spängler, Pottenstein bei Wien, von Salzburg, 14. März 1882: Mutter sehr schwach komm wenn möglich bald. Otto - - dito, Fani Spängler... Pottenstein, 15. März 10 Uhr 45 von Salzburg: Gesund angekommen Mutter sehr schwach Hoffnungslos. Franz - - dito, Fani Spängler... Pottenstein, 15. März 1 Uhr 35 N-Mittag: Mutter um 11 ¼ Vormittag ganz ruhig Entschlummert Brief folgt. Franz | Telegramm an Bezirksrichter Spängler, Pottenstein bei Wien, von Salzburg, 14. März 1882: Mutter sehr schwach komm wenn möglich bald. Otto - - dito, Fani Spängler... Pottenstein, 15. März 10 Uhr 45 von Salzburg: Gesund angekommen Mutter sehr schwach Hoffnungslos. Franz - - dito, Fani Spängler... Pottenstein, 15. März 1 Uhr 35 N-Mittag: Mutter um 11 ¼ Vormittag ganz ruhig Entschlummert Brief folgt. Franz | ||
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==== Brief vom 15. März 1882 von Fanni Spängler an Franz Spängler ==== | ==== Brief vom 15. März 1882 von Fanni Spängler an Franz Spängler ==== | ||
15. März [1882] Fanni Spängler, Pottenstein, ohne Umschlag an Franz Spängler, Salzburg:<br /> | 15. März [1882] Fanni Spängler, Pottenstein, ohne Umschlag an Franz Spängler, Salzburg:<br /> | ||
''2 Uhr Nachm. - Mein lieber Franz! Kurz nach 12 Uhr Mittags ist das [erste] Telegramm an mich gelangt, ich danke dir herzlich dafür. Ich hatte mit Spannung auf eine Nachricht gewartet, ach, es ist leider eine schmerzliche gewesen. Ich weiß nicht, was ich dir schreiben soll, es ist mir sehr schwer, daß ich jezt nicht bei dir sein kann, wo du so Trauriges erleben mußt. Morgen hoffe ich einige Zeilen von dir. Gott möge dir Kraft und Trost senden in diesen bangen Stunden, meine Gedanken sind unabläßig bei dir. Wenn unsere gute, gute Mutter meiner oder der Kinder gedenkt, so sage ihr, daß Franzi und Toni ihr ein Bußerl schicken und mit mir für sie beten. Von mir sage ihr noch tausend Dank für all die Liebe und Güte, die sie mir stets bewiesen hat, und küße sie in meinem Namen. Wie oft habe ich heute Nacht an dich gedacht, mich quälte die Befürchtung, du könntest schon zu spät gekommen sein, und ich danke Gott daß dem nicht so ist. Du guter, lieber Mann, sei versichert, daß ich, wenn auch entfernt von dir, getreulich diese Stunden mit dir durchlebe. Noch bitte ich dir, mich sofort telegrafisch zu verständigen, wenn das Gefürchtete, Traurige wirklich eintreten sollte. Das Telegramm soll mich vollständig gefaßt finden, sei deshalb ohne Sorge um mich, ich bin ganz wol.'' [Sie ist etwa im 7 Monat schwanger mit Johanna, | ''2 Uhr Nachm. - Mein lieber Franz! Kurz nach 12 Uhr Mittags ist das [erste] Telegramm an mich gelangt, ich danke dir herzlich dafür. Ich hatte mit Spannung auf eine Nachricht gewartet, ach, es ist leider eine schmerzliche gewesen. Ich weiß nicht, was ich dir schreiben soll, es ist mir sehr schwer, daß ich jezt nicht bei dir sein kann, wo du so Trauriges erleben mußt. Morgen hoffe ich einige Zeilen von dir. Gott möge dir Kraft und Trost senden in diesen bangen Stunden, meine Gedanken sind unabläßig bei dir. Wenn unsere gute, gute Mutter meiner oder der Kinder gedenkt, so sage ihr, daß Franzi und Toni ihr ein Bußerl schicken und mit mir für sie beten. Von mir sage ihr noch tausend Dank für all die Liebe und Güte, die sie mir stets bewiesen hat, und küße sie in meinem Namen. Wie oft habe ich heute Nacht an dich gedacht, mich quälte die Befürchtung, du könntest schon zu spät gekommen sein, und ich danke Gott daß dem nicht so ist. Du guter, lieber Mann, sei versichert, daß ich, wenn auch entfernt von dir, getreulich diese Stunden mit dir durchlebe. Noch bitte ich dir, mich sofort telegrafisch zu verständigen, wenn das Gefürchtete, Traurige wirklich eintreten sollte. Das Telegramm soll mich vollständig gefaßt finden, sei deshalb ohne Sorge um mich, ich bin ganz wol.'' [Sie ist etwa im 7 Monat schwanger mit Johanna, "Hansimutti“, geboren am 16. Mai 1882.] | ||
''– Deinen Auftrag konnte ich gestern nicht mehr bestellen, da Herr von Hoffinger nicht mehr in der Kanzlei war, heute übergab ich ihm Stempel und Notizen schon um 8 ½ Uhr früh. Nach Tisch holte Herr von Hoffinger den Sessionsschlüßel, weil er Sparkassebücheln in die Kasse legen will. Abend wird er den Schlüßel wieder mir bringen. Er jammert, daß er schrecklich viel zu thun hat. – 2 ½ Uhr. Du lieber, lieber Guter! Eben habe ich dir Trauernachricht erhalten, obwol gefaßt darauf, habe ich doch mit Zittern das Telegramm geöffnet So haben wir denn die beste, liebevollste Mutter verloren. Gott tröste dich, mein liebster Franz, ich kann es nicht, ich kann nur mit dir weinen. Sage auch Otto und seiner Familie mein Beileid, sie werden noch viel mehr unsere arme, unvergeßliche Mutter vermißen, da sie ja stets bei ihr waren. Ein, wenn auch trauriger Trost ist es mir, daß ich annehmen zu können glaube, daß die lezte Krankheit der lieben Hingegangenen ohne Schmerz für sie war. Mit unserer guten, unvergeßlichen Mutter ist wol ein selten reiches, lauteres Frauengemüth der Erde entrückt, und nicht allzuviele Frauen können so auf eine wolangewendete Lebenszeit zurückblicken, wie es unserer Mutter vergönnt war. Kaum je ist mir der Glaube an ein Leben im Jenseits tröstlicher und schöner erschienen, als in dieser Stunde, wo ich mit dir diesen schmerzlichen Verlust beklage. Lebe nun wol, Franzi und Toni senden dir viele Bußerl. - Den Anfang des Briefes hätte ich dir nicht geschickt, wenn nicht die paar geschäftlichen Notizen schon voran geschrieben gewesen. – Sei innig umarmt von deiner mit dir trauernden Fanni.'' | ''– Deinen Auftrag konnte ich gestern nicht mehr bestellen, da Herr von Hoffinger nicht mehr in der Kanzlei war, heute übergab ich ihm Stempel und Notizen schon um 8 ½ Uhr früh. Nach Tisch holte Herr von Hoffinger den Sessionsschlüßel, weil er Sparkassebücheln in die Kasse legen will. Abend wird er den Schlüßel wieder mir bringen. Er jammert, daß er schrecklich viel zu thun hat. – 2 ½ Uhr. Du lieber, lieber Guter! Eben habe ich dir Trauernachricht erhalten, obwol gefaßt darauf, habe ich doch mit Zittern das Telegramm geöffnet So haben wir denn die beste, liebevollste Mutter verloren. Gott tröste dich, mein liebster Franz, ich kann es nicht, ich kann nur mit dir weinen. Sage auch Otto und seiner Familie mein Beileid, sie werden noch viel mehr unsere arme, unvergeßliche Mutter vermißen, da sie ja stets bei ihr waren. Ein, wenn auch trauriger Trost ist es mir, daß ich annehmen zu können glaube, daß die lezte Krankheit der lieben Hingegangenen ohne Schmerz für sie war. Mit unserer guten, unvergeßlichen Mutter ist wol ein selten reiches, lauteres Frauengemüth der Erde entrückt, und nicht allzuviele Frauen können so auf eine wolangewendete Lebenszeit zurückblicken, wie es unserer Mutter vergönnt war. Kaum je ist mir der Glaube an ein Leben im Jenseits tröstlicher und schöner erschienen, als in dieser Stunde, wo ich mit dir diesen schmerzlichen Verlust beklage. Lebe nun wol, Franzi und Toni senden dir viele Bußerl. - Den Anfang des Briefes hätte ich dir nicht geschickt, wenn nicht die paar geschäftlichen Notizen schon voran geschrieben gewesen. – Sei innig umarmt von deiner mit dir trauernden Fanni.'' | ||
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'' – Was mir sehr zur Beruhigung dient, ist dß wir es durch die Zuvorkommenheit des Pater Prior von St.Peter erreicht haben, dß sie noch in der Familiengruft beigesezt werden kann. So ist ihr Wunsch, an derselben Stätte zu ruhen, wie der selige Vater, erfüllt, u. wir können doch, wenn wir hier sind, viel leichter ihr Grab besuchen, als wenn es draußen auf dem neuen Friedhofe wäre. Deine Großmutter sowie die Familie Schlegel habe ich heute Nachmittags besucht u. ihnen deine und der Kinder Grüße entrichtet. Deine Großmutter sieht sehr gut aus, u. ist recht frisch, nur ihr Gehör scheint mir eher abgenommen zu haben. Bei Schlegel befinden sie sich den Umständen angemessen; die Stimmung ist noch immer eine gedrückte, u. das heutige Ereigniß hat dieselbe natürlich nicht gebeßert. Auch beim Erzbischof war, der dich, ebenso wie Großmutter, Familie Schlegel, Otto, Louise u. deren Familie, dann Mamma Duregger, Emma, Siegl etc. bestens grüßen läßt; allseits gibt sich die herzlichste Theilname, sowie die allgemeine Achtung u. Beliebheit, die die Mutter genoß, kund. – Das Begräbnis wird am Freitag 17/3 um 4 Uhr Nachm. stattfinden, der Seelengottesdienst am Samstag um 9 Uhr früh, in St. Peter stattfinden. Ich werde voraussichtlich am Sonntag Abends von hier abreisen u daher am Montag entweder früh oder Mittags 1 ¼ Uhr wieder in Pottenstein eintreffen. Nun lebn wohl u. sei mit den Kindern herzlichst gegrüßt und gekßt von deinem Franz. – Morgen folgt jedenfalls wieder Nachricht'' | '' – Was mir sehr zur Beruhigung dient, ist dß wir es durch die Zuvorkommenheit des Pater Prior von St.Peter erreicht haben, dß sie noch in der Familiengruft beigesezt werden kann. So ist ihr Wunsch, an derselben Stätte zu ruhen, wie der selige Vater, erfüllt, u. wir können doch, wenn wir hier sind, viel leichter ihr Grab besuchen, als wenn es draußen auf dem neuen Friedhofe wäre. Deine Großmutter sowie die Familie Schlegel habe ich heute Nachmittags besucht u. ihnen deine und der Kinder Grüße entrichtet. Deine Großmutter sieht sehr gut aus, u. ist recht frisch, nur ihr Gehör scheint mir eher abgenommen zu haben. Bei Schlegel befinden sie sich den Umständen angemessen; die Stimmung ist noch immer eine gedrückte, u. das heutige Ereigniß hat dieselbe natürlich nicht gebeßert. Auch beim Erzbischof war, der dich, ebenso wie Großmutter, Familie Schlegel, Otto, Louise u. deren Familie, dann Mamma Duregger, Emma, Siegl etc. bestens grüßen läßt; allseits gibt sich die herzlichste Theilname, sowie die allgemeine Achtung u. Beliebheit, die die Mutter genoß, kund. – Das Begräbnis wird am Freitag 17/3 um 4 Uhr Nachm. stattfinden, der Seelengottesdienst am Samstag um 9 Uhr früh, in St. Peter stattfinden. Ich werde voraussichtlich am Sonntag Abends von hier abreisen u daher am Montag entweder früh oder Mittags 1 ¼ Uhr wieder in Pottenstein eintreffen. Nun lebn wohl u. sei mit den Kindern herzlichst gegrüßt und gekßt von deinem Franz. – Morgen folgt jedenfalls wieder Nachricht'' | ||
[bei den Briefen von (Nr.37) Maria [[Antonia Spängler]], geb. Lürzer von Zehendthal (* 1803; † 1882)]: 15. März 1882: Partezettel für Antonia Spängler, geb. Lürzer, mit Foto. | [bei den Briefen von (Nr.37) Maria [[Antonia Spängler]], geb. Lürzer von Zehendthal (* 1803; † 1882)]: 15. März 1882: Partezettel für Antonia Spängler, geb. Lürzer, mit Foto. "Sie war geliebt von Gott und Menschen; ihr Andenken ist im Segen. Sanft war ihr Leben, war ihr Tod.“ | ||
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==== Brief vom 16. März 1882 von Fanni Spängler an Franz Spängler ==== | ==== Brief vom 16. März 1882 von Fanni Spängler an Franz Spängler ==== | ||
16. März [1882] ohne Umschlag, Pottenstein, Fanni Spängler an Franz Spängler, Salzburg:<br /> ''Mein lieber Franz! Ich danke dir herzlich für deine lieben Zeilen und den Mittheilungen über die lezten Augenblicke unserer guten, unvergeßlichen Mutter. Wie lieb ich sie gehabt habe, brauche ich dir nicht erst zu sagen; es wird mir selbst zur Beruhigung und Befriedigung dienen, daß, so lange ich die liebe Hingeschiedene | 16. März [1882] ohne Umschlag, Pottenstein, Fanni Spängler an Franz Spängler, Salzburg:<br /> ''Mein lieber Franz! Ich danke dir herzlich für deine lieben Zeilen und den Mittheilungen über die lezten Augenblicke unserer guten, unvergeßlichen Mutter. Wie lieb ich sie gehabt habe, brauche ich dir nicht erst zu sagen; es wird mir selbst zur Beruhigung und Befriedigung dienen, daß, so lange ich die liebe Hingeschiedene "Mutter“ nennen durfte, kein noch so leiser Mißton sich zwischen uns bemerkbar machte, was aber ganz gewiß nicht mein Verdienst, sondern nur ein Beweis war, wie gütig und liebenswürdig die Verewigte war. Daß die Auflösung so schmerzlos und ruhig war, ist gewiß auch ein Trost in dem Leide um unsere liebe Mutter. Man kann bei ihr wirklich sagen, sie starb wie sie lebte, die verkörperte Ruhe und Friedensliebe. Gestern Abends war ich im Pfarrhof, der Herr Dechant spricht dir sein aufrichtiges Beileid aus ebenso Frl: Fanni. Morgen um 7 Uhr früh wird der Herr Dechant seine erste hl: Messe lesen, und zwar seinen eigenen Worten nach, mit der guten Manung für deine verstorbene Mutter "der Frau, welche uns einen so braven Bezirksrichter erzogen hat“. Die schlichten Worte des würdigen Mannes sind auch ein ehernes Denkmal für die liebe Mutter. Ich werde selbstverständlich der hl: Messe beiwohnen. – Auf Herrn Hoffinger, der mir gestern Abends deinen Sessionsschlüßel wieder einhändigte, bat mich, dir sein Beileid auszusprechen.'' | ||
'' – Daß ich mich sehr freue dich wieder hier begrüßen zu können, brauche ich dich wol nicht zu versichern. Auch die Kinder freuen sich schon auf dich und schiken dir viele Bußerl. Grüße alle unsere Lieben von mir und sage allen, dir mir ihre Teilname senden, besten Dank. – Sei nicht böse, wenn ich dich zum Schluße noch mit einigen Commißionen behellige, ich denke Rosa'' [Fannis jüngere Halbschwester] ''wird mir gerne Alles besorgen ich laße sie bitten. I. Vom Hackenbuchner 1 Centimetermaß, II. ein Paar schwarze Glacé-Handschuhe mit 2 Knöpfen N: 6 ¾, ferner 8 Meter Baumwollstoff von der Qualität des beiliegenden Musters, aber mit möglichst viel Schwarz, so wie mein jeziger Hausrok ist, das Meter kostet bei Grömling zwischen 30 u 4o K. Dann möchte ich noch 2 ½ Meter hübschen schwarzen Lüster 70 bis 80 K. für Franzi zu einem schwarzen Kleidchen und schließlich 3 Meter schwarzen Creton mit möglichst wenig auffallender weißer Zeichnung zu einer Hausjacke für mich. Sei nur nicht böse, aber ich finde es einfacher, von Salzburg diese Gegenstände von dir bringen zu laßen als erst wieder nach Wien zu schreiben. – Indem ich dich tausendmal grüße bleibe ich deine treue Alte. – Für Franzi ein ähnliches Umhängetuch wie Toni hat. Handkuß von Anna u Kathi.'' | '' – Daß ich mich sehr freue dich wieder hier begrüßen zu können, brauche ich dich wol nicht zu versichern. Auch die Kinder freuen sich schon auf dich und schiken dir viele Bußerl. Grüße alle unsere Lieben von mir und sage allen, dir mir ihre Teilname senden, besten Dank. – Sei nicht böse, wenn ich dich zum Schluße noch mit einigen Commißionen behellige, ich denke Rosa'' [Fannis jüngere Halbschwester] ''wird mir gerne Alles besorgen ich laße sie bitten. I. Vom Hackenbuchner 1 Centimetermaß, II. ein Paar schwarze Glacé-Handschuhe mit 2 Knöpfen N: 6 ¾, ferner 8 Meter Baumwollstoff von der Qualität des beiliegenden Musters, aber mit möglichst viel Schwarz, so wie mein jeziger Hausrok ist, das Meter kostet bei Grömling zwischen 30 u 4o K. Dann möchte ich noch 2 ½ Meter hübschen schwarzen Lüster 70 bis 80 K. für Franzi zu einem schwarzen Kleidchen und schließlich 3 Meter schwarzen Creton mit möglichst wenig auffallender weißer Zeichnung zu einer Hausjacke für mich. Sei nur nicht böse, aber ich finde es einfacher, von Salzburg diese Gegenstände von dir bringen zu laßen als erst wieder nach Wien zu schreiben. – Indem ich dich tausendmal grüße bleibe ich deine treue Alte. – Für Franzi ein ähnliches Umhängetuch wie Toni hat. Handkuß von Anna u Kathi.'' | ||
Bunter Gebetszettel | Bunter Gebetszettel "Heiligtes Herz/ Süßes Herz...“, "Von Herrn Dechant Philipp Mahler in Pottenstein 6 Sept. 1881“. | ||
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==== Brief vom 17. März 1882 von Franz Spängler an Fanni Spängler ==== | ==== Brief vom 17. März 1882 von Franz Spängler an Fanni Spängler ==== | ||
17. März [1882] Franz Spängler, Salzburg, an Fanni Spängler:<br /> ''½ 3 Uhr Nachm. – Innigstgeliebte Fanni! Soeben haben Otto und ich mit blutendem Herzen u. thränendem Auge Abschied genommen von unserer geliebten Mutter, und hernach gedankt für alle ihre Liebe u Güte, ihr auch gedankt in deinem u. der Kinder Namen, u. den lezten Kuß auf ihre Stirne u. ihre Hand gedrükt; in etwas mehr als einer Stunde werden wir sie hinabsenken in die Gruft an die Stelle, wo auch ihr unvergeßlicher | 17. März [1882] Franz Spängler, Salzburg, an Fanni Spängler:<br /> ''½ 3 Uhr Nachm. – Innigstgeliebte Fanni! Soeben haben Otto und ich mit blutendem Herzen u. thränendem Auge Abschied genommen von unserer geliebten Mutter, und hernach gedankt für alle ihre Liebe u Güte, ihr auch gedankt in deinem u. der Kinder Namen, u. den lezten Kuß auf ihre Stirne u. ihre Hand gedrükt; in etwas mehr als einer Stunde werden wir sie hinabsenken in die Gruft an die Stelle, wo auch ihr unvergeßlicher "Xaver“ unser guter Vater ruht. Sei ihnen beiden die Erde leicht, uns wird ihr Andenken unser Leben lang theuer und unvergeßlich sein, ihr Beispiel u. ihre Lehren sollen auch für uns der Leitstern sein. Am Sarge der Mutter haben Otto u. ich uns die Versicherung unwandelbarer brüderlicher Liebe erneuert, u. treues Zusammenhalten uns gelobt. – Der Segen der Mutter den sie so oft vom Himmel auf uns und unsere Familien herabgefleht wird hoffentlich über uns bleiben, wenn sie auch leider in den lezten Stunden ihn auch nicht mehr geben konnte. Und dich liebste Fanni bitte ich in dieser ernsten Stunde, bleibe mir was du mir bisher warst, meine treue innigstgeliebte Lebensgefährtin, meine beste Freundin, und die liebende sorgsame Mutter meiner Kinder; in dieser Stunde bitte ich auch dich, wie ich die Mutter noch für alles womit ich sie je gekränkt um Verziehung gebeten habe, daß du mir alles verzeihen wollest, was ich dir gegenüber je durch Unfreundlichkeit und Heftigkeit gefehlt habe. – Ich habe jezt vor allem den Wunsch u. die Bitte zum Himmel, dß er dich u. die Kinder mir gesund und wol erhalte, u. dß die Kinder brav werden.'' | ||
'' – Abds ½ 6 Uhr – Vor kurzem sind wir von dem schweren Gange zurückgekommen, den wir hinter dem Sarge der guten Mutter gemacht. Du wirst in dieser Stunde unserer u. ihrer gedacht u. gewiß manche Thränen vergoßen haben. – Unmittelbar vor dem Begräbniße, als schon bei Carl Sp.[ängler] im großen Zimmer die Trauergäste sich versammelten erhielt ich deinen lieben Brief, für den ich dir bestens danke. Auch bitte ich dich den Herrn Dechant einstweilen meinen Dank auszusprechen, bis ich es in der nächsten Woche selbst thun kann. – Die Comissionen werde ich schon besorgen, beziehungsweise durch die Schwestern besorgen lassen, u. die Sachen mitbringen. – Die Betheiligung an dem Begräbniße war eine sehr zahlreiche, auch Kränze waren der Mutter von allen Seiten gewidmet worden; überhaupt wurde u. wird uns von allen Seiten die herzlichste Theilname; sogar einer der Prinzen des Großherzogs war gestern in der Sparkasse, um Otto das Beileid auszusprechen. – Aber all die Beweise von Liebe u Verehrung für die gute Mutter geben uns dieselbe nicht wieder! Bei dem Begräbniße war ich gefaßter als ich nach dem lezten Abschied am Sarge mir zugetraut hatte. Ich werde womöglich heute noch ihr Grab besuchen. Auch wegen eines Grabsteines wird sofort Anstalt getroffen, u. zwar kommt an die Wand neben der Familiengruft an der auch, wenn du dich erinnerst die Gedenktafel für Paul Hofheimer ist; selbstverständlich wird die Gedenktafel für beide Eltern errichtet'' [so ist es heute noch] ''. Lebe nun recht wohl, u. bleibe gesund; am Montag hoffe ich Euch alle wieder zu sehen. Es grüßt u küßt dich herzlichst dein treuer Franz – Otto u Louise grüßen Euch, u. danken für deine Theilname; sie sind beide von der größten Freundlichkeit u. Liebenswürdigkeit. – Bald hätte ich vergeßen, dir zu schreiben, dß in der Nacht von gestern auf heute Louise plözlich die sog. Rötheln bekommen hat so dß sie im Bette liegen muß, u. daher auch an dem Leichenbegräbniße nicht theilnemen konnte; übrigens ist [sie] von dem Ausschlage abgesehen ganz wohl; die Mädchen lassen die Franzi u. Toni bestens grüßen u haben mir auch Bilder für sie gegeben – Also nochmals Lebewohl dein Franz'' | '' – Abds ½ 6 Uhr – Vor kurzem sind wir von dem schweren Gange zurückgekommen, den wir hinter dem Sarge der guten Mutter gemacht. Du wirst in dieser Stunde unserer u. ihrer gedacht u. gewiß manche Thränen vergoßen haben. – Unmittelbar vor dem Begräbniße, als schon bei Carl Sp.[ängler] im großen Zimmer die Trauergäste sich versammelten erhielt ich deinen lieben Brief, für den ich dir bestens danke. Auch bitte ich dich den Herrn Dechant einstweilen meinen Dank auszusprechen, bis ich es in der nächsten Woche selbst thun kann. – Die Comissionen werde ich schon besorgen, beziehungsweise durch die Schwestern besorgen lassen, u. die Sachen mitbringen. – Die Betheiligung an dem Begräbniße war eine sehr zahlreiche, auch Kränze waren der Mutter von allen Seiten gewidmet worden; überhaupt wurde u. wird uns von allen Seiten die herzlichste Theilname; sogar einer der Prinzen des Großherzogs war gestern in der Sparkasse, um Otto das Beileid auszusprechen. – Aber all die Beweise von Liebe u Verehrung für die gute Mutter geben uns dieselbe nicht wieder! Bei dem Begräbniße war ich gefaßter als ich nach dem lezten Abschied am Sarge mir zugetraut hatte. Ich werde womöglich heute noch ihr Grab besuchen. Auch wegen eines Grabsteines wird sofort Anstalt getroffen, u. zwar kommt an die Wand neben der Familiengruft an der auch, wenn du dich erinnerst die Gedenktafel für Paul Hofheimer ist; selbstverständlich wird die Gedenktafel für beide Eltern errichtet'' [so ist es heute noch] ''. Lebe nun recht wohl, u. bleibe gesund; am Montag hoffe ich Euch alle wieder zu sehen. Es grüßt u küßt dich herzlichst dein treuer Franz – Otto u Louise grüßen Euch, u. danken für deine Theilname; sie sind beide von der größten Freundlichkeit u. Liebenswürdigkeit. – Bald hätte ich vergeßen, dir zu schreiben, dß in der Nacht von gestern auf heute Louise plözlich die sog. Rötheln bekommen hat so dß sie im Bette liegen muß, u. daher auch an dem Leichenbegräbniße nicht theilnemen konnte; übrigens ist [sie] von dem Ausschlage abgesehen ganz wohl; die Mädchen lassen die Franzi u. Toni bestens grüßen u haben mir auch Bilder für sie gegeben – Also nochmals Lebewohl dein Franz'' | ||
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==== Brief vom 10. April 1882 von Otto Spängler an Franz Spängler ==== | ==== Brief vom 10. April 1882 von Otto Spängler an Franz Spängler ==== | ||
[10. April 1882] ohne Umschlag und Datum | [10. April 1882] ohne Umschlag und Datum "Dr. [[Otto Spängler]]. Salzburg.“ an Franz Spängler:<br /> ''Lieber Franz! Zu deinem Geburtstage'' [10. April] ''u. Eueren Hochzeitstage bringe ich dir für mich u. die meinen unsere herzlichen Glückwünsche dar. – Die gute Mutter, deren fromme Wünsche an diesem Tage dir leider fehlen, wird ihren Segen vom Himmel senden, und so möge dieser Doppelfesttag Euch recht oft und glücklich wiederkehren. – Meine Karte u. dein lezter Brief haben sich gekreuzt; ich besorge heute noch den Stein. Mit dem baren Gelde bin ich bereits fertig; ich bestreite einstweilen natürlich alles; wenn die zum Verkauf bestimmten Sachen werden verkauft sein, dann mache ich mir wieder alles gut. Betreffend diese Auslagen bitte ich auf das entschiedenste um eines nämlich, dß wenn einzelne Dinge davon auch nur dich allein angehen, wir sie miteinander tragen. Entgegne mir nichts darauf, ich bitte dich recht schön! – Was nun die zwischen uns geteilten Papiere betrifft, so stellt sich deren Wert folgender Maßen: Rumänierobligation 400 RM al pari – 236 fl [Gulden] – Xr [Kreuzer]/ 1860er Loos – 132 / 368 fl – Xr – Dem entgegen 2 Pfandbriefe al pari – 200 fl/ eine Perlmosser Actie 90 / 290 fl. – Also hast du mir die Hälfte der Differenz p. 78 f., id est 39 f. zu vergüten welchen betrag ich nach deiner Genehmhaltung dir in deiner Rechnung zu Last schreiben und mir aus den Julicoupons seinerzeit gutmachen werde. Oblige Cursdaten habe ich den Curszetteln bei Carl'' [Spängler; Bank] ''entnommen. Die Zinsen habe ich der Einfachheit der Rechnung halber weggelaßen. – Im anruhenden Zettel'' [als Einzelblatt beigelegt, folgt] ''habe ich versucht, deinem Wunsch wegen der Andenken nach Möglichkeit zu entsprechen. Auf Vollständigkeit macht das Verzeichniß keinen Anspruch. Im nächsten Briefe bitte ich dich, mir die Adresse der Frau von Martens bekannt zu geben'' [mit Bleistift:] '', ebenso wie die der Frau von Sattler – Mit Kuß u Gruß an Euch Alle dein Otto. – Charsamstag Abends.'' | ||
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==== Brief vom 17. April 1882 von Therese von Lürzer an Franz Spängler ==== | ==== Brief vom 17. April 1882 von Therese von Lürzer an Franz Spängler ==== | ||
ein Briefbogen; vgl. den Brief vom 1. Dezember 1881 mit weiteren Hinweisen.<br /> | ein Briefbogen; vgl. den Brief vom 1. Dezember 1881 mit weiteren Hinweisen.<br /> | ||
''Hall den 17 April 1882[.] Mein Theurer Lieber Franz[.] Schon lange wohlte [!] ich dir lieber Franz schreiben, alein meine rechte Hand hat so gezitert das es mir unmöglich war, so gerne ich dir gedankt hätte für deinen Brief, er enthielt zwar eine sehr schmerzliche Nachricht von den hinscheiden meiner lieben lieben Schwester<ref>[[Antonia Lürzer von Zechenthal]], Toni, * 1803; † 15. März 1882 in Salzburg, Mutter von [[Franz Xaver Gregor Spängler]]</ref>, auf welche ich mich schon so jnnigst gefreut habe, einige Wochen so recht gemütlich zusamen zu leben, in diesen Fall kann / nur die Religion u die Zeit trösten u der Gedanken daß Sie in Ihrer waren Haimat [!] ist, im Himmel, u Sie nicht mehr zurück möchte. Traurig ist ist'' [zweites | ''Hall den 17 April 1882[.] Mein Theurer Lieber Franz[.] Schon lange wohlte [!] ich dir lieber Franz schreiben, alein meine rechte Hand hat so gezitert das es mir unmöglich war, so gerne ich dir gedankt hätte für deinen Brief, er enthielt zwar eine sehr schmerzliche Nachricht von den hinscheiden meiner lieben lieben Schwester<ref>[[Antonia Lürzer von Zechenthal]], Toni, * 1803; † 15. März 1882 in Salzburg, Mutter von [[Franz Xaver Gregor Spängler]]</ref>, auf welche ich mich schon so jnnigst gefreut habe, einige Wochen so recht gemütlich zusamen zu leben, in diesen Fall kann / nur die Religion u die Zeit trösten u der Gedanken daß Sie in Ihrer waren Haimat [!] ist, im Himmel, u Sie nicht mehr zurück möchte. Traurig ist ist'' [zweites "ist“ gestrichen] ''es nur für die zurück gebliebenen, ich glaube gerne lieber Franz, das dir unendlich leid ist um die liebe gute Mutter sie war so ganz Liebe u Sorgfalt in jeder Hinsicht. Für mich war es schon auch sehr hart, am 2 ten März den Bruder / Leopold<ref>Leopold Lürzer von Zechental (* 14. Oktober 1805 in Hallein; † 2. März 1882 vielleicht in Lustenau, Vorarlberg, wo er "Kommerzialzollamtsaufseher“ war.)</ref>, u am 15 März meine liebe unvergesliche Schwester Toni'' [Verb fehlt], ''es [ist] mir oft so traurig zu muht [!] das ich jetzt so allein da stehe, keine liebende Schwester u keinen Bruder zu haben. Denke lieber Franz am 9 Marz hat die Toni mir noch einen 4 Seiten langen lieben Brief geschrieben u keine silbe noch vom krank sein, u am 15 ist Sie schon gestorben. Wie lieber Franz geht es deiner lieben Frau u Kinderle, seyd Ihr möglichst wohl, wie es eben diese traurigen Umstände erlauben, bei mir ist es auch so,'' [wie; Kleks] ''bei so alten Personen wie ich bin, nehmlich 81 Jahr / da hat immer etwas zu bekämpfen u geht halt schwer, weil man schwach ist, jenun in Gottes Namen alles zu seiner Ehre. Sei so gut u lasse mich wieder ein mal etwas von Euch meine lieben hören, wie es Euch allen geht, meine Hand zitert schon wieder gewaltig. Grüße deine liebe Frau und und Kinderle herzlich von mir[.] Euch allen den Schutz Gottes Empfehlend verbleibe ich Deine dich liebende Tante Theres v Lürzer'' | ||
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'' - Heute Abends werde ich mich [mit] Tomanntys [?] zusammen sein; wo, weiß ich noch nicht; ich hole sie verabredeter Massen um 3/4 8 Abends ab/ Zu Mittag u zum Frühstück gehe ich zum Hirschen. Abends bin ich bald dort, bald da. - Wie geht es den Verwandten, insbes. bei Otto u dessen Familie, dann bei Schlegel. Maria ist wie ich aus deiner mir heute zugekommen[en] Karte erfahre, bereits in Salzburg angekommen. - Hast du in Angelegenheiten der Familie Lanser nichts näheres erfahren? ich erhielt am Tage deiner Abreise eine Karte von ihm. - Ich muß dir noch berichten, dß ich in dem Eilzuge, welcher bald nach Eurer Abreise St Pölten passirte, auch Frau von Biraphi [?] gesehen zu haben glaube dß [da] war der Zug schon im Fahren, u so konnte ich sie nur noch eiligst grüßen, sie bemerkte u erwiderte meinen Gruß. Frage sie doch, wenn du sie siehst, ob sie es wirklich war. - Ist Julius in Salzburg? Grüße mir ihn u seine Familie bestens wenn du Jemand siehst. Das gleiche Angermayer, Carl u Rudolf Spängler. - Nun lebe recht wohl, denke oft meiner, wie auch ich deiner in aufrichtiger Liebe oft gedenke. - Küße die Kinder von mir, u. sage ihnen dß sie ja gewiß brav seien, u. sorge auch dafür, dß sie ihr Morgen- und Abendgebet ordentlich beten. - Mit herzlichsten Grüßen an Euch alen insbes. auch die Großmutter dein treuer Franz - Warst du schon am Grabe der Mutter? Wirst du nicht se[l]ber wieder ein Kranz auf dasselbe geben?'' | '' - Heute Abends werde ich mich [mit] Tomanntys [?] zusammen sein; wo, weiß ich noch nicht; ich hole sie verabredeter Massen um 3/4 8 Abends ab/ Zu Mittag u zum Frühstück gehe ich zum Hirschen. Abends bin ich bald dort, bald da. - Wie geht es den Verwandten, insbes. bei Otto u dessen Familie, dann bei Schlegel. Maria ist wie ich aus deiner mir heute zugekommen[en] Karte erfahre, bereits in Salzburg angekommen. - Hast du in Angelegenheiten der Familie Lanser nichts näheres erfahren? ich erhielt am Tage deiner Abreise eine Karte von ihm. - Ich muß dir noch berichten, dß ich in dem Eilzuge, welcher bald nach Eurer Abreise St Pölten passirte, auch Frau von Biraphi [?] gesehen zu haben glaube dß [da] war der Zug schon im Fahren, u so konnte ich sie nur noch eiligst grüßen, sie bemerkte u erwiderte meinen Gruß. Frage sie doch, wenn du sie siehst, ob sie es wirklich war. - Ist Julius in Salzburg? Grüße mir ihn u seine Familie bestens wenn du Jemand siehst. Das gleiche Angermayer, Carl u Rudolf Spängler. - Nun lebe recht wohl, denke oft meiner, wie auch ich deiner in aufrichtiger Liebe oft gedenke. - Küße die Kinder von mir, u. sage ihnen dß sie ja gewiß brav seien, u. sorge auch dafür, dß sie ihr Morgen- und Abendgebet ordentlich beten. - Mit herzlichsten Grüßen an Euch alen insbes. auch die Großmutter dein treuer Franz - Warst du schon am Grabe der Mutter? Wirst du nicht se[l]ber wieder ein Kranz auf dasselbe geben?'' | ||
[[Franz II. Xaver Gregor Spängler]], seit 1880 Bezirksrichter in Pottenstein (und dann ab 1887 am Kreisgericht in Krems) an seine Frau Fanni. Viele Wörter zusammengeschrieben [hier mit Abstand] bzw. abgekürzt, manchmal scheint der letzte Buchstabe im Wort ein Komma zu sein. - | [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]], seit 1880 Bezirksrichter in Pottenstein (und dann ab 1887 am Kreisgericht in Krems) an seine Frau Fanni. Viele Wörter zusammengeschrieben [hier mit Abstand] bzw. abgekürzt, manchmal scheint der letzte Buchstabe im Wort ein Komma zu sein. - "Otto u dessen Familie“: Bruder Otto Spängler; "Schlegel“: Familie der Frau; "Maria“: vielleicht Angermayer (siehe unten); "Angermayer“: Maria Josepha Spängler (* 1832; † 1896), verh. mit Vinc. Angermayer (* 1815; † 1886), zuletzt Landesgerichtsrat in Wien; "Carl“: Carl Spängler (* 1825; † 1902), verh. mit Leopoldine Duregger ("Bank-Linie“ in Salzburg; sie wohnen im Haus am Mozartplatz Nr. 4); "Rudolf Spängler“ (* 1830; † 1895), verh. Marie Weinwurm, Vizebürgermeister und Vizehandelskammerpräsident in Salzburg). Carl, Rudolf, Maria und Julius (und weitere) sind Cousins und Cousinen von Franz Spängler. – "Mayer“ (?): vgl. Partezettel für Theresia Mayer (* 1806; † 1878). - "Lanser“: vgl. Partezettel für Carl von Lanser (* 1805; † 1869 in Salzburg); Brief von Anna Lanser [noch ungelesen; ohne Datum]. | ||
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[gleicher Brief:] ''Pottenstein 8/8 1882/ Gestern Abds [abends] war ich im Gesang-Verein, u. theile auch mit Tomannty [?] u Hindezs [?] zusammen bei Friedrich. Heute gehe ich Abds in den Pfarrhof u morgen (Samstag) bin ich bei Barme Pittel [?] geladen. Du siehst, dß ich meir die Abende so gut als es in meiner Einsamkeit möglich ist, vertreibe. - Was mein Kommen nach Salzburg betrifft, so habe ich dir vor allem zu berichten, dß gestern im Gesang-Verein beschloßen wurde das für August beabsichtigte Concert nicht abzuhalten/ Ich habe daher in dieser Hinsicht gar keine Rücksichten zu nemen, u. werde daher entweder Donnerstag 21. od Freitag den 22. von hier abreisen, wahrscheinlich mit Benutzung des Schnellzuges od noch über Nacht. Das bestimmte werde ich dir schon rechtzeitig mittheilen. Hoffentlich bleibt mir ein ähnl Abenteuer, wie das Eure war, erspart - Heute habe ich das Gesuch wegen Tonis Schuleintritt geschrieben. Was machen die Kinder? Arbeiten Franzi u Toni doch mitunter etwas?, u lernt auch Franz mitunter. Ich habe bisher vergeblich auf einen Brief von ihr gewartet. Treibe sie nur dazu an! Ich werde ihr dann schon antworten - 8/8 1882 Nachm./ Eben erhielt ich deinen lieben Brief mit Franzi’s Zeilen. Ich danke ihr einstweilen; doch sage ihr, dß sie einige Schreibfehler gemacht hat; mein Versprechen ihr direkt zu schreiben, werde ich nächstens erfüllen. - B[e]ide bitte ich von mir bestens zu grüßen. Es freut mich für dich, dß Ihr heuer wieder zusammen getroffen [hier fehlt etwas?]. Wie befindet sich Mama Plachetka? - Ich muß für heute schließen, damit der Brief noch weggeht. Lebe recht wohl u. denke fleißig deines treuen Franz'' | [gleicher Brief:] ''Pottenstein 8/8 1882/ Gestern Abds [abends] war ich im Gesang-Verein, u. theile auch mit Tomannty [?] u Hindezs [?] zusammen bei Friedrich. Heute gehe ich Abds in den Pfarrhof u morgen (Samstag) bin ich bei Barme Pittel [?] geladen. Du siehst, dß ich meir die Abende so gut als es in meiner Einsamkeit möglich ist, vertreibe. - Was mein Kommen nach Salzburg betrifft, so habe ich dir vor allem zu berichten, dß gestern im Gesang-Verein beschloßen wurde das für August beabsichtigte Concert nicht abzuhalten/ Ich habe daher in dieser Hinsicht gar keine Rücksichten zu nemen, u. werde daher entweder Donnerstag 21. od Freitag den 22. von hier abreisen, wahrscheinlich mit Benutzung des Schnellzuges od noch über Nacht. Das bestimmte werde ich dir schon rechtzeitig mittheilen. Hoffentlich bleibt mir ein ähnl Abenteuer, wie das Eure war, erspart - Heute habe ich das Gesuch wegen Tonis Schuleintritt geschrieben. Was machen die Kinder? Arbeiten Franzi u Toni doch mitunter etwas?, u lernt auch Franz mitunter. Ich habe bisher vergeblich auf einen Brief von ihr gewartet. Treibe sie nur dazu an! Ich werde ihr dann schon antworten - 8/8 1882 Nachm./ Eben erhielt ich deinen lieben Brief mit Franzi’s Zeilen. Ich danke ihr einstweilen; doch sage ihr, dß sie einige Schreibfehler gemacht hat; mein Versprechen ihr direkt zu schreiben, werde ich nächstens erfüllen. - B[e]ide bitte ich von mir bestens zu grüßen. Es freut mich für dich, dß Ihr heuer wieder zusammen getroffen [hier fehlt etwas?]. Wie befindet sich Mama Plachetka? - Ich muß für heute schließen, damit der Brief noch weggeht. Lebe recht wohl u. denke fleißig deines treuen Franz'' | ||
"Mama Plachetka“: von der Familie Plachetka ist in den Briefen und im Tagebuch des Franz Spängler von 1860/61 öfters die Rede; die Schwester der Marie Plachetka, Lida [verh. Guttenberg], ist auch eine gute Freundin von Fanni Schlegel, verh. Spängler. | |||
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==== Briefe | ==== Briefe "1882“ [und andere, bes. 1872 und 1878] ==== | ||
[nicht endgültig gelesen, deshalb rot verschnürt; Briefe nur flüchtig gesichtet im März 2011] Briefe von Nr. 18 Franz Spängler an Nr. 19 Fanni Spängler: | [nicht endgültig gelesen, deshalb rot verschnürt; Briefe nur flüchtig gesichtet im März 2011] Briefe von Nr. 18 Franz Spängler an Nr. 19 Fanni Spängler: "Meine liebe Fanny... Dein treuer Mann Franz“ und ähnlich aus Wien 7. 1. 1872. – aus Mödling 15. 1. 1872. – aus Wien 29. 7. 1872. – aus Wien 15. 7. ohne Jahr. – aus Pottenstein 15. 8. 1884. – vier Briefe ohne Datum. – Briefe von Nr. 19 Fanni Spängler an Nr. 18 Franz Spängler: "Mein Herzensfranzl / liebster Mann... behalt lieb deine Gattin / deine treue Alte“ und ähnlich aus Salzburg [ebenfalls alle folgende Briefe] 17. 7. 1878. – 20. 7. 1878. – 27. 7. 1878. – 30. 7. 1878. – 14. 8. 1882 und gleiches Datum beigelegt an "Tante Ho“. – 18. 8. 1882. – 21. 8. 1882. – 26. 8. 1882. | ||
==== Brief vom 19. August 1882 von Franz Spängler an Fanni Spängler ==== | ==== Brief vom 19. August 1882 von Franz Spängler an Fanni Spängler ==== | ||
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==== Brief vom 2. Oktober 1882 [1883 ?] von Fanny Kobler an Fanni Spängler ==== | ==== Brief vom 2. Oktober 1882 [1883 ?] von Fanny Kobler an Fanni Spängler ==== | ||
[[Fanny Kobler]]: Briefbogen Seidenpapier, Salzburg 2. 10. 1882 [1883], von | [[Fanny Kobler]]: Briefbogen Seidenpapier, Salzburg 2. 10. 1882 [1883], von "Urgroßmutter Fanni“ an "Fani“ (Spängler): XXX Mir Gott lob geht es ja zimlich gut. XXX Wan wirst du entbinden XXX Wochenbett XXX grüße Mann und Kinder [schwer zu lesen, da durchscheinend] – ein Sohn Franz Spängler ist 20. 10. 1883 (?) geboren. | ||
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