KZ-Nebenlager im Pinzgau: Unterschied zwischen den Versionen

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KZ-Nebenlager im Pinzgau
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Es gab mehrere '''KZ-Nebenlager im Pinzgau'''.
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Konzentrationsstammlager wie Dachau und Mauthausen führten im NS-Reichsgebiet zahlreiche Nebenlager. Im Salzburger Pinzgau, dem damaligen Landkreis Zell am See, existierten ein Nebenlager von Mauthausen und zwei von Dachau. Gründung und Auflösung dieser drei Nebenlager sind nicht genau eruierbar. Die Existenz dieser Nebenlager wird weitgehend verdrängt.
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==Allgemeines==
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Konzentrationsstammlager wie Dachau und Mauthausen führten im NS-Reichsgebiet zahlreiche Nebenlager. Im [[Pinzgau]], dem damaligen Landkreis [[Zell am See]], existierten ein Nebenlager von Mauthausen und zwei von Dachau. Gründung und Auflösung dieser drei Nebenlager sind nicht genau eruierbar. Die Existenz dieser Nebenlager wird weitgehend verdrängt.
  
KZ-Nebenlager Schloss Mittersill
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==KZ-Nebenlager Schloss Mittersill==
  
Im 1938 arisierten Schloss Mittersill wurde unter der Patronanz der SS das Sven-Hedin-Forschungszentrum für Innerasienforschung errichtet. Für Reinigungs- und für allgemeine Arbeiten wurden 15 weibliche Häftlinge aus dem KZ-Mauthausen eingesetzt. Die Unterbringung der Häftlinge soll vergleichsweise human gewesen sein.
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Im 1938 arisierten [[Schloss Mittersill]] wurde unter der Patronanz der SS das Sven-Hedin-Forschungszentrum für Innerasienforschung errichtet. Für Reinigungs- und für allgemeine Arbeiten wurden 15 weibliche Häftlinge aus dem KZ-Mauthausen eingesetzt. Die Unterbringung der Häftlinge soll vergleichsweise human gewesen sein.
  
KZ-Nebenlager Schloss Fischhorn in Bruck an der Glocknerstraße
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==KZ-Nebenlager Schloss Fischhorn in Bruck an der Großglocknerstraße==
  
Im Dachauer KZ-Nebenlager im damals beschlagnahmten Schloss Fischhorn waren zeitweise bis zu 150 Häftlinge eingesetzt. Auch wurden junge Frauen aus Bruck zur Haus- und Gartenarbeit zwangsverpflichtet. Es befanden sich zu dieser Zeit diverse Parteiorganisationen im Schloss und insbesondere die Waffen-SS mit dem SS-Remonteamt (Aufgabe: Ergänzung des militärischen Pferdebestandes durch Jungpferde). Über die Bedingungen für die Häftlinge im Nebenlager Fischhorn existieren keine näheren schriftlichen Angaben. Die im Schloss residierenden Parteiorganisationen waren direkt oder indirekt auch an Übergriffen auf kirchliches Eigentum beteiligt. Zumindest fand sich zu Kriegsende ein Bild aus der dem Hl. Jakob geweihten Kapelle bei der Burg Kaprun, die in der NS-Zeit mehrfach überfallen, teilweise zerstört und geplündert worden war, in Fischhorn.
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Im Dachauer KZ-Nebenlager im damals beschlagnahmten [[Schloss Fischhorn]] waren zeitweise bis zu 150 Häftlinge eingesetzt. Auch wurden junge Frauen aus [[Bruck an der Großglocknerstraße]] zur Haus- und Gartenarbeit zwangsverpflichtet. Es befanden sich zu dieser Zeit diverse Parteiorganisationen im Schloss und insbesondere die Waffen-SS mit dem SS-Remonteamt (Aufgabe: Ergänzung des militärischen Pferdebestandes durch Jungpferde). Über die Bedingungen für die Häftlinge im Nebenlager Fischhorn existieren keine näheren schriftlichen Angaben. Die im Schloss residierenden Parteiorganisationen waren direkt oder indirekt auch an Übergriffen auf kirchliches Eigentum beteiligt. Zumindest fand sich zu Kriegsende ein Bild aus der dem Hl. Jakob geweihten Kapelle bei der Burg Kaprun, die in der NS-Zeit mehrfach überfallen, teilweise zerstört und geplündert worden war, in Fischhorn.
  
KZ-Nebenlager Uttendorf-Weißssee
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==KZ-Nebenlager Uttendorf-Weißsee==
  
Während des Kraftwerkbaues in der NS-Zeit kamen am Weißsee zumindest zwischen dem 26.8.1944 (erste Erwähnung) und dem 03.12.1944 (Schließung des Lagers) zahlreiche KZ-Häftlinge zum Einsatz. Das im Besitz der Deutschen Reichsbahn befindliche Lager Uttendorf-Weißsee war ein eigenständiges Nebenlager des Stammlagers Dachau. Die durchschnittliche Belagszahl wird mit 450 Mann angegeben. Die Häftlinge verfügten auf dieser Hochgebirgsbaustelle mit meterhohen Schneelagen nur über die „dünne Kluft“ wie in Dachau (Peter Fritz). Die meisten hatten - ebenfalls laut Peter Fritz, ehemaliger Dachauer KZ-Häftling, eingesetzt im Nebenlager Uttendorf-Weißsee -  „sog. Fluchtpunkte aus rotem Stoff an besonders prägnanten Körperstellen – etwa Brust und Rücken – aufgenäht. Zielscheiben auch für die schlechteren Schützen unter den SS-Schergen.“ Die Lebensbedingungen waren entsprechend und es ist von einer unbekannten Anzahl von Opfern, bedingt durch unzureichende Ernährung, Kleidung, Unterbringung, Unfälle und entsprechender Behandlung durch das Wachpersonal auszugehen.  
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Während des Kraftwerkbaues in der NS-Zeit kamen am [[Weißsee]] zumindest zwischen dem 26. August 1944 (erste Erwähnung) und dem 3. Dezember 1944 (Schließung des Lagers) zahlreiche KZ-Häftlinge zum Einsatz. Das im Besitz der Deutschen Reichsbahn befindliche Lager [[Uttendorf]]-Weißsee war ein eigenständiges Nebenlager des Stammlagers Dachau. Die durchschnittliche Belagszahl wird mit 450 Mann angegeben. Die Häftlinge verfügten auf dieser Hochgebirgsbaustelle mit Meter hohen [[Schnee]]lagen nur über die „dünne Kluft“ wie in Dachau (Peter Fritz). Die meisten hatten - ebenfalls laut Peter Fritz, ehemaliger Dachauer KZ-Häftling, eingesetzt im Nebenlager Uttendorf-Weißsee -  „sog. Fluchtpunkte aus rotem Stoff an besonders prägnanten Körperstellen – etwa Brust und Rücken – aufgenäht. Zielscheiben auch für die schlechteren Schützen unter den SS-Schergen.“ Die Lebensbedingungen waren entsprechend und es ist von einer unbekannten Anzahl von Opfern, bedingt durch unzureichende Ernährung, Kleidung, Unterbringung, Unfälle und entsprechender Behandlung durch das Wachpersonal auszugehen.  
  
Quellen:
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==Quellen==
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* Mittersill in Geschichte und Gegenwart, HG. Marktgemeinde Mittersill, 1985
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* Brucker Heimatbuch, Maximilian Effenberger, Hg. Gemeinde Bruck a.d. Glocknerstraße
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* Kaprun einst und jetzt, Grete Nyvelt
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* Pfarrchronik Kaprun
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* Oberpinzgau, von Krimml bis Kaprun, Josef Lahnsteiner, Selbstverlag, Hollersbach 1965
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* Stationen meines Lebens, Heinrich Fritz, Globus Verlag, Wien 1990
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* Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945, Eine Dokumentation, Hg. Dokumentationsarchiv des Österr. Widerstandes. Österr. Bundesverlag, Wien, Universitätsverlag Anton Pustet, Salzburg 1991
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* Pöllinger Briefe 45/95, „Mauthausen und Dachau im Salzburger Pinzgau“, Christina Nöbauer
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* „Arbeiter für den Endsieg – Zwangsarbeit zwischen 1938-1945“,  Slupetzky Nicole, Artikel im Internet
  
Mittersill in Geschichte und Gegenwart, HG. Marktgemeinde Mittersill, 1985
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[[Kategorie:Zweiter Weltkrieg]]
 
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[[Kategorie:Geschichte]]
Brucker Heimatbuch, Maximilian Effenberger, Hg. Gemeinde Bruck a.d. Glocknerstraße
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[[Kategorie:Pinzgau]]
 
 
Kaprun einst und jetzt, Grete Nyvelt
 
 
 
Pfarrchronik Kaprun
 
 
 
Oberpinzgau, von Krimml bis Kaprun, Josef Lahnsteiner, Selbstverlag, Hollersbach 1965
 
 
 
Stationen meines Lebens, Heinrich Fritz, Globus Verlag, Wien 1990
 
 
 
Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945, Eine Dokumentation, Hg. Dokumentationsarchiv des Österr. Widerstandes. Österr. Bundesverlag, Wien, Universitätsverlag Anton Pustet, Salzburg 1991
 
 
 
Pöllinger Briefe 45/95, „Mauthausen und Dachau im Salzburger Pinzgau“, Christina Nöbauer
 
 
 
„Arbeiter für den Endsieg – Zwangsarbeit zwischen 1938-1945“,  Slupetzky Nicole, Artikel im Internet
 

Version vom 27. Dezember 2009, 19:24 Uhr

Es gab mehrere KZ-Nebenlager im Pinzgau.

Allgemeines

Konzentrationsstammlager wie Dachau und Mauthausen führten im NS-Reichsgebiet zahlreiche Nebenlager. Im Pinzgau, dem damaligen Landkreis Zell am See, existierten ein Nebenlager von Mauthausen und zwei von Dachau. Gründung und Auflösung dieser drei Nebenlager sind nicht genau eruierbar. Die Existenz dieser Nebenlager wird weitgehend verdrängt.

KZ-Nebenlager Schloss Mittersill

Im 1938 arisierten Schloss Mittersill wurde unter der Patronanz der SS das Sven-Hedin-Forschungszentrum für Innerasienforschung errichtet. Für Reinigungs- und für allgemeine Arbeiten wurden 15 weibliche Häftlinge aus dem KZ-Mauthausen eingesetzt. Die Unterbringung der Häftlinge soll vergleichsweise human gewesen sein.

KZ-Nebenlager Schloss Fischhorn in Bruck an der Großglocknerstraße

Im Dachauer KZ-Nebenlager im damals beschlagnahmten Schloss Fischhorn waren zeitweise bis zu 150 Häftlinge eingesetzt. Auch wurden junge Frauen aus Bruck an der Großglocknerstraße zur Haus- und Gartenarbeit zwangsverpflichtet. Es befanden sich zu dieser Zeit diverse Parteiorganisationen im Schloss und insbesondere die Waffen-SS mit dem SS-Remonteamt (Aufgabe: Ergänzung des militärischen Pferdebestandes durch Jungpferde). Über die Bedingungen für die Häftlinge im Nebenlager Fischhorn existieren keine näheren schriftlichen Angaben. Die im Schloss residierenden Parteiorganisationen waren direkt oder indirekt auch an Übergriffen auf kirchliches Eigentum beteiligt. Zumindest fand sich zu Kriegsende ein Bild aus der dem Hl. Jakob geweihten Kapelle bei der Burg Kaprun, die in der NS-Zeit mehrfach überfallen, teilweise zerstört und geplündert worden war, in Fischhorn.

KZ-Nebenlager Uttendorf-Weißsee

Während des Kraftwerkbaues in der NS-Zeit kamen am Weißsee zumindest zwischen dem 26. August 1944 (erste Erwähnung) und dem 3. Dezember 1944 (Schließung des Lagers) zahlreiche KZ-Häftlinge zum Einsatz. Das im Besitz der Deutschen Reichsbahn befindliche Lager Uttendorf-Weißsee war ein eigenständiges Nebenlager des Stammlagers Dachau. Die durchschnittliche Belagszahl wird mit 450 Mann angegeben. Die Häftlinge verfügten auf dieser Hochgebirgsbaustelle mit Meter hohen Schneelagen nur über die „dünne Kluft“ wie in Dachau (Peter Fritz). Die meisten hatten - ebenfalls laut Peter Fritz, ehemaliger Dachauer KZ-Häftling, eingesetzt im Nebenlager Uttendorf-Weißsee - „sog. Fluchtpunkte aus rotem Stoff an besonders prägnanten Körperstellen – etwa Brust und Rücken – aufgenäht. Zielscheiben auch für die schlechteren Schützen unter den SS-Schergen.“ Die Lebensbedingungen waren entsprechend und es ist von einer unbekannten Anzahl von Opfern, bedingt durch unzureichende Ernährung, Kleidung, Unterbringung, Unfälle und entsprechender Behandlung durch das Wachpersonal auszugehen.

Quellen

  • Mittersill in Geschichte und Gegenwart, HG. Marktgemeinde Mittersill, 1985
  • Brucker Heimatbuch, Maximilian Effenberger, Hg. Gemeinde Bruck a.d. Glocknerstraße
  • Kaprun einst und jetzt, Grete Nyvelt
  • Pfarrchronik Kaprun
  • Oberpinzgau, von Krimml bis Kaprun, Josef Lahnsteiner, Selbstverlag, Hollersbach 1965
  • Stationen meines Lebens, Heinrich Fritz, Globus Verlag, Wien 1990
  • Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 - 1945, Eine Dokumentation, Hg. Dokumentationsarchiv des Österr. Widerstandes. Österr. Bundesverlag, Wien, Universitätsverlag Anton Pustet, Salzburg 1991
  • Pöllinger Briefe 45/95, „Mauthausen und Dachau im Salzburger Pinzgau“, Christina Nöbauer
  • „Arbeiter für den Endsieg – Zwangsarbeit zwischen 1938-1945“, Slupetzky Nicole, Artikel im Internet